Kap Verden

Als wir in Mindelo ankamen, fragte uns Luc (von Cornell Sailing) wie unsere Überfahrt war. Ich antwortete ihm: „ein Traum! Wir hätten so weiter segeln können in Richtung Barbados!“  Luc daraufhin: „ das wäre sehr schade gewesen, dann hättet ihr die wunderbaren Cap Verden nicht gesehen!“

Gerrit und ich hatten keine großen Erwartungen an die Cap Verden, etwas gemischte Gefühle. Wir wussten, dass es eins der ärmsten Länder der Welt ist. Aber…, Luc hat Recht, es wäre sehr, sehr schade gewesen an den Cap Verden vorbei zu segeln!

Es ist hier eine völlig andere Welt, als das was wir bis dahin gesehen und erlebt haben. Wir fühlen uns stark an Kuba erinnert, auch weil die Musik für die Menschen eine wichtige Rolle einnimmt. Die Menschen, die Kultur und die Sprache sind eine Mischung aus Afrika, Brasilien und Europa. Die Menschen sind sehr freundlich, teilweise reserviert zurückhaltend. Hatten wir im Vorfeld von Kriminalität in Mindelo gelesen, so fühlen wir uns hier nicht unsicherer als in einer deutschen Großstadt.

Es gibt mehrere Kulturzentren in Mindelo, Künstler stellen ihre Malerei oder Skulpturen aus, es gibt Theater und immer wieder Musik und Tanz. Menschen treffen sich abends auf dem Dorfplatz, jemand baut eine Musikanlage auf und es wird getanzt – barfuß auf Betonboden oder im Sand. Die Musik, eine Mischung aus afrikanischen und südamerikanischen Klängen, lädt zum Mittanzen ein und ein junger Mann will uns dazu ermuntern. Wir staunen über die Tänzer, ihre wunderschöne Art sich zu bewegen, voller Anmut und Eleganz, teilweise mit Tango-Elementen. Auf dem Nachhauseweg hören wir Musik und gehen in eine Halle. Dort spielen mehrere junge Leute ein uns fremdes Instrument, es wird gleichzeitig gezupft und geschlagen, das ganze wird von Trommeln begleitet. Später wird uns erklärt, dass es Instrumente aus der Sklavenzeit sind. Der Tanz diente dazu den Körper zu stärken und geschmeidig zu halten um sich für den Kampf gegen die weißen Herrscher zu wappnen. Auch hier wird musiziert und getanzt, ein Tanz mit kämpferischen Elementen. Wir  dürfen  selbstverständlich eintreten und zusehen, man begegnet uns stets mit einem Lächeln.

Dann gibt es auch noch die Samba-Schule in Mindelo. Sie treffen sich Abends zum Proben, ihre Trommeln haben sie selbst gebaut. Geprobt wird in einem Innenhof, auch hier darf jeder zuschauen oder nach Samba-Rhythmen tanzen.

Samba-Schule in Mindel

Aber es gibt auch die bittere Armut in Mindelo. Es gibt Menschen die zerlumpt im Sand liegen oder teilnahmslos da sitzen. Es gibt Straßenkinder und es gibt Drogen und Alkohol, da Rum extrem billig ist.

Wir besuchen ein SOS-Kinderdorf, Jimmy Cornell hat den Kontakt hergestellt und wir haben bereits auf Teneriffa Tüten gepackt mit Heften, Schuhen, Stiften, Handtücher, Bettwäsche usw.  Auch eine gebrauchte Trompete konnte Jimmy erwerben, all das bringen wir ins Dorf und lassen uns ihre Arbeit erklären. Die Mitarbeiter bitten  uns eindringlich den bettelnden Kinder nichts zu geben, damit sie den Weg ins SOS-Kinderdorf suchen und damit sie begreifen dass sie eine Bildung brauchen. Es gibt hauptsächlich junge Menschen auf den Kap Verden, das Durchschnittsalter liegt bei 20 Jahren. Die ältere Generation fehlt, da sie entweder während der langen Dürreperiode Anfang der 80 er Jahre verhungert oder ausgewandert ist, um aus dem Ausland Geld nach Hause schicken zu können

Gemeinsam mit Jan und Sabine unternehmen wir eine Tagestour über die Insel Sao Vicente. Wir fahren mit Tché, unser Guide, und einem Fahrer über staubige Pisten und staunen über die wüstenhafte Landschaft, die gleichzeitig schön und so lebensfeindlich ist.

wir erkunden Sao Vicente über Pisten.

Wo auch immer sich etwas Feuchtigkeit aus den Wolken fangen lässt, wird Mais angebaut. Meist reicht er nur als Viehfutter, da die Pflanzen aufgrund der Trockenheit kein Korn bilden.

Die Einwohner der Cap Verden beeindrucken uns immer wieder mit ihrer warmherzigen Art. Da ist z.B. der Mann auf der Straße, den Gerrit nach dem Weg fragt. Er dreht sich um, gibt Gerrit die Hand, erklärt den Weg und klopft ihm zum Abschied freundschaftlich auf die Schulter. Oder beim Besuch einer kleinen, feinen Landwirtschaft auf Sao Vincente: der Landwirt zeigt uns bereitwillig seine Gemüseanpflanzungen, erzählt uns von seinem Kampf gegen die extreme Trockenheit (es regnet sehr selten auf Sao Vicente, manchmal ein wenig im August!), er erzählt uns, dass sie keinerlei Unterstützung vom Staat bekommen und dass sie bei der Bank keine Kredite bekommen. Wir fragen ihn, ob wir ihm Gemüse abkaufen können. Er bringt uns Salat, Papayas und Datteln, doch Geld will er nicht. Erst als Jan sagt, dass es uns eine Freude wäre, wenn er das Geld nehmen würde, erst dann willigt er ein.

Kleine Landwirtschaft auf Sao Vicente
gutes, einfaches Bewässerungssystem

 

Ein weiteres Erlebnis haben wir auf der Nachbarinsel Santo Antao. Wir ankern vor einem kleinen Dorf, ohne Straßenanbindung, es gibt nur einen Fußpfad. Das Dorf ist nach unseren Maßstäben sehr arm. Morgens schauen wir den Fischern bei der Arbeit zu, sie hantieren mit Netzen und großen Körben. Nach ihrer Arbeit kommt ein Boot auf uns zu und zeigt uns die gefangenen Fische, ungefähr zehn. Der junge   Mann reicht uns einen Fisch, viel zu groß für uns beide. Wir fragen nach dem Preis, aber er versteht nicht was wir wollen. Wir versuchen es auf Französisch, schließlich mit Zeichensprache. Als sie uns verstehen, winken sie ab. Nein, sie möchten kein Geld, sie lächeln und winken uns zum Abschied. Wir sind sprachlos und auch beschämt, dass diese bitterarmen Menschen so selbstverständlich mit uns teilen, da sind wir in Europa leider weit von entfernt!!

die zwei Fischer haben uns gerade einen Fisch geschenkt
Ankern vor Sao Antao

Wir segeln schließlich zur dritten Nordinsel der Cap Verden, nach Sao Nicolau. Nach einer Nacht in der Bucht von Tarrrafal, folgen wir Luc´s Empfehlung und steuern die Bucht Papageio an. Er hatte uns vorgeschwärmt, es wäre eins der schönsten Flecken der Cap Verden. Als wir die eigentlich einsame Bucht ansteuern, staunen wir nicht schlecht: es liegen bereits fünf Yachten aus unserer Gruppe und über Tag kommen noch mehr dazu. Ohne dass wir uns verabredet haben, ankern wir mit dem größten Teil unserer Gruppe und haben diese Bucht für allein. Das Wasser ist kristallklar, es gibt einen wunderschönen Sandstrand und eine einmalige Kulisse. Wir können schnorcheln und in den Wellen schwimmen, was für ein schönes Gefühl!

die wunderschöne Ankerbucht Papagaio auf Sao Nicolau

Eine Antwort auf „Kap Verden“

  1. Hi Ihr Lieben,

    immer super schön von Euch zu lesen!! Viel Spaß weiterhin und liebe Grüße aus Leer!

    P.S. ihr sendet schon seit dem 30.10. kein GPS bzw. AIS Signal mehr…

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