Mastbruch – wir brauchen einen Plan B

Wir versuchen weiterhin das beste aus unserer misslichen Lage zu machen. Unter der Woche ankern wir in Le Marin, in diesem unglaublich großen Ankerfeld, um die Angelegenheiten zu regeln, die geregelt werden müssen. Es kostet sehr viel Zeit all die Firmen zu kontaktieren und Angebote für die Reparaturarbeiten einzuholen.Unzählige Telefonate (Versicherung, Masthersteller, Privilège) müssen mit Europa getätigt werden, das Zeitfenster ist durch die Zeitverschiebung sehr eng, die Tage verfliegen.

In der übrigen Zeit fahren wir lieber hinaus und ankern in der nächsten Bucht bei St.Anne oder St.Luce. Hier ist die Wasserqualität deutlich besser, man kann bedenkenlos schwimmen, was in Le Marin nicht der Fall ist. Angesichts der vielen Yachten, mag man sich nicht ausdenken, wie verschmutzt das Wasser hier sein mag. Schwimmen mag man in dieser Bucht wahrlich nicht!

die Bucht von St.Anne
wunderbare Accras bei Martine
Josiane, bei unserer ersten Begegnung war sie so ernst. Nun lacht sie und freut sich wenn wir da sind 🙂

In St.Anne besuchen wir  gerne Martine und essen ihre wunderbaren Accras oder unternehmen die eine oder andere Wanderung. Ein Segler erzählt mir von der wunderschönen Bucht „Anse Trabaut“ auf der anderen Seite der Insel. Ich bin begeistert von dieser Idee dort hin zu wandern, und überzeuge Gerrit und ebenso Allan und Maria, befreundete Segler. Mein Plan: wir wandern 10 Kilometer entlang der Küste und nehmen dort ein Taxi (natürlich nach einem coolen Drink) und fahren anschließend zurück zu unserer Ankerbucht…! Mein Plan klingt super, also wandern wir bei 30 Grad im Schatten motiviert los. Wir durchstreifen unterschiedliche Landschaften: Wälder, Strände, Salinenfelder, dann entlang der schroffen Atlantikküste bis zur Anse Trabaut. Wunderschön, herrliche Brandung…., doch wo können wir hier ein kühles Bier bestellen und/oder ein Taxi odern??? Hier gibt es weit und breit nichts, außer einer wunderschönen Natur, kein Mobilfunknetz und keine befestigte Straße! Äh…, ich spüre die fragenden Blicke…, ja ich gebe zu, meine Planung weist eine Lücke auf!

Es bleibt uns nichts anderes übrig als zurück zu laufen. Unser Wasservorrat ist mittlerweile aufgebraucht und wir wählen den direkten Weg zurück durch Zuckerrohr- und Melonenfelder und Weiden, sehr schön, doch bei über 30 Grad,  sehr heiß!

Plötzlich taucht wie aus dem Nichts ein Pickup-Geländewagen auf und die drei netten Männer fragen uns ob wir mitfahren möchten, wir dürfen auf die Ladefläche – ein Geschenk des Himmels!! Maria und ich zögern kurz, erwähnen aber dann doch unsere Ehemänner, die weiter vorne laufen. „na, dann nehmen wir die auch noch mit!“ Ach, was gibt es doch für schöne Momente im Leben, die restlichen Kilometer sind schnell bewältigt und das kühle Bier in St.Anne, das schmeckt anschließend besonders gut!

was für ein Glück, wir dürfen auf der Ladefläche des Pickups mitfahren!

Den Ausflug werden wir alle nicht vergessen und Spaß hatten wir trotzdem!!

die wilde Atlantikküste von Martinique

Anse Trabaut. Wunderschön, doch wo kann man hier ein Taxi ordern??!
Rumfässer in der Habitation Clément
der schöne Garten in der Habitation Clément

Unterdessen haben wir die nötigen Reparaturarbeiten mit den Firmen abgesprochen, alles läuft nach Plan. Nur der Hersteller für den Mast vertröstet uns Woche für Woche, wir würden gerne die Bestellung tätigen. Der Hersteller „Mâréchal“ hat uns einen modifizierten Mast versprochen und wir möchten wissen, was sie denn nun für Änderungen vornehmen.Dafür möchten wir eine Bauzeichnung sehen und warten drei Wochen, ohne Erfolg. Außerdem möchten wir einen verbindlichen Liefertermin haben, da wir, laut Versicherung, die Karibik aufgrund des Hurricanrisikos bis Juli verlassen haben müssen. 

Nach mehr als drei Wochen bekommen wir endlich die versprochene Bauzeichnung und staunen nicht schlecht, als wir nach anfänglicher Freude, merken, dass es der alte Mast ist, die Zeichnung ist 10 Jahre alt! Mittlerweile sind wir wütend und drängen auf die versprochene neue Mastzeichnung und auf den verbindlichen Liefertermin. Beides kann oder will uns „Mâréchal“ nicht geben und schreibt uns schließlich dass sie dann nicht an dem Auftrag interessiert sind. Hä…?!  Die Franzosen sagen, die Deutschen sind ihnen zu „viereckig“ in ihrem Denken. Aber die Franzosen sind da definitiv zu unzuverlässig! Okay, wir kommen nicht ins Geschäft und angesichts der nahenden Hurrikansaison, fehlt uns die Zeit hier in der Karibik zu bleiben. Schade! Es gibt hier viele gute Firmen, die die Arbeiten bestimmt hervorragend erledigt hätten und wir hätten unsere Atlantikrunde gerne weiter gesegelt. Dann eben nicht!

Wir nehmen Kontakt mit dem Masthersteller „Selden“ auf, sie sind sehr freundlich und bemüht, welch ein Unterschied! Der Mast wird von „Selden“ neu berechnet, wir erhalten eine Bauzeichnung, insgesamt wirkt alles vertrauenswürdiger als mit „Mâréchal“. Mittlerweile sind wir froh, dass wir mit „Mâréchal“ nicht einig geworden sind. Es sind zu viele Ungereimtheiten beim alten Mast, wir hätten kein Vertrauen den gleichen Mast wieder zu bekommen.

So entscheiden wir uns nun für „Plan B“: 

Hier in Le Marin werden nur die Gelcoat-Arbeiten am Rumpf und die Edelstahlarbeiten gemacht, damit wir uns dann bedenkenlos auf eigenem Kiel weiter bewegen können. Die restlichen Arbeiten werden in Europa erfolgen.

Mojito wird aus dem Wasser gekrant und an Land gesetzt, damit der beschädigte Rumpf durchtrocknen kann.

Diese Zeit nutzen wir für einen zweiwöchigen Aufenthalt in der Heimat und freuen uns unsere Familie und Freunde wieder zu sehen.

Wieder zurück in Martinique staunen wir über die Arbeit von Nico und Manu von der Firma Alize composite, sie haben wahre Wunder vollbracht. Der Rumpf ist repariert, die Schäden am Cockpitdach sind überarbeitet, sie haben sich sehr viel Mühe gegeben genau die gleiche Gelcoatfarbe zu mixen. Wir sind begeistert, Mojito sieht wieder schön aus, von all den Schäden ist nichts mehr zu sehen.

Auch die Inoxarbeiten an der Reeling sind nun fertiggestellt, die erste Hürde ist vollbracht, 10 Wochen nach dem Mastbruch!

Nun bleibt „nur“ noch der Mast und die Segel, doch die wird es, wie bereits erwähnt, nicht in der Karibik geben.

Mojito wird Mitte Mai verschifft und kommt per Yachttransport nach Palma de Mallorca. Dort nehmen wir Mojito in Empfang und fahren (da wir ja nun vorübergehend ein Motorboot sind 😉 )   Richtung Barcelona und werden dort Mast und Segel  erhalten.  So haben sich unsere Reisepläne geändert und wir werden diesen Sommer das Mittelmeer enießen. Wir freuen uns darauf, denn auch dort gibt es spannende Ziele. Aber auch in der Karibik bleiben noch viele Inseln, die wir noch erkunden möchten.

Wir kommen wieder, das ist sicher!

Mojito im Kran

 

und trocken auf dem Werftgelände
der Rumpf wird repariert
wir nutzen die Zeit und polieren die Unterseite
Mojito schwimmt wieder! Der Rumpf ist repariert und glänzt wie neu

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