{"id":1156,"date":"2020-04-01T12:28:12","date_gmt":"2020-04-01T12:28:12","guid":{"rendered":"http:\/\/mojito-cat.com\/?p=1156"},"modified":"2020-04-01T12:32:42","modified_gmt":"2020-04-01T12:32:42","slug":"ausbruchsversuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mojito-cat.com\/?p=1156","title":{"rendered":"Ausbruchsversuch!"},"content":{"rendered":"\n<p>Wir h\u00e4ngen mittlerweile schon 14 Tage in Cadiz fest und die Meldungen werden eher schlechter, als besser. \u201eWir h\u00e4tten es besser wissen m\u00fcssen und nach Portugal durchziehen m\u00fcssen&#8230;\u201c, sagen wir uns immer wieder, wenn wir \u00fcber diesen unfreiwilligen Stillstand in unserem Seglerleben nachdenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind angewiesen worden, unser Boot nicht zu verlassen, nicht einmal den Steg sollten wir betreten, Ausnahme nur um den M\u00fcll zu entsorgen. Die Marina d\u00fcrfen wir nicht verlassen, nur unter Angabe eines triftigen Grundes, wie Einkaufen (nur der n\u00e4chste Supermarkt und dann alleine) oder Apotheke.<\/p>\n\n\n\n<p>In Spanien wird die Lage in den Krankenh\u00e4usern immer dramatischer, es fehlt an allem, das medizinische Personal arbeitet weit \u00fcber die Belastungsgrenzen. Eine deutliche Besserung der Corona-Situation ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, wir sind der Meinung, dass Spanien mit ihrer eigenen Bev\u00f6lkerung mehr als genug zu tun hat. Daher sind sie sicher froh \u00fcber jeden Nicht-Spanier, der das Land verl\u00e4sst, f\u00fcr den sie dann keine Sorge tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns besteht eine gro\u00dfe Gefahr, uns bei den n\u00f6tigen Besorgungen in der Stadt mit dem Corona-Virus zu infizieren. Daher w\u00e4chst bei uns die Einsicht: wir m\u00fcssen hier weg!<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Wasser f\u00fchlen wir uns vor dem Virus absolut sicher, wir haben gen\u00fcgend gebunkert und eingekocht um locker vier Wochen ohne Landgang zu \u00fcberstehen. Das Ausw\u00e4rtige Amt schreibt zu diesem Zeitpunkt sinngem\u00e4\u00df auf seiner Internet-Seite: Yachten d\u00fcrfen in Portugal anlanden um zu tanken und Proviant aufzunehmen, die Crew darf nicht an Land gehen. Transit-Yachten auf dem Heimweg d\u00fcrfen die Portugiesischen Gew\u00e4sser befahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser ernstzunehmender Gegner in unserem Seglerleben ist der Wind. Wir m\u00fcssen ihn genau checken, und wenn erforderlich rechtzeitig Schutz suchen und abwettern. So lange das klappt, ist der Wind unser Freund, der uns voranbringt. Wenn es nicht klappt, wird er schnell zum Feind, der uns in lebensbedrohliche Situationen bringen kann. Wir haben gro\u00dfen Respekt vor der Westk\u00fcste von Portugal und von Frankreich, dort ist die See sehr launisch und rau.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend unserer Vorbereitungszeit f\u00fcr diese Reise, als uns das Wort \u201eCorona\u201c nur in positiven Zusammenh\u00e4ngen, wie Bier, Geschichte oder Kultur bekannt war, hatten wir geplant, w\u00e4hrend des T\u00f6rns h\u00e4ufig in H\u00e4fen Schutz zu suchen und nur bei sicheren Wetterlagen&nbsp;weiterzuziehen. \u201eImmer sutje\u201c wie der Ostfriese sagt. Heute sieht die Welt ganz anders aus, als vor einem Monat, wer h\u00e4tte das f\u00fcr m\u00f6glich gehalten. Also brauchen wir eine Plan\u00e4nderung, da wir uns im Klaren sind, dass wir in Portugal keinen Hafen anlaufen d\u00fcrfen. Wir checken die Buchten an der Westk\u00fcste und die Distanzen und kommen zum Entschluss: es ist nicht perfekt und nicht die bequemste L\u00f6sung, aber es ist machbar und wenn das Wetter es zul\u00e4sst, k\u00f6nnen wir durchaus mehrere Tage und N\u00e4chte durchsegeln und Strecke machen. Sollte das Wetter nicht mitspielen, so gibt es einige passende Buchten zum Abwettern. Unser Ziel: m\u00f6glichst z\u00fcgig nach Deutschland zu kommen. In diesen unklaren Zeiten m\u00f6chten wir unser Schiff nicht irgendwo zur\u00fccklassen und noch weniger m\u00f6chten wir zur Zeit gemeinsam mit vielen anderen Menschen per Flugzeug, Zug oder Bus reisen. Auch hier schreibt das Ausw\u00e4rtige Amt sinngem\u00e4\u00df zu dieser Zeit: wer sich mit eigenen Mitteln auf dem Heimweg begeben kann, sollte dies tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Also schnell noch die W\u00e4sche waschen (das Wasser brauchen wir schon mal nicht selbst zu produzieren, gibt es noch am Steg), ein Brot backen, Abend essen und vor der v\u00f6lligen Dunkelheit legen wir Samstagabend ab und werden durch winken und Schiffshorn von unserer kleinen Hafengemeinschaft verabschiedet.<\/p>\n\n\n\n<p>Es f\u00fchlt sich alles ganz anders an als sonst, wir starten nicht um neue Ziele zu entdecken, nein, wir wollen einfach nur unsere Situation zum Besseren ver\u00e4ndern, denken wir.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer durchsegelten Nacht, laufen wir Sonntagmittag in das gro\u00dfe Lagunengebiet vor Faro und Olhao ein, hier gibt es reichlich Ankerplatz, wir ankerten hier bereits vor drei Jahren. Sollte man uns hier zu einer 14-t\u00e4gigen Quarant\u00e4ne vergattern, w\u00e4re es ertr\u00e4glich. Das Licht ist wundersch\u00f6n, die Insel Culatra zeigt sich in den herrlichsten Farben. Es ankern einzelne Yachten in diesem weitl\u00e4ufigen Gebiet. Vor der Einfahrt zur Lagune wurden wir von einer Delfinschule begleitet und zahlreiche Albatrosse flogen ihre Runden. In solchen Momenten geht einem das Herz auf und die Welt scheint wieder in Ordnung, Corona spielt hier keine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wir kommen nicht zum Ankern, wir werden von der Maritimen Polizei abgefangen und nach unserem Vorhaben befragt. Wir erz\u00e4hlen unser Anliegen und dass wir nur eine Nacht ankern m\u00f6chten und dann in Richtung Deutschland weiterziehen. Wir brauchen nicht an Land und sind auch bereit, wenn erforderlich, eine 14-t\u00e4gige Quarant\u00e4ne hier vor Ort einzuhalten. Die beiden sind sehr nett, tragen aber zu unserer Verwunderung weder Mundschutz noch Handschuhe, nehmen unsere Personalien auf und f\u00fchren mehrere Telefonate. Schlie\u00dflich teilen sie uns mit, dass sie leider nichts f\u00fcr uns erreichen konnten und es ihnen sehr Leid t\u00e4te, aber wir d\u00fcrften hier nicht ankern. Ihre Begr\u00fcndung ist, dass dieses Lagunengebiet ein Hafen ist und daher nun nicht mehr angelaufen werden darf. Sie scheinen selbst ganz ungl\u00fccklich \u00fcber diese Aussage zu sein und sagen, dass sie trotzdem hoffen, dass sie uns n\u00e4chstes Jahr hier wiedersehen. Wie nett! Sie erkl\u00e4ren, dass wir vor der K\u00fcste ankern d\u00fcrfen und in Buchten die keinen Hafenstatus haben. \u00dcberhaupt sollten wir stets die jeweilige Port Authority anfunken und um Erlaubnis fragen, denn das w\u00fcrde jeder unterschiedlich handhaben, da gebe es kein einheitliches Vorgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Okay, damit k\u00f6nnen wir leben. Wir machen uns auf dem Weg weitere 20 sm bis zur, von den Polizisten angewiesenen Ankerbucht vor Albufeira. Wir erreichen die Bucht bei D\u00e4mmerung, sie ist nicht perfekt, da sie wenig Schutz bietet und viel Schwell hat. Aber in diesen Zeiten kann man nicht anspruchsvoll sein. Wir beschlie\u00dfen Mojito mit Hilfe eines Heckankers zu stabilisieren, morgen geht es eh weiter, Hauptsache in Ruhe essen und schlafen, mehr m\u00f6chten wir nicht. Der Strand von Albufeira ist menschenleer, die Hotels sind verwaist, eine komische Stimmung. Volle Str\u00e4nde sind nicht sch\u00f6n, aber in diesen Zeiten w\u00fcnscht man sie tats\u00e4chlich wieder herbei! Die Freude \u00fcber den Ankerplatz ist von kurzer Dauer, es meldet sich die Maritime Police \u00fcber Funk und erkl\u00e4rt, dass wir nicht Ankern d\u00fcrfen. Ich ziehe alle Register und erkl\u00e4re dem Beamten unsere Situation und versichere ihm, dass wir nur ankern, weit ab vom menschenleeren Strand, dass wir morgen fr\u00fch wieder verschwinden und nicht an Land gehen. Ich flehe ihn an, Verst\u00e4ndnis zu haben und einen vern\u00fcnftigen Weg in diesen schlechten Zeiten zu finden. Ich wundere mich \u00fcber mich selbst, dass ich all das auf Englisch \u00fcber Funk geregelt kriege und bin ein wenig Stolz. Der Polizist bittet mich um einen Moment Geduld und meldet sich nach kurzer Zeit, und teilt uns mit, dass das Ankern an der gesamten Portugiesischen K\u00fcste ab sofort verboten sei und das Navigieren ebenfalls, au\u00dferdem seien alle H\u00e4fen gesperrt. Auf meine Frage, wo wir denn dann hin sollen, antwortet er flapsig: \u201ego to Germany\u201c! &nbsp;Haha, kleiner Scherzkeks!<\/p>\n\n\n\n<p>Die portugiesischen Hafenbeh\u00f6rden versagen hier nach unserer Meinung auf ganzer Linie. Sie schotten sich einfach ab, ohne Sachverstand und ohne wohl \u00fcberlegte Strategie. Ein Armutszeugnis f\u00fcr eine alte Seefahrernation! Es gab schon fr\u00fcher Quarant\u00e4nestege in der Seefahrt, warum nicht jetzt? Au\u00dferhalb Europas ist es f\u00fcr uns Europ\u00e4er Pflicht bei Ankunft die gelbe Quarant\u00e4neflagge zu hissen und so lange bis alle Autorit\u00e4ten ihren Stempel erteilt haben, darf niemand von Bord. Warum kann Europa dieses Vorgehen in Krisenzeiten nicht wieder einf\u00fchren und so zumindest die Durchreise erleichtern. In der Karibik sehen zur Zeit viele Segler angstvoll in die Zukunft, sie haben die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder sie verbringen die Hurrican-Saison an Ort und Stelle, wo sie pl\u00f6tzlich und unfreiwillig durch Corona ausgebremst wurden. Dann sind es nicht unbedingt Hurrican-sichere Inseln, also haben sie dort keinen Versicherungsschutz. Oder sie wagen die n\u00f6rdliche Atlantik\u00fcberquerung ohne derzeitige M\u00f6glichkeit in Portugal anzulanden. Das hei\u00dft, eine deutsche Yacht muss sich augenblicklich darauf einstellen nonstop von der Karibik nach Deutschland segeln zu m\u00fcssen. F\u00fcr kleine Crews oder Familien mit Kindern ist dies fast nicht zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn der langen Geschichte der Menschheit hat gesunder Menschenverstand nicht gerade die gr\u00f6\u00dfte Erfolgsbilanz vorzuweisen!\u201c Welch passender Spruch in dieser verworrenen Situation.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir realisieren langsam, dass wir keinen Status mehr haben, dass wir niemanden interessieren und kommen uns vor wie Bootsfl\u00fcchtlinge, die keine Hilfe erwarten d\u00fcrfen. Unsere Europaflagge weht trotzig im Wind, aber das Europa, dass wir kannten und so sehr sch\u00e4tzten, zerf\u00e4llt gerade zu einem Scherbenhaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir beobachten auf AIS eine schwedische Yacht von Madeira kommend und scheinbar nach Nordeuropa wollend. Sie fahren die K\u00fcste ab und werden offensichtlich \u00fcberall abgewiesen, sie wagen schlie\u00dflich den Weg entlang der Westk\u00fcste und ankern sp\u00e4ter vor Lissabon, als einzige Yacht, mal sehen wie lange. Es gibt noch andere, die herumirren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bekommen moralische Unterst\u00fctzung durch andere Yachties, die uns \u00fcber AIS beobachten und entweder anfunken oder per mail kontaktieren. Vielen Dank, daf\u00fcr! Hans und Gaby bem\u00fchen sich aus der Marina von Portimao heraus eine L\u00f6sung f\u00fcr uns zu finden, wie r\u00fchrig. Jens und D\u00f6rte schreiben uns, obwohl sie uns pers\u00f6nlich nicht kennen, von ihrem Ankerplatz in Portimao und bieten uns ihre Hilfe an. Das sind die netten Erlebnisse, die uns aufmuntern und zeigen, dass es auch Menschlichkeit gibt in diesen verr\u00fcckten Zeiten. Gerade Portimao zeigt beispielhaft wie unsinnig diese Sperrungen sind. Dort gibt es einen riesigen gesch\u00fctzten Vorhafen, wo im Sommer zahlreiche Yachten ankern, dieser w\u00fcrde sich nun f\u00fcr weiterziehende Yachten perfekt anbieten. Doch leider bleibt uns die Zufahrt verwehrt, da die Bucht einen Hafenstatus hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst beschlie\u00dfen wir der schwedischen Yacht zu folgen und um das Kap Sagres in Richtung Cascais zu segeln. Doch was erwartet uns dann, fragen wir uns. Werden wir \u00fcberall abgewiesen, k\u00f6nnen wir nirgends Schutz finden vor den angek\u00fcndigten starken Nordwinden. Wir lesen, dass auch Frankreich die Ma\u00dfnahmen versch\u00e4rft hat und ein Ankerverbot, Navigationsverbot und alle H\u00e4fen geschlossen hat. Unsere Situation wird immer verworrener, besonders weil Ma\u00dfnahmen von jetzt auf gleich umgesetzt werden und man dabei mit sofortiger Wirkung einfach durchs Netz f\u00e4llt. Also beschlie\u00dfen wir umzukehren und wieder zur\u00fcck nach Cadiz zu segeln, 240 sm umsonst zur\u00fcckgelegt. Wir sind \u00fcberm\u00fcdet, gefrustet und voller Sorge und Angst wohin das alles gerade f\u00fchrt. Wir haben keine Rechte mehr, nicht einmal die Menschenrechte scheinen noch gewahrt zu werden. Wir k\u00f6nnen nun einen kleinen Bruchteil der Gef\u00fchle nachf\u00fchlen, die die Fl\u00fcchtlinge empfinden. Dieser kleine Bruchteil f\u00fchlt sich schon wie ein Albtraum an.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend wir zur\u00fcckfahren erfahren wir, dass auch Spanien die Ma\u00dfnahmen weiter versch\u00e4rft hat und das ganze Land nun einen Winterschlaf halten soll. Angstvoll fragen wir uns, was passiert wenn die Spanier uns nun auch nicht mehr aufnehmen? Wenn das passiert, dann haben wir ein gro\u00dfes Problem. Dann k\u00f6nnen wir bis nach Deutschland nirgends anlanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans schreibt uns und schl\u00e4gt uns vor den ersten spanischen Hafen Ayamonte anzulaufen. Sie kennen den Hafen, er ist gut und es w\u00e4re nur die H\u00e4lfte der Strecke zur\u00fcck. Gute Idee, danke Hans!<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald wir am Morgen wieder Netz haben, rufen wir den Hafen an und erfahren dass alles geschlossen ist, keine Chance auf Einlass. Also weitere 60 sm Richtung Cadiz, die Angst sitzt uns im Nacken keinen sicheren Platz mehr zu finden. Am sp\u00e4ten Nachmittag erreichen wir spanisches Hoheitsgew\u00e4sser, es wird von einem Schiff der K\u00fcstenwache \u00fcberwacht, wir sp\u00fcren einen Klo\u00df im Hals und zucken bei jedem Knacken im Funkger\u00e4t zusammen. Wir erwarten st\u00e4ndig den Funkspruch: \u201eMojito, Mojito,&nbsp;this is the Spanish Coast Guard\u201c, doch nichts passiert. Also weiter. Kurz vor der Dunkelheit haben wir wieder Netz und rufen die Marina von Cadiz an. Doch auch dort die Antwort: \u201e the marina is closed\u201c Nun ziehe ich alle weiblichen Register,  flehe und bitte, ohne Erfolg. Der Mann spricht zwar kein Englisch, aber er gibt uns den Tip in Puerto Sherry anzufragen, was wir umgehend tun. Auch hier spricht der Marinero kein Englisch, aber irgendwie verst\u00e4ndigen wir uns und als ich das Wort \u201esi\u201c h\u00f6re, kann ich nur noch \u201egracias, gracias, mucho gracias\u201cstammeln, welch ein Gl\u00fcck! Es sind aber noch zwei Stunden Weg, wir sind noch nicht da, blo\u00df nicht zu fr\u00fch freuen, sonst ist die Entt\u00e4uschung umso gr\u00f6\u00dfer. Schon sehen wir von weitem ein Schiff, welches sehr nach Guardia Civil aussieht, oh nein, bitte nicht! Es scheint aber Kurs auf Cadiz zu haben, an uns vorbei. Es ist nur eine kurze Erleichterung, denn schon \u00e4ndert es den Kurs und kommt auf uns zu. Mist! Wir hatten schon extra das AIS ausgestellt um uns unsichtbar zu machen, aber wir wurden trotzdem entdeckt. Sie halten l\u00e4ngsseits Abstand zu uns, funken uns an und wollen wissen woher wir kommen. Ich erz\u00e4hle ihm unsere Odyssee, die englischen Worte sprudeln nur so, wir k\u00f6nnen es nicht fassen, als ersagt: \u201eokay, dann setzt euren Weg fort\u201c, was f\u00fcr eine Freude. Nun kommt uns zugute, dass wir als letzten Hafen Cadiz angeben k\u00f6nnen und damit von Spanien nach Spanien gereist sind, also offiziell kein anderes Land betreten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter fahren wir in die Marina, der Marinero hilft uns beim Anlegen und empf\u00e4ngt uns freundlich. Er kl\u00e4rt uns auf, dass wir nicht an Land d\u00fcrfen. Wollen wir auch nicht, wir sind so froh wieder einen Status zu haben, wir stellen keinerlei Anspr\u00fcche mehr, versprochen!<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr ein Gl\u00fccksgef\u00fchl wieder irgendwo sein zu d\u00fcrfen. Wir sind v\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet, voller Stresshormone und killen an dem Abend zur Feier des Tages eine Flasche Wein und sto\u00dfen auf die Spanier an, die Menschen, die in Krisenzeiten Menschlichkeit zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag besucht uns die Guardia Civil und befragt uns freundlich, kontrolliert die Papiere und kl\u00e4rt uns \u00fcber die Verhaltensregeln auf. Zum Abschied&nbsp;sagen sie \u201ewelcome in Spain\u201c Uns wird ganz warm ums Herz. Kurze Zeit sp\u00e4ter kommt die Policia&nbsp;Local um die Formalit\u00e4ten zu erledigen, wieder sehr freundlich. Sie fragen wie lange wir planen hier zubleiben. \u201e\u00c4h&#8230;, wir bleiben so lange wie es braucht\u201c antwortet Gerrit \u201ewenn alles vorbei ist und wir wieder navigieren d\u00fcrfen,&nbsp;setzen wir die Reise nach Deutschland fort\u201c daraufhin antwortet der Polizist: \u201eAber warum? Wer hat euch gesagt, dass ihr nicht navigieren d\u00fcrft. Wenn ihr nach Deutschland wollt, dann k\u00f6nnt ihr es tun.\u201c Wir wissen nicht ob wir lachen oder weinen sollen. Gerrit erz\u00e4hlt ihnen unsere Geschichte, nachvollziehen k\u00f6nnen sie es nicht, wir auch nicht. Aber unsere Meinung ist nicht gefragt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte Europa diese Krise \u00fcberstehen, dann gibt es einige Hausaufgaben zu erledigen, das Denken und Handeln als geeintes Europa hat in diesem und in anderen Bereichen nicht funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Spanier sind uns daf\u00fcr noch mehr ans Herz gewachsen!<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hei\u00dft es f\u00fcr uns abwarten und hoffen dass sich das Virus abschw\u00e4cht und die L\u00e4nder ihre Ma\u00dfnahmen dann wieder lockern. Oder dass zumindest zeitnah eine Regelung f\u00fcr uns Langfahrtsegler gefunden wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir h\u00e4ngen mittlerweile schon 14 Tage in Cadiz fest und die Meldungen werden eher schlechter, als besser. \u201eWir h\u00e4tten es besser wissen m\u00fcssen und nach Portugal durchziehen m\u00fcssen&#8230;\u201c, sagen wir uns immer wieder, wenn wir \u00fcber diesen unfreiwilligen Stillstand in unserem Seglerleben nachdenken. 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