Die unglaubliche Geschichte von Mojito und Corto

Wie bereits versprochen, folgt hier die unglaubliche Geschichte, die uns und „Mojito“ mit Albert und seinem Katamaran „Corto“ verbindet und die für viel Geprächsstoff und ungläubige Gesichter in Le Marin gesorgt hat:

Die Geschichte beginnt in der Ankerbucht „Grande Anse“ in Martinique, im Januar diesen Jahres:

Nicht weit von uns ankerte „Corto“, auch eine Privilége 445, die gleiche Bauart wie „Mojito“. Da nur es nur acht baugleiche Katamarane Privilége 445 in Eignerversion, also mit drei Kabinen, gibt, war es eine kleine Sensation uns hier zu treffen.

Also machten wir uns mit unserem Dinghy auf den Weg und sprachen den Eigner von „Corto“ an, das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit Albert, ein Franzose mit italienischen Wurzeln.

Im Gespräch stellte sich heraus, das „Corto“ die Baunummer 1  und „Mojito“ die Baunummer 6 ist. Mojito ist ein Jahr jünger.

Albert lebt schon seit mehreren Jahren in der Karibik, er hatte ein Haus auf St.Martin, welches leider durch den Hurrican „Irma“ letztes Jahr zerstört wurde. Er hatte nun den Plan sein Haus wieder aufzubauen und erzählte uns über all die Hurrican-Schäden, die wir auf den nördlicheren Inseln noch zu sehen bekommen würden.

Zu diesem Zeitpunkt war unser Plan, nach St. Martin zu segeln um ein Ersatzteil für unseren Generator abzuholen, den die Firma „Whisper Power“ dort für uns hinterlegt hatte. 

Albert war so nett und fertigte uns eine detaillierte Karte von St. Martin an, mit vielen Tipps, wo wir was finden können und einige Kontaktadressen. Es sollte nicht leicht werden, dort herrscht absolutes Chaos, so Albert.

Albert fing noch ein paar leckere Lionsfische für uns, bevor wir uns einige Tage später voneinander verabschiedeten. Wir wollten erst in den Norden von Martinique und dann nach Guadeloupe, wo wir unseren Sohn Neels erwarteten und zwölf wunderbare Tage zusammen verbrachten. 

Dann kam der 13.Februar!

Neels war wieder abgereist und wir wollten zunächst in Richtung Montserrat segeln und danach St. Martin ansteuern.

Der Wetterbericht meldete Windstärke 5 – 6 Bft., das bedeutet aber auch zwischen den Inseln Böen von 7-8 Bft. Wir bereiteten uns entsprechend vor und beschlossen sicherheitshalber unsere Segel zu reffen (d.h. verkleinern). Wir wählten das zweite Reff für das Großsegel und wir wählten als Vorsegel die kleinere Fock, auch die 30 % gerefft. 

Nördlich von Guadeloupe brach dann, aus damals für uns unerklärlichen Gründen, der Mast. Wir mussten das gesamte Rigg im Meer versenken und kehrten geschockt nach Guadeloupe zurück.

Später schickten wir eine Nachricht an Albert um ihn über unser Unglück zu informieren. Und nun kommt die unglaubliche Geschichte, die eine Gänsehaut verursacht:

Albert rief uns sofort an, ich dachte um uns zu trösten, aber er sagte:“du wirst es nicht glauben, aber mir ist genau das gleiche widerfahren!“

Am 13. Februar um 10 Uhr morgens ist bei beiden Katamaranen gleichzeitig der Mast gebrochen, wir waren aber fast 400 Km voneinander entfernt!

Als Albert uns angerufen hat, befanden wir uns schon auf dem Weg zurück nach Martinique, für uns der nächstgelegene Ort um einen Katamaran reparieren zu können, das gleiche galt auch für Albert, der von St. Lucia kam.

Diese Geschichte sollte doch eigentlich genügend Stoff für eine Mysterie-Serie sein – wir sind für entsprechende Angebote offen, haha!!

Aber wie sagte unser Freund Christoph so treffend: „rein statistisch gesehen, kann es kein Zufall sein“.

Wie recht er hatte! Einige Wochen später erfuhren wir von einer weiteren Privilége aus der Schweiz, ähnlicher Bauart, mit gleichem Mast, die unter ähnlichen Bedingungen einen Mastbruch vor den Kanaren erlitten hatten und nun auf Teneriffa festsaßen. Eigentlich wollten auch sie den Atlantik überqueren, warteten nun aber auf Teneriffa auf den neuen Mast.

Mittlerweile wissen wir von zahlreichen Mastbrüchen, besonders beim Hersteller „Maréchal“, eigentlich ein namhafter französischer Hersteller. „Maréchal“ kennt das Problem will aber keine Verantwortung übernehmen.  „Privilége“ (auch ein namhafter Hersteller), nun aber von „Hanse“ übernommen, kann unsere Empörung nicht verstehen, gibt sich ahnungslos.

Obwohl der Chef der Rigging-Firma in Le Marin in Party-Plauderlaune ganz klar das Problem benennt und auch die Gutachter wissen, dass die Ursache für den Mastbruch bei den fließenden (nicht fixierten) Wanten liegt, werden die Eigner nicht informiert. Ein Autohersteller wäre in so einem Fall verpflichtet zu handeln, warum nicht der Masthersteller?

Diese Wanten nachträglich zu fixieren dürfte keine 1000,- € kosten und würde den Versicherungen viel Geld sparen. Doch „Privilége“ unternimmt nichts – was uns sehr enttäuscht und „Maréchal“ zeigt sich als sehr arrogant ohne jegliches Entgegenkommen. Wir finden diese Haltung kriminell, hätten wir kein Hardtop, wäre der schwere Baum auf Gerrit gefallen. Wenn man den am Hardtop verursachten Schaden sieht, mag ich es mir nicht vorstellen, was dann passiert wäre!

Die arrogante Haltung und den Vertrauensverlust zu „Maréchal“ hat uns dazu bewogen den Hersteller zu wechseln. Die Firma „Sélden“ hat den Mast für „Mojito“ neu berechnet und wir bekommen nun zwei Salinge mit fixierten Wanten. Ein gutes Gefühl!

Wir haben mehrere Wochen gemeinsam mit Albert und „Corto“ in Le Marin geankert und haben für viel Gesprächstoff gesorgt – die beiden Zwillinge ohne Mast! Es hat kein gutes Bild auf „Maréchal“ und „Privilége“ geworfen und viel Verunsicherung bei den übrigen Privilege – Eignern verursacht.

Aber in dieser Zeit hat sich eine wunderbare Freundschaft mit Albert entwickelt. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, in Tiefpunktphasen aufgefangen und wir haben trotz allem sehr viel miteinander gelacht!

  

Mojito mit gebrochenem Mast auf Backbord
der Mast liegt im Wasser und ist noch durch das Rigg mit Mojito verbunden, eine bedrohliche Situation für den Rumpf
„Corto“ mit beschädigtem Rumpf, der Mast hat ein Loch in den Rumpf geschlagen, zum Glück über der Wasserlinie!
die „Zwillinge“ Corto und Mojito in der Bucht von Le Marin, beide ohne Mast

die Erklärung für den Mastbruch: die Wanten sind nicht an den Salingen fixiert
wir haben viele nette Stunden mit  Albert verbracht

Zurück nach Europa, Mittelmeer wir kommen wieder!

Morgens sehen wir den Frachter „Dijksgracht“ in die Bucht von Le Marin einlaufen, Anker werfen und Ballast-Tanks lehren – ein imposanter Anblick. 

Wir sind etwas aufgeregt, heute wird „Mojito“ verladen, wir gehen auch an Bord – viele neue Eindrücke, wir sind gespannt.

Unser Verladetermin steht für 13.00 Uhr fest, vorher werden noch andere Yachten verladen, wir beobachten alles von unserem Ankerplatz.

DIJKSGRACHT

Nun sind wir dran: wir gehen längsseits an „Dijksgracht“ und bekommen Anweisungen, die zugeworfenen Festmacher auf unserer Klampe zu belegen. Dann plötzlich hören wir ein gewaltiges Aufklatschen direkt hinter unserem Schiff und kurz danach taucht ein Gesicht aus dem Wasser und lacht uns fröhlich an: „hello, I´m Jack!“ Jack ist mit einem Sprung wieder aus dem Wasser und steht triefend nass bei uns an Deck. Wir können es nicht fassen, er ist tatsächlich von der „Dijksgracht“ ins Wasser gesprungen, eine gewaltige Höhe! Jack erklärt uns, er sei einer der Lademeister und würde die Gurte unter Wasser kontrollieren, um sicher zu gehen, dass alles am rechten Platz sitzt. Kurze Zeit später wird eine Strickleiter runtergelassen und es kommen vier Arbeiter und ein weiterer Lademeister an Bord, es folgen Zurrgurte und Schützer für die Gurte. Alles wird fachmännisch angebracht, der Kran lässt die Gurte runter, Jack kontrolliert unter Wasser ob alles sitzt, und erst als alle ihr „okay“ geben, bekommt der Kranführer über Funk die Anweisung zu liften. Sobald wir die Deckhöhe erreicht haben, können wir über die Reling steigen und an Bord der „Dijksgracht“ wechseln. Für „Mojito“  geht es noch weiter in die Höhe, um dann schließlich seinen endgültigen Platz an Deck zu bekommen. Die Crew steht schon bereit und „Mojito“ wird mit Hilfe von Böcken und Gurten fest verzurrt, die beiden englischen Lademeister haben dabei das Kommando. Ein großes Schiff soll noch verladen werden, das dauert bis in den Abend, wir erfahren, dass wir erst am nächsten Morgen auslaufen werden. Es ist den Schiffen nicht erlaubt die Bucht von Le Marin bei Dunkelheit zu befahren, es lauern hier zu viele Untiefen.

MOJITO wird verladen

und an Deck verzurrt
unser Freund Albert ist neugierig und kommt um uns ein letztes Mal zu winken

Wir beziehen derweilen unsere Kabine, oben auf dem Offiziersdeck, und sind angenehm überrascht, wir haben eine geräumige Kabine mit Stockbetten. Anschließend sollen wir auf die Brücke und uns beim Kapitän melden, das machen wir doch gerne!

unsere Kabine

Der Kapitän und die meisten Offiziere sind aus Russland, die übrige Crew ist von den Philippinen und der Schiffskoch ist von den Kap Verden.

Der Kapitän empfängt uns freundlich, erledigt mit uns den erforderlichen Papierkram und gibt uns Anweisungen über das Bordleben. Zunächst ist er ein wenig zurückhaltend, das ändert sich schlagartig als er hört, dass wir mit unserem Boot den Atlantik überquert haben! Er kann sich nicht vorstellen, dass man mit einem „Plastikschiff“ so etwas machen kann. „ You are crazy!“, so seine Einschätzung. „Pöh“, denken wir, denn Gerrit konnte sich bislang nicht vorstellen mit einem Eisenschiff den Atlantik zu überqueren, doch das behalten wir lieber für uns, wir möchten doch keine Fronten aufbauen, wir müssen ja schließlich noch 12 Tage miteinander auskommen! 😉

Abends bekommen wir unseren ersten Eindruck von der Bordküche. „Dino“, der Schiffskoch, erwartet uns schon freudig und angesichts der Mengen, die er uns auftischt, scheinen wir ja einen ausgehungerten Eindruck zu machen. Hatte ich gehofft, durch Seekrankheit und/oder schlechter Bordküche, ein paar Pfunde los zu werden, so muss ich feststellen, dass das wohl schwierig wird! Die leckeren Cocktails und Accras in der Karibik haben doch ihre Spuren auf den Hüften hinterlassen!

Wir bekommen die Essenszeiten zugewiesen und sollen gemeinsam mit den Offizieren essen, machen wir, wir mussten schließlich vorher unterschreiben, dass wir der Crew gehorchen müssen!

Auch mussten wir unterschreiben, dass wir keine Waffen mitbringen, keinen Alkohol konsumieren dürfen und keine Drogen nehmen, und nicht angetrunken an Bord gehen dürfen. Oha…!

Als erstes findet Gerrit eine Sektflasche in seinem Schrank, oh Schreck, leider leer! „Sollen wir sie verschwinden lassen? Wir können sie ja auf einer anderen Etage entsorgen!“

Wir beschließen die Flasche einfach nach hinten in den Schrank zu schieben, es wird ja wohl keine Spind-Kontrolle geben, oder??

Blick auf die Bucht von Le Marin vom Bug der Dijksgracht

Die erste Nacht haben wir prima auf der „Dijksgracht“ hinter uns gebracht, wir haben ein reichhaltiges Frühstück genossen und nun geht es los! Die beiden englischen Lademeister haben uns verlassen und fliegen zu ihrem nächsten Einsatz. Eine karibische Lotsin ist an Bord und lotst uns aus der Bucht. Als sie das Schiff verlassen hat, geht es zwischen Martinique und St.Lucia auf den Atlantik, wow!

alle Boote sind geladen, vorne rechts Mojito
wir verlassen die Bucht von Le Marin

Nun wollen wir erst einmal das Schiff inspizieren, so eine Gelegenheit bekommen wir so schnell nicht wieder. Der Kapitän hatte uns gesagt, wir wären immer auf der Brücke willkommen, also los! Was für ein Erlebnis auf der Brücke zu stehen und diesen imposanten Ausblick zu haben. Alle an Bord sind sehr freundlich und beantworten geduldig all unsere Fragen. Es ist für uns sehr interessant mal die „andere Seite“ zu sehen, wie die Frachter uns Segelschiffe wahrnehmen – oder auch nicht! Nun verstehen wir die Frachter besser, sie sehen uns Segelschiffe häufig nicht und, wie uns der Kapitän erzählt, haben die Sportbootfahrer manchmal ein komisches Verhalten. Upps! Doch wohl hoffentlich nur die anderen, wir doch nicht!! Aber seitdem wir wissen, dass es in einigen Ländern keine Führerscheinpflicht für Sportboote gibt, wundert es uns nicht!

Die „Dijksgracht“ ist ein normales Frachtschiff und transportiert dieses Mal für das Tochterunternehmen „Sevenstar“ nur Boote. Vorher hatten sie Gerste geladen, die sie von der Ukraine nach Mexiko gebracht hat. Dann haben sie in Florida die ersten Boote geladen, die sind im Schiffsrumpf verschwunden, die übrigen Boote wurden in St.Kitts, Antigua und dann in Martinique geladen und an Deck sichtbar verzurrt. Für die „Dijksgracht“ ist diese Fahrt fast wie eine Leerfahrt, hat sie doch nur 900 Tonnen Gewicht mit den Booten geladen, sonst lädt sie 14 000 Tonnen!

Wir werden angewiesen an den Rettungsübungen teilzunehmen. Erste Übung: wir müssen das Schiff verlassen!

Alles wird genau durchgeprobt und durchgesprochen. Als ich diese furchtbaren Rettungswesten (Feststoffwesten ohne Schrittgurt!!) sehe, würde ich am liebsten fragen, ob ich meine eigene von Bord holen darf..! Dann werden wir Passagiere tatsächlich aufgefordert in das Free-fall-boat einzusteigen, das ist das rote Rettungsboot, dass immer schräg am Heck der Frachter hängt. Ich wollte ja schon immer wissen wie das da drin aussieht..! Der zweite Offizier leitet uns an und sagt: „da geht keiner von uns gerne rein…!“ Nun weiss ich warum, puh! Erst ist es verdammt steil da rein zu klettern und sitzt man endlich, will man nur noch raus, weil es so eng und stickig ist. Ich schwöre, ich werde mich nie wieder über zu wenig Beinfreiheit im Flugzeug beschweren! Der zweite Offizier erklärt uns in allen Einzelheiten was wir zu beachten haben, währenddessen sende ich Stoßgebete, dass keiner von den Jungs draußen am Auslösemechanismus rumspielt und das Ding aus Versehen auslöst und wir uns dann im „free-fall“ verabschieden! Bin ich froh als wir endlich wieder hinausklettern dürfen!

das Free-fall-boat im Fallen, zum Glück ohne uns!

Wir werden wirklich sehr zuvorkommend von der gesamten Crew behandelt. Gerrit fragt, ob er einen Blick in den Maschinenraum werfen darf, schon gibt es eine ausführliche Führung mit dem Chef-Ingenieur!

Führung durch den Maschinenraum mit Chef-Ingenieur „Josef“
die Hauptmaschine – 13 000 PS,                       500 Umdrehungen pro Minute

Vorbildlich zeigt sich die Müllentsorgung an Bord: brennbare Stoffe werden in der eigenen Müllverbrennungsanlage verbrannt, der Rest wird gepresst, aufbewahrt und an Land entsorgt. Essensreste werden in einer speziellen Anlage geschreddert und nur außerhalb der 12 Meilen Zone im Meer entsorgt.

Das Wasser aus den Ballasttanks wird in der Mitte des Atlantiks getauscht, damit kein US-Wasser nach Europa gelangt oder umgekehrt.

Und wir dachten, die Frachter kippen alles ins Meer. Das dachten sie umgekehrt von uns Seglern auch. Aber, nein, da konnten wir auch Vorurteile abbauen – auch wir sammeln den Müll und entsorgen ihn an Land. 

Ebenso kam ihrerseits die Nachfrage, ob wir Segler denn auch ein Logbuch führen müssen? Und ob wir auch einklarieren müssen? Ja, das müssen wir auch alles. Sie staunen, das haben sie nicht gedacht. Ist doch gut, wenn man sich ab und zu austauscht!

Nur in einem Punkt bekommen sie definitiv keinen Umwelt-Engel, das ist ihr Treibstoff. Ihr Schweröl hinterlässt überall an Deck eine dicke, schwarze Rußschicht. Der Kapitän meint, wenn man dieses Schweröl nicht erhitzt, kann man Straßen damit asphaltieren. Das glaube ich sofort, wenn ich meine Schuhsohlen betrachte. Für diese Atlantiküberquerung hat die „Dijkskracht“ 250 000 Liter Treibstoff verbraucht! Zum Vergleich: wir haben für unsere erste Altlantiküberüberquerung 600 Liter Diesel verbraucht (von Portugal bis Barbados).

Die Tage auf dem Atlantik ziehen dahin. Ungewohnt für uns, ist der dauernde Schiffslärm und die ständigen Vibrationen im Schiff, Tag und Nacht, ohne Pause. Wir haben Glück mit dem Wetter: mäßige Winde und ruhige See. Uns macht die mangelnde Bewegung zu schaffen – außer Treppen steigen und an Deck entlang spazieren, gibt es nicht viel Bewegung. Dazu das reichhaltige Essen von Dino: morgens Frühstück mit Rührei, Würstchen, selbst gebackenem Brot. Mittags 3-Gänge Menü mit einer Vorsuppe, dann reichlich Fleisch mit vielen Beilagen und ein Dessert. Abends warmes Essen mit Fleisch und Beilage, zum Nachtisch Obst. Dino steht immer parat und geht auf Sonderwünsche ein, ist aber auch traurig, wenn man nichts essen möchte. Also schaufeln wir brav das Essen in uns rein und liegen später mit dicken Bäuchen in unserer Koje.

Wir fragen den Kapitän ob wir vielleicht auf unserem Boot arbeiten dürfen. Kein Problem! Er organisiert, dass uns eine gesicherte Leiter an Mojito angebracht wird und wir brauchen uns nur bei ihm ab- und anzumelden wenn wir auf unser Boot gehen. Prima, so können wir einige Instandhaltungsarbeiten vornehmen, all das erledigen, wozu man sonst keine Lust  oder Zeit hat und uns ein wenig Bewegung verschaffen.

Nach 9 Seetagen steuern wir auf das europäische Festland zu. Wir werden Gibraltar zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens passieren, das wollen wir hautnah miterleben und gehen auf die Brücke. Dieser Moment ist unglaublich bewegend, dieses erhabene Gefühl auf der Brücke, dieser Rundumblick – links Gibraltar rechts Ceuta, Gänsehaut pur! Wir fahren im Verkehrstrennungs-gebiet, das ist wie eine Autobahn für Frachter, die Fahrtrichtung ist hier vorgegeben. Auf der Brücke herrscht eine leichte Anspannung, zu dritt wird Ausschau nach möglichen Hindernissen gehalten. Der Kapitän schimpft über einen Fischer, der seine Netze hier ausgelegt hat: „denkt er, den besten Fisch gibt es ausgerechnet im Verkehrstrennungsgebiet? Warum kontrolliert die Coastgard nicht?“ Recht hat er! Wir müssen nur schmunzeln, dass unsere Probleme so ähnlich sind, ob großes Schiff oder kleines Boot!

Ein Tag später laufen wir in die Bucht von Palma ein und legen an der Pier an. Eigentlich wollte die „Dijksgracht“ hier nur sechs Boote abladen und Abends wieder auslaufen, doch sie bekommen eine andere Anweisung der Reederei: ein Eigner hat es sich anders überlegt und möchte nun schon in Palma ausgeladen werden und nicht wie ursprünglich geplant nach Genua. Pech dabei: das Boot befindet sich im unteren Schiffsrumpf, d.h. die vorderen Boote an Deck müssen abgeladen und danach wieder aufgeladen werden. Dijksgracht bleibt damit zwei Tage länger in Palma. Die Mannschaft nimmt es gelassen:“that´s seamen´s live…!“

Anlegemanöver in Palma

Mojito wird als erstes abgeladen, es heißt Abschied nehmen, etwas Wehmut ist dabei. Der Kapitän versichert uns zum Abschied, dass er uns fast überall auf der Welt abholen würde, wir brauchen sie nur zu kontaktieren. Haha, gut zu wissen. Schön war es mit der netten Crew von Dijksgracht, vielen Dank für dieses grandiose Erlebnis! Und…, da sieht man mal wieder: nichts ist im Leben so schlecht, dass es nicht auch etwas gutes gibt!

Mojito wird abgeladen. See you Dijksgracht!

Abschied von Martinique

Und wieder einmal eine Planänderung….aber – juchu, wir beenden unsere Atlantikrunde doch!! 

Nun aber der Reihe nach:

Wie bereits erwähnt, haben wir für Mojito eine Schiffspassage nach Palma de Mallorca gebucht. Wir erwarten den Frachter „Dijksgracht“ diese Woche hier in Le Marin.

„Dijksgracht“ wird in der Bucht von Le Marin ankern und die Boote mit Hilfe der bordeigenen Kräne und Lademeister an Bord nehmen. Wir selbst müssen Mojito nur zum Schiff bringen, längsseits gehen und der Crew übergeben.

Eigentlich wollten wir in dieser Zeit nach Hause fliegen, doch es zeigte sich schwierig einen passenden Flug zu finden und selbst dann wären nur wenige Tage Aufenthalt in Ostfriesland möglich gewesen, weil wir schließlich auch wieder zügig nach Mallorca müssen, um Mojito wieder in Empfang zu nehmen. Wir mussten uns nämlich im Vorfeld schriftlich erklären, die Dijksgracht nicht unnötig warten zu lassen und wenn doch, so droht uns eine hohe Geldstrafe. Heißt also, lieber zwei Tage früher in Palma sein als zu spät…!

Erst waren wir etwas frustriert, diesen langen und umständlichen Flug von Martinique nach Deutschland auf uns zu nehmen, um dann nicht mal eine Woche Aufenthalt in Deutschland zu haben. Und ganz ehrlich, am meisten gegraut hat es uns vor dem  Flughafenwechsel in Paris. Die Franzosen haben da sicher ihren eigenen Plan die Fluggäste zu vergraulen: entweder ein furchtbar umständlicher, zeit- und nervenraubender Flughafenwechsel einschließlich einer teuren Busfahrt über die Stadtautobahn mit garantiertem Stauerlebnis (dafür kann man den Eifelturm aus unterschiedlichen Perspektiven genießen) oder Air France streikt! Wer es dann immer noch nicht begriffen hat, dass er unerwünscht ist, der hat selber Schuld!

Vor lauter Frust hatte Gerrit die glorreiche Idee einfach mal beim Yachttransportunternehmen Sevenstar nachzufragen, ob sie denn vielleicht auch Passagiere mitnehmen.

Unsere, von Beginn an überaus freundlich und kompetente, Kontaktperson „Julia“ in Bremen antwortete prompt und erklärte,  dass es eventuell möglich wäre. Die Entscheidung liegt beim Kapitän des Schiffes, sie versprach nachzufragen und es dauerte nicht lange und es kam die Zusage – wir dürfen mit!! Wow, was für ein Abenteuer, nun dürfen wir die Atlantikrunde doch zu Ende machen! Etwas anders als ursprünglich geplant, ja, ich gebe zu, ein bisschen gemogelt, ja, nun fahren wir Huckepack, aber egal, Hauptsache das…!

Da kann man wieder sehen: nichts ist so schlecht, dass nicht auch etwas Gutes daran ist. Man muss die Sachen so annehmen wie sie sind!

Nun werden wir mal eine andere Perspektive kennenlernen und die Segelboote vom Frachter aus betrachten. Manchmal haben wir über den einen oder anderen, aus unserer Sicht, rücksichtslosen Frachter geschimpft. Nun werden wir die andere Seite kennenlernen, wir sind gespannt!

Bis dahin gibt es noch einiges zu tun, wir müssen uns alle drei für die Passage vorbereiten. Mojito muss so kurz wie möglich sein, also muss der Bugspriet hochgeklappt und befestigt werden und das Dinghi und die Solaranlage dürfen nicht übers Heck hinausragen.

An Bord muss alles befestigt und gesichert sein, damit nichts umherfliegt und fremde Boote oder Mojito selbst beschädigt wird. Und natürlich müssen auch wir unsere Tasche packen und uns für das Abenteuer „Atlantikpassage mit dem Frachtschiff“ rüsten. Wir mussten uns vorab schriftlich erklären keine Drogen oder Alkohol zu konsumieren, nicht angetrunken an Bord zu kommen und der Anweisung der Crew Folge zu leisten…, Oha!

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon! 😉 

Zwölf Tage bis  Palma de Mallorca sind geplant, also voraussichtlich Ende Mai, wir werden uns dann wieder melden und berichten!

Nun heisst es Abschied nehmen von der Karibik, wir sind schon ein wenig traurig, obwohl die zunehmenden Temperaturen erahnen lassen, dass es doch im Sommer sehr heiß wird. Augenblicklich sind wir bei 30 – 32 Grad am Tag und 25 bis 30 Grad Nachts und das reicht uns völlig.

Doch was werden wir vermissen:

– das Frühstück bei noch angenehmen Temperaturen und einem leichten Wind mit Blick auf die üppige Vegetation

– die bunte Vielfalt der Bewohner der Karibik und ihre lässige Lebensart

– die wunderschönen Menschen mit ihren geflochtenen Haaren

– die plötzlichen, heftigen  aber kurzen Regenschauer gefolgt von Sonnenschein 

– Hühner am Strand

– die bunten Häuser

– der besondere karibische Slang in der französischen und englischen Sprache

– der Klang der Baumfrösche in der Nacht

– die Schildkröten über und unter Wasser

– die roten, blauen und orangenen Krebse

– die einfachen Obst- und Gemüsemärkte

– Restaurants unter bunten Wellblechdächern und einfachem Inventar aus selbstgezimmerten, bunten Paletten 

– die leckeren Cocktails

– die bunten Fischerboote, die mit ihren riesigen Außenbordern durch das Ankerfeld heizen und eine dicke Welle machen

– die leckeren Pizzas auf dem Pizza-Boat in Le Marin

Auf unserer Reise haben wir so nette Bekanntschaften gemacht, doch nun trennen sich unsere Wege wieder und wir sagen adieu:

– Albert von „Corto“ ( uns verbindet eine ganz besondere Geschichte mit dem Mastbruch, doch die werde ich zu einem späteren Zeitpunkt erzählen…)

– Astrid und Laurent von „Isola Blue“ (unvergesslich: der köstliche Thunfischdipp zum Aperitif, hmh!)

– Gaeton („that’s how it works in caribbean“ , diesen Satz haben wir erst später verstanden!)

– Josianne mit ihrem bezaubernden Lächeln und leckeren Accras

– Hardy und Heike (sie kannten Mojito schon vor uns und sind mit ihm von Holland nach Portugal gesegelt. Die Welt ist so klein!)

– Manu und Nico ( sie haben all die Schäden von Mojito weggezaubert)

– Kasch Mir (der unzuverlässigste aber der lustigste Inox-Mensch)

– all die Mitarbeiter in der Werft von Le Marin

– Stefan, Frauke und Vincent von „Lykke“ (ein Mastbruch schweißt zusammen! Eure „Mast-Party“ war super und bleibt in Erinnerung!)

– Pete und Bamboo (wir kommen wieder und besuchen euch in Dom.Rep.)

– Adel und Michel von „Treib(t)gut“ ( unsere erste Begegnung war vor einigen Jahren in Norddeich, dann sahen wir euch in Mindelo und schließlich trafen wir uns auf Martinique! Wo wir uns wohl wieder treffen?)

– Hermann und Conny von „Alegria“ (wir haben gestaunt, als wir einen Katamaran mit Heimathafen „Emden“ neben uns hatten. Eine nette Begegnung!)

– Jo und Angelika von „Magic Cloud“ ( unvergessen unsere gemeinsame Fahrt über den Indian River)

– Berthold und Julia von „Orbit“

– Jan und Sabine von „Mr.Grey“ (mit euch hat das Abenteuer so schön begonnen…!)

– Lisa und Johan von „Rubicon“ (sie sind schon im Pazifik! Wir freuen uns schon auf das geplante Wiedersehen und auf eure Erzählungen)

– Moira und Will von „Krabat“ (abendfüllende Erzählungen über die unglaublichen Einfälle eurer sechs Söhne z.B. die unbeabsichtigte Sprengung der eigenen Garage mit einer selbstgebastelten Kartoffelkanone!)

– Julien und Patricia und ihre Mitsegler Mathew und Oliver  von „A Capella“(uns verbindet die Landwirtschaft, viele nette Gespräche und eure große Hilfsbereitschaft)

– Per-Eric und Lotta von „Voyageur“ (unsere Boote haben zwei Jahre im gleichen Hafen in Spanien gelegen, aber wir mussten in die Welt hinaus um uns kennen zu lernen! Warum sind wir uns nicht früher begegnet?)

– Maria und Allen von „Lady Jane“ (euer „Manchester-Englisch“ war zu Anfang für uns eine harte Nuss, dafür musstet ihr mit uns unter schwierigen Bedingungen wandern gehen!)

– Jeremie und Tatiana von „Infinty“ (wir wären sehr gerne mit euch zu den Marquesas gesegelt! Danke für euren Trost nach unserem Mastbruch!)

– Jana und Jan-Dirk von Jajapami  (Viel Spaß im Pazifik!)

– André und Eva-Maria von „Mirabella“ (eine großartige, unerschrockene Familie auf Weltreise! Wir haben so viel mit euch gelacht!)

– Bruno und  Ilario  von „Finally“ (ihr hattet so große Pläne, doch auch ihr hattet Pech in der Karibik. Wir drücken euch die Daumen, dass Finally repariert wird und ihr weiterreisen könnt)

All diese Freunde bleiben in der Karibik oder sind im, bzw. auf dem Weg in den Pazifik.

All die anderen Freunde werden wir hoffentlich im Mittelmeer oder in Europa wieder treffen, das wäre eine große Freude:

– Luna Bay2

– Tamouré

– Spinnwill

– Lys des Mers

– Anemone

– Akouavi

– Punch Coco

….

Mastbruch – wir brauchen einen Plan B

Wir versuchen weiterhin das beste aus unserer misslichen Lage zu machen. Unter der Woche ankern wir in Le Marin, in diesem unglaublich großen Ankerfeld, um die Angelegenheiten zu regeln, die geregelt werden müssen. Es kostet sehr viel Zeit all die Firmen zu kontaktieren und Angebote für die Reparaturarbeiten einzuholen.Unzählige Telefonate (Versicherung, Masthersteller, Privilège) müssen mit Europa getätigt werden, das Zeitfenster ist durch die Zeitverschiebung sehr eng, die Tage verfliegen.

In der übrigen Zeit fahren wir lieber hinaus und ankern in der nächsten Bucht bei St.Anne oder St.Luce. Hier ist die Wasserqualität deutlich besser, man kann bedenkenlos schwimmen, was in Le Marin nicht der Fall ist. Angesichts der vielen Yachten, mag man sich nicht ausdenken, wie verschmutzt das Wasser hier sein mag. Schwimmen mag man in dieser Bucht wahrlich nicht!

die Bucht von St.Anne
wunderbare Accras bei Martine
Josiane, bei unserer ersten Begegnung war sie so ernst. Nun lacht sie und freut sich wenn wir da sind 🙂

In St.Anne besuchen wir  gerne Martine und essen ihre wunderbaren Accras oder unternehmen die eine oder andere Wanderung. Ein Segler erzählt mir von der wunderschönen Bucht „Anse Trabaut“ auf der anderen Seite der Insel. Ich bin begeistert von dieser Idee dort hin zu wandern, und überzeuge Gerrit und ebenso Allan und Maria, befreundete Segler. Mein Plan: wir wandern 10 Kilometer entlang der Küste und nehmen dort ein Taxi (natürlich nach einem coolen Drink) und fahren anschließend zurück zu unserer Ankerbucht…! Mein Plan klingt super, also wandern wir bei 30 Grad im Schatten motiviert los. Wir durchstreifen unterschiedliche Landschaften: Wälder, Strände, Salinenfelder, dann entlang der schroffen Atlantikküste bis zur Anse Trabaut. Wunderschön, herrliche Brandung…., doch wo können wir hier ein kühles Bier bestellen und/oder ein Taxi odern??? Hier gibt es weit und breit nichts, außer einer wunderschönen Natur, kein Mobilfunknetz und keine befestigte Straße! Äh…, ich spüre die fragenden Blicke…, ja ich gebe zu, meine Planung weist eine Lücke auf!

Es bleibt uns nichts anderes übrig als zurück zu laufen. Unser Wasservorrat ist mittlerweile aufgebraucht und wir wählen den direkten Weg zurück durch Zuckerrohr- und Melonenfelder und Weiden, sehr schön, doch bei über 30 Grad,  sehr heiß!

Plötzlich taucht wie aus dem Nichts ein Pickup-Geländewagen auf und die drei netten Männer fragen uns ob wir mitfahren möchten, wir dürfen auf die Ladefläche – ein Geschenk des Himmels!! Maria und ich zögern kurz, erwähnen aber dann doch unsere Ehemänner, die weiter vorne laufen. „na, dann nehmen wir die auch noch mit!“ Ach, was gibt es doch für schöne Momente im Leben, die restlichen Kilometer sind schnell bewältigt und das kühle Bier in St.Anne, das schmeckt anschließend besonders gut!

was für ein Glück, wir dürfen auf der Ladefläche des Pickups mitfahren!

Den Ausflug werden wir alle nicht vergessen und Spaß hatten wir trotzdem!!

die wilde Atlantikküste von Martinique

Anse Trabaut. Wunderschön, doch wo kann man hier ein Taxi ordern??!
Rumfässer in der Habitation Clément
der schöne Garten in der Habitation Clément

Unterdessen haben wir die nötigen Reparaturarbeiten mit den Firmen abgesprochen, alles läuft nach Plan. Nur der Hersteller für den Mast vertröstet uns Woche für Woche, wir würden gerne die Bestellung tätigen. Der Hersteller „Mâréchal“ hat uns einen modifizierten Mast versprochen und wir möchten wissen, was sie denn nun für Änderungen vornehmen.Dafür möchten wir eine Bauzeichnung sehen und warten drei Wochen, ohne Erfolg. Außerdem möchten wir einen verbindlichen Liefertermin haben, da wir, laut Versicherung, die Karibik aufgrund des Hurricanrisikos bis Juli verlassen haben müssen. 

Nach mehr als drei Wochen bekommen wir endlich die versprochene Bauzeichnung und staunen nicht schlecht, als wir nach anfänglicher Freude, merken, dass es der alte Mast ist, die Zeichnung ist 10 Jahre alt! Mittlerweile sind wir wütend und drängen auf die versprochene neue Mastzeichnung und auf den verbindlichen Liefertermin. Beides kann oder will uns „Mâréchal“ nicht geben und schreibt uns schließlich dass sie dann nicht an dem Auftrag interessiert sind. Hä…?!  Die Franzosen sagen, die Deutschen sind ihnen zu „viereckig“ in ihrem Denken. Aber die Franzosen sind da definitiv zu unzuverlässig! Okay, wir kommen nicht ins Geschäft und angesichts der nahenden Hurrikansaison, fehlt uns die Zeit hier in der Karibik zu bleiben. Schade! Es gibt hier viele gute Firmen, die die Arbeiten bestimmt hervorragend erledigt hätten und wir hätten unsere Atlantikrunde gerne weiter gesegelt. Dann eben nicht!

Wir nehmen Kontakt mit dem Masthersteller „Selden“ auf, sie sind sehr freundlich und bemüht, welch ein Unterschied! Der Mast wird von „Selden“ neu berechnet, wir erhalten eine Bauzeichnung, insgesamt wirkt alles vertrauenswürdiger als mit „Mâréchal“. Mittlerweile sind wir froh, dass wir mit „Mâréchal“ nicht einig geworden sind. Es sind zu viele Ungereimtheiten beim alten Mast, wir hätten kein Vertrauen den gleichen Mast wieder zu bekommen.

So entscheiden wir uns nun für „Plan B“: 

Hier in Le Marin werden nur die Gelcoat-Arbeiten am Rumpf und die Edelstahlarbeiten gemacht, damit wir uns dann bedenkenlos auf eigenem Kiel weiter bewegen können. Die restlichen Arbeiten werden in Europa erfolgen.

Mojito wird aus dem Wasser gekrant und an Land gesetzt, damit der beschädigte Rumpf durchtrocknen kann.

Diese Zeit nutzen wir für einen zweiwöchigen Aufenthalt in der Heimat und freuen uns unsere Familie und Freunde wieder zu sehen.

Wieder zurück in Martinique staunen wir über die Arbeit von Nico und Manu von der Firma Alize composite, sie haben wahre Wunder vollbracht. Der Rumpf ist repariert, die Schäden am Cockpitdach sind überarbeitet, sie haben sich sehr viel Mühe gegeben genau die gleiche Gelcoatfarbe zu mixen. Wir sind begeistert, Mojito sieht wieder schön aus, von all den Schäden ist nichts mehr zu sehen.

Auch die Inoxarbeiten an der Reeling sind nun fertiggestellt, die erste Hürde ist vollbracht, 10 Wochen nach dem Mastbruch!

Nun bleibt „nur“ noch der Mast und die Segel, doch die wird es, wie bereits erwähnt, nicht in der Karibik geben.

Mojito wird Mitte Mai verschifft und kommt per Yachttransport nach Palma de Mallorca. Dort nehmen wir Mojito in Empfang und fahren (da wir ja nun vorübergehend ein Motorboot sind 😉 )   Richtung Barcelona und werden dort Mast und Segel  erhalten.  So haben sich unsere Reisepläne geändert und wir werden diesen Sommer das Mittelmeer enießen. Wir freuen uns darauf, denn auch dort gibt es spannende Ziele. Aber auch in der Karibik bleiben noch viele Inseln, die wir noch erkunden möchten.

Wir kommen wieder, das ist sicher!

Mojito im Kran

 

und trocken auf dem Werftgelände
der Rumpf wird repariert
wir nutzen die Zeit und polieren die Unterseite
Mojito schwimmt wieder! Der Rumpf ist repariert und glänzt wie neu

Martinique/ Mastbruch Teil 3

Das Schicksal hat uns nun zurück nach Martinique gebracht und wir müssen nun doch unser erstes Urteil über Martinique ein wenig ändern:
Kamen uns die Menschen hier zunächst etwas ruppig und lustlos vor, so müssen wir nun erkennen, dass es zu ihrer Mentalität gehört und dass sie gar nicht so ruppig sind. Das creolische Französisch klang in meinen Ohren anfangs sehr hart, gar schwer verständlich. Mittlerweile mag ich diesen eigenartigen Klang und die Art der Verständigung. In der Markthalle (die ich zu meiner Freude entdeckt habe) ist es mir ein besonderes Vergnügen den Einheimischn zu lauschen. Unterhalte ich mich mit den Marktfrauen, so wird selbstverständlich gedutzt und genauso selbstverständlich werde ich mit „ma chérrie“ angesprochen, was mich stets belustigt.
Eine Marktfrau fragt, ob ich frische Kräuter brauche, ich verneine und will ihr nur das Kleingeld für die drei Gurken überreichen. Sie bindet in Seelenruhe einen kleinen Strauß aus Thymian, Oregano und Melisse und reicht ihn mir mit einem warmherzigen Lächeln, einfach so, ein Geschenk, wie nett!

so viele Yachten im Ankerfeld von Le Marin

Auch die ansässigen Firmen in der Marina überzeugen durch Professionalität und Engagement. Die Mitarbeiter haben sehr viel zu tun, jeder Eigner möchte sein Boot so schnell wie möglich fertig haben, sie tun ihr bestes. Sie arbeiten von morgens bis spät Abends, auch am Samstag, und sind immer freundlich, wirken nie genervt. Wir fühlen uns hier wirklich gut betreut und freuen uns, wenn wir die Arbeiten hier endlich in Auftrag geben können.
Hier in der Werft geht es schon fast familiär zu, man kennt sich, man tauscht sich aus. Wir lernen eine deutsche Familie kennen, die wir schon auf Madeira gesehen hatten. Auch sie haben den Atlantik überquert und auch sie haben einen Mastbruch kurz vor ihrer Ankunft auf St. Lucia erlebt. So hat man den einen oder anderen „Leidensgenossen“, wir stellen fest, es gibt hier mehrere Yachten mit „unserem Problem“:
in unmittelbarer Nähe sind es, mit uns, drei Katamarane und drei Monohulls mit gebrochenem Mast, nur in dieser Bucht! Der karibische Wind scheint den Masten stark zuzusetzen.
Schwierig gestaltet sich nach wie vor das Verhalten unserer Versicherung und besonders des, durch sie beauftragtem, Büro zur Schadensabwicklung. Von einer Sache scheinen sie nämlich überhaupt keine Sachkenntnisse zu haben, und das sind definitiv Segelboote, speziell Katamarane. Es kommen hahnebüchende Einwände ihrerseits und leider vergeuden sie viel kostbare Zeit, die wir schon längst mit Reparaturarbeiten hätten nutzen können. Immer wieder mussten wir bereits vereinbarte Termine verstreichen lassen, da keine Freigabe seitens der Versicherung erteilt wurde.
Zum Glück haben wir noch unseren Versicherungsmakler in Emden, der sich sehr für uns einsetzt und nun, nach vier Wochen, scheint endlich Bewegung in die Sache zu kommen, damit wir nun tatsächlich den Mast bestellen können und die Gelcoat-Arbeiten am Rumpf in Auftrag geben können.
Ein weiteres Problem ist unser, noch immer defekter, Generator. Die Firma hatte es als Garantiefall anerkannt und vereinbart das Ersatzteil zu einem Vertragshändler nach Sint Marteen zu schicken. Sint Marteen ist 250 sm von uns entfernt und dort wartet nun seit Anfang Februar das Ersatzteil auf uns, doch leider für uns momentan unerreichbar. Wie schön, dass wir unsere Freunde aus der Odysee-Gruppe haben und über WhatsApp miteinander vernetzt sind! Julian und Patricia, mit ihrer Segelyacht „A Capella“, erklären sich bereit das Ersatzteil für uns abzuholen und es mit nach Le Marin zu bringen, super! Wir können es kaum abwarten wieder unseren Wassermacher nutzen zu können, damit wir endlich unabhängig sind und nicht weiter chloriertes Wasser an der Tankstelle tanken müssen. Doch wir sind positiv überrascht,dass wir unsere Energiebilanz nur durch die Sonnenkollektoren im positiven Bereich halten können. Schließlich waren wir seit Ende November nicht mehr in einer Marina, d.h. wir haben keinen Landstrom laden können, das sind nun fast vier Monate!

Yacht-Transport, hier von Le Marin nach Mallorca
Besuch von Schildkröten, immer wieder schön!

Zwischenzeitlich versuchen wir das Beste aus dieser Situation zu machen und ankern in Le Marin, um alle anfallende Aufgaben abzuarbeiten. Am Wochenende fahren wir raus und ankern in St. Anne. Hier können wir im sauberen Wasser schwimmen oder an Land entlang der Küste spazieren und die wunderschöne Natur genießen. Im kleinen, beschaulichen Ort St.Anne trifft man sich Abends zum Aperitif bei Martine, eine karibische Schönheit, die nur leider selten lächelt. Bei Martine gibt es die besten Accras, Fischkrapfen, dazu trinkt man einen Planteur oder Ti-Punsch und kommt mit dem einen oder anderen Segler ins Gespräch. Das alles mitten auf der Straße, mit einfachen Plastikstühlen und -tischen. Eine nette Atmosphäre, bei der man schnell die Zeit vergisst. Erst wenn Martine keine frischen Accras mehr anbietet, weiß man, es ist Zeit sein Dinghy zu suchen um dann sein Boot bei Nacht im Ankerfeld zu finden, eine echte Herausforderung. 😉

Mangroven in Le Marin, am Ankerfeld
Wanderung entlang der Küste
Tagsüber ist es der Busbahnhof, abends wird hier gegrillt, dann ist es ein Restaurant
netter Abend gemeinsam mit Pete im Busbahnhof 🙂
Zeitvertreib an der Bucht von St. Anne
entspannter Skipper 😉

Mastbruch – Teil zwei: wie geht es weiter?

Unser Mastbruch ist nun mehr als zwei Wochen her, und viel weiter sind wir leider nicht gekommen!
Am Tag unseres Unglücks, der 13. Februar(!), haben wir unverzüglich unsere Versicherung darüber informiert. Diese hat die Firma B&T in Bremen mit der Abwicklung des Schadenfalls beauftragt. Die Firma B&T hat uns gleich kontaktiert und versprochen, „uns mit ihrem weltweiten Netzwerk an Sachverständigen zu unterstützen“, Haha! Außer ein paar nette, warme Worte ist leider nichts passiert!

der Mast liegt gebrochen teilweise im Wasser

Zuerst wurde uns ein Experte zur Begutachtung in Aussicht gestellt, doch nach zwei Tagen hielten sie es dann doch nicht für nötig, wir hätten den Schaden ja hervorragend dokumentiert, okay…! Wir wundern uns, dass sie trotz der zu erwartenden, nicht unerheblichen Schadenhöhe auf ein Gutachten verzichten wollen, aber gut!
Sie wollen noch überlegen, ob wir Richtung Antigua fahren sollten, oder 100 sm südlich nach Le Marin auf Martinique (es ist Freitag, das Wochenende in Sicht…) Diese Entscheidung haben wir dann schließlich selbst getroffen, sonst würden wir noch heute auf Guadeloupe in der Ankerbucht sitzen. Antigua haben wir für uns ausgeschlossen: die Werften sind dort nach den Hurrikans überlastet und der Kurs gegen Wind und Welle erschien uns in dem jetzigen Zustand des Schiffes nicht ratsam – also Martinique.
Außerdem hat die Firma B&T auch eine Verschiffung nach Frankreich in Erwägung gezogen und wenn, dann sollte diese von Le Marin starten.
Also los, Zähne zusammenbeißen, das Wetter ist stürmisch und ungemütlich. Diese Reise war wahrlich kein Spaziergang: bei 25 Knoten Wind und seitlicher Welle gegen den beschädigten Rumpf, da fühlt man sich nicht wirklich gut! Es waren mehrere Kaps zu passieren, dort gibt es immer wieder unangenehme Böen. Während dieser Fahrt haben wir und Mojito mehr Salzwasser geschluckt als während der gesamten Atlantiküberquerung.
Die Stimmung an Bord war, zugegeben, etwas angespannt, da erreicht uns zwischen Guadeloupe und Dominica ein Funkruf (Gerrit hatte notdürftig eine Antenne zusammengebaut, wir hatten wieder Funk!). Eine fremde Yacht rief uns über Funk und fragte , ob wir das Schiff „ Mojito“ wären, das seinen Mast verloren hat?
Ja, das sind wir! Aber, wer seid ihr? Ihre Antwort: sie sind Pete und Bamboo aus der Schweiz mit ihrem Katamaran „Salty Walter“ und sie haben am Unglückstag unser Funkgespräch mit der Seenotrettung mitgehört und haben mit uns mitgefiebert und mitgefühlt. Nun haben sie heute unser AIS-Signal gesehen und sind in unserer Nähe. Sie wollen nur fragen, ob alles soweit gut ist oder ob wir irgendetwas brauchen.
Wir sind sprachlos und gerührt, wie nett! Nein, danke, im Moment brauchen wir nichts, aber es ist schön, sie in unserer Nähe zu wissen. Sie fahren die gleiche Route wie wir und peilen für die erste Nacht die gleiche Ankerbucht auf Dominica an. Abends sitzen wir dann bei einem Glas Wein zusammen und bedanken uns für ihre Anteilnahme!
Dieses mal ankern wir in Roseau auf Dominica. Auch hier sehen wir ein Bild der Verwüstung nach dem Hurrikan „Maria“. Wie klein ist da doch unser Problem!
Ein Boatboy begrüßt uns und fragt: „hey, ihr seid doch ein Segelboot und wo ist euer Mast?“ „weg…! Aber ihr habt auch viel verloren“. Er lacht und antwortet: „c´est la vie..!“ Es ist erstaunlich mit welcher Gelassenheit die Menschen auf Dominica ihr Schicksal ertragen.

Roseau auf Dominica
Roseau

Wir verbringen zwei nette Abende mit Pete und Bamboo, lachen viel, es ist so nett! Begegnungen wie diese machen unsere Reise so reich! Schon fühlt sich die unbequeme Reise zurück nach Martinique gar nicht mehr so schlimm an.

Zurück zu Mojito: in Le Marin angekommen klappern wir alle erforderlichen Firmen ab, vereinbaren Termine, holen Angebote ein. Wir haben noch nirgends eine so gut vernetzte und organisierte Marina gesehen wie hier, Hut ab! Die Firmen sind sehr bemüht, alles zeitnah abzuarbeiten, die Zeit drängt um eine Entscheidung zu treffen. Wir erfahren, das unser Mast eine Fertigungs- und Lieferzeit von 8-10 Wochen hat ,upps! Die Zeit sitzt uns im Nacken: laut Versicherungsvertrag müssen wir bis Ende Mai die Karibik verlassen haben. Auch für die anstehende Atlantiküberquerung Richtung Europa wird es knapp für uns. Eigentlich startet man von Martinique ab Mitte Mai, spätestens im Juni. Wir können jedoch den Mast nicht ordern ohne Freigabe durch die Versicherung und wir müssen bei der Bestellung den Auslieferungsort wissen. Für die Verschiffung in die Karibik wird der Mast nämlich zweiteilig gefertigt. All das teilen wir der Firma B&T mit, doch die verharrt weiterhin in Passivität.

Der alternative Rücktransport nach Europa per Schiff müsste zeitnah gebucht werden, da auch diese Plätze sehr begrenzt sind.
Da wir in der Zwischenzeit das Vertrauen zu dieser Firma B&T verloren haben, haben wir einen Gutachter beauftragt, den Schaden aufzunehmen und eine Expertise zu erstellen und die vorliegenden Angebote zu prüfen. Das wäre eigentlich die Aufgabe der Versicherung, nicht unsere! Überall ernten wir Kopfschütteln über die Vorgehensweise unserer Versicherung. Ein Franzose sagt:“…und ich dachte, ihr Deutschen seid gut organisiert!“
Derweil zaubert B&T nicht nur unglaubliche Fantasiepreise für die Reparatur in Deutschland aus dem Hut (sie haben den Preis für einen Mast und einen Baum erfragt und denken damit hätten sie das gesamte Rigg! Sehr kompetent, das schafft Vertrauen!!) Nein, sie denken auch darüber nach, einen Skipper zu engagieren, der unser Schiff im April von Lorient durch die Biskaya und den Englischen Kanal nach Norddeutschland bringt (angeblich für 1000,-€) und das ohne Rigg und mit beschädigten Rumpf. Dabei hatten wir die Weiterfahrt auf eigenem Kiel für das Schiff ausgeschlossen. Unsere Meinung dazu: dann können wir Mojito gleich hier versenken, das spart die Verschiffung nach Europa! Kann man diese Firma noch ernst nehmen?

Wir haben nun unseren Versicherungsmakler in Emden kontaktiert, auch er hat kein Verständnis für diese Vorgehensweise und unterstützt uns best möglichst.

Mal sehen, was der morgige Tag bringt! Es bleibt spannend, zermürbend und kräftezehrend. Wir wären doch jetzt lieber, wie geplant, auf den British Virgin Island, seufz!

Hier in Le Marin treffen wir wieder viele alte Bekannte und lernen weitere kennen. Wir treffen Leidensgenossen, die ebenfalls den Mast verloren haben, und tauschen uns mit ihnen aus.
Wir verbringen viele schöne Stunden mit netten Menschen.
Trotz aller Widrigkeiten haben wir unsere Reise nicht einen Tag bereut.

In Le Marin treffen wir bekannte Crews der Island Odyssee: Moira und Will von Krabat und Patricia und Julian von A Capella
Pelikane in Deshaies (Guadeloupe)

Mastbruch

Auf dem Weg von Guadeloupe nach Montserrat passierte das, was kein Segler sich wünscht: Mastbruch!

Bei einer Windstärke 5-6 Beaufort und 3-4 m Welle segelten wir Richtung Montserrat. Das Großsegel und die Fock hatten wir gerefft, der Wind sollte kein Problem für Mojito sein. Der erste Squall kam schnell und brachte uns ein paar Böen auf Windstärke 6 bis 7, doch auch das ist nichts Ungewöhnliches. Nach dem ersten Squall kam nach kurzer Zeit der zweite, aber dieser nur mit einer Stärke von 6 Beaufort. Eigentlich waren wir ganz entspannt, bis es plötzlich knallte! Der Baum landete auf dem Cockpitdach, der gebrochene Mast lag im Wasser und alles war noch durch die Wanten, Schoten und Segel miteinander verbunden, ein Albtraum! Nach dem ersten Schock haben wir uns zunächst gesammelt und die weiteren Schritte überlegt. Während ich mit Hilfe unseres Handfunkgerätes (ohne Mast kein Funk!) versuchte Kontakt mit der Küstenfunkstelle aufzunehmen, machte sich Gerrit ein Bild über das Ausmaß des Schadens.

Tatsächlich meldete sich nach einiger Zeit die Seenotrettung, es tut so gut in so einer Situation Kontakt zu haben, das stabilisiert die Psyche ungemein! Danke an alle Seenotretter!!!

Die Dame am Funk hatte eine sehr angenehme und besonnene Stimme und fragte all die Schäden ab, sehr professionell! Nach dem ersten Schreck stellten wir dankbar fest: wir schwimmen noch, die Bilgen waren trocken – kein Wassereinbruch, soweit so gut! Hilfe vor Ort, durch die Seenotretter, konnten wir so rasch nicht erwarten, es würde ca. zwei Stunden dauern. Zwei Yachten werden gebeten Kurs aufzunehmen. Der gebrochene Maststumpf war gefährlich, direkt unter der Wasseroberfläche, und schlug durch die Wellenbewegung immer wieder an den Schiffsrumpf. Nach Absprache mit den Seenotrettern mussten wir das  Rigg so schnell wie möglich loswerden, um das Schiff zu retten. Gerrit begann die Bolzen der Wanten zu lösen, die Stagen abzuschrauben und die Schoten durchzutrennen. Nach und nach konnten wir so alle Verbindungen kappen, das komplette Rigg liegt nun in 1000 Meter Tiefe, es tat in der Seele weh!

Endlich konnten wir gefahrlos die Motoren starten, es waren keine Leinen mehr im Wasser, wir waren nun wieder manövrierfähig und konnten unter Maschine zurück nach Guadeloupe fahren, immer in Funkbegleitung der Seenotrettung.

Wir haben viele GFK-Schäden am Rumpf und an Deck, die gesamte Reling auf Backbord ist zerstört und wir haben kein Rigg mehr. Ein später bemerktes Leck konnten wir zum Glück provisorisch abdichten, nun warten wir auf die Versicherung und den Hersteller um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Warum der Mast gebrochen ist, können wir uns nicht erklären, es gab keinen Grund. Wir sind nun 10 000 Seemeilen gemeinsam mit Mojito gesegelt und waren immer von dessen Stabilität überzeugt. Wir hatten uns im Vorfeld viele unverhoffte Vorkommnisse auf See ausgemalt, aber einen Mastbruch, ohne jegliche Vorwarnung, hätten wir niemals erwartet! Doch wir sind froh, dass es nicht Mitten auf den Atlantik passiert ist.

Im Gespräch mit anderen Seglern wird uns erst bewusst wieviel Glück wir gehabt haben. Wäre der Mast, statt auf der Leeseite ins Wasser zu fallen, auf das Cockpitdach gefallen, hätte er uns beide erschlagen. Wir wissen nun auch, dass wir Segeltechnisch keine Fehler gemacht haben, das zeigt, wie der Mast gefallen ist und dass keine Wanten oder Segel beschädigt waren, sondern einfach der Mast im unteren Drittel weggeknackt ist.

Wir waren sehr gerührt von all der Unterstützung und dem zahlreichen Zuspruch, den wir von befreundeten Yachten erfahren durften.

Jeremy und Tatiana und ihre beiden Jungs von der Yacht „Infinity“ sind in unsere Ankerbucht eingelaufen, was für eine Freude diese Familie wieder zu treffen. Mit ihnen konnten wir all die negativen Erlebnisse aufarbeiten, gemeinsam eine Tafel Schokolade verspeisen, Seelenfutter! Jeremy und Tatiana machen uns sprachlos, als sie uns ernsthaft vorschlagen, unsere Reise gemeinsam mit ihnen auf „Infinity“ fortzusetzen. „Euer Traum ist nicht zu Ende,“ so Jeremys Worte „kommt mit uns, setzt eure Reise fort!“ Was für ein Geschenk, so liebe Menschen kennengelernt zu haben. Wir werden darüber nachdenken, doch zuerst möchten wir eine Lösung für unser Debakel.

Meine kleine Freundin Leonie (6 Jahre) von der befreundeten Yacht „Luna Bay“

diktiert ihrer Mutter folgende Nachricht für uns: „Hallo, ich finde es traurig und ungerecht, weil ich euch so nett finde. Ihr fehlt uns!“ Wir sind gerührt, danke liebe Leonie!

Dank all der lieben Menschen wird die Situation erträglicher. Abends haben wir sogar unseren Humor wiedergefunden. Wir müssen ja wieder einklarieren; auf dem Fragebogen steht: Schiffstyp: „Segelyacht“; Anzahl der Masten? Aus Gewohnheit trägt Gerrit die Zahl „1“ ein, überlegt und löscht es wieder, nun steht dort eine „0“!! Gemeinsam mit der zuständigen Dame können wir darüber lachen – Humor ist, wenn man trotzdem lacht!

Die Versicherung ist sehr bemüht eine passende Lösung zu finden. Auch der Hersteller „Privilège“ bemüht sich, eine Lösung zu finden. Es ist Hochsaison auf den Werften in der Karibik, alle Firmen haben sehr viel zu tun.

Wir machen uns nun auf den Weg nach Martinique, hier auf Guadeloupe scheint es keine Möglichkeiten zu geben.

Ich komme mir vor, wie im Spiel „Monopoly“: wir haben die Karte gezogen „gehe zurück auf LOS!“ Diese Karte habe ich schon immer gehasst, alles läuft gut und plötzlich läuft alles wieder anders!

Wir hatten uns so sehr auf die British Virgin Island und auf die Bahamas gefreut, es war zum Greifen nah…!!

Wie auch immer, wir lassen uns nicht unterkriegen! Unsere Reise geht weiter, wenn auch in abgeänderter Form!

Resümee:

  • Wie gut, dass es die Küstenfunkstellen und die Seenotretter gibt!
  • Das absolvierte Sicherheitsseminar in Elsfleth war in dieser Situation sehr wertvoll! Vielen Dank an das Maritime Kompetenzzentrum Elsfleth!
  • Wir werden Guadeloupe in Zukunft nicht nur mit Melonen in Verbindung bringen…!
  • Wir haben als Ehepaar gemeinsam Schiffbruch erlitten und sind noch immer glücklich verheiratet, wer kann das schon von sich behaupten? 🙂
Mojito ohne Rigg und ohne Reling

Guadeloupe

In zwei Tagen müssen wir auf Guadeloupe sein, unser Sohn Neels kommt zu Besuch, juchu! Doch zunächst müssen wir uns bei einer Windstärke von 7 Beaufort und 4 m Welle, hart am Wind durch die ungemütliche See kämpfen. Wir beschließen die Nacht auf halber Strecke, auf den Iles Des Saintes, zu verbringen. Leider ist dies nicht so einfach wie zunächst gedacht. Zwischen den einzelnen Inseln pfeift der Wind gewaltig und nimmt noch einmal richtig Fahrt auf. Es gibt nur Mooring-Bojen-Felder, die aber alle schon belegt sind. Obwohl es genügend Platz gibt, ist das Ankern innerhalb dieser Felder nicht erlaubt, man wird sofort abgewiesen. Außerhalb dieser Bojen-Felder nimmt die Wassertiefe rapide zu und der steinige Grund ist sehr schlecht haltend. Zahlreiche Segler fahren, wie wir, verzweifelt von einer Bucht zur nächsten und versuchen erneut ihr Glück mit dem Ankern. Nach mehreren Versuchen scheinen wir endlich Glück zu haben, der Anker greift, was für eine Freude! Doch in der Nacht  driften wir langsam, Gerrit hält Ankerwache während ich tief und fest schlafe und von der heiklen Situation nichts merke. Früh morgens lichten wir den Anker und erkennen nun den Grund für das nächtliche Driften: ein großer Felsbrocken hängt vorne am Anker, ausgebrochen aus dem Ankergrund. Ein Krebs sitzt auf dem Felsbrocken und wundert sich bestimmt über das helle Licht, war er doch gerade eben noch in 20 Meter Tiefe! Es ist erstaunlich, dass unsere Ankerwinsch diesen Koloss nach oben hieven konnte, aber schlimmer ist die Frage: wie werden wir ihn wieder los. Der Felsbocken ist so im Anker verkeilt, nichts bewegt sich. Nach längerer Überlegung und ein paar Tricks, werden wir ihn zum Glück wieder los, der Felsbrocken rauscht gemeinsam mit dem Krebs wieder zurück in 20 m Tiefe. Was der Krebs wohl dabei gedacht hat?

Wir haben erst einmal genug von den Iles Des Saintes, auch wenn es eigentlich ganz schön aussieht, aber wir haben ja unseren Termin auf Guadeloupe.

Mit Guadeloupe habe ich bisher nur die leckeren Melonen, die es in Deutschland oft zu kaufen gibt, in Verbindung gebracht. Nun werden wir tatsächlich auch diese Insel kennenlernen, ich bin gespannt!

Guadeloupe hat aus der Luft betrachtet die Form eines Schmetterlings und ist landschaftlich sehr vielseitig: die Basse-Terre ist mit ihren Vulkanen gebirgig und mit dichtem Regenwald bewachsen. Der andere Teil, die Grande-Terre, lockt mit feinen Stränden und schönen Buchten. Wir ankern zunächst zwischen den beiden Inselteilen, direkt an einer kleinen Palmeninsel, gegenüber der Hauptstadt Pointe-à-Pitre, um Neels an Bord zu nehmen. Wir geben Neels zwei Tage zum Eingewöhnen, und steuern zunächst einmal nette Badebuchten auf Grande-Terre an. Baden, Sonnen, so kann man sich vom Studentenleben erholen, die harte Zeit der Klausuren ist Vergangenheit!

Ilet Du Gosier
Karibik spüren

Nach der Eingewöhnungsphase segeln wir zur kleineren Insel Marie-Galante mit ihren feinen weißen Stränden und türkisblauem Wasser. Dort möchten wir uns Motorroller mieten, doch dies erweist sich fast als „mission impossible“! Da sind wir wieder in der französischen Service-Wüste, wir machen hier die gleiche Erfahrung wie bereits auf Martinique: „Hilfe, Kunde droht mit Auftrag!“ Mit viel Mühe und nach unzähligen Telefonaten ergattern wir die letzten zwei Motorroller der Insel und brausen los. Es ist ja Hochsaison, wird uns erzählt, daher der Engpass. Aha.., das ist Hochsaison: menschenleere Dörfer, Kilometerlange einsame Strände, wir versuchen uns die Nebensaison vorzustellen, haha! Nach kurzer Strecke wissen wir weshalb die beiden Motorroller noch zu haben waren: es sind die letzten Gurken! Jeder Berg bringt sie an den Rand der Belastbarkeit, daher muss ich, als Soziofahrer, den Berg hinauflaufen. Eine schweißtreibende Angelegenheit, hoffentlich bringt es das Hüftgold wenigstens zum Schmelzen! Trotzdem sind wir sind uns einig: Marie-Galante ist ein Abstecher wert!

Hochsaison Marie Galante! Haha!
Menschenleere Strände – Hochsaison
Beachball am Strand

 

Türkisblaues Wasser! Anse Canot, Marie Galante
alte Zuckerfabrik mit Herrenhaus
Marie Galante
ein kühles Bier am Beach
Mangroven
Mangroven

Neels hat das „Angelfieber“ gepackt. Gleich am ersten Tag fängt er zwei kleine Fische, einen Tag später eine schöne Makrele. Doch danach scheint ihn sein Angelglück verlassen zu haben, trotz unermüdlicher Versuche!

Abends beim Geschirrabtrocknen sehen wir sie plötzlich, und sie uns:     Eine Kakerlake!! Sie verharrt kurz in ihrer Bewegung und hofft noch, nicht entdeckt zu werden, zu spät! Eine Kakerlake an Bord trotz aller Vorsichtmaßnahmen: keine Kartons, Schuhe werden penibel nach jedem Landgang gesäubert, Obst wird abgebraust…! Nach unserer kurzen Panikattacke greift Gerrit beherzt zum Lappen und versucht sie zu zerdrücken. Dies misslingt, da ihr Panzer sie tatsächlich gut schützt, sie entkommt. Der erste Punkt geht an sie, doch wir sind vorbereitet. Da wir diesen Besuch bereits erwartet haben, haben wir uns schon in Spanien mit einem Arsenal an Mittelchen ausgerüstet. Haha…, wer zuletzt lacht….! Wir verteilen die kleinen Kakerlaken-Hotels in verschiedenen Ecken und glaubt man der Illustration auf der Packung, so ist es eine totsicherere Sache. Wir haben sie noch nicht wieder zu Gesicht bekommen, hoffen wir mal, dass sie keine Großfamilie hatte!

Zurück auf Guadeloupe geht es weiter entlang der Küste von Basse-Terre. Wir bekommen deutlich zu spüren warum dieser Teil der Insel so begrünt ist: es regnet sehr häufig und sehr stark und die starken Fallwinde schleudern Mojito um seinen Anker! Nach zwei Tagen am Anker zeigt unser GPS 8 sm Strecke an, d.h. 15 Km nur am Anker!

Wir möchten die Wasserfälle und den Regenwald besuchen und vielleicht auch den aktiven Vulkan besteigen, doch zunächst heißt die schwierigste Hürde: ein Auto zu mieten! Nach unzähligen Telefonaten ergattern wir ein Auto, doch nur für einen halben Tag! Okay, besser als nichts, den Vulkan schaffen wir nicht mehr, schade!

Wir laufen verschiedene kleine Wanderstrecken durch den vom Regen aufgeweichten Regenwald, zu den Wasserfällen. Leider ist hier das Baden nicht mehr erlaubt, es gab nach dem Hurrikan Gerölllawinen. Doch wir hören von einer warmen Vulkanquelle zum Baden und machen uns auf dem Weg. Es ist recht abenteuerlich, der Boden ist aufgeweicht und glitschig, es geht über Baumwurzeln bergauf und bergab, am Flusslauf entlang durch den Regenwald. Tatsächlich erreichen wir eine Stelle am Wasserlauf, in der bereits drei Männer sitzen. Wir gesellen uns dazu und tatsächlich, es ist ca. 30-35 Grad warmes Wasser, durch den Vulkan aufgeheizt. Die Situation ist schon komisch: da sitzen wir bei 27 Grad Außentemperatur im Warmwasserbecken, mitten im Regenwald, und genießen die Wärme wie in der Sauna! Die Naturkulisse um uns herum ist spektakulär, was für ein Ambiente!

Grand Etang, Guadeloupe
Wandern durch den aufgeweichten Regenwald
warme Quellen mitten im Regenwald
Wasserfall

Weiter geht es zur nächsten Bucht, Ilets Pigeon, ein Naturreservat. Jacques Cousteau hatte dieses Revier als eins der schönsten Tauchreviere erkoren und erreichte, dass es unter Schutz gestellt wurde. Wir schnorcheln hier ausgiebig und bestaunen die bunte Unterwasserwelt.

Am nächsten Tag nimmt der Wind stark zu und wir ankern nun bei Windstärke 7, in Böen 8. Hui, da dauert es nicht lange und die ersten Yachten gehen auf Drift. Pech für die amerikanische Yacht neben uns, sie scheint genau in Strömungsrichtung zu liegen. Die erste Yacht treibt längsseits gegen ihren Bug, zum Glück scheint kein größerer Schaden entstanden zu sein. Zwei weitere Yachten geht es ebenso, sie driften gefährlich nah vorbei. Die Anspannung auf den Yachten ist groß, welcher Anker wird wohl als nächster aufgeben?

Windstärke 8 im Ankerfeld! Oha!

Wir sind mit unserem neuen Rocna-Anker sehr zufrieden, wieder einmal erweist er sich als zuverlässig.

Unser Problem ist ein anderes: Neels hat heute seinen Abreisetag und muss irgendwie mit Gepäck an Land gebracht werden. Der Koffer wird in Müllsäcke Wasserdicht verpackt, trockene Wechselkleidung ebenso. Während ich zur Ankerwache an Bord bleibe, kämpfen sich Gerrit und Neels mit dem Dinghy durch die Bucht und erreichen völlig durchnässt das Land! Traurig müssen wir uns von Neels verabschieden, die Tage sind so schnell verflogen.

Auch von Guadeloupe müssen wir uns verabschieden, wir müssen weiter, da das Ersatzteil für unseren Generator auf Sint Maarten wartet.  Wir werden Guadeloupe als die windigste, regenreichste, teuerste, abwechslungsreichste und europäischste Insel in Erinnerung behalten. Doch  auch als die Insel mit dem schlechtesten Telefon- und Internetnetz aller karibischen Inseln, dicht gefolgt von Martinique. Ein schwaches Bild, finden wir, dafür dass wir Europäer uns stets für so innovativ halten!

Weiter geht es nun nach Montserrat!

Pelikane halten eine Siesta in Deshaies

 

Dominica – Maria war vor uns da, ein Bild der Verwüstung

Dominica war die grünste und wildeste Insel, eine Naturschönheit, überwuchert von einem dichten Dschungel. War…! Bis Maria im September des letzten Jahres ihr Unwesen auf der Insel trieb, nun ist nichts mehr wie es war. Maria war ein Hurrikan der Kategorie 5, d.h. „absolut zerstörerisch“ und wütete mit einer Windgeschwindigkeit von über 260 Km/h über 9 Stunden über die Insel. Diese Insel wurde im Jahr 2015 bereits hart vom Hurrikan „Erika“ getroffen. Die Menschen waren schon vorher sehr arm, aber danach haben sie das Wenige, das sie besaßen, auch noch verloren!

 

Portsmouth, kaum ein Haus, das nicht beschädigt wurde
eine Hotelanlage kurz vor der Fertigstellung, nun schwer beschädigt
von weitem ist die geschundene Natur zu erkennen

 

Wir hörten schlimme Geschichten, von Überfällen auf Seglern, und waren verunsichert diese Insel überhaupt zu besuchen. Doch dann hörten wir viele positive Berichte von anderen Seglern, die von Dominica kamen und erzählten wie wichtig es für die Menschen auf Dominica ist, dass wenigstens die Segler wiederkommen. Der übrige Tourismus liegt brach, die Kreuzfahrtschiffe sind rar.

Von weitem sehen wir die geschundene Landschaft, aber es ist auch wieder etwas Grün zu sehen.

In der Prince Rupert Bay gibt es seit einigen Jahren eine hervorragende Organisation der Boatboys, die „PAYS“ (Porthmouth Association of Yacht Service/Security). Es gab früher unangenehme Vorkommnisse mit aggressiven Boatboys, die sie zum Umdenken bewegt haben. Sie haben ihr Logo, man kann sie erkennen und sie bieten jeden Service an, der gewünscht wird, ohne aufdringlich zu sein, und jeder Mitarbeiter wird für seine Aufgaben geschult. Sie weisen ausdrücklich darauf hin, dass das „S“ in ihrem Namen sowohl für „service“ als auch für „security“ steht. Wir fühlen uns in der Prince Rupert Bay absolut sicher, wie an vielen anderen Orten der Karibik auch.

Wir ordern über Funk eine Mooring-Boje. Eigentlich ankern wir lieber, aber hier machen wir eine Ausnahme, die Menschen sollen etwas durch uns verdienen. Jerome kommt mit seinem Boot angerauscht und ist uns mit den Leinen behilflich. Wir laden ihn an Bord ein und er erklärt uns die nötigen Gegebenheiten, wie das Einklarieren usw.

Wir können nur zwei Nächte auf Dominica bleiben, unser Sohn Neels kommt auf Guadeloupe zu Besuch, wir müssen rechtzeitig dort sein.Gerne würden wir die Insel besuchen, kein Problem, Jerome organisiert einen Fahrer für den nächsten Tag. Was für ein Service!

Am nächsten Tag treffen wir unseren Fahrer Dilon, er fährt uns mit seinem ramponierten Kleinwagen. Jedes Auto ist durch „Maria“ beschädigt, die Scheiben oft mit Plastikfolien notdürftig zugeklebt, die Karosserie verbeult.Noch schlimmer sind die Häuser: kaum ein Haus hat noch sein Dach, einige sind bereits neu gedeckt. Viele Häuser sind komplett zerstört, es fehlt an Baumaterial für die Reparaturen.

Dilon erklärt uns, dass „Maria“ eine Kombination aus Hurrikan und Tornado war, dadurch wurden die Bäume nicht nur geknickt, sondern auch gedreht und dadurch komplett entlaubt, sogar die Äste sind abgerissen. Nach „Maria“ standen nur noch nackte Baumstämme auf der Insel, nun, vier Monate später, sprießt es wieder zaghaft. Das was nicht weggeflogen ist, wurde von den Flüssen mitgerissen, es ist ein Bild der Zerstörung. Noch immer ist die Stromversorgung unterbrochen, die Telefonleitungen liegen teilweise auf der Straße. Es gibt kein fließendes Wasser, die Menschen waschen sich und ihre Wäsche in den zahlreichen Flüssen.

die Palmen sind entlaubt, von unten sprießt die Natur wieder
es muss noch viel weggeräumt werden
dies war ein kleines Restaurant…
ein trauriger Anblick

Wir besuchen eine kleine Schokoladen-Manufaktur. Sie haben dieses Jahr einen Totalausfall, keine Kakaobohnen, die Plantage ist zerstört, und auch keinen Strom für die Maschinen. Wir kaufen aus Mitleid Schokolade, auch sie müssen so viel wiederaufbauen. Ein Mann erzählt uns, er käme ursprünglich aus Florida, „Maria“ war der 16 Hurrikan in seinem Leben, doch so etwas hat er noch nicht erlebt. Er hat alles verloren, erzählt er, aber er lacht als er sagt: „… aber ich habe überlebt!“ Diese Worte hören wir so häufig an diesem Tag…!

die kleine Schokoladen- Manufaktur wird wieder aufgebaut
die Blumen erholen sich schneller als die Bäume. Sie sind sehr wichtig für die Kolibris.

 

die roten Felsen konnten Maria trotzen
Dilon zeigt uns Blumensamen, die sich zu Schmuck oder Musikinstrumenten verarbeiten lassen
Dilon kennt sich aus in der Natur und zeigt uns die Vielfalt die sie trotz Maria noch bietet

Nachmittags machen wir mit Johannes und Angelika, ein Seglerpaar aus Kiel, eine Bootstour über den Indian River. Jerome fährt uns und lacht sarkastisch als er sagt, wir könnten ja nun den Himmel sehen, das wäre früher bei dieser Tour nicht möglich gewesen. Früher bildeten die Bäume einen grünen Tunnel über den Fluss.

der Indian River und das was davon übrig ist
Jerome fährt uns

die einstige Schönheit lässt sich nur noch erahnen

Im Indian River wurden Teile des Films „Fluch der Karibik 2“ gedreht. Das Hexenhaus, eine Requisite aus dem Film, liegt zerstört am Ufer.

Gruppenbild mit Jerome, Angelika und Johannes

Dominica hat kein reiches Mutterland, sie sind zwar Mitglied des British Commenwealth, doch das bringt ihnen keine Unterstützung aus Groß Britannien. Ihre sozialistische Regierung tut sich schwer mit der Unterstützung, die Menschen sind auf sich gestellt.

Ein deutsches Seglerpaar war so erschüttert über diese Katastrophe und die Machtlosigkeit der Menschen. Sie haben ihre Freunde in Deutschland angeschrieben und um Geldspenden gebeten. Mit dem Geld wird die örtliche Schule wiederaufgebaut, wie lobenswert!

Über Funk kündigt die Organisation „PAYS“ ein Barbecue am Strand für den  Abend an. Diese Veranstaltung gab es vor „Maria“ jeden Sonntag. Heute findet sie zum ersten Mal wieder statt, es soll ein Zeichen sein, sie möchten Maria trotzen.

Es wird Fisch und Huhn gegrillt, es gibt Reis und Salat und natürlich Rumpunch. Der DJ mischt die Musik und anschließend wird ausgelassen zur Reggae-Musik gemeinsam am Strand getanzt. Die Einheimischen strahlen und freuen sich über die Segler, ein Stück Normalität kehrt für sie zurück. Aus der Musikanlage klingt ein Reggae-Song über „Maria“, die Menschen singen lauthals mit. Es klingt trotzig, besonders der Refrain: „we survive!“ Dabei heben sie die Arme kämpferisch in die Luft, die Stimmung ist sehr emotional und gleichzeitig herzlich und familiär.

Dominica und ihre Menschen haben uns sehr beeindruckt und werden noch lange in unserer Erinnerung bleiben und wir wünschen ihnen so sehr, dass so schnell keine weiteren „bad ladies“ die Insel aufsuchen!

Martinique

Auf Martinique laufen wir in die erste Bucht ein, Le Marin. Es ist das größte Ankerfeld dass wir je gesehen haben, geschätzt mehrere hundert Yachten! Viele Yachten scheinen schon länger hier zu liegen, einige Yachten sind verlassen und scheinen von ihren Eignern vergessen zu sein. Auf andere Yachten hausen „festgewachsene“ Segler, die Yachten machen keinen seetauglichen Eindruck mehr. Der einstige Traum der Weltumseglung scheint hier zu Ende zu sein. Andere Yachten sind bereits gesunken, hier und da schaut nur noch eine Mastspitze aus dem Wasser. Die Bucht wirkt ein wenig morbid, aber trotz allem gibt es schöne Ecken. Wir können in St. Anne, ein beschaulicher Touristenort neben Le Marin, einfach einklarieren, ohne viel Papierkram, direkt am Computer, wir sind ja hier in Europa! Wir merken, dass der bisherige karibische Telefonanbieter hier nicht funktioniert und wollen noch eine Telefonkarte kaufen, bis wir auch hier feststellen, dass wieder unser normaler Anbieter ohne Roaminggebühren funktioniert, wir sind ja in Europa, so ein Luxus! Ein weiterer Luxus ist der Supermarkt mit eigenem Dinghy-Dock, sehr praktisch zum Proviantieren. Als wir den Supermarkt betreten ist es nicht mehr zu leugnen: ja, wir sind in Europa. Die Regale sind prall gefüllt, es gibt wieder viele Sorten von Käse, Schinken, Wein und vieles mehr und dazu zu bezahlbaren Preisen. Wow, wir fühlen uns wie im Schlaraffenland!

Der Ort Le Marin ist perfekt auf die Segler ausgerichtet, es gibt hier alle denkbare Firmen rund um Yachten. Leider haben sie absolute Hochsaison und können Arbeiten nur mit einer Vorlaufzeit von drei Wochen annehmen. Die Grundplatte von unserem Cockpit-Sitz ist gebrochen, wir bräuchten einen Polsterer. Sie sind alle sehr kompetent und nett, haben aber leider keine Zeit.

Auch die Geschäfte für Bootszubehör halten ein unglaubliches Angebot an Waren vor. War es bisher so mühsam einfache Ersatzteile zu bekommen, gibt es hier alles im Überfluss. Gerrit könnte hier locker den ganzen Tag staunend zwischen den Regalen verbringen.

Es ist hier so anders als in der bisherigen Karibik, hier fehlt leider die Leichtigkeit des Lebens, häufig wirken die Menschen  unzufrieden, obwohl sie, gemessen an anderen karibischen Inseln, einen guten Lebensstandard haben. Sie genießen all die sozialen Sicherheiten aus Frankreich, wie Arbeitslosen- und Krankenversicherung.  In den kleinen Restaurants oder Bars hat man manchmal das Gefühl zu stören und den Inhabern unerwünschte Arbeit zu bereiten.

Ich komme endlich wieder in den Genuss eines Friseurbesuchs, was für eine Wohltat! Der letzte Haarschnitt war im Oktober auf La Gomera. Auf Barbados hatte ich einen Friseur aufgesucht, aber die Dame schien nicht viel Übung mit glatten Haaren zu haben. Schließlich war ich nur noch um Schadensbegrenzung bemüht und gab ihr zu verstehen, dass der Schnitt so ausreichend wäre. Oh je! Zum Glück kann man mit Gel einiges zurecht stylen!

In Le Marin treffen wir auch wieder bekannte Gesichter. Als erste kommt Jana von „Jajapami“ vorbeigefahren, wir tauschen Neuigkeiten aus. Ihre beiden Kinder Paul und Michel haben einen Hundewurmbefall in den Füßen, das ist ganz gruselig aber scheinbar in der Karibik nicht ungewöhnlich! Die Kinder haben im Sand gespielt und sich dabei angesteckt. Der Wurm gräbt Gänge in die Fußsohle und legt dort Larven ab. Das ist sehr unangenehm und mit starkem Juckreiz verbunden. Der Arzt hat eine Wurmkur verschrieben, das soll das Problem beheben. Urgh….! Ich betrachte meine Füße und entspanne mich bei deren Anblick. Die dicke Hornhaut an unseren Füßen, verursacht durch ein halbes Jahr barfußlaufen, muss jeden Wurm von seinem Vorhaben abbringen, hoffentlich!!

Weiter geht es zur Bucht Grande Anse, hier lässt es sich aushalten. Die Berge sind mit üppigem Grün überwuchert, ein kleiner beschaulicher Ort und ein paar bekannte Yachten. Unser französischer Nachbar „Albert“ hat den baugleichen Katamaran wie Mojito und ist begeistert uns kennenzulernen.

Ankerbucht Grande Anse
Grande Anse
perfekter Dinghy-Ponton
ein frisch gepresster Fruchtsaft, lecker!

Er lebt schon viele Jahre in der Karibik und kennt sich hier gut aus. Leider hat er sein Haus in Saint Martin durch den Hurrikan „Irma“ verloren, das macht ihn sehr traurig. Er bringt uns einige „Lionsfishs“ vorbei, die er mit der Harpune gejagt hat. Diese Fische sind hier nicht heimisch und entwickeln sich zur Plage, da sie sehr viele kleine Fische fressen und alle drei Wochen 40 000 Eier ablegen. Der Lionsfish ist wunderschön, hat aber giftige Stacheln. Albert bringt sie uns küchenfertig und wir brauchen diese sehr schmackhaften Fische nur noch in der Pfanne zu braten und zu genießen!

der schöne und schmackhafte Lionsfish, eine Plage in der Karibik

Zwei Tage verbringen wir in Fort de France, der Hauptstadt von Martinique und nutzen die Vorzüge einer Stadt zum Proviantieren, Wäsche waschen und wieder unseren Wassertank zu füllen. Wie bequem ist es doch sonst mit unserem Wassermacher, wir zählen die Tage, bis wir unseren Generator wieder funktionsfähig haben und endlich wieder unser eigenes „homemade“ Wasser haben.

Fort de France

Einige Probleme lösen sich aber auch von selbst, so wie unser Ruderproblem.Hatte es während der Atlantiküberquerung so heftig vibriert, dass wir es hier auf Martinique reparieren wollten, macht es nun keinerlei Geräusche und Vibrationen mehr, es funktioniert tadellos. Vermutlich hatten sich die zahlreichen, zähen Algen dort festgesetzt und die Vibrationen verursacht, andere Segler hatten auch damit Probleme während der Überfahrt. Sehr gut, dann brauchen wir doch nicht in die Werft, yippie!

Zum Wassertanken gehen wir zur Tankstelle im Hafen und bekommen wieder einmal die Unfreundlichkeit der Angestellten zu spüren. Man möchte sich beinah entschuldigen, dass man ihre Dienste in Anspruch nimmt. Kein Lächeln, kein freundliches Wort, sie nehmen nur widerwillig einen Festmacher entgegen.

Unsere letzte Etappe auf Martinique ist die nördlichste Stadt St. Pierre. Bis Anfang des 20. Jhdt. war es die Hauptstadt von Martinique, bis der Vulkanausbruch 1902 die gesamte Stadt unter einer heißen Giftwolke und Lavabrocken begrub, 30 000 Menschen starben. Die verkohlten Ruinen sind überall sichtbar und beklemmend.

das prachtvolle Theater in St. Pierre vor dem Vulkanausbruch
und heute

eine Ruine mit Versen über die Vergänglichkeit des Augenblicks
Per-Erik, Lotta und Pascale lesen die Verse und sehen die Wandmalerei im Hintergrund erst auf dem Foto!
eine quirlige Stadt und 30 000 Menschen wurden in weniger als 15 Minuten ausgelöscht
ein einziger Mensch überlebte in seiner Zelle mit schweren Verbrennungen. Er wurde später im Zirkus zur Schau gestellt

Hier treffen wir Lotta und Per-Erik aus Schweden von der Yacht „Voyageur“ wieder und verbringen drei nette Tage miteinander. Gemeinsam wandern wir zur imposanten Rum-Destillerie „Depaz“, ein wunderschönes Anwesen mit einem netten Chateau und einem großen Agrarbetrieb, anschließend besuchen wir den „Jardin de Balata“ und bestaunen die üppige Botanik. Leider heißt es dann auch wieder einmal Abschied von Lotta und Per-Eric zu nehmen, wir haben schöne gemeinsame Stunden miteinander verbracht. Unsere Reiserouten trennen sich hier, es ist unwahrscheinlich dass wir uns so schnell wiedersehen. Doch wir sind uns sicher, irgendwo wird es ein Wiedersehen geben, darauf freuen wir uns!

das Chateau der Rum-Destillerie Depaz
Jardin Balata
Hängebrücke im Jardin Balata
ein erlebnisreicher Tag, nun gibt es ein gemeinsames Bier und leckere Accras, mit Per-Erik und Lotta
St. Pierre Strand

Martinique hat unsere Meinung über die Boatboys auf den übrigen Inseln verändert. Haben wir sie dort manchmal als lästig und aufdringlich empfunden, so denken wir nun anders. Diese Menschen versuchen ihre Situation zu ändern und zu verbessern, sie arbeiten und verdienen eigenes Geld. Anders ist es auf Martinique: hier gibt es 40% Arbeitslosigkeit, das Arbeitslosengeld kommt monatlich aus Frankreich. Als wir ein Taxi ordern wollen, scheint es ein Ding der Unmöglichkeit. Der Taxifahrer winkt mürrisch ab, als er hört, dass unser Zielort ca. 40 Minuten Fahrt bedeutet. Nee, sagt er, wir sollen ein anderes Taxi nehmen, er hat dazu keine Lust! Hää.?? Das Problem ist, es findet sich hier kein weiteres Taxi und sein Taxi steht weiter auf dem Taxistand, während er einfach nur untätig daneben sitzt. Vielleicht sind wir „ zu deutsch“ um das zu verstehen!

Die Dame von der Autovermietung reagiert ähnlich: „Hilfe, Kunde droht mit Auftrag!“ Nein, es gibt kein verfügbares Auto, vielleicht nächste Woche. Die zweite Autovermietung, ist auch während der Bürozeiten nicht besetzt, das Telefon wird nicht beantwortet. Hmm!

Schließlich finden wir eine Taxifahrerin, die eigentlich privat in St.Pierre unterwegs ist, sie ist bereit uns zu fahren. Aber sie entpuppt sich als unehrlich und möchte das Doppelte von dem vorher vereinbarten Preis berechnen. Nach einer Diskussion lenkt sie ein, wir zahlen den vorher vereinbarten Preis, unsere Stimmung ist frostig. Schade, so etwas zahlt sich nicht aus, denn dafür gab es dann kein Trinkgeld, so!

Aber trotz allem, es hat uns gut gefallen auf Martinique. Es gibt auch sehr nette Menschen hier, schöne Buchten, viel Regen und dadurch eine üppige Natur. Weiter geht es zur Nachbarinsel Dominica, 55 sm entfernt!

St. Lucia

Wir stehen in Kontakt mit Whisper Power um eine Regelung für unser Generator-Problem zu erhalten. Der Kontakt ist zäh und erfordert Geduld. Durch die Zeitverschiebung von fünf Stunden zu Europa, haben wir pro Arbeitstag nur einen gemeinsamen Schnittpunkt von drei Stunden, das ist wahrlich nicht viel! Es soll einen Händler auf St.Lucia geben, also segeln wir dort hin. Eigentlich wollten wir St.Lucia nicht anlaufen, auch hier hatten wir viel Schlechtes gehört. Angeblich sollen die Boatboys sehr penetrant sein und sich an der Reeling festhalten, bis man ihnen etwas abkauft. Die Rodney Bay soll überfüllt sein und die Gefahr ausgeraubt zu werden, soll hier sehr hoch sein. Wir wollen mit dem Händler sprechen, also müssen wir wohl in den sauren Apfel beißen und dorthin segeln!

Zwischen St. Vincent und St. Lucia haben wir perfekte Segelbedingungen und wir rauschen mit 8 Knoten Geschwindigkeit durchs Wasser. Von weitem kommen die beiden Pitons in Sicht, das sind die zwei zuckerhutartigen Vulkankegel, die sich aus dem Meer erheben, das Wahrzeichen von St.Lucia. Es ist ein imposanter Anblick!

die zwei Vulkankegel, die „Piton“
der kleine Vulkankegel „Petit Piton“ 770 m hoch

Wir gelangen in den Windschatten der Insel, der Wind dreht und kommt nun genau von vorne! Also quälen wir uns nun Seemeile für Seemeile langsam mit dem Motor voran und schaffen es vor der Dunkelheit gerade noch bis zur Marigot Bay. Wir haben noch nicht einklariert, also müssen wir an Bord bleiben und dürfen nicht an Land. Einklarieren wollen wir morgen während der Büro-Zeiten in der Rodney Bay.

Am nächsten Tag segeln wir die schöne Küste weiter Richtung Norden, kommen an der Hauptstadt Castries vorbei. Dort liegen vier riesige Kreuzfahrtschiffe, wir mögen uns diese Menschenmassen an Land nicht vorstellen!

Kreuzfahrtschiffe in Castries

Mittags erreichen wir die Rodney Bay und wir sind angenehm überrascht! Es ist sehr viel Platz, eine riesige und schöne Bucht. Es darf nur einer von uns an Land zum Einklarieren. Gerrit schafft es noch gerade vor der Mittagspause. Leider scheinen die Beamten in der Einklarierungsbehörde keine Freude an ihrer Arbeit zu haben. Sie sprechen nur das nötigste und das sehr unverständlich, ein Lächeln können sie nicht über die Lippen bringen. Zoll und Einwanderungsbehörde sind geschafft, wir merken erst beim Ausklarieren, dass wir die Gesundheitsbehörde übersehen haben. Das hat aber keiner gemerkt, wahrscheinlich liest kein Mensch diese ganzen Formulare. Kleiner Trost: es bringt einige Menschen Arbeit und Lohn!

die schöne, große Rodney Bay

Wider Erwarten stellen wir fest: es ist sehr schön hier, die Menschen sind sehr freundlich (mit Ausnahme der Einklarierungsbeamten!), Rodney Bay ist sehr schön, es gibt keine Boatboys, nur ein Gemüsehändler und ein Wäscheservice. Beide drehen sofort ab, wenn man ihnen ein Zeichen gibt, dass man nichts braucht.

der Gemüsehändler in der Rodney Bay

Der Marineservice ist sehr kompetent und bemüht unser Problem abzuwickeln. Er bemüht sich über den Mutterkonzern in den USA um eine Lösung, aber auch das braucht Zeit.

So beschließen wir eine Rundtour über die Insel zu machen und buchen ein Taxi. Leider stehen wir die meiste Zeit im Stau, aufgrund der Massen von Besuchern von den Kreuzfahrtschiffen kollabiert das örtliche Verkehrssystem. Leider fahren wir die gleichen Anlaufpunkte wie die Kreuzfahrttouristen an, und werden dort von zahlreichen Straßenhändlern belagert, die uns immer die gleichen kitschigen Souvenirs verkaufen wollen. Unser Taxifahrer schlägt uns einen Naturtrail vor, mit Blick auf die Pitons, das hört sich gut an. Die Ernüchterung kommt promp, als wir uns inmitten einer großen Gruppe amerikanischer Kreuzfahrttouristen wiederfinden.

zahlreiche Touristenbusse an den Aussichtspunkten
unser Taxifahrer „Kurt-Joseph“ erzählt uns Wissenswertes über St. Lucia
Anse la Raye
Dorfstraße Marigot Bay
Fahrt durch die Dörfer

Ein Amerikaner möchte wissen, ob wir auch auf ihrem Schiff sind. Wir erzählen, dass wir auf einem Segelboot unterwegs sind, und von Europa über den Atlantik und wieder zurück über den Atlantik segeln wollen.

Er kann es nicht fassen und erzählt uns, dass er zusammen mit seiner Frau eine Kreuzfahrt um die Welt macht. Sie sind erst seit einer Woche an Bord, aber er hat bereits jetzt Bedenken, ob sie es in Anbetracht der kleinen Kabine beide überleben werden! Er ist beeindruckt, dass wir als Paar die Atlantiküberquerung überlebt haben! Wer weiss, wir haben ja noch eine vor uns..! 😉

Wir haben genug von den überlaufenen Sightseeing-Punkten und wollen nur noch gerne die Schwefelquellen besuchen. Die „Sulphur Springs“ als Teil des Unesco Weltnaturerbe, sind heiße Vulkanquellen, aus denen es brodelt und dampft und stark nach Schwefel riecht. Wir hatten den Geruch schon weit draußen auf dem Meer wahrgenommen und wollen die Verursacher an Land sehen. Es ist schon eindrucksvoll, aber da ist dieser stechende Geruch nach faulen Eiern. Man kann auch ein Schwefelbad nehmen, danach soll man um Jahre jünger aussehen! Nein danke, der Geruch lädt nicht zum Verweilen ein! Wir haben auch den Eindruck, dass unser Taxifahrer im Stillen gehofft hatte, wir würden nicht dorthin wollen. War wohl ein schlechter Tag für ihn! Er sagt seufzend, sein Auto würde jetzt mindestens ein Tag danach riechen. Dumm gelaufen!

die brodelnden und qualmenden „Sulphur Springs“

 

Eine große Überraschung gibt es als „Rubicon“ mit Lisa und Johan aus Schweden in die Rodney Bay einläuft. Die Freude ist auf beiden Seiten groß, es gibt viel zu erzählen und zu lachen. Wir haben den gleichen Humor, trotz Sprachbarriere verstehen wir uns prächtig. Sie segeln weiter Richtung Süden, sie wollen zum Panamakanal und weiter nach Alaska. Also heißt es am nächsten Tag endgültig Abschied zu nehmen, ein Wiedersehen wird es so schnell nicht geben, das ist sehr traurig! Aber schön ist es, so viele liebenswerte Menschen auf dieser Reise kennen zu lernen, was für ein Geschenk!

Panoramablick von Pigeon Island

Wir bekommen nun Nachricht aus Europa, nach zehn Tagen der Ungewissheit! Die neue Steuerungseinheit für den Generator wird nach Sint Maarten geschickt und dort im Rahmen der Garantie ausgetauscht, eine gute Nachricht. Wir werden Mitte Februar in Sint Maarten sein, also werden wir einen Monat ohne Wassermacher überbrücken müssen, das ist die schlechte Nachricht. Aber die Hauptsache ist, dass wir Ersatz bekommen!

Ausfahrt aus Rodney Bay Marina, Trinkwasser ist getankt, die Fender werden verstaut.

Wir werden nun St.Lucia verlassen und sind froh, dass uns der Zufall hier her gelotst hat!

Unser nächstes Ziel ist Martinique.

St. Vincent und die Grenadinen II

Den Jahreswechsel verbringen wir auf Bequia in der Admiralty Bay. Wir fühlen uns hier sofort wohl, in dieser großen Ankerbucht. Sie wirkt malerisch mit ihren weißen Sandstränden, dahinter üppiges Grün mit Palmen und am Ufer verteilt, die pastellfarbenen Häuser im Gingerbreadstil. Überall gibt es Anlegestegs für die Dinghys, die Insel hat sich perfekt auf die Segler eingerichtet. Diverse Dienstleistungen werden in der Bucht angeboten, es fahren umgebaute Boote den die Bucht ab und liefern auf Wunsch Diesel, Trinkwasser und entsorgen den Müll. Andere bringen Obst, Gemüse und Brot und wieder andere nehmen die Schmutzwäsche entgegen, um sie am gleichen Tag gewaschen und getrocknet wieder zu bringen!

Bequia
Admiralty Bay Bequia

Am Strand gibt es zahlreiche nette Strandbars, dort trifft man immer bekannte Gesichter.

An Silvester gibt es einen Sundowner auf Jajapami, ein Katamaran aus der „Sail the Odyssee“-Gruppe. Zum Sundowner trifft man sich zwischen fünf und sechs Uhr abends, jeder bringt etwas zu trinken oder zu knabbern mit und nach einer oder zwei Stunden löst sich alles wieder auf. An diesem Abend sind wir 21 Erwachsene und 12 Kinder, alle auf einem Boot, und es ist wie immer sehr nett. So viele unterschiedliche Nationen auf einem Boot: Frankreich, Großbritanien, Australien, Neuseeland, Puerto Rico und Deutschland.  Die Zeit verfliegt, an Gesprächsstoff mangelt es nie!

Den weiteren Abend verbringen wir mit den beiden französischen Familien. Wir bereiten zusammen unser Menü zu und haben viel Spaß dabei. Erst gibt es Foie Gras mit Mangochutney und Brioche, danach gegrillte Lobster. Dazu haben sich die Franzosen einen „deutschen Kartoffelsalat“ gewünscht. Den Wunsch erfüllen wir ihnen gerne und müssen schmunzeln. Dazu gibt es einen guten französischen Rotwein, ein wahrer Genuss! Es ist ein wunderbarer Abend in netter Gesellschaft, es gibt ein schönes Feuerwerk und wir bemerken, dass es unser erstes Silvester barfuß und in Shorts ist

Wir möchten nicht Bequia verlassen ohne die Insel gesehen zu haben, so mieten wir uns gemeinsam mit Allan und Maria von „Lady Jane“ ein Taxi und fahren zur privaten Schildkröten-Aufzuchtstation. Unterwegs gibt es  viele schöne Buchten, herrliche Aussichten von den Bergen und alte Plantagen zu bewundern. Die Aufzuchtstation wird von einem Deutschen betrieben, der aber leider nicht anwesend ist. Daher ist die Information etwas spärlich, doch wir können die unterschiedlichen Schildkröten bestaunen. Die Schildkröteneier werden am Strand eingesammelt, ausgebrütet und dann werden die kleinen Schildkröten aufgezogen, bis sie eine Überlebenschance im Meer haben. Die Aufzuchtbecken mit den Babyschildkröten sind entzückend, wir können uns nicht satt sehen. Dieser „Kindergarten“ mit lauter kleinen, wuseligen Schildkröten – einige schlafen an der Wasseroberfläche, andere starten Tauchversuche, die nicht immer gelingen wollen, herrlich!

malerische Buchten auf Bequia
Besichtigung Bequia mit Allan und Maria aus Großbritannien
Baby- Schildkröten!

Am nächsten Tag geht unsere Reise weiter, eigentlich nach St. Vincent, doch vorher wollen wir noch unseren Besuch auf Mustique nachholen! Mustique ist die exclusivste Insel zum Wohnen, möchte man sich hier einmieten, so muss man ab 40.000 € pro Woche bezahlen. Es ist eine Bilderbuchinsel und zum Wohnen ist es die teuerste. Wir haben da das Sparmodell: für umgerechnet 70,-€ dürfen wir hier max. drei Tage ankern und diese herrliche Insel genießen. Auf dieser Insel gibt es keine Kriminalität. Gefürchtet sind hier nur die Paparazzi, werden sie erwischt, so droht ihnen ein lebenslängliches Betretungsverbot. Die Insel ist sehr gepflegt, das Wasser ist türkisblau und das Riff eignet sich hervorragend zum Schnorcheln. Es gibt ein Dorf für die 500 Menschen, die hier arbeiten, mit einer Schule, einer Kirche, einer Polizeistation (das ist sicher der langweiligste Job auf der Insel!). Wir machen Strandspaziergänge und gehen ausgiebig am Riff schnorcheln und bestaunen die zahlreiche Korallen.  Die Menschen auf Mustique sind entspannt und sehr freundlich, es ist schon fast unwirklich. Ich frage mich, ob die Kinder, die hier aufwachsen, überhaupt fähig sind woanders zu leben. Die kennen doch keine bösen Menschen! Am liebsten wollen wir dieses Paradies nicht wieder verlassen! Gerrit überlegt kurz die Bucht zu verlassen und wieder einzulaufen, vielleicht merken sie es ja nicht und wir hätten drei Tage Verlängerung! 😉

Mustique
Mustique
Abendstimmung auf Mustique

Gerrit freut sich über all die gut funktionierenden Systeme an Bord und spricht es laut aus. Das sollte man nie tun….! Einen Tag später, haben wir die Retourkutsche!

Da wir Wasser machen wollen, lässt Gerrit schon mal den Generator laufen. Kurze Zeit später gibt der Generator komische Geräusche von sich, es folgt ein verdächtiges Knistern, es riecht verschmort. Zum Glück schaltet Gerrit den Generator aus und begibt sich auf Ursachenforschung. Hatten wir gehofft, dass der Impeller der Verursacher sei, so müssen wir leider feststellen, dass der Schaden größer ist. Die Steuerungsanlage für den Generator ist verkohlt, die Platine vollkommen verschmolzen, die Kabel sind verschmort. Als wir den Schaden betrachten, wird uns ganz mulmig. Hätte Gerrit nicht so schnell reagiert, hätte es vermutlich einen Kabelbrand gegeben. Upps! Das mag man sich nicht weiter ausmalen!

Und dann bei den Mietpreisen auf Mustique, oh je! Aber vielleicht hätte Mick Jagger Mitleid gehabt und uns Quartier gegeben! 😉

Nun fängt für uns das Problem erst an, wir können kein Wasser mehr machen und wir müssen Ersatz für die Steuerungsanlage bekommen. Unseren Wassertank können wir zum Glück noch  auf Mustique füllen. Der Generator ist noch keine zwei Jahre alt und das von der Firma vollmundig versprochene „weltweite Händlernetz“ erweist sich als Farce! Wir werden sehen!

wir werden von dem Traditionschiff „Elena of London“ begleitet. Was für ein majestätischer Anblick!

Weiter geht es erst einmal nach St.Vincent. Wir steuern die Keartons Bay an, südlich der Wallilabou Bay. In der Wallilabou Bay wurde der Film „Pirates of Caribbean“ gedreht, sie ist in Verruf geraten als vor zwei Jahren ein deutscher Segler überfallen und erschossen wurde. Die gesamte Insel wird von den Seglern gemieden, auch wir hatten es ursprünglich vor. Drei Boote aus der Odyssee – Gruppe waren bei Rosi in der Keartons Bay und hatten sie weiter empfohlen.Wir funken das Rock Side Café an, das sind Rosi und ihr Mann Orlando, sie haben drei Mooringbojen in der kleinen Bucht. Rosi ist Deutsche und lebt seit 15 Jahren auf St.Vincent und betreibt dieses Café/Restaurant in ihrem Haus.  Rosi antwortet prompt, ja, wir können eine Boje bekommen. Das klappt alles prima, wir liegen fest an einer Boje, neben uns eine Charteryacht mit deutschen Gästen und die dritte Boje bekommt Michel aus Quebec. Wir blicken in die Bucht und müssen erst einmal schlucken! Heute Morgen waren wir noch in der „Hochglanzwelt“ von Mustique, nun ist es der krasse Gegensatz. Wir blicken auf einfache Häuser und Wellblechhütten, die Boatboys tragen zerschlissene Kleidung, alles wirkt sehr ärmlich. Kinder spielen auf dem schwarzen Strand ausgelassen Fussball, dazwischen Hunde und Hühner. Haben wir die Boje bei Rosi für zwei Tage gebucht, so kommen uns nun Zweifel, ob es richtig war. Hinzu der zweifelhafte Ruf von St. Vincent, also am liebsten würden wir die Boje wieder verlassen!  Aber, gebucht ist gebucht, da müssen wir nun durch. Rosi fragt, ob wir bei ihnen zu Abend essen möchten, dann wäre die Boje kostenlos. Gerne nehmen wir das Angebot an und lassen uns Abends in privater Atmosphäre von Orlando bekochen und genießen das drei Gänge Menü unter der Pergola im Garten gemeinsam mit Michel aus Quebec. Er ist froh, dass er den Abend nicht allein verbringen muss und wir genießen seine humorvolle Gesellschaft. In der gesamten Umgebung ist ein lautes Geräusch zu hören, eine Mischung aus Vogelgesang und Grillenzirpen. Auf unsere Frage erklärt uns Rosi, dass es die kleinen Baumfrösche sind, die dieses melodische Konzert veranstalten. Eine wunderbare, familiäre Atmosphäre und unsere schlechten Gefühle vom Nachmittag sind verschwunden. Rosi versichert uns , dass sie Tag und Nacht über Funk erreichbar sind, das gibt uns ein sicheres Gefühl. Wir lernen auch unsere Nachbarn bei Rosi kennen, eine Chartergruppe aus Deutschland und erfahren dass sie für den nächsten Tag eine Inselrundfahrt planen. Es ist noch Platz im Taxi und wir können uns anschließen, so ein Glück!

Keartons Bay, St. Vincent. Ankern bei Rosi und Orlando

Rosi hat für diese Rundfahrt Garry organisiert, er will uns einen Teil der Insel zeigen. Er fährt einen Minibus, in Deutschland wäre er für acht Personen zugelassen, Garry hat Platz für 14 Personen! Gerrit bemerkt dass ein Reifen sehr wenig Luft hat, außerdem fehlen ein paar Radmuttern. Das mit der Luft sieht Garry ein und wir fahren zur Tankstelle, die fehlenden Radmuttern sind für ihn kein Problem! Garry hat einige Jahre in den Staaten gelebt und gearbeitet, doch er möchte lieber auf St. Vincent leben und betreibt hier eine kleine Landwirtschaft. Er baut Obst und Gemüse an und natürlich Marihuana, wie es viele auf der Insel tun.

Wir fahren durch die nächste Bucht, dort werden gerade in Gemeinschaftsarbeit zehn kleine Wale am Strand zerlegt. Sie wurden in der letzten Nacht erlegt und das Fleisch wird nun zum Trocknen aufgehängt, kein schöner Anblick!

Die Menschen in den Dörfern wirken teilnahmslos, stetig liegt der schwere Marihuanageruch in der Luft. Überall sieht man Männer die ihren Joint rauchen, viele wirken bekifft oder betrunken.

Garry erzählt auch unverblümt, dass das für ihn ein Grund war die Staaten zu verlassen – dort ist das Marihuana zu teuer! Okay!

Aber die Insel zeigt uns ihre wunderschöne Natur, man kommt sich vor wie in einem botanischen Garten. Garry zeigt uns die unterschiedlichen Bananen, Mangos, Brotfrüchte, Muskatbäume, Tamarindenbäume. Die, so erklärt er uns, sind prima wenn es mit dem Nachwuchs nicht klappen sollte. In diesem Fall soll der Mann sich daraus einen Tee kochen, dann klappt es garantiert. Als er uns danach erzählt, dass sein Onkel 38 Kinder mit 6 Frauen hat, fragen wir uns, ob er es wohl übertrieben hat, mit dem Tamarindentee!!

Auf St. Vincent gibt es sehr viel Armut. Menschen hausen in baufällige Hütten oder schlafen auf der Straße. Einige Bewohner waschen sich und ihre Wäsche im Fluss.

Weiter geht es zu den Wasserfällen, was für ein Erlebnis! Schade, dass die Insel ihr Potenzial nicht nutzt und den Tourismus fördert!

Regenwald auf St.Vincent
überall blüht es, eine unglaublich schöne Natur
es geht über eine Hängebrücke
Wasserfall im Regenwald

Wir müssen heute noch ausklarieren, wir wollen morgen die Insel verlassen und weiter nach St.Lucia segeln. In Chateaubelair gibt es eine Ausklarierungsbehörde, wir finden das Gebäude am Strand. Es ist ein kleines Einfamilienhaus, ein Schild zeigt dass wir hier richtig sind. Der zuständige Beamte wird gerufen und schließt uns auf. Wir staunen als wir das Büro betreten, es sind zwei abgetrennte Bereiche: Custom (Zoll) und Immigration (Einwanderungsbehörde) in einem wellblechartigen Schuppen, der Beamte wechselt nach Bedarf von einem Bereich zum nächsten. Wieder einmal ist viel Papierkram zu erledigen, alles in dreifacher Ausführung!

Strand Chateaubelair, St.Vincent
Ausklarierungsbehörde
zwei Schalter, ein Beamter!

St. Vincent hat uns sehr beeindruckt und wir sind froh, dass wir die Insel besucht haben!

St. Vincent und die Grenadinen

Martin, Caro und ihre drei Kinder von „Tamouré“ wollen mit uns zusammen zu den Grenadinen segeln. Sie haben diverse technische Schwierigkeiten und möchten die Strecke daher nicht alleine segeln. Wir haben auf Barbados ausklariert und möchten noch im Norden von Barbados zollfrei tanken. Wir haben zwar nur 200 Liter Diesel für die Atlantiküberfahrt gebraucht, aber auch bei 200 Liter ist zollfrei tanken verlockend. Da sie langsamer segeln als wir, vereinbaren wir, dass sie schon lossegeln und wir sie wieder einholen.
Sie senden kein AIS-Signal aus, daher können wir sie nicht sehen, aber sie können unser AIS-Signal sehen und der Kurs auf Union Island ist ja auch klar. Wie geplant, haben wir sie Abends wieder eingeholt und wir passen uns ab hier ihrer Geschwindigkeit an. Eins haben wir während der Atlantiküberquerung gelernt: langsames Segeln ist entspannter. Auch bei dieser Überfahrt bewahrheitet es sich. Es ist eine Nacht voller Squalls, wir werden tüchtig abgeduscht und haben reichlich Wind. Wir haben die Genua ein Drittel gerefft und kein Großsegel gesetzt und segeln immer noch 6 Knoten. Nachts funken wir immer wieder mit Caro oder Martin und tauschen uns über unsere Positionen und die jeweiligen Squalls aus. Morgens sind die Grenadinen in Sicht!

Die Grenadinen, das sind 35 , meist unbewohnte, Inseln zwischen Grenada und St. Vincent. Wir steuern die südlichste Insel an, Union Island, ein Port of Entry, hier können wir einklarieren.

Schon während der Ansteuerung bekommen wir einen Eindruck von der Schönheit dieses Reviers. Vorbei an Palm Island sehen wir das türkisblaue Wasser, die Wellen brechen sich am Riff. Es erfordert Konzentration bei der Ansteuerung, man muss das Riff umfahren, die Betonnung ist hier anders als in Europa: Steuerbord ist rot getonnt, Backbord grün.
Weit draußen werden wir von dem ersten „Boatsboy“ abgefangen, er will uns einweisen. „Boatsboys“, das sind Einheimische in kleinen, schnellen Booten, die sich durch allerlei Dienstleistungen ihren Lebensunterhalt verdienen. Die meisten sind freundlich zurückhaltend, aber es gibt auch die forschen, aufdringlichen. Wir erklären, dass wir ankern möchten und keine Boje möchten, doch er lässt sich nicht davon abbringen, uns eine Boje zuzuweisen. Wir trauen uns nicht zu widersprechen, also hängen wir kurze Zeit später unglücklich an einer Boje. Der Boatsboy stellt sich als „Skipper“ vor und möchte dann auch gleich 100 EC$ kassieren, umgerechnet 30,- €. Leider (oder zum Glück!) sind wir noch nicht im Besitz von EC$, wir müssen erst einen Geldautomaten suchen und einklarieren, dann wollen wir ihn bezahlen. Glücklich sind wir nicht, wollten wir doch ankern, so wie es in unserem Handbuch über Clifton steht. Für eine kurze Zeit ist unsere Laune etwas gedämpft, da bekommen wir das nächste Schauspiel zu sehen: Anflug Airport Clifton, direkt an der Bucht, aus dem Nichts erscheint eine kleine Propellermaschine über den Berg und stürzt sich steil nach unten auf die sehr kurze Landebahn. Ich muss an Filmszenen mit Harrisson Ford denken, es sieht sehr abenteuerlich aus. Was für ein Gefühl muss es als Passagier sein! Puh, dann doch lieber mit dem Segelboot einreisen!

Die nächste Erkenntnis: die Karibik ist ein Dorf! Wir sehen lauter bekannte Yachten um uns herum und wir werden von allen Seiten mit „lautem Hallo“ begrüßt, wie schön!
Wir gehen an Land, nun sind wir wirklich in der Karibik! Bunte Häuser, ein wuseliges Treiben, wir werden gegrüßt und fühlen uns wohl!
Wir erfahren, dass“ Skipper“ uns eine Boje vermieten wollte, die ihm gar nicht gehört, also wechseln wir die Boje und nehmen eine offizielle.
Es dauert nicht lang, da kommt der nächste Boatsboy ans Boot und bietet uns diverses zum Kauf an. Er bietet uns ein Bananabread an, nicht gerade günstig, aber okay, das können wir ja probieren (es schmeckt sehr lecker, erinnert an Honigkuchen). Er hat auch Baguette, sagt er. „Nein, danke“ meine Antwort, Gerrit ist nicht abgeneigt eins zu kaufen. Es beginnt eine lebhafte Diskussion zwischen uns, der Boatsboy blickt stumm von einem zum anderen. Nach einer Weile reicht er Gerrit das Bananabread und sagt aufmunternd zu ihm: “ ohh, glaub mir, es ist überall das selbe auf der Welt, immer diese Diskussionen mit den Frauen! Don´t worry!“ Ja, wenn das so ist, dann können wir uns doch all die Diskussionen gleich sparen, oder nicht? Haha!

Zum Ausklang dieses Tages und der gesegelten Nacht gönnen wir uns einen leckeren Rumpunch in der schönen Bar direkt am Wasser, da kommt die französische Familie von Luna Bay vorbei und tragen die kleine Leonie ins Dinghi. Sie ist gefallen und hat eine Platzwunde am Knie. Nachdem wir unseren Rumpunch ausgetrunken haben, beschließen wir noch schnell ein paar Gummibären als Trostpflaster für Leonie rüber zu Luna Bay zu bringen.
Guillaume und Jeniffer sind ganz aufgelöst, sie können ihre SteriStripes nicht finden und überhaupt fühlen sie sich überfordert. „Kennst du dich ein bisschen damit aus?“, so Jenniffers ängstliche Frage. „Nun ja, ich bin eigentlich Krankenschwester, aber das ist schon sehr lange her…, und außerdem habe ich schon einen Rumpunch getrunken….“ Schwupps, da sind sich Guillaume und Jeniffer sofort einig, sie übertragen mir nun diese Aufgabe, schwitz! Nachdem wir unsere SteriStripes von Bord geholt haben, wird Leonie auf dem Cockpit-Tisch gelegt und verarztet. Die Szene erinnert an ein Lazarett, wir haben unseren Spaß, Leonie fragt ängstlich nach, ob wir ihr weh tun werden. Nöh.., vertraue uns, alles wird gut!
Die Wunde ist verarztet, es hat nicht weh getan, nun bin ich Leonie´s Freundin 🙂 und Guillaume und Jeniffer bestehen darauf, uns zum Dank noch einen Rumpunch zu servieren. Oh je, wenn das hier so weiter geht…!
Unsere erste Nacht in Clifton verbringen wir in einem tiefen Schlaf!

Clifton, Union Island

Am nächsten Tag bekommen wir Besuch von unserem Nachbarn Heinz. Er segelt schon seit vielen Jahren in der Karibik, früher mit seiner Frau, seit ihrem Tod nun alleine. Er ist über 70 Jahre alt und segelt seinen Katamaran, eine Lagoon 440, alleine, wir haben großen Respekt. Er hat sein Schiff sehr gut gepflegt und wir treffen ihn später an anderen Orten wieder. Heinz gibt uns viele gute Tips und erklärt uns wie wir mit den Boatsboys umgehen sollen, das ist goldwert. Auch bestärkt er uns darin, lieber unserem Anker zu vertrauen als einer Mooring-Boje, die doch manchmal sehr abenteuerlich am Grund befestigt sind.

Nach zwei Tagen in Clifton legen wir noch einen Ankerstop in der wunderschönen, naturbelassenen Chatham Bay ein. Hier treffen wir Per-Erik und Lotta von der schwedischen Yacht „Voyageur“ wieder. Nach einem Strandspaziergang entschließen wir uns spontan zum Essen in der Strandbar von Seckie. Seckie und seine Frau Vanessa zaubern uns ein perfekt gewürztes Abendessen mit Fisch und Hühnchen auf einem spartanischen Grill, wir sind ihre einzigen Gäste, es ist ein schöner Abend!

Seckie´s Strandbar zusammen mit Per-Erik und Lotta

 

Bummel über Mayreau

Wir segeln über Mayreau zu den Tobago Cay´s, das sind kleine unbewohnte Inseln umgeben von türkisblauem Wasser und Korallenriffen, sie sind als Nationalpark geschützt. Es gibt viele große Schildkröten, das Schnorcheln ist traumhaft, die Kulisse errinnert an eine Postkarte, so schön! Mit den Schildkröten zu schnorcheln ist ein unvergessliches Erlebnis. Wirken die Tiere an Land so plump, sind sie unter Wasser sehr grazieus. Sonst so scheu, scheinen sie unter Wasser keine Notiz von uns zu nehmen, schwimmen sehr nah an uns vorbei. Es gibt viel zu sehen: unterschiedliche Seeigel, die lustigen Kofferfische, die mithilfe eines Wasserstrahls den Sand aufwühlen, ein Adlerrochen schwimmt elegant vorbei und wir bestaunen die unterschiedlichen Korallen, was für ein Erlebnis!

Ankern in den Tobago Cay´s
Blick von der unbewohnten Insel „Petit Rameau“ auf die Tobago Cay´s

Es gibt eine Überraschung als plötzlich die Yacht „Rubicon“ ins Ankerfeld einfährt. Das sind Lisa und Johan aus Schweden, sie haben ihre Kinder Mathilda und Markus zu Besuch. Die Wiedersehensfreude ist riesig und sie möchten gerne ein Barbecue am Strand mit uns haben, sie können nicht so lange bleiben, ihre Kinder haben den Rückflug von Martinique schon gebucht. Na ja, es gibt schlimmeres im Leben als noch ein Barbecue am Strand 😉

Überraschungsbesuch „Rubicon“
Barbecue mit Lisa, Johan, Mathilda und Markus

Wir nehmen Abschied von Rubicon und von Voyageur, hoffen sie noch einmal wieder zu treffen. Rubicon plant die Passage durch den Panama-Kanal, sie möchten gerne nach Alaska segeln. Voyageur weiss noch nicht so richtig, wohin ihre Reise geht. Wir wissen, wir wollen die Atlantikrunde segeln und erst danach entscheiden, wie es weiter geht.
Auch wenn Johan und Lisa uns bearbeiten, mit ihnen zu segeln und die Vorstellung reizvoll ist, nein, wir bleiben bei unseren Plänen. Lisa verspricht uns ein „Revival-Treffen“ in Schweden. Da bin ich gespannt, Lisa ist nämlich so inspiriert von den bunten Karibik-Häuser. Vielleicht sehen wir dann ein pinkes oder violettes Schwedenhaus in der Nähe von Göteborg. 😉

Wir beschließen die Weihnachtstage in den wunderschönen Tobago Cay´s zu verbringen , zusammen mit einigen befreundeten Yachten. Jeremy hat ein Barbecue am Strand organisiert mit gegrilltem Lobster, Reis, Knoblauchkartoffeln und Salat. Es ist ein herrlicher Tag, mit netten Menschen aus unterschiedlichen Nationen in traumhafter Umgebung.
Die Kinder sind noch ganz aufgekratzt und erzählen von ihren Weihnachtsgeschenken. Jeder hat Heilig Abend unterschiedlich verbracht, es war nicht einfach ein festliches Essen zu zaubern. Es gibt hier nicht viel zu kaufen und wenn, dann ist es unglaublich teuer. Doch die Wertschätzung der Lebensmittel ist nun ganz anders. In Clifton gibt es ein kleines französisches Geschäft mit allerlei Leckereien. Gerrit und ich haben uns die Nase an der Kühltruhe platt gedrückt, doch die Preise haben uns abgeschreckt. Jeniffer erzählt mir verstohlen, sie haben sich ein Stück Rockefort zu Weihnachten gegönnt. Sie haben es so genossen. Tatiana von Infinity erzählt von ihrem Schokoladenkuchen zum Nachtisch: er war außen etwas angebrannt und innen etwas flüssig. Aber da sie so lange keinen Nachtisch mehr hatten, hat es himmlisch geschmeckt! Wir hatten noch Gänseleberpastete von Zuhause mitgebracht und haben unsere letzte Flasche Wein genossen. Etwas wehmütig haben wir an unsere früheren, gemeinsamen Weihnachten mit unseren Kindern Amei und Neels gedacht.

„Weihnachts-Barbecue“ am Strand von „Petit Bateau“
Die Lobster sind vorbereitet
Strandbar Salt Whistle Bay auf Mayreau

Wir sind ein bunt gemischter Haufen, verschiedener Nationalitäten.
Die beiden französischen Familien amüsieren sich über unser Mißverständnis auf See, während der Atlantiküberquerung: wir drei Katamarane haben während der letzten Strecke der Überquerung häufig in Funkkontakt, in französischer Sprache, gestanden. Tagsüber plauderte ich mal mit Jeniffer, abends gab mir Guillaume seine Wetterdaten durch. Eines Abends, während meiner ersten Wache, lauschte ich dem Funkgespräch zwischen Guillaume und Jeremy. Auf Jeremys´s Frage „alles gut bei euch?“, hörte ich Guillaume antworten: „ja alles gut, wir haben gegessen, die Kinder schlafen nun und Jeniffer … prend son quart..!“
Aha, denke ich, das ist ja wieder typisch für die Franzosen: „elle prend son quart“ heißt für mich übersetzt: sie nimmt ihren Viertel! Klar, sie trinkt ihren Wein, was sonst!? Na, die lassen es sich ja gut gehen auf den französischen Booten! In meiner Vorstellung sah ich Jenniffer genüßlich ihren Wein schlürfen und die Weite des Ozeans geniessen. Ja, dachte ich, das ist der Vorteil auf einem französischen Boot zu sein! Einige Funkgespräche später fragt mich Jenniffer, wie ich denn so meine „quarts“ einteile. Da frage ich doch noch einmal nach, was sie denn mit „quart“ meint. „na ja, die Wache!“
Ach sooo….!

Nach der wunderbaren Zeit in den Tobago Cay´s geht es für uns noch einmal nach Clifton zum Einkaufen und Wäsche waschen. Abends gehen wir dann zu Lambi und lauschen der Steel-Band, erstaunlich wieviele Töne sie aus den Blechtrommeln zaubern.
Am nächsten Tag geht es Richtung Bequia, bei Windstärke 6-7 Bft! Wir segeln hart am Wind, ein unangenehmer Kurs, wir haben die Welle gegen uns und leiden mit Mojito. Das harte Stampfen ist eine Belastung für das Boot und für die Crew. Deshalb beschließen wir nicht, wie geplant, nach Mustique zu segeln, sondern gleich Kurs auf Bequia zu nehmen. Auf Mustique haben viele Prominente, u.a. Mick Jagger ein Haus, wir werden später vielleicht noch hin segeln, da muss Mick Jagger sich noch etwas gedulden!

Wir beschließen auch den Jahreswechsel auf Bequia zu verbringen, auch hier werden wir einige bekannte Yachten wieder treffen: Luna Bay, Infinity, Rogue und vielleicht noch die eine oder andere aus der „Sail the Odyssee“-Gruppe.

Dinghy-Dock in Clifton
auch in der Admirality Bay auf Bequia gibt es gute Anlegestellen für die Dinghys
Lieferung von Diesel, Wasser, Eiswürfel, Wäscheservice, Müllentsorgung…

Barbados

Kaum zu glauben, wir sind tatsächlich auf Barbados!

Diesen Moment habe ich mir oft versucht vorzustellen – wie fühlt es sich an, wenn man in Barbados ankommt und weiss, man hat den Atlantik überquert? Was für ein Glücksgefühl muss es sein..! Hm…, irgendwie nicht…! Es ist nicht greifbar, man realisiert erst nach und nach was für eine Distanz von uns überwunden wurde. Es geht den anderen Teilnehmern genauso. Eine besondere Erfahrung war die Zeitumstellung. Nimmt man das Flugzeug, wird man knallhart in die aktuelle Zeit hinein katapultiert. Unsere offizielle Uhrzeit für das Logbuch war die UTC-Zeit, unsere „Lebenszeit“ haben wir immer mal wieder angepasst, bis wir auf Barbados die richtige lokale Zeit (MEZ minus 6 Std.) einstellen konnten. So haben wir die Zeitumstellung langsam durchschritten.

Während der Planungsphase macht man sich so viele Gedanken, über die Ausrüstung, über das Wetter und über all die Dinge die passieren können. Wir haben uns Sorgen über Stürme, heftigen Seegang und die gefürchteten Squalls gemacht. Wir hatten für uns beschlossen, nicht zu starten falls Unwetter gemeldet wäre. Nein, wir wollten uns keinem Gruppenzwang unterwerfen. Aber wir haben nie darüber nachgedacht, was wir tun würden, wenn kein Wind gemeldet ist. Wir hatten während der ersten drei Tage unserer Reise einen windstillen, absolut glatten Ozean. Es war so windstill, dass einige Crews einen Badestopp mitten auf dem Ozean, bei 4000 Meter Tiefe, eingelegt haben. Wären wir ohne die Gruppe gestartet, hätten wir unseren Start um drei Tage verschoben!

Als zweiter Punkt waren es die möglichen Erkrankungen, mitten auf dem Ozean, die uns Sorgen bereiteten. Diese Angst wird auch gerne von all den Ausrüstern geschürt, lassen sich doch so diverse Emergency-Kits verkaufen. Auch wir haben eine gut sortierte Apotheke dabei und immer den Zweifel, nicht genügend ausgerüstet zu sein. Doch wenn man sich wohl fühlt, wird man nicht so schnell krank. Sicher ist es gut eine Grundversorgung an Bord zu haben, doch man sollte es nicht überbewerten.
Wichtig fand ich den Sicherheitsaspekt und zu wissen, dass man sich an Absprachen hält. Worst case, besonders für eine Zweiercrew, ist, wenn jemand über Bord fällt. Wir haben vor unserem Start ein Sicherheitstraining besucht und im praktischen Teil festgestellt, dass es fast unmöglich ist, eine über Bord gegangene Person zu bergen. Daher ist die wichtigste Regel an Bord: es darf keiner über Bord gehen. Während der Nachtwachen darf der Wachhabende das Cockpit nicht verlassen, ohne den anderen zu wecken. Dieses Seminar halten wir beide für absolut sinnvoll.

Aber zurück zu Barbados. Nachdem wir diesen unglaublich bürokratischen Einklarierungsprozess absolviert haben, können wir auf Barbados ankommen. In Bridgetown tobt das Leben, meist liegen hier drei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig. Die Stadt ist sehr quirlig, die Menschen sehr freundlich, immer mit einem Lachen.
Wir haben die Option über Cornell-Sailing im Stadthafen, der Careenage, anzulegen, die Liegegebühren sind im Preis enthalten. Man muss aber die tägliche Brückenöffnungszeiten beachten, damit man einlaufen kann. Wir beschließen erst mit dem Dinghi in den Hafen zu fahren, um uns ein Bild zu machen. Oh je, da sind wir uns schnell einig, doch lieber draußen in der Bucht zu ankern. In der Careenage ist es laut, stickig und schmutzig. Ist die Gefahr in der Karibik groß sich Ungeziefer an Bord zu holen, da scheint es uns hier fast unvermeidlich dass es passiert. Kakerlaken sind immer präsent, aber viel schlimmer finden das Risiko sich Ratten an Bord zu holen. Für die Ratten ist es ein Leichtes über die Leinen an Bord zu klettern – eine schreckliche Vorstellung.

Ankerfeld Carlisle Bay

Wir wählen also die zweite Option und ankern in der Carlisle Bay, direkt vor dem englischen Yacht-Club. Dort gibt es alles, nur keine Yachten! Wir, als Mitglied der Atlantik-Odysee haben das Privileg „member of time“ zu sein und dürfen dieses sehr schöne Areal nutzen und genießen. Die Englische Gesellschaft verbringt hier ihre Strandtage, es gibt eine Bar, das Ambiente erinnert an die Kolonialzeit. Wir fühlen uns schon etwas elitär, wenn wir das Schild passieren: „only for member“.

Yacht-Club Barbados
Strandbar Yacht-Club

Nur das Anlanden mit dem Dinghi bleibt eine Herausforderung. Schlägt das Dinghi quer, hat man verloren und im schlechtesten Fall überschlägt man sich. Am Strand werden alle Techniken für die perfekte Anlandung eifrig diskutiert. Die Crew von „Finally“ hat sich überschlagen und den Außenborder dabei beschädigt. Bitter war auch, dass ein Crewmitglied sich bereits während der Atlantiküberquerung die Schulter ausgerenkt hatte und nun noch eine Bruchlandung erleben musste. Wir hören von ihnen, dass man die Wellen zählen muss und nach der siebten großen Welle starten sollte, hätten ihnen die Einheimischen geraten. Okay, das wollen wir probieren: Gerrit und ich stellen uns in Startposition, fokussieren die Wellen, zählen bis sieben, rennen durch die Brandung, springen ins Dinghi, hat alles super geklappt, aber… wo ist der Starter für den Außenborder?? Oh, Mist, noch in der Tasche…, schon hat uns die achte Welle wieder an den Strand gespült!!
Eine Frage stellt sich für uns bei dieser Technik: woher weiss man wann es die Welle Nr. 1 ist? Da werden wir noch mal nachfragen müssen 😉
Aber wir lernen jeden Tag und unsere Anlandungen werden immer perfekter, schon bald brauchen wir keine trockene Ersatzkleidung mehr!

Immer wieder amüsieren wir uns über diese coolen Menschen und ihr mitreissendes Lachen. In der Markthalle frage ich eine Marktfrau was das für eine Frucht ist. Ein Golden Apple, antwortet sie, gibt es nur hier auf Barbados. Schon wird eine Frucht geschält, mit Salz eingerieben, ich soll probieren. Mehrere Augenpaare sind erwartungsvoll auf mich gerichtet: “do you like it?“ na ja, ich will ja nicht unhöflich sein, also sage ich „yes, I do“ Gleich ertönt dieses kehlige, mitreissende Lachen. Diese schönen, lachenden Menschen mit ihren Rasterlocken und immer wird man gegrüßt und gefragt , wie es einem geht.
Der Taxifahrer fragt uns aus welchem Land wir denn kommen. Aus Germany, unsere Antwort. Oh, dann ist doch Herr Putin unser Präsident. Nein, nein, stellen wir schnell richtig, zum Glück nicht! Unsere Präsidentin heisst Angela Merkel. Oh, wirklich? Er ist begeistert, denn Frau Merkel schätzt er sehr. Er ist so begeistert über Frau Merkel, dass wir uns gleich ganz stolz fühlen, aus Deutschland zu kommen! Dieses Phänomen begegnet uns immer wieder auf unserer Reise, Angela Merkel genießt eine sehr hohe Anerkennung im Ausland.
Zum Abschluss fragt uns der Taxifahrer ob wir Donald Trump mögen. Nein, den mögen wir gar nicht. Zack, wieder einen Sympathie-Punkt gewonnen! Er lacht und versichert uns, auf ganz Barbados gibt es keinen Menschen der Donald Trump mag!

Besonders viel Spaß bereiten uns die Sammeltaxi auf Barbados. Es sind kleine, oft betagte Minibusse, bunt bemalt mit lauter Musik. Wenn sie jemanden am Straßenrand passieren hupen sie kurz, will man mitfahren, reicht ein Handzeichen. Die Fahrt kostet umgerechnet 1€, egal wie weit man fährt. Bezahlt wird wenn man aussteigt. Die Busse sind immer gut ausgelastet, es wird zusammen gerückt, jeder bekommt einen Platz. Das ist gut funktionierender Nahverkehr!

Sammeltaxi mit gut gelaunten Menschen und lauter Musik

Wir machen einen Besuch der Mount Gay-Rum-Destillerie, mit reichlich Rum-Verkostung (puh!!) und anschließendem Besuch der Wildlife Reserve. Johan, von der befreundeten Yacht „Rubicon“, hatte mir dort blaue und grüne Affen versprochen, doch die vermochte ich trotz Rum nicht zu erkennen! Das war wohl ein schwedisches Märchen, haha!!

Mount Gay Rum Destillerie
es wird reichlich Rum ausgeschenkt!
Cocktails nach der Rum-Verkostung, gemeinsam mit der Crew „Rubicon“ aus Schweden und „Krabat“ aus UK
Blue Monkeys, das Gesicht leicht blau und das Fell schimmert gelb-grün. Es braucht Fantasie oder eine Menge Rum!!

Am nächsten Tag beschließen wir alleine die Südküste zu besuchen, wieder mit einem netten Sammeltaxi. Wir möchten die Südstrände und Surferstrände Silver Sands besuchen. Wir spazieren die Strände entlang zurück nach Oistin zum Fischmarkt. Dort probieren wir den Flying Fish, die Spezialität auf Barbados, bei einem der zahlreichen Grillständen.

Silver Sands mit Kite-Surfer
Südküste Barbados

Obwohl die Natur sehr schön ist, das Wasser türkisblau und die Menschen überaus freundlich sind, zieht es uns weiter. Die Zeit ist reif, wir beschließen zu den Grenadinen zu segeln. Es braucht einen halben Tag zum Ausklarieren. Eine Menge Papierkram (den kein Mensch je lesen wird!!) ist zu erledigen. Es sind komplizierte Anweisungen zu befolgen, und das alles auf Bajan, ein Englisch das nicht mal Engländer richtig verstehen können.

Warten zum Ausklarieren

Am nächsten Tag dürfen wir noch einen Stopp in Port St. Charles einlegen (auch dafür benötigen wir eine Erlaubnis), zollfrei tanken und dann geht es los – Union Island, die südlichste Insel der Grenadinen, heißt unser nächstes Ziel!

Atlantiküberquerung

„…du spürst die Lebensenergie, die durch dich durchfließt, das Leben wie noch nie, in Harmonie und genießt – es gibt nichts zu verbessern, nichts was noch besser wär außer dir und jetzt und hier und dem Tag am Meer…“  (Fantastischen Vier „Tag am Meer“)

 

Nach drei Wochen auf den Kap Verden wird es nun Zeit wieder weiter zu segeln. Unsere Gruppe hat sich um sieben Boote vergrößert, da die Teilnehmer der Atlantik-Odyssey dazu gekommen sind. Die Atlantik-Odyssey-Gruppe ist die Rallye, die direkt von Teneriffa nach Barbados startet. Innerhalb dieser Gruppe segeln einige Teilnehmer auch über die Kap Verden, haben dort aber nur eine knappe Woche Aufenthalt.

 

Leider ist, für die Tage nach unserem Start, nur wenig Wind gemeldet. Jede Crew hat nun ihre eigene Strategie, welche Route gewählt wird. Schon Tage vorher wird  das Für und Wieder jeder Route diskutiert. Wir entscheiden uns in südlicher Richtung zu segeln und hoffen dann auf die Passatwinde zu treffen. Das ist die längere Route, aber die Chancen auf Wind zu treffen sind höher, hoffen wir. Aber egal welche Route wir wählen, wir werden wohl öfter die Motoren starten müssen.

So verbringen wir die ersten Tage damit jedes Lüftchen irgendwie mit dem Segel einzufangen, in der übrigen Zeit müssen wir den Motor nutzen. Doch wir müssen unseren Dieselvorrat gut einteilen, für die gesamte Strecke reicht er bei weitem nicht.

 

Windstille auf dem Atlantik

Es ist  so schön wieder auf dem Meer zu sein! Tagsüber genießen wir das wunderschöne Blau der Tiefsee und realisieren erst wie klar das Wasser ist, als uns mal wieder eine Delfinschule besucht. Sogar die tiefer schwimmenden Delfine sehen zum Greifen nah aus. Sie begleiten uns ein ganzes Stück, es ist immer wieder schön! Ein anderes Mal können wir einen Teufelsrochen beobachten, wie er immer wieder aus dem Wasser springt und dabei mit seinen Flossen Flugbewegungen macht.

Auch die flinken fliegende Fische erheitern uns, es scheint, als würden sie darum wetteifern am weitesten zu fliegen. Leider landet dabei der eine oder andere Kandidat bei uns an Deck, was er dann mit dem Leben bezahlt, da sie meist zu spät entdeckt werden. Ein fliegender Fisch hatte Glück im Unglück: er flog nachts gegen Gerrit´s Arm, und konnte wieder zurück ins Wasser beordert werden. Wahrscheinlich hat er nur eine Beule am Kopf !  Auf Barbados sind fliegende Fische eine Delikatesse, doch unsere Exemplare sehen ziemlich mitgenommen aus, die wollen wir dann doch nicht probieren! 

 

Nachts bin ich immer wieder vom Sternenhimmel beeindruckt, diese Leuchtkraft habe ich vorher noch nicht gesehen.  

Aber ein besonderes Schauspiel ist das Meeresleuchten, verursacht durch fluoreszierendes Plankton. Dadurch leuchtet das Meer als würde eine Fee mit ihrem Zauberstab spielen. Unsere Boot zieht zwei Leucht-Schweife hinter sich her. Gerrit hatte während seiner Wache Besuch von Delfinen, auch sie zogen Leucht-Schweife hinter sich her, es war wie ein „Unterwasser-Feuerwerk“!

 

Die Tage verfliegen, es wird nie langweilig. Nachts wechseln wir uns mit den Wachen ab. Ich übernehme die erste Wache von 20 Uhr bis Mitternacht, danach übernimmt Gerrit bis um 4 Uhr. Anschließend muss noch jeder zwei Stunden wachen und die Nacht ist vorbei. Dann gibt es ein ausgedehntes, leckeres Frühstück!

 

wir segeln in die Nacht

 

Tagsüber versuchen wir uns im Fischfang. Wir haben unsere Ausrüstung verbessert, nun muss es doch klappen. Als wir im Mittelmeer unsere erste große Zahnbrasse gefangen hatten, da waren wir überzeugt, dass das Angeln eine einfache Angelegenheit ist! Pustekuchen! Seitdem sah es ziemlich mau aus, mit den Fischen. Ich gab zwischendurch zu bedenken, dass wir uns für den Wert dieser Ausrüstung eine Menge Fisch in den örtlichen Markthallen hätten kaufen können. Ja, aber der ist ja nicht so frisch, meint Gerrit. Doch, ich staune als Gerrit einen ziemlich großen Fisch aus dem Wasser zieht, 1 m lang! Es ist eine Königsmakrele. Er wird gleich ausgenommen, filetiert und vakuumiert, genug für vier Mahlzeiten. Und Gerrit hat Recht, der Fisch schmeckt köstlich. Aber angeln tun wir erst wieder wenn unser Fisch gegessen ist. Schließlich wollen wir ja nachhaltig fischen, nur so viel wie wir brauchen.

 

unser Fang : eine Königsmakrele

 

Es begegnen uns immer wieder große Fischtrawler, besonders Japaner aber auch Spanier. Wir machen uns wirklich große Sorgen um das Meer, nicht nur wegen der Überfischung. Erschrocken sind wir über die Vielzahl der Algenteppiche hier draußen fast 2000 Km vom Festland entfernt. Es sind dichte  gestrüppartige Gebilde, teilweise blühend. Sie überziehen das Meer so weit das Auge blicken kann,  kurz hinter den Kap Verden haben wir die ersten Algen gesichtet. Es gab schon den ganzen Sommer eine Algenplage an der spanischen Küste, an der Algarve und auf den Kanaren. Dort waren es übelriechende, schmierige Teppiche. Wir fragen uns, ob es mit der Erwärmung des Atlantiks zusammenhängt, wir werden Martin nach unserer Ankunft auf Barbados danach fragen.

Es ist so wie so noch etwas mit Martin zu klären: hatte er uns doch bei seinem Vortrag über seine Arbeit mit den Messbojen erklärt, dass es höchst unwahrscheinlich sei, solch eine Boje auf See zu treffen. Nun, wir haben schon die zweite getroffen! Die erste hat uns gerammt, es gab einen Knall, aber keinen Schaden auf beiden Seiten. Jeder setzte seinen Weg in entgegengesetzter Richtung fort. Die zweite Boje schwamm zwei Tage später an uns vorbei. Gebe es hier eine Möglichkeit einen Lottoschein auszufüllen, dann würden wir es sofort tun, das wäre bestimmt der Hauptgewinn!

 

immer wieder Algenteppiche! Was passiert mit dem Ozean?

Eigentlich sind wir auf unserer Route ziemlich alleine. Die meisten haben die nördliche und damit kürzere Route gewählt. Am zweiten Tag ist das Boot Rogue aus Neuseeland hinter uns. Er gehört auch zur Atlantik-Odyssey-Gruppe und soll ein Profi-Regattasegler sein. Wir versuchen mit ihm über Funk Kontakt aufzunehmen, ohne Erfolg. Wind haben wir beide nicht, er nutzt die volle Kraft seines Motors und zieht an uns vorbei.

 

Zwei Tage später kommen zwei französische Katamarane, auch aus unserer Gruppe, vorbei. Es sind zwei befreundete Familien und wir haben regen Funkkontakt unter einander, eine nette Abwechslung. Sie haben beide einen Outremer-Katamaran, die besonders schnell sind. Doch auch sie legen großen Wert auf Sicherheit und verkleinern ihre Segel in der Nacht. Auch wir wollen nicht aufs Äußerste gehen, so passen wir von der Geschwindigkeit ganz gut zusammen. Wir sind zwar nicht in Sichtweite, aber in Funkweite und auf AIS können wir uns sehen, das fühlt sich gut an.

 

Nach fünf Tagen und vier Fischmahlzeiten beschließen wir langsam wieder den Fischfang zu starten. Gerrit wirft den Köder aus und zehn Minuten später rattert die Angelrolle, upps..! Wollten wir eigentlich gemütlich frühstücken, das müssen wir nun verschieben. Aber der arme Fisch an der Angel hatte sich seinen Tag heute auch anders vorgestellt, ich hab ja schon etwas Mitleid…! Also spulen wir die Angelschnur auf und siehe da…, wieder eine Königsmakrele, nur noch größer!! Es ist ein sehr schmackhafter Fisch, aber jeden Tag den gleichen Fisch essen kann auch eine Last sein! Der Fischfang wird nun bis Barbados eingestellt und wir freuen uns auf eine Portion Spaghetti. 

 

Königsmakrele Nr.2!

 

Heute haben wir die Hälfte der Strecke überschritten! Zur Feier des Tages  haben wir ausnahmsweise mit einem Glas Wein angestoßen, sonst gibt es keinen Alkohol auf See.

 

Der 10.Tag auf dem Atlantik!

Während unserer Vorbereitungsseminare auf Teneriffa, hatte Diona uns mental auf mögliche Probleme auf See vorbereitet. Sie sagte:“ falls euch was kaputt geht…, nein…,

es wird euch ganz sicher etwas kaputt gehen. In diesem Fall ist es wichtig ,die Situation so anzunehmen wie sie ist und zu versuchen das Beste daraus zu machen.“

Bei uns ist es nun so weit, unsere Ruderanlage bereitet uns Probleme. Es fing zaghaft tagsüber an und wurde nachts richtig schlimm (warum werden Probleme nachts immer schlimmer??) Das Ruder vibriert und klappert im Ruderschacht, es schüttelt zeitweise das ganze Schiff durch. Besonders ärgerlich ist dabei, dass wir endlich richtig guten Wind haben und eine konstante Geschwindigkeit zwischen 7 und 10 Knoten haben. Aber genau das ist auch unser Problem, denn ab 7,5 Knoten meldet sich die Ruderanlage mit lautem Protest. Gerrit macht sich Sorgen, während ich noch versuche das Problem als nicht so wichtig anzusehen. Sehe ich doch unser „Rekord“-Etmal von 200 sm zum Greifen nah…! (ein Etmal sind die gesegelten Seemeilen von 24 Stunden) Doch nachdem Gerrit die Ruderanlage inspiziert hat, sehe ich ein, dass die Sicherheit vor geht. Schließlich sind wir noch 700 Seemeilen von der Küste entfernt. Also wechseln wir das Segel um die Geschwindigkeit zu drosseln, „seufz!“ In Barbados werden wir  wohl oder übel in die Werft müssen und das Ruderlager austauschen müssen.

 

Auch unsere Energieversorgung bleibt ein Problem. Nachts benötigen wir viel Strom für die Navigationsgeräte, den Autopiloten und besonders für unser Radar. Aber nachts liefern unsere Sonnenkollektoren keine Energie. Da werden wir uns noch eine Lösung einfallen lassen müssen.

 

Nun haben wir zwei Drittel der Strecke bewältig, bleiben noch 700 sm. Es ist schon komisch, wie man sich an diese Strecken gewöhnt. Früher fanden wir eine Strecke von 100 sm sehr lang und heute sagen wir: „ och, nur noch 700 sm und dann sind wir schon da!“

Letzte Nacht hatten wir zwei Squalls. Squalls sind plötzlich auftretende, lokale Regengebiete, meist mit starken Winden. Sie sind in der Karibik häufig und hier auf der zweiten Hälfte der Atlantikroute auch. Wenn man sie erblickt, hat man noch 5 – 10 Minuten Zeit Vorkehrungen zu treffen. Zum Glück kann man sie in der Nacht sehr gut auf dem Radar erkennen. Für uns bedeutet es, dass wir den Gennaker bergen müssen. Der Gennaker ist ein Leichtwindsegel, der starken Winden nicht widerstehen kann. Das Problem bei diesen Leichtwindsegel ist, dass sie sich bei starkem Wind schlecht bergen lassen, weil sie extrem windanfällig sind. Also muss das Bergen abgeschlossen sein, wenn die Böen auftreten. Letzte Nacht hat Gerrit mich geweckt und da war es, das gefürchtete Wort:“Squall!“ Oh…., alles muss ganz schnell gehen: Gennaker rein, Sturmfock raus und abwarten. Es kam ein heftiger, warmer Regen danach etwas Wind aber keine starken Böen, das hätte unser Gennaker auch ausgehalten. Aber…, das weiss man ja nicht vorher, wie stark der jeweilige Squall ausfällt. Und als erster Squall reicht uns auch ein kleiner, dann können wir erst mal den Umgang üben. Und weil es so gut geklappt hat, dürfen wir die Übung nach zwei Stunden noch einmal wiederholen!  Und am Tag auch noch einmal! Soll mal einer sagen, es wäre Langweilig über den Atlantik zu segeln!!

Mehrere Hundert Seemeilen und einige Squalls weiter befinden wir uns im Endspurt auf Barbados. Die Squalls haben, dank der Technik an Bord, ihren Schrecken verloren. Erblickt man bedrohliche Regenwolken am Horizont, haben wir die Möglichkeit unser Radar einzuschalten. Schon hat man die Möglichkeit den Squall in seiner Größe, Zugrichtung und Geschwindigkeit zu beurteilen. Das macht die Entscheidung, ob wir unsere Segel ändern müssen oder nicht, um einiges leichter. Die Technik erleichtert das Leben an Bord sehr, wenn sie funktioniert! Doch darüber brauchen wir nicht zu klagen, bis auf einige kleine Aussetzer, hat die Technik prima funktioniert. Luna Bay, die französische Familie, die wir immer wieder treffen, hat da mehr Probleme: ihr Autopilot hat während eines Squalls Wasser abgekriegt und nun macht er immer mal wieder eigenmächtige Kursänderungen. Das sind Dinge, die man auf dem Atlantik nicht braucht!

 

ein Squall bildet sich hinter uns

 

Wir sind sehr zufrieden mit Mojito und das Problem mit unser Ruderanlage ließ sich gut managen, zum Glück. 

 

Wir steuern Barbados an, hissen unsere gelbe Einklarierungsflagge und nehmen Kontakt zu den offiziellen Funkstellen auf. Die Küstenfunkstelle antwortet auf „Barbados-Englisch“ und ist sehr schwer zu verstehen. Wir hatten schon über den speziellen Dialekt auf Barbados gelesen, aber dass er so… speziell ist, hatten wir nicht gedacht. Zum Glück ist Luna Bay vor uns und wir können erst einmal ihrem Funkgespräch lauschen, und wir merken dass sie ganz schön ins Schwitzen kommen.

Danach kommt für uns die erste Einklarierung, zum Glück durch Cornell-Sailing organisiert. Trotz allem beansprucht die Prozedur viel Zeit, es müssen Listen in 6-facher Ausführung ausgefüllt werden, wir müssen drei Behörden konsultieren bis wir schließlich einklariert haben, die gelbe Flagge dürfen wir wieder einholen und wir dürfen nun offiziell an Land. Puh! Wie bequem haben wir es doch mit Europa, so einfach die Grenzen zu überschreiten, welch ein Luxus!

 

unsere Ankerbucht vor Bridgetown, die Carlisle Bay

Aber.., das Wichtigste realisieren wir jetzt: hatten wir im letzten Jahr das Lied aus den 90Jahren als Ohrwurm im Kopf: „Yeah, we are going to Barbados…“ so können wir nun singen: “ Yeah, we are in Barbados“!!! Und…: wir haben den Atlantik überquert!!!

 

Beach in der Carlisle Bay, Yacht-Club Barbados

Licht und Schatten – eine Yacht wird überfallen!

Licht und Schatten, so präsentieren  sich die Kap Verden tatsächlich immer wieder. Da ist diese unglaubliche Trockenheit, der Regen fehlt, das ist nicht zu leugnen. Andererseits gibt es die  grüne Nachbarinsel Santo Antao, eine Oase.

Ankern in der Baiá Papagei

Wir segeln nach Sao Nicolau und möchten zur Baiá Papageio, eine Empfehlung von Luc. Als wir dort ankern sind bereits drei Boote unserer Flotte da, es kommen noch weitere dazu. Das ist sehr komisch, da wir uns nicht verabredet hatten. Wir haben diese Bucht für unsere Flotte alleine und genießen das glasklare Wasser und den wunderschönen Strand. Abends gibt es auf wechselnden Booten einen gemeinsamen Sundowner, wir haben viel zu erzählen und zu lachen, das Leben kann so entspannt und schön sein. Besonders gefallen uns die unterschiedlichen Nationen in dieser Gruppe. Es werden unterschiedliche Sprachen gesprochen, meist aber Englisch. Da ist z.B. Thierry aus Frankreich. Er spricht sein spezielles (französisches) Englisch, mit viel Humor, und alle verstehen ihn. Er wiederum freut sich, dass die englischen und skandinavischen Damen Schwierigkeiten haben seinen Namen auszusprechen. Statt „Thierry“ sagen sie „chéri“, dafür gibt es dann eine herzliche Umarmung und ein Küsschen seinerseits.

Wir verbringen die Tage mit Schnorcheln, Boot putzen und organisieren eine gemeinsame Rundtour über die Insel.
Unsere Unbeschwertheit bekommt einen Dämpfer, als wir erfahren, dass die norwegische Yacht „Spillwill“, aus unserer Island-Odyssey-Gruppe,auf der Insel Santiago überfallen wurde! Nachts kam eine Gruppe junger Männer, mit Messer bewaffnet, an Bord und bedrohte Jens und Tront. Sie forderten Geld, Laptop, Handys usw. und das Beiboot. Sie nahmen Tront  als Geisel mit, Jens wurde am Mast gefesselt. Er konnte sich befreien und über Funk die Polizei rufen, die jungen Männer wurden gefasst. Doch einige Sachen sind ins Wasser gefallen und konnten nicht wieder gefunden werden. Jens erzählt uns, dass als er sich befreit hatte und über Funk:“ Piracy, piracy! Please call the Police!“ rief, eine Mitarbeiterin der Küstenfunkstelle fragt ob er seine Funkmeldung bitte auf Portugiesisch oder Spanisch wiederholen könnte!! Wahrscheinlich klang Jens dann doch nicht so entspannt als er ihr mitteilte dass er Norwegisch, Schwedisch, Englisch, Holländisch und Deutsch kann, aber leider weder Spanisch noch Portugiesisch!
Schließlich hat sie dann doch die Polizei informiert…!
Das war sicher kein gutes Erlebnis, doch darf man nicht vergessen, dass es hier auch sehr viele überaus freundliche Menschen gibt. Ich habe kein Problem alleine durch Mindelo zu laufen, ich werde häufig angesprochen, nach meinem Namen gefragt, aber nie belästigt.
Santo Antao

das kostbare Wasser wird zum Dorf transportiert

Fischerboote auf Santo Antao
Heute stellte sich bei allen Teilnehmern wieder eine gewisse Hektik ein. Proviant muss eingekauft werden, eine große Herausforderung auf den Kap Verden, da die Supermärkte recht überschaubar gefüllt sind. Es werden Mahlzeiten vorgekocht, das Internet noch genutzt, Wetter gecheckt, Wäsche gewaschen und heute Abend früh ins Bett. Gestern gab es für uns noch ein Farewell-Party mit Cocktail, Samba-Truppe und Tänzerinnen.
Morgen früh soll es gegen 10 Uhr losgehen – 2000 sm bis Barbados!

Kap Verden

Als wir in Mindelo ankamen, fragte uns Luc (von Cornell Sailing) wie unsere Überfahrt war. Ich antwortete ihm: „ein Traum! Wir hätten so weiter segeln können in Richtung Barbados!“  Luc daraufhin: „ das wäre sehr schade gewesen, dann hättet ihr die wunderbaren Cap Verden nicht gesehen!“

Gerrit und ich hatten keine großen Erwartungen an die Cap Verden, etwas gemischte Gefühle. Wir wussten, dass es eins der ärmsten Länder der Welt ist. Aber…, Luc hat Recht, es wäre sehr, sehr schade gewesen an den Cap Verden vorbei zu segeln!

Es ist hier eine völlig andere Welt, als das was wir bis dahin gesehen und erlebt haben. Wir fühlen uns stark an Kuba erinnert, auch weil die Musik für die Menschen eine wichtige Rolle einnimmt. Die Menschen, die Kultur und die Sprache sind eine Mischung aus Afrika, Brasilien und Europa. Die Menschen sind sehr freundlich, teilweise reserviert zurückhaltend. Hatten wir im Vorfeld von Kriminalität in Mindelo gelesen, so fühlen wir uns hier nicht unsicherer als in einer deutschen Großstadt.

Es gibt mehrere Kulturzentren in Mindelo, Künstler stellen ihre Malerei oder Skulpturen aus, es gibt Theater und immer wieder Musik und Tanz. Menschen treffen sich abends auf dem Dorfplatz, jemand baut eine Musikanlage auf und es wird getanzt – barfuß auf Betonboden oder im Sand. Die Musik, eine Mischung aus afrikanischen und südamerikanischen Klängen, lädt zum Mittanzen ein und ein junger Mann will uns dazu ermuntern. Wir staunen über die Tänzer, ihre wunderschöne Art sich zu bewegen, voller Anmut und Eleganz, teilweise mit Tango-Elementen. Auf dem Nachhauseweg hören wir Musik und gehen in eine Halle. Dort spielen mehrere junge Leute ein uns fremdes Instrument, es wird gleichzeitig gezupft und geschlagen, das ganze wird von Trommeln begleitet. Später wird uns erklärt, dass es Instrumente aus der Sklavenzeit sind. Der Tanz diente dazu den Körper zu stärken und geschmeidig zu halten um sich für den Kampf gegen die weißen Herrscher zu wappnen. Auch hier wird musiziert und getanzt, ein Tanz mit kämpferischen Elementen. Wir  dürfen  selbstverständlich eintreten und zusehen, man begegnet uns stets mit einem Lächeln.

Dann gibt es auch noch die Samba-Schule in Mindelo. Sie treffen sich Abends zum Proben, ihre Trommeln haben sie selbst gebaut. Geprobt wird in einem Innenhof, auch hier darf jeder zuschauen oder nach Samba-Rhythmen tanzen.

Samba-Schule in Mindel

Aber es gibt auch die bittere Armut in Mindelo. Es gibt Menschen die zerlumpt im Sand liegen oder teilnahmslos da sitzen. Es gibt Straßenkinder und es gibt Drogen und Alkohol, da Rum extrem billig ist.

Wir besuchen ein SOS-Kinderdorf, Jimmy Cornell hat den Kontakt hergestellt und wir haben bereits auf Teneriffa Tüten gepackt mit Heften, Schuhen, Stiften, Handtücher, Bettwäsche usw.  Auch eine gebrauchte Trompete konnte Jimmy erwerben, all das bringen wir ins Dorf und lassen uns ihre Arbeit erklären. Die Mitarbeiter bitten  uns eindringlich den bettelnden Kinder nichts zu geben, damit sie den Weg ins SOS-Kinderdorf suchen und damit sie begreifen dass sie eine Bildung brauchen. Es gibt hauptsächlich junge Menschen auf den Kap Verden, das Durchschnittsalter liegt bei 20 Jahren. Die ältere Generation fehlt, da sie entweder während der langen Dürreperiode Anfang der 80 er Jahre verhungert oder ausgewandert ist, um aus dem Ausland Geld nach Hause schicken zu können

Gemeinsam mit Jan und Sabine unternehmen wir eine Tagestour über die Insel Sao Vicente. Wir fahren mit Tché, unser Guide, und einem Fahrer über staubige Pisten und staunen über die wüstenhafte Landschaft, die gleichzeitig schön und so lebensfeindlich ist.

wir erkunden Sao Vicente über Pisten.

Wo auch immer sich etwas Feuchtigkeit aus den Wolken fangen lässt, wird Mais angebaut. Meist reicht er nur als Viehfutter, da die Pflanzen aufgrund der Trockenheit kein Korn bilden.

Die Einwohner der Cap Verden beeindrucken uns immer wieder mit ihrer warmherzigen Art. Da ist z.B. der Mann auf der Straße, den Gerrit nach dem Weg fragt. Er dreht sich um, gibt Gerrit die Hand, erklärt den Weg und klopft ihm zum Abschied freundschaftlich auf die Schulter. Oder beim Besuch einer kleinen, feinen Landwirtschaft auf Sao Vincente: der Landwirt zeigt uns bereitwillig seine Gemüseanpflanzungen, erzählt uns von seinem Kampf gegen die extreme Trockenheit (es regnet sehr selten auf Sao Vicente, manchmal ein wenig im August!), er erzählt uns, dass sie keinerlei Unterstützung vom Staat bekommen und dass sie bei der Bank keine Kredite bekommen. Wir fragen ihn, ob wir ihm Gemüse abkaufen können. Er bringt uns Salat, Papayas und Datteln, doch Geld will er nicht. Erst als Jan sagt, dass es uns eine Freude wäre, wenn er das Geld nehmen würde, erst dann willigt er ein.

Kleine Landwirtschaft auf Sao Vicente
gutes, einfaches Bewässerungssystem

 

Ein weiteres Erlebnis haben wir auf der Nachbarinsel Santo Antao. Wir ankern vor einem kleinen Dorf, ohne Straßenanbindung, es gibt nur einen Fußpfad. Das Dorf ist nach unseren Maßstäben sehr arm. Morgens schauen wir den Fischern bei der Arbeit zu, sie hantieren mit Netzen und großen Körben. Nach ihrer Arbeit kommt ein Boot auf uns zu und zeigt uns die gefangenen Fische, ungefähr zehn. Der junge   Mann reicht uns einen Fisch, viel zu groß für uns beide. Wir fragen nach dem Preis, aber er versteht nicht was wir wollen. Wir versuchen es auf Französisch, schließlich mit Zeichensprache. Als sie uns verstehen, winken sie ab. Nein, sie möchten kein Geld, sie lächeln und winken uns zum Abschied. Wir sind sprachlos und auch beschämt, dass diese bitterarmen Menschen so selbstverständlich mit uns teilen, da sind wir in Europa leider weit von entfernt!!

die zwei Fischer haben uns gerade einen Fisch geschenkt
Ankern vor Sao Antao

Wir segeln schließlich zur dritten Nordinsel der Cap Verden, nach Sao Nicolau. Nach einer Nacht in der Bucht von Tarrrafal, folgen wir Luc´s Empfehlung und steuern die Bucht Papageio an. Er hatte uns vorgeschwärmt, es wäre eins der schönsten Flecken der Cap Verden. Als wir die eigentlich einsame Bucht ansteuern, staunen wir nicht schlecht: es liegen bereits fünf Yachten aus unserer Gruppe und über Tag kommen noch mehr dazu. Ohne dass wir uns verabredet haben, ankern wir mit dem größten Teil unserer Gruppe und haben diese Bucht für allein. Das Wasser ist kristallklar, es gibt einen wunderschönen Sandstrand und eine einmalige Kulisse. Wir können schnorcheln und in den Wellen schwimmen, was für ein schönes Gefühl!

die wunderschöne Ankerbucht Papagaio auf Sao Nicolau

Überfahrt zu den Cap Verden

Endlich geht es los! Die Anspannung ist allen Teilnehmern anzumerken. Eigentlich haben alle das Gefühl nicht alles geschafft zu haben. Manchmal funktioniert die Technik nicht, oder bestellte Ersatzteile werden nicht geliefert.

Wir hatten noch mit unserem Satelliten-Telefon zu kämpfen, das Senden der Emails wollte aus unerklärlichen Gründen nicht funktionieren. In jeder morgendlichen Funkrunde der Atlantik-Odyssey kam die Ermahnung: „es fehlt die Test-Email von Mojito..“  Zum Glück gab es Unterstützung durch andere Teilnehmer, so kam Johan aus Schweden, von der Segeljacht  „Rubicon“, an Bord um uns zu helfen. Die Ursache konnte er auch nicht finden, aber dann funktionierte es letztendlich irgendwann doch, warum auch immer..!!

Abschiedsfoto auf Teneriffa

Obwohl es sich bei dieser Odyssey nicht um ein Rennen handelt, werden im Vorfeld schon die Favoriten ausgemacht. Als Favorit gilt, so erzählt man sich, die Segelyacht Akoavi, eine Pogo, mehr Racing-Yacht als Touren- Boot. Sie ist spärlich ausgestattet, sie hat nicht mal Türen – das Gewicht muss minimiert werden, wenn man schnell sein will! Schluck…., ich denke an die zahlreichen Kisten mit Vorräten, die ich an Bord geschleppt habe! Überhaupt hat Mojito an Gewicht zugelegt. Das erste Mal im Kran wog er noch 11 Tonnen, ein Jahr später waren es schon 12 Tonnen! Gefühlt ist nun noch bestimmt eine Tonne dazu gekommen..! Pah.., wer will denn schon als erster ankommen. Es soll uns schließlich an nichts mangeln, gut essen ist auch wichtig für die gute Laune an Bord, so!!

Außerdem weisen Jimmy und Doina darauf hin, dass es keinen Preis für die schnellste Yacht gibt, dafür soll es einen Preis für den größten, gefangenen Fisch geben und zwar einmal für die Kinder und einmal für die Crews.

Alle Crews treffen sich zum Abschied, wir wünschen uns „fair winds“, herzen uns noch einmal und dann geht es eilig zu den Booten, die Leinen werden gelöst und los geht´s…

20 Minuten nach dem Start meldet sich Johan von „Rubicon“ über Funk und verkündet stolz: „ an alle Teilnehmer der Odyssey – der Fischpreis geht an mich, ich hab einen Thunfisch an der Angel!“  Unglaublich, was haben die denn für einen Köder, wahrscheinlich ein schwedisches Spezialmodell. Wir mühen uns seit Monaten ab, und kaum ein Fisch beißt, und da kommen die Schweden und fangen einfach so einen Thuna…!!

Kurz nach dem Start hören wir über Funk  Traffic Control Teneriffa  mit einer Securite-Meldung, in der sie vor der Atlantik-Odyssey Ralley warnen! Im Mittelmeer kannten wir diese Meldungen über gesichtete Flüchtlingsboote und nun waren wir es, vor denen gewarnt wurde.

Es ist so schön wieder auf See zu sein! Diese wunderbare, reine Luft und in der Nacht dieser unbeschreibliche Sternenhimmel und die Meeresleuchten im Fahrwasser! Wir haben Wale neben uns, deutlich können wir das Ausblasen erkennen und dann eine Schwanzflosse aus dem Wasser, bevor sie wieder weiter ziehen. Fliegende Fische kreuzen immer wieder unseren Weg und eine große Delfinschule von 50 bis 100 Tieren begleitet uns ein ganzes Stück.

Sonnenuntergang – der Himmel brennt….

Ein unbeschreibliches Gefühl auf See: die Zeit scheint gleichzeitig stehen zu bleiben und zu fließen. Die Tage auf See vergehen unglaublich schnell, gleichzeitig spielt Zeit keine Rolle – man passt sich dem Rhythmus der Natur an.

Frühstück auf See mit Rührei, frisch gepresstem Orangensaft, selbst gebackenem Brot und einem Ambiente, das kein 5 Sterne-Hotel bieten kann
unser Parasailor ermöglicht uns bei achterlichem Wind zu segeln. Wie gut, dass wir ihn haben!

Am zweiten Tag gibt es leider nur sehr wenig Wind, das muss man dann auch mal aushalten können. Dafür fangen wir auch mal einen Fisch, eine wunderschöne Goldmakrele. Leider verliert sie ihre leuchtend gelbe Farbe sobald ihr Leben erlischt, das ist schon grausam. Abends räuchern wir sie auf dem Grill, hm…köstlich! Meine moralischen Bedenken sind da ganz schnell vergessen.

Am nächsten Morgen meldet sich Martin von dem Katamaran „Tamouré“ über Funk. Das ist die Deutsch-Französische Familie mit ihren drei zuckersüßen Kindern. Sie sind ein Tag später gestartet, weil sie noch auf eine nicht erfolgte Lieferung warten mussten. Unglaublich, dass wir sie hören können, sie sind mehr als 120 sm entfernt. Die Kinder sind ganz aufgeregt und berichten über ihre gefangene, große Goldmakrele. Die Goldmakrele hatte noch selbst eine Anchovie im Mund als sie dann selbst gefangen wurde. Nun hoffen die Kinder damit den „alternativen Fotopreis“ zu gewinnen!!

Wie bekommen einen unerwarteten Gast, ein kleiner, erschöpfter Vogel. Ich hatte ihn schon am Vortag bemerkt, er flog unser Boot zur Backbordseite an. Er hat uns kurz in Augenschein genommen, um sich dann doch zum Weiterfliegen zu entscheiden. Ein Tag später hat er sich gedacht, „okay, bevor ich im Ozean ersaufe, komme ich dann doch lieber an Bord“,  für ihn wohl eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera! Er will sich gleich im Salon einnisten, am liebsten hinter den Gardinen. Die Idee finden wir nicht so toll, haben wir doch noch den letzten geretteten Vogel in Erinnerung: noch in Torrevieja fischten wir einen Spatz aus dem Wasser, er war mehr tot als lebendig. Wir nahmen ihn an Bord, haben ihn getrocknet, gaben ihm zu fressen. Als er wieder zu Kräften gekommen war, flog er los, aber vorher hat er noch zum Dank unsere Polster vollgeschissen….!

Das sollte dieses Mal anders gehen, aber der kleine Vogel flog dann lieber ganz weg – entweder Salon oder gar nicht! Nun plagten mich die Gewissensbisse: armer, kleiner Vogel, alleine über dem Meer. Das nächste rettende Ufer 120 sm entfernt, und das alles nur weil wir Sorge um ein bisschen Vogeldreck hatten, mir war zum Heulen!

Aber dem kleinen Vogel ging es wohl ähnlich, er ist in sich gekehrt um dann festzustellen, dass ihm wohl keine Wahl bleibt und wir vielleicht doch nicht so übel sind! Wir haben einen Kompromiss gefunden: wir haben ihm einen Korb ausgepolstert, mit einem Handtuch zugedeckt und ihm allerlei Köstlichkeiten gereicht: Wasser, selbstgebackenes Brot, Maisgries und aus unserem Kräutertopf Grünzeug. Über Funk haben wir dann beratschlagt, ob wir ihn schon hier wieder frei lassen oder lieber in Landnähe. Da er sich scheinbar ganz wohl fühlt, entscheiden wir uns ihn mitzunehmen. Doch in der zweiten Nacht liegt er tot in seinem Korb, oh! Es folgt eine Seebestattung, und während wir ihm hinterher blicken, trösten wir uns mit den Gedanken, dass er satt war und ein weich gepolstertes Bett hatte und nicht alleine war…, doch traurig ist es schon☹

Wir finden unseren Rhythmus, auch die Wache in der Nacht spielt sich wunderbar ein. Am vorletzten Tag auf See funkt Sabine: „ also, ich weiß nicht wie es euch geht, aber von uns aus könnte es so weitergehen!“ Genau das Gleiche haben wir auch gerade gesagt! Der Gedanke an die Enge in der Marina behagt uns nicht. Aber wir freuenuns auf den Erfahrungsaustausch mit unseren Mitseglern und darauf, die Kap Verden zu entdecken!

Die letzte Nacht auf See ist leider sehr windstill, morgens um 4.00 Uhr müssen wir aufgrund von Windmangel den Parasailor bergen und die Motoren anstellen. Bis dahin konnten wir aber den Parasailor drei Tage und Nächte stehen lassen, er hat uns sehr gute Dienste geleistet. Kurz vor den Kap Verden nimmt der Wind wieder zu, zum Glück, so können wir doch noch die letzte Strecke segeln. Die Windverhältnisse auf den Kap Verden sind speziell, zwischen den Inseln kann der Wind plötzlich auf Sturmstärke beschleunigen. Deshalb ist die Anspannung groß, wir beobachten das Wasser ganz genau, damit wir dann das Segel sofort bergen können. Aber der Wind meint es heute gut mit uns, er bleibt moderat und wir können bis in die Bucht von Mindelo reinsegeln. In der Marina erwarten uns Luc von Cornell Sailing, drei Yachten sind schon da, wir machen als vierte Yacht fest und sind einfach nur glücklich hier zu sein!

Land in Sicht! Die erste Insel der Cap Verden -Santo Antáo
unser Müll von 6 Seetagen:
kleingeschnitten und geruchsfrei in der Flasche gesammelt

Unser erster Eindruck von Mindelo: eine spannende, freundliche Stadt. Eine völlig andere Welt. Wir fühlen uns stark an Kuba erinnert, sind positiv überrascht und freuen uns dieses Land näher kennen zu lernen!

 

 

 

 

 

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Teneriffa – Start der Islands Odyssey

Der Abschied von La Gomera fällt uns nicht leicht, aber wir freuen uns auf ein paar Ankertage vor Teneriffa.

An unserem letzten Tag in San Sebastian haben wir noch einmal Caroline und Bernoit getroffen, das Eignerpaar aus Belgien, die den baugleichen Katamaran wie Mojito haben. Wir verbringen einen gemeinsamen Abend und tauschen Knowhow über unsere Boote aus, es gibt viel zu erzählen und zu lachen. Die Beiden sind bereits die Atlantikrunde vor vier Jahren gesegelt und sind nun unterwegs in den Senegal und wollen mindestens ein halbes Jahr in der Casamanche verbringen. Sie waren schon einmal dort und berichten begeistert von ihrer Zeit. Ihre Tochter ist sich sicher, sollten wir etwas mehr Zeit mit den Beiden verbringen, dann würden sie uns überzeugen in die Casamanche zu segeln. Vielleicht ein anderes Mal, doch jetzt wollen wir in  Karibik…..!

Wir ankern noch einige Tage in den wunderschönen, einsamen Buchten im Westen von Teneriffa. Es ist beeindruckend vor diesen mächtigen, 500 Meter hohen Felswänden zu ankern. Gerrit lässt seine Fantasie schweifen und denkt darüber nach, was wohl passiert, sollte sich ein Felsbrocken aus der Felswand lösen und ins Meer fallen…., urg… – ich schlafe trotz allem wie ein Murmeltier, eine beeindruckende Küste!

Aber…., unsere Abreise, unser Termin mit „Sail The Odyssee“ rückt unaufhaltsam näher, es gibt noch viel zu tun  – wir müssen nach Santa Cruz in die Marina. Ich habe gelesen, man mag Santa Cruz erst auf den zweiten Blick und „man muss sich drauf einlassen“! Hmh…, also, wir können uns auch nach dem 10. Blick nicht mit dieser Stadt so richtig anfreunden. Das aller schlimmste ist die Luft hier in der Marina: wir liegen direkt neben der Anlegestelle für die großen Fähren zu den übrigen kanarischen Inseln, von der Reederei   Armas. Diese großen Fähren fahren mit Schweröl und stellen die Motoren nie aus, egal wieviel Stunden sie hier verweilen. Gleichzeitig liegen zwei oder drei Kreuzfahrschiffe im Hafen, die auch kräftig rußen. Aber im Vergleich zu den Armas-Fähren hätten sie glatt den blauen Engel verdient! Durch die Abgase ist unser Boot mit einer schwarzen Rußschicht bedeckt, im Schiff riecht es nach Abgasen und wir haben ein ständiges Kratzen im Hals, unsere Atemwege sind gereizt. Hinzu kommt das Dröhnen der Motoren während der Nacht, vergleichbar mit Hubschraubern. An Schlafen ist nicht zu denken! Aus Verzweiflung ziehen wir von unserer Kabine in die Achterkabine, dort hört man den Lärm nicht aber die Luft ist überall schlecht. Wir sprechen den Tourismusmitarbeiter an, das Problem ist bekannt, aber die Betreiber der Fähren haben sehr viel Macht und Schweröl kostet nichts, so lässt sich viel Geld verdienen!

Mr. Grey liegt auf der anderen Seite der Marina und kann sich freuen, sie haben keinen Lärm und es weht ein leichter Wind durch die Hafeneinfahrt. Ich bin schon neidisch, bis vor einigen Tagen, hähä…! Seitdem liegt direkt hinter ihrem Steg ein spanisches Marineschiff und pünktlich morgens um 7 Uhr ertönt die spanische Nationalhymne in voller Lautstärke zum Appell. Schadenfreude kann auch schön sein 😉

Nach und nach trudeln alle Sail The Odyssee-Teilnehmer in der Marina ein, eine bunt gemischte Gruppe aus Engländern, Amerikanern, Schweden, Norwegern, Dänen, Italienern, Franzosen und Deutschen. Es segeln vier Familien mit ihren Kindern im Alter von drei bis 14 Jahren mit.

Mehr Informationen über „Sail The Odyssey“, Jimmy Cornell und unsere aktuelle Regatta findet ihr auf www.Cornellsailing.com

Zum Kennenlernen gibt es am ersten Abend eine Potluck-Party, d.h. jeder bringt etwas zu trinken und zu essen mit und alles wird geteilt. Das was da aufgetischt wird, sieht nicht nur gut aus, es schmeckt auch gut, es scheint eine Gourmet-Gruppe zu sein!

Wir haben viel Spaß zusammen, aber es gibt auch viel Abzuarbeiten. Schließlich liegt die nächste größere Passage vor uns, 800 sm (das sind fast 1500 Km)  bis zu den Kap Verden. Jimmy Cornell, seine Tochter Doina und seine Enkelin Nera werden zusätzlich von Luc unterstützt. Es folgen Seminare, Sicherheitscheck, Anmeldeformalitäten für die Kap Verden, Proviantierung und vieles mehr. Schließlich verlassen wir Europa, bislang war alles easy, das wird nun alles komplizierter. Es wird ab jetzt noch schwieriger  Ersatzteile zu besorgen, also müssen die wichtigen Teile auf Vorrat an Bord sein.

Auch die Proviantierung muss gut überlegt sein. Einige Produkte gibt es entweder nicht mehr zu kaufen oder sind unbezahlbar. Alles muss überlegt sein und die Mengen irgendwo an Bord verstaut werden. Als Gerrit die Mengen sieht, die ich anschleppe, hat er Bedenken, ob „Mojito“ überhaupt noch segeln kann, bei dem Gewicht 😉

Luc kommt zum Sicherheitsscheck an Bord. Alles wird überprüft und durchgesprochen, einige Ratschläge erteilt.

Er möchte u.a. wissen, was wir an Bord haben um im Notfall die Wanten durchtrennen zu können. Für alle Nichtsegler: die Wanten sind die Drahtseile die den Mast abspannen und stabilisieren. Im Fall eines Mastbruchs muss es möglich sein diese Drahtseile zu kappen, sonst hat man ein noch viel größeres Problem! Wir haben dreifache Sicherheit: ein Wantenschneider, eine Metallsäge und eine kleine Flex! Das sollte reichen.

Wir diskutieren über die einzelnen Möglichkeiten der Werkzeuge. Luc erzählt uns, dass der Amerikaner da eine unkonventionelle Methode hat: ein Wanten-Schussgerät. Der Apparat wird geladen, man zielt und schießt die Wante durch. Amerikaner lieben Schießgeräte, Hauptsache er schießt sich kein Loch in seine Bordwand!

Zu unserer Gruppe gehört eine Deutsch-Französische Familie aus Brest. Martin ist Coordinator für die Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC) im Auftrag der UNESCO. Er hält uns einen Vortrag über seine Arbeit, Messbojen in den Oceanen weltweit auszubringen. Dazu braucht es auch tatsächlich Schiffe oder Segler um diese Bojen auszubringen. Es gibt mittlerweile einige Tausend Bojen weltweit, die wichtige Umweltdaten über die Oceane erfassen und übermitteln. Zwei Bojen hat er an Bord und wird sie während seiner Reise ausbringen.

Ihre drei Kinder haben die Patenschaft für die Bojen übernommen und die beiden Mädchen, Luna und Zoe, haben eine Boje in ihrer Kabine, Nils hat die andere. Die Boje der Mädchen gleicht einem großen, runden Staubsauger. Jedes Boot unserer Gruppe darf sich auf der Boje verewigen, jeder darf eine Botschaft schreiben. Die Boje von Nils hat mich beeindruckt: es ist ein langer Stab. Sie taucht über 2000 Meter tief, misst dort, taucht auf unterschiedlichen Höhen auf um wieder zu messen. Nach ein paar Wochen taucht sie an die Wasseroberfläche auf, um die Daten über Satellit zu übermitteln und taucht dann wieder ab und das Ganze beginnt von vorne, unglaublich!

Martin erzählt uns aber auch, dass dieses Jahr zum ersten Mal Wassertemperaturen von 30 Grad im Nordatlantik gemessen wurden. Das hat es noch nie gegeben! In der Südsee lagen die höchsten Werte bislang bei 27 Grad. Das ist besorgniserregend! Aber Herr Trump weiß es besser – die Klimaveränderung gibt es nicht….

Es steht noch ein Ausflug zum Teide und zum Nationalpark an. Wir fahren mit dem Bus und einer Fremdenführerin über die Insel, erkunden die unterschiedlichen Klimazonen und die unwirkliche Vulkanlandschaft. Aber unsere Gruppe ist angespannt und kann sich nicht wirklich auf all das einlassen. Jede einzelne Crew hat noch etwas zu erledigen oder abzuarbeiten, der Starttermin steht, obwohl wir laut Wetterbericht kein oder wenig Wind zu erwarten haben. Doch jeder von uns freut sich, endlich wieder auf See zu sein und die wunderbare Natur genießen zu dürfen.

Während des Frauen-Forums stellte eine Teilnehmerin die Frage, ob unsere Männer onshore oder offshore entspannter sind? Die Antwort kam bei allen Frauen wie aus einem Mund: offshore sind die Männer wesentlich entspannter…!

Heute gab es noch ein Briefing für die Skipper, schließlich segeln wir eine Regatta. Heute um zwölf Uhr müssen wir vor dem Hafen n der Startlinie stehen…

Der Verlauf de r Regatta kann man im Internet unter Cornellsailing/Islands Odyssey  verfolgen.

La Gomera – Liebe auf den zweiten Blick

Wir starten von La Palma und haben, wie so oft, keinen Wind – also müssen wir leider die Küste entlang motoren. Nach einer guten Stunde nähern wir uns der Südspitze, Fuencaliente, und bemerken in der Ferne dass die Wasseroberfläche anders erscheint.  Gerrit sieht es klar als Indiz, der Wind wird gleich zunehmen! Ich, dagegen, beobachte die entspannten Seevögel und bewerte die Erscheinung als nicht maßgeblich. Wir diskutieren noch lebhaft, da muss ich leider feststellen, Gerrit hatte mal wieder Recht!  Es folgt eine Beschleunigung und plötzlich haben wir Windstärke 6 und in Böen 7, wir werden ordentlich mit Salzwasser geduscht.

Wir segeln trotzdem relativ entspannt  mit 8 kn Geschwindigkeit La Gomera entgegen. Wir haben  im Großsegel das 2. Reff  und nur die Fock gesetzt- so werden Crew und Material geschont.  Mojito ist ein sehr sicheres Schiff, das zeigt sich immer wieder.
Abends erreichen wir La Gomera und ankern in der ersten Bucht „Valle Gran Rey“ direkt unter einer mächtigen Felswand, sehr imposant! Als wir in die Bucht einfahren, staunen wir, denn da liegt ein fast identisches Schiff vor Anker – eine Privilège, 5 Jahre älter und ein Fuß kürzer, aber sonst baugleich. Das belgische Eigner-Paar, Bernoit und Caroll staunt genauso wie wir. Unsere Schiffe sind so selten, dass weder sie noch wir bislang ein baugleiches Schiff getroffen haben, und nun ankern wir nebeneinander!
Ankern in Valle Gran Rey

Der Ort „Valle Gran Rey“ kann uns dagegen nicht begeistern: er ist fest in deutscher Hand. Die „Carniceria“ heisst hier Fleischerei und die „ Panederia“ heisst hier Bäckerei. Die Bäckerei wirbt für ihr deutsches Brot, die Fleischerei preist Schweinerücken und Grillwürste an. Überall wird Deutsch gesprochen, es ist befremdend. Die ansässigen Deutschen wirken esoterisch angehaucht, alle sind sehr entspannt, wir stellen uns die Frage, ob sie was geraucht haben. 😉

Nach zwei Tagen beschließen wir weiter zu ziehen, eine neue Ankerbucht zu suchen.
Unser Frischwasser ist verbraucht, wir müssen noch neues produzieren. Schwierigkeiten haben wir schon seit der Costa del Sol mit einem erhöhten Algenvorkommen in den Buchten. Immer wieder sammeln sich feinste Algenteppiche, die die Filter unseres Wassermachers verschmutzen. Bisher haben wir noch keine Erklärung für dieses Phänomen gehört, aber auch hier auf den Kanaren ist es ein Problem. Daher bleiben wir am liebsten zum Wassermachen weiter draußen. Auch heute lassen wir uns draussen treiben, lassen den Wassermacher arbeiten. Gerrit nutzt die Zeit zum Angeln und verspricht einen großen Fisch zum Abendessen. Die Fische mögen das Plätschern vom Wassermacher und sammeln sich dabei unterm Rumpf.
Plötzlich nähert sich ein großer Schatten und wir trauen unseren Augen nicht, als wir einen ca. 4 m großen Teufelsrochen direkt neben unserem Boot sehen. Was für ein majestätisches Bild, wie er sich durch das Wasser bewegt. Es scheint als würde er durch das Wasser fliegen – dazu hat er einen großen Putzerfisch auf dem Rücken. Schnell holen wir die Angel rein, denn so einen großen Fisch möchten wir dann doch nicht zum Abendessen! Er bleibt eine ganze Zeit bei uns und wir genießen den Anblick!
vergleichbarer Teufelsrochen (wir haben vor lauter Staunen kein Foto gemacht)

Wir machen uns auf die Suche nach einer geeigneten Ankerbucht, doch bei bewölktem Wetter wirkt die Küste unfreundlich und sehr karg. Ganz ehrlich, wir können uns mit dieser Insel noch nicht so recht anfreunden!

Also beschließen wir in der Marina von San Sebastian nach einem Liegeplatz anzufragen. Sie sind sehr freundlich und sagen sie seien schon ziemlich voll, aber ja, wir können noch kommen!
Wir werden von einem sehr kompetenten Marinero empfangen, was leider nicht selbstverständlich ist, wie wir schon in den vergangenen Monaten feststellen durften! Die Marina ist super organisiert und die nahgelegene kleine Stadt San Sebastian ist ganz reizend, die Laune bessert sich.
Auch treffen wir Martina und Daniel aus der Schweiz wieder. Wir haben sie vor zwei Jahren in Cartagena kennen gelernt und seitdem losen email-Kontakt gepflegt. Wir trinken ein Glas Wein zusammen und tauschen Informationen aus. Sie segeln am nächsten Tag weiter nach La Palma.
Wir mieten uns ein Auto und wollen die Insel erkunden. Der freundliche Autovermieter nimmt sich viel Zeit um uns genau zu erklären, wie wir uns den besten Überblick verschaffen können und gibt uns viele Tipps. Das fällt uns hier positiv auf, die Menschen sind extrem freundlich und sehr entspannt.  Um das Auto Abends wieder abzugeben, brauchen wir es nur am Straßenrand abzustellen, die Schlüssel unter die Fußmatte zu legen und das Auto nicht abschließen. Auf dieser Insel wird nicht geklaut, versichert uns der Autovermieter! Hier ist die Welt noch in Ordnung, wie schön…! 🙂
Nun zeigt sich La Gomera von seiner schönsten Seite. Zeigte sich die Insel von außen karg und trocken, so ist sie im Innern grün und üppig, abwechselnd mit bizarren Felsformationen. Die Insel ist sehr gepflegt, der Tourismus wird  ernst genommen, man fühlt sich willkommen. Wir verbringen einen wunderbaren Tag und sind beeindruckt von dieser wunderschönen Insel! Ein großes Lob an die Tourismusverwaltung: ihr Konzept ist durchdacht und stimmig!
Blick über die Insel
Blick von oben auf Valle Gran Rey
Blick vom höchsten Punkt der Insel (Alto De Garajonay) auf Teneriffa.La Palma und El Hierro kann man ebenfalls von hier sehen
Selfie vom höchsten Punkt. Im Hintergrund der Pico de Teide von Teneriffa

Dorfplatz von Agulo