Start in die Ostsee, anders als ursprünglich geplant

Das Jahr 2021 ist ein merkwürdiges Jahr, das ist es wohl für uns alle.

Bei unserem Start in Spanien, im vergangenen Jahr, hatten wir uns dieses Jahr  ganz anders vorgestellt. Die große Ostseerunde war geplant, hinauf in den Botnischen Meerbusen, dort wollten wir Mitsommer erleben. All das haben wir uns in den schönsten Farben ausgemalt, doch dann kam Corona und veränderte die Welt und unsere Pläne!

Mojito hat den Winter in Norddeutschland an Land verbracht, zwar mit herrlichem Blick auf die Insel Norderney, aber dafür dem norddeutschen Wetter erbarmungslos ausgesetzt. Wenn wir während der Wintermonaten nach Mojito schauten, bot sich (für uns) ein trauriges Bild: die seltenen Sonnentage und die niedrigen Temperaturen ließen  Mojito nur selten trocknen, an vielen Stellen zeigte sich schon Grünspan. „Oh je, das bekommen wir nie wieder hin!“ – so unsere Befürchtung.

Das Frühjahr 2021 lässt lange auf sich warten, doch so bald die Temperaturen es zulassen, arbeiten wir unermüdlich am Schiff. Auch das Team der Störtebeker Werft in Norddeich ist, wenn es gebraucht wird, verlässlich und immer sehr freundlich zur Stelle.

Zunächst muss noch einmal der Mast gelegt werden, um die Mastplatte neu zu fertigen. Die alte Mastplatte war zu klein und bot für den Mast keine ausreichende und zuverlässige Standfestigkeit. Leider wurden nach unserem Mastbruch einige Arbeiten unbefriedigend erledigt. Nun endlich ist auch dieser Fehler beseitigt. Die Störtebeker Werft fertigt uns eine neue Platte an, mit Sachverstand und fachmännischem Geschick, genau nach Gerrit´s Vorstellung.

Der Mast wird abgebaut, eine kniffelige Angelegenheit. Die Elektrik im Mast und die Wanten müssen abgebaut werden.

Mojito ohne Mast

Der alte Grundplatte unter dem Mastfuß ist zu klein. Für uns keine vertrauenserweckende Konstruktion

Die neue Mastplatte sieht doch viel Vertrauenserweckender aus!

Der Mast wird wieder montiert

Es werden noch einige Gelcoat-Arbeiten erledigt, Gerrit und ich spucken uns in die Hände und streichen das Unterwasserschiff neu. Da wir hier das spezielle Coppercoat auftragen, eine Kupfer-Epoxy-Mischung, bedeutet das, es müssen fünf Schichten aufgetragen werden, ohne dass sie zwischendurch durchtrocknen. Sprich: morgens früh anfangen und bis spät abends streichen. Das ist der Moment indem man sich doch ein Einrumpf-Boot wünscht!! Am folgenden Tag schmerzen alle Muskeln und die Knie, doch die Mühe war es wert, nun haben wir hoffentlich für zehn Jahre Ruhe.

Mojito ohne Mast, das Unterwasserschiff ist angeschliffen und zum Streichen vorbereitet

Nun wird gestrichen

Fertig!

Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden

Zum Schluss noch ein paar Polierarbeiten und dann kommt der lang ersehnte Moment:  der Kran hebt Mojito  wieder ins Wasser!

Mojito muss über eine öffentliche Straße zum Wasser

Der lang ersehnte Moment: es geht wieder ins Wasser

Jetzt noch das Teakdeck schrubben, das übrige Deck wachsen und Mojito strahlt wie lange nicht mehr! Keine Spur mehr vom Grünspan und von den schwarzen Regenstreifen, wer hätte das gedacht.

Damit wir nicht verhungern wird noch proviantiert. Ich muss mich bremsen: es geht nur in die Ostsee, nicht über den Atlantik! Es droht keine Hungersnot, auch an der Ostsee gibt es Supermärkte!

Endlich geht es los Richtung Ostsee. Leider nicht die geplante große Runde, nur eine kleine Runde, wir machen keine Pläne mehr, wir werden sehen was geht.

Die erste Nacht liegen wir vor Anker unter Juist und genießen die herrliche Stimmung im Wattenmeer, umgeben von Seehunden, die sich faul auf der Sandbank wälzen und zahlreichen Vögeln, ein Traum.

Am nächsten Tag stellen wir den Wecker auf 5 Uhr, wir wollen das auflaufende Wasser  und die damit verbundene Strömung nutzen um nach Cuxhaven zu kommen. Die morgendliche Stimmung im Wattenmeer ist unbeschreiblich, leichte Nebelschwaden ziehen an uns vorbei, die Tierwelt erwacht. Ein schöner Tag auf dem Wasser, leider ohne Wind, dafür eine platte Nordsee,  wie man sie selten erlebt. Wir fühlen uns wie im Mittelmeer.

Zum Glück die Ausnahme: Hafenliegen in Cuxhaven

Wir sind gespannt auf unsere erste Passage durch den Nord-Ostsee-Kanal. Natürlich haben wir uns belesen und hoffen alles richtig zu machen. Als wir uns Brunsbüttel nähern, hören wir im Funkverkehr, dass einige Sportboote schon über eine Stunde vor der Schleuse warten und der Schleusenwärter sie um eine weitere Stunde vertrösten will. Eine Seglerin lässt nicht locker und fragt noch einmal nach, entnervt verkündet der Schleusenwärter nun die Sportboote doch schon zu schleusen. Perfekt für uns, wir können ohne Wartezeit direkt in die Schleuse fahren, Glück muss man haben! Wir haben Mojito gut abgefendert und erwarten, wie in anderen Schleusen, unangenehme Strudel. Doch gefühlt passiert nichts und nach kurzer Zeit öffnet sich das zweite Tor. Das war alles?? Und dafür wird geschleust? Egal, wir sind im Nord-Ostsee-Kanal, unglaublich. Die Landschaft ist schön, wir fühlen uns ein bisschen wie in Holland, das Wetter ist sommerlich, so kann es weiter gehen. Wir ankern Nachts im Flemsee, ein idyllisches Plätzchen am Rand des Kanals.

Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal

Festmachen im Nord-Ostsee-Kanal

Nord-Ostsee-Kanal

Über Nacht ankern im Flemsee, ein schöner Platz am Rand des Nord-Ostsee-Kanal

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Kiel und nach einer weiteren perfekten Schleusung (wieder ohne Wartezeit!) werden wir in die Ostsee ausgespuckt. Nun noch bezahlen, so steht es in der Broschüre, in den aktuellen Handbüchern und auch im Internet. Der Bezahlautomat am Ufer in Holtenau ist schnell ausgemacht, doch die Anlegestege sind alle belegt, na toll!

Die Boote scheinen hier nicht nur zum Bezahlen zu liegen, die Crews verlassen ihre Boote mit Einkaufstaschen. Und wie sollen wir nun bezahlen??? Einfach weiterfahren ohne zu bezahlen – nein, das tun wir nicht. Ein Steg ist mit Flatterband gesperrt, anlegen ist hier verboten. Mit mir kann man grundsätzlich nichts verbotenes tun, da bin ich sehr strikt, doch hier sehe ich entnervt ein, hier bin ich doch bereit für eine Ausnahme. Wir legen unter widrigen Umständen an, machen so gut es geht fest, Gerrit klettert über das Absperrband an Land und hechtet zum Bezahlautomat. Ein Segler fährt vorbei und macht mich darauf aufmerksam, dass wir hier nicht anlegen dürfen. Ich weiß, entgegne ich, wir wollen nur bezahlen, wir sind gleich wieder weg. Er klärt mich auf, dass das Schleusen im Jahr 2021 für Sportboote kostenlos ist. Wie schön! Noch schöner wäre es, wenn es zumindest im Internet vermerkt wäre. Na ja, nun wissen wir es auch! Gerrit kann wieder an Bord, wir können die Leinen lösen und direkt in die Kieler Förde, in die nächste wunderschöne Ankerbucht. Weiter östlich soll es, laut Wetterbericht, unwetterartige Gewitterzellen geben. Da bleiben wir lieber hier, gehen endlich wieder ausgiebig schwimmen und sehen dem regen Treiben in der Kieler Förde zu. Herrlich!

Ankerbucht in der Kieler Förde

Abendstimmung in der Ankerbucht der Kieler Förde

Da wir die bescheidene Infrastruktur der Nordseeküste kennen, beschließen wir die gute Infrastruktur  der Kieler Förde zu nutzen und fahren die nächste Tankstelle an, gemäß dem Motto: „was man hat, das hat man!“

Wie wählen jene Tankstelle aus, die laut Handbuch, die am besten anzusteuernde Tankstelle der gesamten Kieler Förde ist. Das klingt sehr gut!  Wir wissen schon, dass es hier nicht sehr viele Katamarane gibt und dass die Vielzahl der Ostseeboote eher klein ist und wir eher überdimensioniert sind. Wir sind zuversichtlich, dass sich alles meistern lässt. Doch als wir die Tankstelle ansteuern, bekomme ich Schweißperlen auf der Stirn. Eins ist sicher: wenn wir tanken, passt kein zweiter hierher! Ich bewundere Gerrit´s Ruhe.

Nun kommt der Moment, den wir beide nicht mögen: wenn ich die Leine aus der Hand gebe, bin ich demjenigen der sie annimmt gnadenlos ausgesetzt! Deshalb gebe ich stets die klare Anweisung, mir doch bitte die Leine gleich zurückzugeben, sie nur einmal um die Klampe oder Poller zu legen, biiitte!  In der Karibik und auch im Mittelmeer ist das kein Problem, dort kennen sie sich mit Katamaranen aus und wissen wie sie festmachen müssen, damit wir in die Leine „eindampfen“ können und uns problemlos an den Steg ziehen können. Der Tankwart fordert die Leine für sich, lieber würde ich sie selbst um die Klampe legen, dann hätte ich sie nämlich weiterhin in der Hand! Doch ein echter Kieler Tankwart lässt sich von einer Frau nichts sagen, schaut er doch auf einer langen Erfahrung mit Segelbooten zurück. Er denkt überhaupt nicht daran mir die Leine wiederzugeben, nein, er wählt zum Festmachen auch noch die vordere Klampe am Steg, so kann Gerrit unmöglich anlegen! Der Steg ist nach vorne durch ein Segelboot an seinem Liegeplatz begrenzt und von hinten wuselt ein Gruppe Jollensegler dicht an uns vorbei. Nun schwindet, zu recht, Gerrit´s Gelassenheit, er weist mich scharf an, Mojito an der hinteren Klampe festzumachen. Ich flehe den Tankwart an, mir die Leine zurückzugeben, doch er denkt überhaupt nicht daran. Statt dessen kommt etwas machomäßig: „nun beruhig dich mal, ich mach das schon“. Tatsächlich löst er nun die Leine von der Klampe, kurz habe ich die Hoffnung, dass er doch die hintere Klampe am Steg belegt. Doch da werde ich enttäuscht, nun versucht er den Katamaran mit Muskelkraft zu sich zu ziehen. 11 Tonnen mit zwei Rümpfen, oh je! Als Gerrit und ich kurz vorm Herzinfarkt sind, sieht der Tankwart es endlich ein und belegt die hintere Klampe. Endlich, warum nicht gleich so! Mein Blutdruck ist wahrscheinlich nicht mehr messbar! Gut dass die Ostsee nicht so viel Strömung hat wie die Nordsee und dass der Wind heute sehr wohlwollend ist. Puh, alles nochmal gut gegangen!

Wir verbringen ein paar weitere Ankertage in der Kieler Förde und sind sehr angenehm überrascht. Die Landschaft ist schön, das Wasser lädt wieder zum morgendlichen Schwimmen ein, so kann es weiter gehen. Und tatsächlich, nach einem perfekten Segeltag (ohne ständig wechselnde Winde wie im Mittelmeer!) finden wir die nächste schöne Ankerbucht vor Heiligenhafen und wechseln nach wunderbaren Tagen hinüber nach Fehmarn. Auch hier traumhafte Ankerbedingungen, wow, das hatten wir nicht erwartet. Wir sind von der Ostsee sehr angenehm überrascht.

Wir verlassen den Ankerplatz vor Heiligenhafen

Beim Landgang im gemütlichen Hafen Orth auf Fehmarn geraten wir in die Dreharbeiten der Krimi-Reihe Nord-bei-Nordwest. Ach, Schwanitz ist eigentlich Orth?! Tatsächlich, wir erkennen zahlreiche Requisiten. Mal sehen, ob wir in den nächsten Filmen irgendwo Mojito im Hintergrund ausmachen können, draußen in der Ankerbucht. Schließlich hat es Mojito schon einmal als Wetterbild in die Tagesschau geschafft, vielleicht jetzt im Krimi, wer weiß!

Fehmarn in Sicht

Ankern vor Fehmarn

Der gemütliche Hafen Orth auf Fehmarn

Landfall bei Warnemünde

Ostseestrand oder vielleicht doch die Karibik?

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