Auf nach Madeira

Wir verlassen die Algarve und nehmen Kurs auf Madeira. Unsere erste große Überfahrt – 480 sm (mehr als 900 Km), das bedeutet mindestens drei Tage und Nächte auf See. Wenn ich ehrlich bin, da gab es doch gemischte Gefühle! Einerseits war ich gespannt auf die Herausforderung, andererseits wusste ich nicht was uns erwartet. Bis jetzt hatten wir höchstens eine Nacht durchgesegelt, mehr nicht! Dann kommt hinzu, dass man sich immer wieder aus der dann gewohnten Umgebung losreißen muss. Man kennt seine Umgebung, den nächsten Supermarkt, die benachbarten Yachten – alles ist vertraut! Gerrit sagt:“ genau das ist der Moment, der uns sagt, dass es Zeit wird wieder los zu gehen, sonst wachsen wir fest!“
Ja gut, Recht hat er ja auch. Also gut, Anker auf und los geht´s!!

Erst ging es ganz gemächlich los, wenig Wind, wir mussten aus dem Einfluss des Kap de Sao Vicente kommen, dem südwestlichsten Punkt Portugals. Im Mittelalter dachten die Menschen, hier wäre das Ende der Welt! Zum Glück wissen wir es heute besser und brauchen keine Angst zu haben, von der Erdscheibe zu fallen!!

Tatsächlich nimmt der Wind zu und Mojito kämpft sich tapfer gegen die unangenehme Welle, die uns schräg von vorne trifft. So wird die erste Nacht auch gleich unbequem und wir rasen mit 7 – 8 Knoten Geschwindigkeit durch die pechschwarze Nacht. Trifft uns die Welle von vorne, dann läuft sie zwischen den Kufen und schlägt von unten gegen den Rumpf. Der Katamaran wirkt dann als Hohlkörper und es donnert und knallt durch das ganze Schiff. Wir wechseln uns mit den Wachen alle drei Stunden ab, doch an Schlaf ist nicht wirklich zu denken bei dem Getöse!!
Nach dieser Nacht sind wir zwar müde, aber auch zufrieden dass wir drei es so gut gemeistert haben!
Die folgenden Tage auf See wurden immer routinierter, wir fanden unseren Rhythmus, bekamen wieder häufig Besuch von Delfinen, die uns ein Stück begleiteten! Es war so schön, dieses Gefühl weit und breit nichts zu sehen, außer dem Meer und dem Himmel und der unglaublich schönen blauen Farbe der Tiefsee. In der dritten Nacht gab es Meeresleuchten und es war so schön zu sehen, dass bei jedem Eintauchen der Kufen im Wasser unser Fahrwasser voller Funken sprühte!

Dann näherten wir uns nach drei Tagen Porto Santo, der kleinen Nachbarinsel Madeiras. Eine sehr sympathische, ruhige Insel die zum Bleiben einlädt – Ankern am langen Sandstrand und gleich ein herrliches Bad in türkisblauem Wasser! Leider haben wir uns bereits in der Marina auf Madeira angemeldet, das heißt nach einer erholsamen Nacht vor Anker, geht es am nächsten Tag bei schönstem Segelwetter weiter nach Madeira. Aber, mit dem festen Vorhaben später noch einmal nach Porto Santo zurück zu kehren!

Wir steuern die Marina Quinta do Lorde, im Osten Madeiras, an und wollen uns eigentlich noch Zeit lassen, noch draußen Frischwasser zu produzieren, die Fender und Leinen in Ruhe für den Hafen vorzubereiten. Doch der Mariniero hat uns schon gesichtet und kommt uns im Schlauchboot entgegen um uns in die Marina zu geleiten. Upps…, da sind wir doch etwas überrumpelt, kein Funken nötig. Der Mariniero hilft uns beim Festmachen, sehr freundlich und im Büro wartet schon ein Paket mit Informationsmaterial über Madeira auf uns! Das nenne ich Service, ganz anders als in Andalusien!

Madeira ist eine unglaublich schöne und vielseitige Insel. Sie ist sehr, sehr schroff und steil. Hier im Osten sehr karg, aber sonst sehr grün und bietet immer wieder ein atemberaubendes Panorama. Zwei Tage haben wir die Insel mit einem Mietauto erkundet und sind durch unzählige Tunnel gefahren und haben über steile Serpentinen die Berge erklommen. Die Berge kratzen an den Wolken, deshalb sind wir dann oben auf dem Berggipfeln durch dichten Nebel gefahren und hatten dann auch plötzlich zwei Kühe mitten auf der Straße vor uns stehen. Die Kühe waren so tiefenentspannt wie die Menschen auf Madeira und wollten sich nicht wirklich bewegen von der Straße zu gehen. Immerhin hat die eine Kuh den Kopf zur Seite gedreht, dann passte unser Auto vorbei, danke!

Einmal haben wir uns den Nervenkitzel angetan mit dem öffentlichen Bus nach Machico zu fahren. Der Bus hatte nach den Sitzen und der Federung zu urteilen, mindestens eine Million Kilometer auf dem Buckel. Ich weiß nicht ob der Fahrer eine Prämie bekommt, wenn er die Strecke in einer bestimmten Zeit schafft, denkbar wäre es. Es ist schon Adrenalin pur diese Busfahrt auf der sehr engen Küstenstraße zu erleben, das alles zum Spottpreis, schlägt jede Achterbahnfahrt!!

Gerrit und ich haben uns spontan zum Schnuppertauchen hier im Diving-Center in der Marina angemeldet. Ich sah mich schon wie James Bond auf dem Meeresboden entlanggleiten…! Die Theorie war schnell absolviert, ab ging es zum angrenzenden Hotelpool. Ich hatte mir nicht vorgestellt, dass es so schwierig ist mit der Flasche die Balance zu halten. Kurz nicht aufgepasst, schon zieht die Flasche in die Tiefe und man kämpft wie ein Käfer auf dem Rücken um die Balance wieder herzustellen! Aber gut, nach kurzer Zeit haben wir wieder die Kontrolle und Marco kündigt nun den Tauchgang im Meer an.
Dafür müssen wir erst einmal einen 10 min. Fußmarsch mit der gesamten Montur, heißt Bleigürtel um die Taille und 15 Kg Flasche auf dem Rücken, zurücklegen. Puh…, also bei James Bond sah das alles easy aus! Dann erklärt uns Marco, dass wir von der Kaimauer gut drei Meter ins Meer springen müssen..,!! Uaah.., nur keine Schwäche zeigen, also mit einer Hand die Maske und das Mundstück festhalten, zum Berg schauen und ein Schritt nach vorne ins Nichts….!
Geschafft, nun geht es in die Tiefe! Marco zeigt uns einen Octopus am Felsen, es schwimmen unglaublich viele bunte Fische um uns, alles wunderbar. Aber wirklich genießen kann ich es nicht, ich habe unglaublich Mühe nicht von meiner Flasche rücklings nach unten gezogen zu werden, zu atmen (, nicht zu schnell), den Anschluss an der Gruppe nicht zu verlieren, meine Maske füllt sich ständig mit Wasser und dann der Druckausgleich…,uahh! Ja, es war eine nette Erfahrung, aber ich muss doch darüber nachdenken, ob für mich das Schnorcheln nicht völlig ausreichend ist! Gerrit hat sich dann beim Rauskommen unglücklich das Knie verdreht, also lassen wir das Tauchen erst einmal ruhen!!

Zum Glück können wir die Marina für einige Arbeiten nutzen. Olivier, ein netter Franzose hier in der Marina, hat unsere Schotenführung für die Leichtwindsegel perfektioniert. Er konnte eine angerissene Reffleine reparieren und unser Spi-Fall mit Technora verstärken, damit wir in Zukunft keine böse Überraschungen mit unserem Parasailor erleben müssen. Außerdem wollen wir unsere Energiebilanz verbessern und werden mit seiner Hilfe noch weitere Solarpanele montieren.
Das alles muss organisiert werden und kostet viel Zeit.
Überhaupt nimmt das Erledigen banaler Dinge unglaublich viel Zeit in Anspruch. Ersatzteile zu bestellen, wenn man eigentlich keine Anschrift hat!
Seit sechs Wochen soll uns eine Ersatzmembrane für unser Wassermacher geliefert werden. In Portugal hatten wir eine Adresse bei Freunden angeben können, doch die Firma hat es nicht geschafft zu liefern. Zweiter Versuch ist jetzt die Marina auf Madeira, hoffentlich klappt es nun!

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