Die unglaubliche Geschichte von Mojito und Corto

Wie bereits versprochen, folgt hier die unglaubliche Geschichte, die uns und „Mojito“ mit Albert und seinem Katamaran „Corto“ verbindet und die für viel Geprächsstoff und ungläubige Gesichter in Le Marin gesorgt hat:

Die Geschichte beginnt in der Ankerbucht „Grande Anse“ in Martinique, im Januar diesen Jahres:

Nicht weit von uns ankerte „Corto“, auch eine Privilége 445, die gleiche Bauart wie „Mojito“. Da nur es nur acht baugleiche Katamarane Privilége 445 in Eignerversion, also mit drei Kabinen, gibt, war es eine kleine Sensation uns hier zu treffen.

Also machten wir uns mit unserem Dinghy auf den Weg und sprachen den Eigner von „Corto“ an, das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit Albert, ein Franzose mit italienischen Wurzeln.

Im Gespräch stellte sich heraus, das „Corto“ die Baunummer 1  und „Mojito“ die Baunummer 6 ist. Mojito ist ein Jahr jünger.

Albert lebt schon seit mehreren Jahren in der Karibik, er hatte ein Haus auf St.Martin, welches leider durch den Hurrican „Irma“ letztes Jahr zerstört wurde. Er hatte nun den Plan sein Haus wieder aufzubauen und erzählte uns über all die Hurrican-Schäden, die wir auf den nördlicheren Inseln noch zu sehen bekommen würden.

Zu diesem Zeitpunkt war unser Plan, nach St. Martin zu segeln um ein Ersatzteil für unseren Generator abzuholen, den die Firma „Whisper Power“ dort für uns hinterlegt hatte. 

Albert war so nett und fertigte uns eine detaillierte Karte von St. Martin an, mit vielen Tipps, wo wir was finden können und einige Kontaktadressen. Es sollte nicht leicht werden, dort herrscht absolutes Chaos, so Albert.

Albert fing noch ein paar leckere Lionsfische für uns, bevor wir uns einige Tage später voneinander verabschiedeten. Wir wollten erst in den Norden von Martinique und dann nach Guadeloupe, wo wir unseren Sohn Neels erwarteten und zwölf wunderbare Tage zusammen verbrachten. 

Dann kam der 13.Februar!

Neels war wieder abgereist und wir wollten zunächst in Richtung Montserrat segeln und danach St. Martin ansteuern.

Der Wetterbericht meldete Windstärke 5 – 6 Bft., das bedeutet aber auch zwischen den Inseln Böen von 7-8 Bft. Wir bereiteten uns entsprechend vor und beschlossen sicherheitshalber unsere Segel zu reffen (d.h. verkleinern). Wir wählten das zweite Reff für das Großsegel und wir wählten als Vorsegel die kleinere Fock, auch die 30 % gerefft. 

Nördlich von Guadeloupe brach dann, aus damals für uns unerklärlichen Gründen, der Mast. Wir mussten das gesamte Rigg im Meer versenken und kehrten geschockt nach Guadeloupe zurück.

Später schickten wir eine Nachricht an Albert um ihn über unser Unglück zu informieren. Und nun kommt die unglaubliche Geschichte, die eine Gänsehaut verursacht:

Albert rief uns sofort an, ich dachte um uns zu trösten, aber er sagte:“du wirst es nicht glauben, aber mir ist genau das gleiche widerfahren!“

Am 13. Februar um 10 Uhr morgens ist bei beiden Katamaranen gleichzeitig der Mast gebrochen, wir waren aber fast 400 Km voneinander entfernt!

Als Albert uns angerufen hat, befanden wir uns schon auf dem Weg zurück nach Martinique, für uns der nächstgelegene Ort um einen Katamaran reparieren zu können, das gleiche galt auch für Albert, der von St. Lucia kam.

Diese Geschichte sollte doch eigentlich genügend Stoff für eine Mysterie-Serie sein – wir sind für entsprechende Angebote offen, haha!!

Aber wie sagte unser Freund Christoph so treffend: „rein statistisch gesehen, kann es kein Zufall sein“.

Wie recht er hatte! Einige Wochen später erfuhren wir von einer weiteren Privilége aus der Schweiz, ähnlicher Bauart, mit gleichem Mast, die unter ähnlichen Bedingungen einen Mastbruch vor den Kanaren erlitten hatten und nun auf Teneriffa festsaßen. Eigentlich wollten auch sie den Atlantik überqueren, warteten nun aber auf Teneriffa auf den neuen Mast.

Mittlerweile wissen wir von zahlreichen Mastbrüchen, besonders beim Hersteller „Maréchal“, eigentlich ein namhafter französischer Hersteller. „Maréchal“ kennt das Problem will aber keine Verantwortung übernehmen.  „Privilége“ (auch ein namhafter Hersteller), nun aber von „Hanse“ übernommen, kann unsere Empörung nicht verstehen, gibt sich ahnungslos.

Obwohl der Chef der Rigging-Firma in Le Marin in Party-Plauderlaune ganz klar das Problem benennt und auch die Gutachter wissen, dass die Ursache für den Mastbruch bei den fließenden (nicht fixierten) Wanten liegt, werden die Eigner nicht informiert. Ein Autohersteller wäre in so einem Fall verpflichtet zu handeln, warum nicht der Masthersteller?

Diese Wanten nachträglich zu fixieren dürfte keine 1000,- € kosten und würde den Versicherungen viel Geld sparen. Doch „Privilége“ unternimmt nichts – was uns sehr enttäuscht und „Maréchal“ zeigt sich als sehr arrogant ohne jegliches Entgegenkommen. Wir finden diese Haltung kriminell, hätten wir kein Hardtop, wäre der schwere Baum auf Gerrit gefallen. Wenn man den am Hardtop verursachten Schaden sieht, mag ich es mir nicht vorstellen, was dann passiert wäre!

Die arrogante Haltung und den Vertrauensverlust zu „Maréchal“ hat uns dazu bewogen den Hersteller zu wechseln. Die Firma „Sélden“ hat den Mast für „Mojito“ neu berechnet und wir bekommen nun zwei Salinge mit fixierten Wanten. Ein gutes Gefühl!

Wir haben mehrere Wochen gemeinsam mit Albert und „Corto“ in Le Marin geankert und haben für viel Gesprächstoff gesorgt – die beiden Zwillinge ohne Mast! Es hat kein gutes Bild auf „Maréchal“ und „Privilége“ geworfen und viel Verunsicherung bei den übrigen Privilege – Eignern verursacht.

Aber in dieser Zeit hat sich eine wunderbare Freundschaft mit Albert entwickelt. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, in Tiefpunktphasen aufgefangen und wir haben trotz allem sehr viel miteinander gelacht!

  

Mojito mit gebrochenem Mast auf Backbord
der Mast liegt im Wasser und ist noch durch das Rigg mit Mojito verbunden, eine bedrohliche Situation für den Rumpf
„Corto“ mit beschädigtem Rumpf, der Mast hat ein Loch in den Rumpf geschlagen, zum Glück über der Wasserlinie!
die „Zwillinge“ Corto und Mojito in der Bucht von Le Marin, beide ohne Mast

die Erklärung für den Mastbruch: die Wanten sind nicht an den Salingen fixiert
wir haben viele nette Stunden mit  Albert verbracht

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