Griechenland – die Ionischen Inseln

Wir starten von Leuca (Apulien) einen Tag früher als ursprünglich geplant, die Windvorhersage klingt erwartungsvoll, schließlich möchten wir segeln!

Der Wind nimmt stetig zu, bis zu 25 Knoten, eigentlich herrlich, wenn da nicht diese unangenehme, seitliche Welle wäre. Die Welle ist hoch und heftig, direkt aus der Adria, volle Breitseite für uns! Wir beschließen die Segel zu reffen, um so den Druck abzubauen und damit das Schiff und die Crew zu schonen. Mir wird bei dieser unangenehmen Schiffsbewegung zunehmend mulmig, ein Gefühl von aufkommender Seekrankheit, das ich lange nicht mehr kannte. Zum Glück haben wir eine gut bestückte Reiseapotheke, da lässt sich ein geeignetes Gegenmittel schnell finden. Die Entscheidung zum Reffen war richtig, die Schiffsbewegungen werden angenehmer. Ein befreundeter Katamaran-Segler beschreibt es so: „ein Katamaran ist ein Autist, er spricht nicht mit dir, wie es ein Einrumpf-Segelboot tut. Ist zu viel Druck im Segel, wird er sich nicht zur Seite neigen. Deshalb ist es wichtig, dass du es rechtzeitig fühlst und dementsprechend handelst“. Damit hat er das Problem eines Katamarans sehr treffend beschrieben.

Abends erreichen wir Griechenland, geplant ist die Nacht auf Othonoi zu verbringen, die kleine Insel nordwestlich von Corfu. Wir wollen am nächsten Tag weiter nach Corfu, um dort die nötigen Anmeldeformalitäten zu erledigen. Uns fällt gleich die  erste Bucht ins Auge, westlich vom Hafen. Das Wasser ist kitschig türkisfarben, der Strand leuchtet weiß, das wollen wir uns näher ansehen. Die Bucht gehört einer großen Vogelkolonie, die von unserem Erscheinen nicht begeistert ist. Wir lassen uns vom lauten Vogelprotest nicht abschrecken und betreten zum ersten Mal griechischen Boden. Was für eine Natur, nur die Vögel und wir. Die Vögel beruhigen sich schnell wieder, hier möchten wir bleiben – „ein Wohlfühlort“. Solche Ankerplätze lieben wir! Der erste Eindruck von Griechenland fällt sehr positiv aus!

unsere erste Ankerbucht in Griechenland

Am nächsten Tag segeln wir, dank achterlichem Wind, mit unserem Parasailor  durch die Meerenge zwischen Corfu und Albanien. Die Bergwelt von Albanien bietet uns ein imposantes Panorama. Albanien ist sicher auch ein lohnendes Ziel, vielleicht beim nächsten Mal.

Dieser herrlicher Segeltag versöhnt uns wieder mit dem Segelalltag, die unangenehme See von gestern ist vergessen, was für ein herrlicher Tag.

In der Bucht von Gouvia, auf Corfu, erwarten uns bereits bekannte Crews aus Licata – Zarazoe und Va´a, ein nettes Wiedersehen!

Gouvia ist ein Port of Entry, hier kann man einklarieren.  Alain und Fabiola, unsere französischen Freunde vom Katamaran Va´a, klären uns über die Gegebenheiten auf. Obwohl sie schon einen Tag früher hier angekommen sind, haben sie noch nichts erreichen können. Die neu eingeführte, griechische Steuer scheint die offiziellen Behörden stark zu beanspruchen, sie benötigen ca. eine Stunde Bearbeitungszeit pro Boot, heißt es. Also morgens früh aufstehen und gleich als erster beim Polizeibüro sein – das ist der Plan.

Tatsächlich sind Fabiola und Alain schon vor uns da, für Franzosen nicht schlecht! 😉 Dafür verweigert ihre Bank die Überweisung nach Griechenland, ein Problem das scheinbar viele französische Crews haben. Es gibt auch keine Möglichkeit bar zu bezahlen, ein großes Dilemma. Unsere Bank hat zum Glück die Überweisung akzeptiert, wir können uns weiter durch die Bürokratie kämpfen. Die Zollbeamtin verlangt unsere Passports, wir reichen unsere Personalausweise. „Das sind keine Passports“ kritisiert sie! Nein, in der Tat, die liegen gut versteckt an Bord. „Aber“, kontere ich „wir sind doch in Europa, da reichen doch die Personalausweise?“ Sie schaut uns verunsichert an und gibt mir schließlich Recht. Puh, zum Glück. Sonst hätten wir alles noch einmal von vorne machen können. Es folgen unzählige Fotokopien unserer und Mojito´s Dokumente (wo bleiben all diese Papiere? Werden die vielleicht wieder geschreddert oder tatsächlich ordentlich abgeheftet?), mehrere abgestempelte Zettel und die letzte zu zahlende Gebühr. Die letzte Gebühr wird fällig, wenn man über das Ausland nach Griechenland einreist. Hm! Wie soll man denn sonst einreisen, wenn nicht über das Ausland? Vom Himmel fallen vielleicht? Egal, keine überflüssigen Fragen, wir wollen nur unsere abgestempelten Papiere. Wir reichen ihr einen 20,- € Schein, aber die Zollbeamtin hat kein Wechselgeld. Auf unsere Frage ob wir denn mit Bankkarte bezahlen können, lacht sie uns aus. Okay, ich erkläre mich bereit durch den Hafen zu laufen um Wechselgeld zu organisieren und um die fälligen 15,- € zu bezahlen. Draußen warten mehrere Segler, kein Wunder dass die Bearbeitung so lange dauert! Schließlich erhalten wir  die ersehnten und abgestempelten Papiere, Mojito hat  drei Monate Aufenthaltsrecht in Griechenland. Dass man sich über solche Kleinigkeiten so freuen kann, auch das gehört zum Seglerleben! Nun haben wir uns den Kaffee am Hafen verdient und treffen uns mit Alain und Fabiola, um eine Lösung für ihr Problem zu finden. Wir beschließen  ihre Gebühren von unserer deutschen Bank zu überweisen und es klappt wie erhofft, sie sind erleichtert. Da denkt man wir sind in Europa, aber da gibt es doch noch Unterschiede. Trotzdem erweist sich Europa für uns immer wieder als wertvolles Gut, das es unbedingt wert ist zu erhalten. Ich mag mir diese bürokratischen Hürden nicht vorstellen, wenn es Europa nicht gebe.

Abends gehen wir gemeinsam mit Alain und Fabiola essen, und sind froh, diese erste Hürde gemeistert zu haben!

In Corfu nehmen wir unsere Tochter Amei an Bord, wir freuen uns mit ihr gemeinsam die Ionischen Inseln zu erkunden. Noch ist es ziemlich kalt, wir müssen Amei mit einer Fleecejacke aushelfen und machen uns Abends einen norddeutschen Grog mit unserem letzten karibischen Rum aus  Martinique (eine gelungene Kombination, schmeckt hervorragend). Zum nächtlichen Ankern verlegen wir lieber auf die kleine, unbewohnte  Insel vor Corfu. Der Besuch von Corfu-Stadt konnte uns nicht überzeugen – eine reine Touristenstadt, nicht wirklich sehenswert. Landschaftlich wirkt die Insel Corfu sehr schön: grün bewachsen mit zahlreichen schönen Stränden und ohne große Hotelburgen. 

Amei, noch mit Fleece-Jacke

Amei fliegt in 10 Tagen wieder von Patras nach Deutschland, in dieser Zeit wollen wir die Ionischen Inseln erkunden, also los!

Scheinbar hat Amei den von uns ersehnten Sommer aus Deutschland mitgebracht, denn endlich steigen die Temperaturen. Der Sprung ist aber gewaltig, es geht gleich auf 30 Grad, puh, das geht auf den Kreislauf.

Unser erstes Ziel ist die Insel Paxos, mit ihrer Traumbucht Lakka – türkisblaues Wasser und ein netter kleiner Ort. Die Bucht ist sehr gut besucht, aber  jeder findet einen Ankerplatz, das Panorama ist reizvoll, hier lässt es sich aushalten. Endlich lohnt es sich unsere Standup-Paddelboards aufzupumpen, die Saison kann beginnen!

Lakka, Traumbucht auf Paxos
.. als würde man schweben
Tauchen gemeinsam mit Alain. Unter Wasser gibt es keine Sprachbarriere
Abendessen mit Blick auf die Ankerbucht

Unser Weg führt uns weiter über  die kleine Nachbarinsel Antipaxos nach Lefkas. Hier wollen wir in den Kanal von Lefkas und müssen dafür die  schwimmende und drehbare Brücke passieren. Diese Brücke bildet  die Verbindung zwischen der Insel Lefkas und dem Festland. An dieser Stelle gibt es viel Wind, da  hier der Kap-Effekt und der Wind aus dem Abrakkischen Golf vorherrschen. Zum Glück sind wir das einzige Segelboot, es gibt genügend Platz zum Festmachen, so können wir recht entspannt die stündliche Öffnungszeit abwarten. Für unsere Breite muss sich die Brücke nicht nur öffnen, sondern auch drehen, ein imposantes Schauspiel.

durch die Gaios-Bay auf Antipaxos
die Schwimmbrücke bei Lefkas
weite Lagunenlandschaft im Kanal von Lefkas

Der Kanal von Lefkas zieht sich durch eine lagunenartige Landschaft, die früher zur Salzgewinnung diente. Die Landschaft erinnert uns stark an Friesland, weitläufige Wiesen und Flachwasserzonen glitzern in der Abendsonne. Wir steuern die Ankerbucht bei Nidri an, doch wir sind uns schnell einig das Weite zu suchen. Die Ankerbucht ist überlaufen, der Ort wirkt von weitem wie ein reiner Touristenort. Wir bevorzugen kleine Ankerbuchten und werden auch fündig, zum Glück! 

Viele Anlegestellen sind kostenlos, aber es wird erwartet, dass man in der dazugehörigen Taverne essen geht. Wir mögen lieber draußen ankern, so können wir nach Lust und Laune schwimmen gehen. Möchten wir essen gehen, können wir uns die Taverne frei aussuchen. Zusätzlich gibt es, ähnlich wie auf Sizilien, eine schlecht organisierte Müllentsorgung und damit verbunden ein Rattenproblem. Deshalb vermeiden wir eine Verbindung über Leinen zum Festland – eine Ratte an Bord ist wirklich das Letzte was man sich wünscht!

zwei reizende Damen in Spartochorion auf Meganisi
Dorfkirche

Eine Abwasserleitung ist verstopft, Gerrit muss sie ausbauen und austauschen, dafür muss er tiefer als üblich in die Bilge kriechen. Und siehe da, er fördert eine voll bepackte und vergessene Proviantkiste  zu Tage. Sie gehört noch zum Proviant unserer Atlantiküberquerung, upps. Also…, Dosentomaten, Kichererbsen, Nudeln und Reis brauchen wir nun erst einmal nicht mehr zu kaufen, die gibt es nun reichlich an Bord!

Sollte ich eines Tages als Tier wiedergeboren werden, wäre das Eichhörnchen das passende Tier für mich – ich sorge ständig vor für schlechte Zeiten und ab und an vergesse ich, wo ich etwas versteckt habe! 

Das Licht im Ionischen Meer fasziniert uns immer wieder aufs neue. Die Landschaft ist sehr schön und es gibt auf jeder Insel schöne Ankerbuchten und entzückende Orte.

Die Menschen hier leben meistens vom Tourismus, die ortsansässigen kleinen Fischer fangen kaum noch Fische, das Meer ist restlos überfischt. Dabei ist die Saison im Tourismus sehr kurz, sie fängt nun im Juni gerade an und endet bereits im September. Reichtümer lassen sich so nicht erwirtschaften, Griechenland hat wahrlich einen schweren Stand.

Über die Inseln Meganisi, Skorpios, Kalamos, Kastos, Athokos und Ithaka geht es schließlich zum Golf von Patras. Das Ionische Meer gefällt uns gut, was uns nicht gefällt ist der Mangel an Wind – die meiste Strecke müssen wir unter Maschine fahren 🙁   

Wandern auf Kalamos
Port Leone auf Kalamos – ein verlassenes Dorf. Ein Erdbeben 1953 zerstörte die Lebensgrundlage der Einwohner, sie wanderten aus, meist in die USA. Reste der alten Olivenölpresse
das einzigartige Licht im Ionischen Meer

Amei´s  Abflug rückt näher, wir suchen eine passende Ankerbucht in Flughafennähe.

Die erste Ankermöglichkeit ist nur 1,5 Kilometer von der Startbahn entfernt, doch leider gibt es keine Möglichkeit mit dem Dinghi anzulanden. Außerdem müssten wir mit dem Koffer über den Strand laufen, auch nicht so toll. Unsere Wahl fällt auf den nächsten kleinen Fischerort. Wir ankern außerhalb und fahren mit dem Dinghi in den Hafen. Der kleine Hafen hat sicher schon einmal bessere Zeiten gesehen, er wirkt ungepflegt wie der gesamte Ort. Unser Plan war es eigentlich in einer Taverne essen zu gehen und ein Taxi zum Flughafen für den nächsten Tag zu organisieren. In der ersten Taverne vergeht uns der Appetit und wir haben Zweifel ob der Fisch noch frisch ist, es scheinen nicht viele Gäste hier zu sein.

Der Fisch in der zweiten Taverne sieht da besser aus, die Küche macht einen sauberen Eindruck. Wir haben den Eindruck ein gutes Werk zu tun, wenn wir hier etwas Geld lassen. So endet unser letzter gemeinsamer Abend mit Amei doch noch schön, auch wenn es kein „Traumort“ ist, dafür aber authentisch, sagt Gerrit!

Das Inhaberpaar kann nicht glauben, dass wir auf einem Segelschiff wohnen. Sie sind aber sehr bemüht unsere Bitte zu erfüllen und bestellen einen befreundeten Taxifahrer für den nächsten Tag zu ihrer Taverne.

Nun heißt es Abschied nehmen von Amei – schade, es waren so schöne Tage!

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