Die Umrundung des Peloponnes

Nachdem wir den Kanal von Korinth durchquert haben, befinden wir uns in der Ägäis, genau genommen im Saronischen Golf. Wir segeln an der Ostküste des Peloponnes entlang und steuern die passenden Ankerbuchten an, die uns einen sicheren Schutz vor den vorherrschenden Nordostwinden bieten. So treffen wir immer wieder auf unsere französischen Freunde, Alain und Fabiola, die den gleichen Weg haben wie wir. Wir tauschen unterwegs  Informationen, über gute Buchten oder Orte die  einen Besuch wert sind, aus, oder aber wir treffen uns und verbringen kurzweilige, gemeinsame Abende in einer Taverne oder bei einem Aperitif an Bord.

Hier im saronischen Golf gibt es besonders viele Fischzuchtanlagen, sehr zu unserem Nachteil. Denn bedauerlicherweise haben diese Fischzuchtanlagen die gleichen Kriterien für ihre Standorte, wie wir zum Ankern. Die Fischzuchtanlagen brauchen windgeschützte Buchten mit nicht zu großen Wassertiefen, so wie wir. Außerdem brauchen diese Anlagen ständig neue Buchten, da sie das Wasser stark verschmutzen und für die Fischzucht unbrauchbar werden lassen. Sie ziehen dann weiter, sind häufig nicht kartiert, was für uns dann für unangenehme Überraschungen sorgt, da die angepeilte Bucht plötzlich schon „besetzt“ ist.

Es ist nicht nur dieser Standortkonflikt, der uns zunehmend kritisch gegenüber dieser Art der Fischzucht werden lässt. Wir bemerken den dramatischen Zustand der Meere, besonders Griechenland ist völlig leergefischt. Wir haben schon Skrupel unsere Angel zu nutzen oder in der Taverne Fisch zu bestellen, jeder einzelne Fisch scheint wertvoll.

Nun könnte man meinen: „na, dann ist doch gut, wenn diese Fischzuchtanlagen den Fischbestand sichern.“ Ja, so haben wir früher auch gedacht. Doch die Realität sieht leider anders aus: diese Fischfarmen verschmutzen stark das Meer (wir merken es an den Wasserfiltern unserer Entsalzungsanlage) und stellen dadurch eine Gefahr für die wenigen wildlebenden Fische dar. Wenn man sich dann auch noch vergegenwärtigt, dass über 50% dieser Fische direkt als Fischmehl in die Fleischproduktion gehen,  dann wird einem richtig schlecht. Das alles nur um unsere unersättliche Gier nach Fleisch zu stillen, darüber müssen wir alle nachdenken!

Abgesehen von dieser negativen Seite, genießen wir Griechenland in vollen Zügen.

Die Landschaft ist wunderschön, das Wasser türkisblau, die Temperaturen sind für uns Norddeutsche etwas hoch (schwitz) und was wir nicht erwartet hätten: es gibt sehr viel Platz in den Ankerbuchten, was für ein Luxus!

Gibt es interessante Kulturstätten zu besichtigen, so verlegen wir es in die frühen Morgenstunden, das ist angenehmer. 

So besichtigen wir als erstes das wunderschöne und gut erhaltene Amphitheater Epidaurus, früh morgens, menschenleer in einem wunderschönen Licht. Die Akustik ist bemerkenswert, auf jedem der 14 000 Sitzplätze kann man klar und deutlich hören, was auf der Bühne gesprochen wird. Was mir dann auch prompt eine Ermahnung von Gerrit einbringt, der auf der gegenüberliegenden Seite im Theater steht: man würde mein lebhaftes Gequassel mit Fabiola tatsächlich überall im Theater hören können. 😉 Frechheit!

Amphitheater Epidaurus

Beeindruckend ist, dass dieses Theater in der Antike nicht so bedeutend war, sondern der gesamte Ort eine wichtige Heilstätte war. Hier wurden Kranke und Gebrechliche geheilt, es gab Tempelanlagen, Krankenhäuser (mit Sichtschutz für die Privatsphäre, die unseren heutigen Sichtschutzelementen aus dem Baumarkt erstaunlich ähneln!), Liegehallen und Badehäuser. Das Theater und das angrenzende Stadion dienten nur zur Unterhaltung der Kranken, also kurz gesagt, es gab schon damals vor 2500 Jahren,Kuranstalten! Unglaublich!

Unser Sohn Neels kommt uns 14 Tage an Bord besuchen, wir wollen ihn in Athen aufnehmen, wir freuen uns riesig! Also wechseln wir die Seite und queren den Saronischen Golf mit einem Zwischenstopp auf der schönen Insel Aigina. 

Hier gibt es den Tempel der Aphaia zu besichtigen, die Göttin zum Schutz der  Frauen (die alten Griechen verblüffen mich immer mehr!). Aphaia, die Helle oder die Unsichtbare, ist die Beschützerin der Frauen, die von Männern bedrängt werden und sie gewährt den Frauen Schutz durch Unsichtbarkeit.

 So starten wir gemeinsam mit Fabiola und Alain früh morgens zu einer Wanderung, doch müssen wir, auf dem Berg angekommen, dann leider feststellen, dass die Tempelanlage erst in zwei Stunden öffnet. So eine Panne! Egal, wir begnügen uns mit dem Blick durch den Zaun, freuen uns über die schöne Wanderung im Morgenlicht und genießen den phantastischen Ausblick über den Golf und auf Athen, das sich aber unter einer riesigen Smogwolke präsentiert.

Tempel der Aphaia

Wegen der hohen Temperaturen und der Smogwolke verzichten wir auf eine Besichtigung von Athen und ankern dafür direkt vor der passenden Bushaltestelle vom Flughafen-Shuttle um Neels an Bord zu nehmen und gleich wieder Richtung Peloponnes zu fahren (leider nicht segeln, da kein Wind). Athen verschieben wir auf einen anderen, unbestimmten Zeitpunkt.

Angesichts der herrschenden Temperaturen scheint es sinnvoller schöne Ankerbuchten zu besuchen, außerdem muss sich Neels erst akklimatisieren.

Hier in Griechenland gibt so viel zu sehen und zu besichtigen, das alles muss man auch verarbeiten. Nebenbei probieren wir die griechische Küche. Unsere französischen Freunde hatten uns schon gleich zu Anfang zu bedenken gegeben, dass die griechische Küche nicht sehr variiert wäre, hätte man ihnen erzählt. 

Aha, die Franzosen! Sicher wollen sie nur ihre französische Küche hervorheben, denke ich. Später mussten sie dann doch die eine oder andere Köstlichkeit  lobend anerkennen, aber in einem Punkt behalten sie recht: besonders variiert ist die Küche nicht. Da gibt es aber, abseits der ausgetretenen Touristenpfade, die eine oder andere nette Taverne, mit einer einmaligen Atmosphäre. Diese Einfachheit der familiäre geführten Tavernen, ohne Speisekarte, wenn die Chefin noch selbst kocht ist ein wahres Erlebnis. So manches Mal haben wir direkt am Wasser, mit den Füßen im Sand gegessen, eine wunderschöne Erfahrung. 

Die griechischen Tomaten und die Gurken lassen uns immer wieder wahre Geschmacksexplosionen spüren. Die besten sind die von den zahlreichen fliegenden Händlern, die mit ihren Pickups durch die Dörfer fahren und über Lautsprecher ihre Waren anbieten. Die sizilianischen Tomaten waren schon eine Wucht, aber die griechischen sind der Hammer. Nun sind wir endgültig für den Rest unseres Lebens verdorben und werden in Deutschland keine Tomate mehr genußvoll essen können.

 Wir haben auch wieder unsere alte Bekanntschaft mit dem griechischen Retsina  aufleben lassen. Wenn wir danach fragen, ernten wir das eine oder andere Mal ein  abwertendes Kopfschütteln.  Retsina sei ein schlechter Wein, sagen die Griechen, gab es früher, heute gibt es in Griechenland deutlich bessere Weine. Ja, da haben sie sicher recht. Aber als einfacher Landwein, zusammen mit dem griechischen Essen, schmeckt uns der Retsina auch sehr gut.

schöne Taverne mit Ankerbucht

Wir umrunden den Peloponnes im Uhrzeigersinn. Es gibt viele Argumente, ob es besser ist mit oder gegen den Uhrzeigersinn zu segeln. Ausschlaggebend  für unsere Planung ist der Besuch unserer Kinder. Beide haben unterschiedliche An- und Abreiseflughäfen, so passt es einfach perfekt. Zum Segeln kommen wir sehr selten, da es fast keinen Wind gibt, oder nur stark wechselnde thermische Winde, die nur ein kurzes Intermezzo ermöglichen um dann entweder plötzlich die Richtung zu wechseln oder gänzlich zu versiegen. Wie schon mehrfach erwähnt, ist das Mittelmeersegeln sehr speziell, doch das Segeln in Griechenland schlägt alles was wir bisher erlebt haben.

Wir umrunden zunächst den „Daumen“ des Peloponnes und gelangen zu  einigen Touristenspots, wie die Insel Hydra, Spetses, Porto Heli und vieles mehr. Sehr schön, wir legen immer wieder einen Ankerstopp ein und besichtigen die Orte.

Hydra
mit dem Wassertaxi unterwegs
Ankerbucht auf der Insel Spetses

Da ist zum einen die Stadt Nafplio mit der venezianischen Festungsanlage, Palamidi. Am späten Nachmittag lassen wir uns mit einem Taxi hochfahren, besichtigen die weitläufige Festung  und laufen schließlich die 1000 (!) Stufen wieder runter, mit einem grandiosen Ausblick. Es kommen uns einige ehrgeizige Sportler entgegen, die diese 1000 Stufen hoch joggen, bei den Temperaturen, man mag es nicht glauben, ob das wirklich gesund ist?  Da gefällt mir unsere Variante deutlich besser,  Muskelkater bekommen wir auch beim runter laufen, aber dafür auch ein kühles Bier unten im Ort.

Festungsanlage Palamidi
1000 Stufen hinunter…
..oder waren es doch „nur“ 999? Egal, nun gibt es ein Bier

Der freundliche Taxifahrer erklärt sich bereit, uns am nächsten Morgen in aller Frühe, in unserer  Ankerbucht abzuholen und nach Mykene zu fahren, perfekt.

Mykene ist  ist eine über 3000 Jahre alte Burganlage und eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten Griechenlands.

Wir sind die ersten Besucher und werden gleich von drei Straßenhunden durch diese diese riesige Festungsanlage eskortiert. Wir bestaunen diese alte Baukunst, besonders im Vergleich zu der wesentlich jüngeren Burganlage von Nafplio, die wir am Vortag besichtigt haben. Da stellt sich die Frage, was die alten Baumeister in der „Zwischenzeit“ gemacht haben, weiterentwickelt haben sie sich wohl nicht. Denn betrachtet man die Bauwerke, dann waren sie aber vor Christus deutlich besser als 2000 Jahre später. 

das Löwentor von Mykene

Die gut erhaltenen Kuppelgräber, die Zysternenanlage und die Reste der alten Besiedlung sind raffiniert gebaut und zeugen von der hochentwickelten mykenischen Kultur.

die eindrucksvollen Kuppelgräber
Mykene

Die Mykener waren sehr reich und kontrollierten den Handel im Mittelmeer. Ihre Handelsrouten reichten bis nach England und sogar bis in die Ostsee, um Bernstein zu ordern, unglaublich. So hoch entwickelt die Mykener waren, so endete ihre Epoche um 1000 v. Chr. plötzlich und die Uhr wurde um 400 Jahre zurückgedreht. Es ist erschreckend, dass die Menschheit nicht bereit ist durch die Geschichte zu lernen, so viele Hochkulturen die im Laufe der Zeit untergehen. Wie wird es unserer heutigen Gesellschaft noch ergehen?

Wir müssen weiter, Neels hat seinen Rückflug von Kalamata, schließlich hat der Peloponnes noch zwei weitere Finger, die wir umfahren wollen. Bei den Temperaturen sind die Seetage sehr angenehm. Leider lassen die Windverhältnisse fast kein Segeln zu, also müssen wir mal wieder viel motoren.

Auf dem Weg besuchen wir den schönen, aber sehr touristischen Burgberg Monemvasi. Danach umrunden wir das berüchtigte Kap Maleas. Dieses Kap zu umrunden soll zeitweise der Umrundung des Kap Horns gleichen. Nun, bei uns weht mal wieder kein Lüftchen, also haben wir die Variante „Umrundung für Anfänger“,  wie soll es auch anders sein. Auf der anderen Seite des Kaps gibt es ein Kloster, man soll den Mönchen zuwinken. Bei uns winkt kein Mönch, wahrscheinlich war unsere Umrundung nicht so spektakulär, da lohnt der Aufwand nicht.

Monemvasia

Auf dem Weg nach Kalamata wartet ein weiteres Highlight auf uns – die Höhlen von Dyros. Der Besuch dieser Tropfsteinhöhlen ist ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Unzählige Stalaktiten hängen von den Decken, wir werden in ein flaches Boot durch die weitverzweigten Gängen geschoben und gestakt. Es tropft überall und der Hall klingt gespenstig. Wir müssen uns ständig bücken, um uns nicht zu stoßen, es ist unglaublich. Eine vergleichbare Höhle haben wir noch nicht gesehen.

die grandiose Höhle von Dyros

Wir verbringen noch ein paar schöne Ankertage bevor wir Neels in Kalamata verabschieden. Dieser Teil des Peloponnes gefällt uns besonders gut, da es nicht so überlaufen ist und keine Charterflotten unterwegs sind.

schöne Ankerbuchten
… mit netten Tavernen, direkt am Wasser

Hatten wir doch gerade frohlockt, dass wir in Griechenland noch nicht einmal durch die Costguard kontrolliert worden sind, so werden wir hier an einem Tag gleich dreimal kontrolliert! Die Beamten sind freundlich, einer entschuldigt sich sogar für die Unannehmlichkeit, wie nett.

Wir umrunden noch den letzten Finger, da hören wir über Funk einen Notruf. Ein Schiff befindet sich in Seenot mit einer nicht bekannten Personenanzahl an Bord. Die Küstenfunkstelle gibt die Position durch und nimmt Kontakt zu umliegenden Schiffen auf. Laut Position ist das besagte Schiff etwa 10 sm von uns entfernt. Wir hören den Funkverkehr und so auch den Kapitän des zur Hilfe eilenden Schiffes. Er meldet der Küstenfunkstelle, dass er Sichtkontakt hat und sich ca. 100 Personen auf dem Schiff befinden. Es ist ein Schiff mit Flüchtlingen, denn nun melden sie sich selbst über Funk. Der helfende Kapitän klingt sehr besonnen und kompetent, bekommt aber von der Küstenfunkstelle nur eine Telefonnummer genannt, die er doch anrufen sollte und die ihm weitere Anweisungen geben würden. Gleichzeitig fährt die Costguard langsam an uns vorbei, aber in die entgegengesetzte Richtung. Mit ihrem hoch motorisiertem Schiff wären sie in einer halben Stunde am Ort des Geschehens. Der arme Kapitän wird mit dem Problem doch sehr allein gelassen. Später lesen wir, dass es ein Kreuzfahrtschiff war und sie die Flüchtlinge aufgenommen haben und nach Kalamata gebracht haben. Respekt vor dem Kapitän, aber mal wieder ein Versagen der offiziellen Stellen. Zugegeben, die südlichen Länder werden von allen anderen EU-Staaten erbärmlich im Stich gelassen.  Puh, das müssen wir erst einmal sacken lassen.

Kloster in Methoni
Festungsanlage von Methoni

In Katakolon, an der Westküste des Pelopones, ankern wir in der großen Bucht. Am nächsten Morgen wollen wir hier den Zug zur  antiken Stätte von Olympia nehmen. Der Ort zeigt sich ruhig, die meisten Geschäfte sind geschlossen. Am nächsten Tag erkennen wir den Ort nicht wieder – zwei Kreuzfahrtschiffe haben zwischenzeitlich angelegt. Nun sind alle Geschäfte geöffnet, der Ort gleicht einem Jahrmarkt,  überall werden griechische Souvenirs angeboten, made in China. Die Preise im Ort sind den Kreuzfahrttouristen scheinbar angepasst, wie wir schmerzhaft zu spüren bekommen: wir essen  am Nachmittag das teuerste Eis unseres Lebens!

Morgens  fahren wir mit dem ersten Zug nach Olympia und durchfahren eine unglaublich fruchtbare Landschaft, die zeitweise an die Karibik erinnert. Olympia ist eingebettet in dieser wunderschönen Landschaft und verbreitet eine wohltuende Stimmung, die alten Griechen hatten wirklich ein Gespür für „Wohlfühlorte“ . 

Aber  diese wohltuende Stimmung wird jäh zerstört als unzählige Busse die Masse an Kreuzfahrttouristen heran karrt. Die Menschen haben jeweils einen Aufkleber mit einer Zahl  auf der Brust und folgen ihrem Anführer, der die passende Zahl  auf einem Schild vor sich herträgt. Diese Menschenmassen verbreiten eine unglaubliche Hektik, wir haben Mühe den Ort auf uns wirken zu lassen. Als wir einer asiatischen Touristin Platz machen wollen, damit sie die Infotafel lesen kann, lehnt sie dankend ab, sie möchte die Infotafel nur fotografieren, gelesen wird wohl später. Wir sehen die Frau von Infotafel zu Infotafel eilen und fotografieren. Vielleicht bereist sie Europa in 10 Tagen, da bleibt wohl  keine Zeit;-).

Diese hektischen Menschen wirken auf uns befremdlich, wie aus einem anderen Leben.Was für ein Luxus, dass wir unser gemächliches Leben auf dem Wasser führen können und uns in einem Schneckentempo fortbewegen und so genügend Zeit haben das jeweilige Land zu fühlen. 

Abends legen beide Kreuzfahrtriesen ab und am nächsten Morgen stehen die nächsten schon wieder da. Die wundersame Verwandlung dieses kleinen Orts geht wieder von vorne los, was für ein Schauspiel.

Olympia
der Eingang der Athleten
das Stadion
Start frei…. wo sind die Gegner?

Für uns geht es im Schneckentempo zurück ins Ionische Meer, die zwei verbleibende Inseln Zakynthos und Kefalonia warten auf uns.

 Zakynthos, die südlichste Ionischen Insel ist eine landschaftliche Schönheit, das ist nicht zu übersehen.

Wir steuern die südlichste Bucht an, die große Bucht von Lagana´s, eins der wichtigsten Laichplätze der Meeresschildkröten im gesamten Mittelmeer. Diese Bucht ist ein von den zwei Nationalparks in Griechenland. Laut Karte gibt einen ausgewiesenen Bereich zum Ankern, da wollen wir hin. Wir halten uns an die Richtlinien und machen einen Bogen um den streng geschützten Teil der Bucht. Doch als wir näher kommen, trauen wir unseren Augen nicht: die Bucht ist voller lärmender Ausflugsboote. Superyachten ankern im eigentlichen Sperrbezirk, keines der kleinen Boote beachtet die Geschwindigkeitsbegrenzung, sie pflügen mit hoher Geschwindigkeit durch das Wasser. Hinzu kommt eine große Anzahl Mietboote, mit denen die Leute die Schildkröten sehen wollen und sich dabei an keinerlei Richtlinien halten, ob aus Unwissenheit oder aus Ignoranz. Die geschützten Strandabschnitten sind von Motorbooten überlaufen, am Strand gibt es schwimmende Cocktailbars mit dröhnender Musik. Urlauber tummeln sich ausgelassen im Sand, wo eigentlich die Schildkröten ihre Eier legen sollten. Wir beobachten das Treiben von unserem Ankerplatz und können es nicht fassen, dass das ein Nationalpark sein soll, was für eine Farce, was für eine Augenwischerei! Ich spüre meine Wut  über so viel Missachtung der Natur. Eine schöne große Schildkröte schwimmt ganz nah an uns vorbei, am liebsten würde ich mich, für uns Menschen, bei ihr entschuldigen. Das alles trübt die Schönheit der Umgebung, es fällt schwer sich zu freuen. Im Ort gibt es unzählige Motorbootverleihe, sie werben ausgerechnet mit den Schildkröten, das wirkt wie Hohn. Die Tavernen im Ort ähneln eher amerikanischen Schnellrestaurants mit Leuchtreklame. Mein Kloß im Hals wird immer größer, ich möchte nur noch weg.

Ich hadere mit uns Menschen, was sind wir doch für Parasiten für die Welt und alle Lebewesen. Ich hadere mit dem Tourismus – er bringt Arbeitsplätze und Geld in die Region, doch wie hoch ist der Preis, den die Natur dafür zahlen muss?

Früh am Morgen  lichten wir den Anker und wollen Richtung Kefalonia, die zweite Insel die uns noch fehlt. Wir segeln entlang der wunderschönen Steilküste von Zakynthos. Beim Anblick der riesigen Felsen frage ich mich, was die wohl schon alles gesehen haben: Odysseus, die Mykener, Seeschlachten, Völkerwanderungen und vieles mehr. Doch unser Zeitalter bringt nun Schmutz, Plastik und die Klimaveränderung. Auf unser Wirken brauchen wir wahrlich nicht Stolz zu sein und ich kann nur hoffen dass kluge Menschen diese wunderbare Welt in Zukunft besser behandeln. Die Meeresbrise pustet meine Seele durch, die dunklen Gedanken verblassen, ein Tag auf dem Meer, wie wohltuend! 

Ich beruhige mich. Nicht alle Menschen sind schlecht und nicht jeder Tourismus ist schlecht. Menschen die reisen sind wichtig um Vorurteile abzubauen, um Kleingeistern keine Chance zu geben.

Aber es ist Zeit, dass wir alle unser Verhalten überdenken. 

„Alle wollen die Welt verändern, aber keiner sich selbst“(Leo Tolstoy)

Griechenland hat unzählige Buchten mit kristallklarem Wasser, leider aber sehr wenig Fische oder andere Meeresbewohner. Seeigel sind weit verbreitet, ab und zu sieht man einen Seestern, doch das ist schon eine Sensation. Dafür sieht man beim Schnorcheln häufig Müll auf dem Meeresboden, achtlos weggeworfen.

Wenn man die zahlreichen stinkenden Müllhalden in der Landschaft sieht, mag man nicht recht glauben, dass diese die EU-Richtlinien erfüllen. Überhaupt scheint die Müllentsorgung, ähnlich wie in Sizilien, nicht wirklich gut zu funktionieren. Die Griechen scheinen  kein großes Umweltbewusstsein zu haben, wie schade. Bei den Gemüsehändlern ernten wir immer wieder Unverständnis, weil wir ihre Plastiktüten nicht möchten. 

Unsere augenblickliche negative Stimmung verstärkt sich als wir wiederholt Ärger mit einem unserer Antriebe bekommen. Ein Antrieb lässt sich nicht mehr verlässlich in den Vorwärtsgang schalten. Unangenehm wird es, als wir in einer Ankerbucht nur mit Mühe gegen den auflandigen Wind von der Küste wegkommen. Daher beschließen wir Richtung Levkas oder Preveza zu fahren, dort gibt es Werften und, falls erforderlich, auch einen Kran.

Gerrit kann die Ursache nicht finden, wechselt ohne große Erwartungen daran das Getriebeöl. Am nächsten Tag funktioniert der Antrieb wieder, welch ein Wunder, hoffentlich hält er jetzt bis Spanien!

Wir sind wieder bestens gelaunt und können also einfach wieder ankern gehen, wir brauchen keine Werft zu suchen, erstmal nicht, ein Problem weniger!

Also laufen wir Poros an, eine hübsche Bucht im Süden von Lefkas, wir haben sie bereits mit Amei besucht. Hier war uns bei unserem ersten Besuch eine schöne Taverne aufgefallen, da gehen wir heute Abend essen, so der Plan. Wir gehen schwimmen, freuen uns über die wiedergefundene Leichtigkeit und beobachten zwei Männer auf einem kleinen Boot. Auf dem Boot steht „Rescue-Boot“, ein Mann in Zivil lenkt das Boot  während ein Mann in einem weißen Hemd und goldenen Schulterklappen stoisch im Boot steht und die jeweils Richtung anweist. Die beiden geben ein lustiges Bild ab und wir amüsieren uns darüber. Amei hätte uns gewarnt: „das gibt ein schlechtes Karma“ hätte sie gesagt  „das fällt alles auf euch zurück“. Und zack, schon passiert: nachdem dieses Gespann zahlreiche, neben uns ankernde, Boote angefahren hat, kommen sie zu uns und verlangen die Bootspapiere. Selbstverständlich reichen wir die nötigen Papiere und staunen als der Mann unsere Papiere einfach einsackt und uns mitteilt, dass wir sie bei der Hafenpolizei in Levkada wieder abholen können. Wie jetzt, das ist doch ein schlechter Scherz, oder?? Er klärt uns auf, wir würden zu nah am Strand ankern und müssten dafür dort Strafe zahlen. ,

Unsere gerade erst wiedergefundene gute Laune schlägt blitzschnell um, augenblicklich sind wir übellaunig und protestieren lauthals, ohne Erfolg.

Dieser Mann in seinem komischen Hemd erzählt uns von einem Gesetz auf Lefkas, demnach ist es verboten näher als 300m zum Strand zu ankern. Wir möchten wissen wo das geschrieben steht, das kann er uns leider nicht zeigen, aber das Gesetz besteht, sagt er. Aha, ein Gesetz oder eine Richtlinie die nirgends geschrieben steht, okay. Dafür zeigt er uns  seinen Dienstausweis, doch das könnte auch sein Mitgliedsausweis für ein Karnelvalsverein sein (würde zur Uniform passen,haha!), lesen können wir ihn nicht, denn es steht alles in griechischer Schrift. Er lässt sich nicht erweichen, also werden wir uns wohl oder übel in den nächsten Tagen auf den Weg nach Lefkada machen müssen, das war nicht der Plan.

Ärgern tun wir uns nicht nur über dieses eigenmächtige,“hausgemachte“ Gesetz, sondern auch weil wir gesehen haben, dass die griechischen Jachten nicht belangt wurden, ebenso wie die großen Superjachten. Außerdem waren wir knapp 200m vom Strand entfernt, was in allen anderen Ländern reicht und dort steht es auch vermerkt.

Zwei Tage später machen wir uns auf den Weg zur Behörde. Dafür müssen wir im Hafenbecken ankern, was nicht wirklich erlaubt ist, ich bleibe an Bord, Gerrit will nur schnell die Papiere wieder holen, denken wir. 

„ach, die Papiere, die müssen erst noch bearbeitet werden und dann muss der Chef entscheiden wie hoch die Strafe ausfällt“. Nun wird Gerrit aber wirklich ungeduldig, außerdem möchte er wissen, wo diese Richtlinie geschrieben steht. Die steht nirgends, aber es ist so. Ah ja.

Ein anderer Beamter fragt Gerrit, ob er Italiener sei. Nein er wäre aus Deutscher. „ Ach so“ so der Beamte „ dann würden sie den Vorgang doch schon heute bearbeiten und er könne in einer Stunde wieder kommen“. Also ist es abhängig von der Staatsbürgerschaft wie und wann ein Vorgang bearbeitet wird?? Das wird ja immer besser. Aber egal, Hauptsache wir  bekommen unsere Papiere wieder und dann sieht uns Griechenland so schnell nicht wieder.  

Nach einer Stunde hat der Chef unsere Strafe bestimmt: 150 €, der Höchstsatz also. Wäre ja interessant zu wissen, was man als Italiener zu zahlen hat. Oder wurde unsere Strafe so „zügig“ bearbeitet, weil die Deutschen immer Höchststrafe zahlen müssen?

Ein Schelm wer da an Behördenwillkür denkt!

Auf Gerechtigkeit braucht man hier wohl nicht zu hoffen, also muss Gerrit  die Kröte schlucken und zahlen um dann endlich seine Papiere wieder zu bekommen. „Bezahlen geht hier nicht, da müssen sie zur Bank“. Die Bank hat nur einen Schalter in Betrieb, die Schlange ist lang…. keep cool!

Bis alles erledigt ist vergehen über drei Stunden. Ich habe kurz Zweifel, ob sie Gerrit verhaftet haben und sehe ihn schon im Kerker von Lefkada bei Fetakäse, Brot und Wasser. So bin ich doch erleichtert, als ich ihn wieder kommen sehe. Eins ist sicher: so schnell geben wir unsere Papiere nicht wieder aus der Hand!

Wir wollen keine Zeit mehr auf Lefkas verbringen und wechseln zur Festlandseite, in einer schönen Bucht. Dort treffen wir drei bekannte Boote aus unserer  Zeit in Licata und verbringen einen netten gemeinsamen Abend. Wir versöhnen uns ein wenig mit Griechenland, aber wir spüren auch, dass wir nun weiter wollen. Außerdem drängt die Zeit, wir haben im Herbst einige Termine in Deutschland, also müssen wir Richtung Westen.

Wir freuen uns auf die Überfahrt nach Italien, draußen auf dem Meer verfliegt der Ärger und wir denken über  unsere Zeit in Griechenland nach. 

Es war für uns beide unsere erste Griechenlandreise.

Nicht gefallen hat uns das mangelnde Umweltbewusstsein der Griechen. Wir haben sogar junge Menschen gesehen, die achtlos ihren Müll ins Meer geworfen haben.

Die zahlreichen, stinkenden Mülldeponien, einfach in der Landschaft abgekippt, sind scheußlich. Es gibt keine Mülltrennung und auch keine wirklich funktionierende Müllabfuhr. Der Müll verteilt sich achtlos in der Landschaft, ein ähnliches Bild wie in Sizilien.

Sehr schön fanden wir die großartige Landschaft gepaart mit der Geschichte der Antike. Überall findet man einen Ankerplatz, einzig die steil abfallende Küste bereitet hin und wieder Probleme.

Das glasklare Wasser in unterschiedlichem türkis Ton ist immer wieder eine Augenweide und macht das tägliche Schwimmen zum Genuss.

Das griechische Gemüse, tatsächlich noch Freiland in der Sonne gereift, ist unbeschreiblich gut, ebenso das feine Olivenöl. Super sind die fliegenden Gemüsehändler mit ihren Pickups.

Überrascht hat uns die Zuverlässigkeit der Griechen. Im Gegensatz zu anderen südlichen Ländern, kann man sich in Griechenland darauf verlassen, dass eine Abmachung auch tatsächlich eingehalten wird. So waren wir überrascht, wenn die vorab bestellten Taxifahrer, tatsächlich überpünktlich ankamen.

Sehr angenehm finden wir die Gelassenheit in Griechenland. Es wird nicht geschimpft, man kann überall problemlos mit dem Dinghy anlanden und braucht es nicht einmal anzuschließen – sehr angenehm.

Wir haben so viel gesehen und erlebt, Griechenland wird noch lange in uns nachwirken, positiv und negativ!

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