Guadeloupe

In zwei Tagen müssen wir auf Guadeloupe sein, unser Sohn Neels kommt zu Besuch, juchu! Doch zunächst müssen wir uns bei einer Windstärke von 7 Beaufort und 4 m Welle, hart am Wind durch die ungemütliche See kämpfen. Wir beschließen die Nacht auf halber Strecke, auf den Iles Des Saintes, zu verbringen. Leider ist dies nicht so einfach wie zunächst gedacht. Zwischen den einzelnen Inseln pfeift der Wind gewaltig und nimmt noch einmal richtig Fahrt auf. Es gibt nur Mooring-Bojen-Felder, die aber alle schon belegt sind. Obwohl es genügend Platz gibt, ist das Ankern innerhalb dieser Felder nicht erlaubt, man wird sofort abgewiesen. Außerhalb dieser Bojen-Felder nimmt die Wassertiefe rapide zu und der steinige Grund ist sehr schlecht haltend. Zahlreiche Segler fahren, wie wir, verzweifelt von einer Bucht zur nächsten und versuchen erneut ihr Glück mit dem Ankern. Nach mehreren Versuchen scheinen wir endlich Glück zu haben, der Anker greift, was für eine Freude! Doch in der Nacht  driften wir langsam, Gerrit hält Ankerwache während ich tief und fest schlafe und von der heiklen Situation nichts merke. Früh morgens lichten wir den Anker und erkennen nun den Grund für das nächtliche Driften: ein großer Felsbrocken hängt vorne am Anker, ausgebrochen aus dem Ankergrund. Ein Krebs sitzt auf dem Felsbrocken und wundert sich bestimmt über das helle Licht, war er doch gerade eben noch in 20 Meter Tiefe! Es ist erstaunlich, dass unsere Ankerwinsch diesen Koloss nach oben hieven konnte, aber schlimmer ist die Frage: wie werden wir ihn wieder los. Der Felsbocken ist so im Anker verkeilt, nichts bewegt sich. Nach längerer Überlegung und ein paar Tricks, werden wir ihn zum Glück wieder los, der Felsbrocken rauscht gemeinsam mit dem Krebs wieder zurück in 20 m Tiefe. Was der Krebs wohl dabei gedacht hat?

Wir haben erst einmal genug von den Iles Des Saintes, auch wenn es eigentlich ganz schön aussieht, aber wir haben ja unseren Termin auf Guadeloupe.

Mit Guadeloupe habe ich bisher nur die leckeren Melonen, die es in Deutschland oft zu kaufen gibt, in Verbindung gebracht. Nun werden wir tatsächlich auch diese Insel kennenlernen, ich bin gespannt!

Guadeloupe hat aus der Luft betrachtet die Form eines Schmetterlings und ist landschaftlich sehr vielseitig: die Basse-Terre ist mit ihren Vulkanen gebirgig und mit dichtem Regenwald bewachsen. Der andere Teil, die Grande-Terre, lockt mit feinen Stränden und schönen Buchten. Wir ankern zunächst zwischen den beiden Inselteilen, direkt an einer kleinen Palmeninsel, gegenüber der Hauptstadt Pointe-à-Pitre, um Neels an Bord zu nehmen. Wir geben Neels zwei Tage zum Eingewöhnen, und steuern zunächst einmal nette Badebuchten auf Grande-Terre an. Baden, Sonnen, so kann man sich vom Studentenleben erholen, die harte Zeit der Klausuren ist Vergangenheit!

Ilet Du Gosier
Karibik spüren

Nach der Eingewöhnungsphase segeln wir zur kleineren Insel Marie-Galante mit ihren feinen weißen Stränden und türkisblauem Wasser. Dort möchten wir uns Motorroller mieten, doch dies erweist sich fast als „mission impossible“! Da sind wir wieder in der französischen Service-Wüste, wir machen hier die gleiche Erfahrung wie bereits auf Martinique: „Hilfe, Kunde droht mit Auftrag!“ Mit viel Mühe und nach unzähligen Telefonaten ergattern wir die letzten zwei Motorroller der Insel und brausen los. Es ist ja Hochsaison, wird uns erzählt, daher der Engpass. Aha.., das ist Hochsaison: menschenleere Dörfer, Kilometerlange einsame Strände, wir versuchen uns die Nebensaison vorzustellen, haha! Nach kurzer Strecke wissen wir weshalb die beiden Motorroller noch zu haben waren: es sind die letzten Gurken! Jeder Berg bringt sie an den Rand der Belastbarkeit, daher muss ich, als Soziofahrer, den Berg hinauflaufen. Eine schweißtreibende Angelegenheit, hoffentlich bringt es das Hüftgold wenigstens zum Schmelzen! Trotzdem sind wir sind uns einig: Marie-Galante ist ein Abstecher wert!

Hochsaison Marie Galante! Haha!
Menschenleere Strände – Hochsaison
Beachball am Strand

 

Türkisblaues Wasser! Anse Canot, Marie Galante
alte Zuckerfabrik mit Herrenhaus
Marie Galante
ein kühles Bier am Beach
Mangroven
Mangroven

Neels hat das „Angelfieber“ gepackt. Gleich am ersten Tag fängt er zwei kleine Fische, einen Tag später eine schöne Makrele. Doch danach scheint ihn sein Angelglück verlassen zu haben, trotz unermüdlicher Versuche!

Abends beim Geschirrabtrocknen sehen wir sie plötzlich, und sie uns:     Eine Kakerlake!! Sie verharrt kurz in ihrer Bewegung und hofft noch, nicht entdeckt zu werden, zu spät! Eine Kakerlake an Bord trotz aller Vorsichtmaßnahmen: keine Kartons, Schuhe werden penibel nach jedem Landgang gesäubert, Obst wird abgebraust…! Nach unserer kurzen Panikattacke greift Gerrit beherzt zum Lappen und versucht sie zu zerdrücken. Dies misslingt, da ihr Panzer sie tatsächlich gut schützt, sie entkommt. Der erste Punkt geht an sie, doch wir sind vorbereitet. Da wir diesen Besuch bereits erwartet haben, haben wir uns schon in Spanien mit einem Arsenal an Mittelchen ausgerüstet. Haha…, wer zuletzt lacht….! Wir verteilen die kleinen Kakerlaken-Hotels in verschiedenen Ecken und glaubt man der Illustration auf der Packung, so ist es eine totsicherere Sache. Wir haben sie noch nicht wieder zu Gesicht bekommen, hoffen wir mal, dass sie keine Großfamilie hatte!

Zurück auf Guadeloupe geht es weiter entlang der Küste von Basse-Terre. Wir bekommen deutlich zu spüren warum dieser Teil der Insel so begrünt ist: es regnet sehr häufig und sehr stark und die starken Fallwinde schleudern Mojito um seinen Anker! Nach zwei Tagen am Anker zeigt unser GPS 8 sm Strecke an, d.h. 15 Km nur am Anker!

Wir möchten die Wasserfälle und den Regenwald besuchen und vielleicht auch den aktiven Vulkan besteigen, doch zunächst heißt die schwierigste Hürde: ein Auto zu mieten! Nach unzähligen Telefonaten ergattern wir ein Auto, doch nur für einen halben Tag! Okay, besser als nichts, den Vulkan schaffen wir nicht mehr, schade!

Wir laufen verschiedene kleine Wanderstrecken durch den vom Regen aufgeweichten Regenwald, zu den Wasserfällen. Leider ist hier das Baden nicht mehr erlaubt, es gab nach dem Hurrikan Gerölllawinen. Doch wir hören von einer warmen Vulkanquelle zum Baden und machen uns auf dem Weg. Es ist recht abenteuerlich, der Boden ist aufgeweicht und glitschig, es geht über Baumwurzeln bergauf und bergab, am Flusslauf entlang durch den Regenwald. Tatsächlich erreichen wir eine Stelle am Wasserlauf, in der bereits drei Männer sitzen. Wir gesellen uns dazu und tatsächlich, es ist ca. 30-35 Grad warmes Wasser, durch den Vulkan aufgeheizt. Die Situation ist schon komisch: da sitzen wir bei 27 Grad Außentemperatur im Warmwasserbecken, mitten im Regenwald, und genießen die Wärme wie in der Sauna! Die Naturkulisse um uns herum ist spektakulär, was für ein Ambiente!

Grand Etang, Guadeloupe
Wandern durch den aufgeweichten Regenwald
warme Quellen mitten im Regenwald
Wasserfall

Weiter geht es zur nächsten Bucht, Ilets Pigeon, ein Naturreservat. Jacques Cousteau hatte dieses Revier als eins der schönsten Tauchreviere erkoren und erreichte, dass es unter Schutz gestellt wurde. Wir schnorcheln hier ausgiebig und bestaunen die bunte Unterwasserwelt.

Am nächsten Tag nimmt der Wind stark zu und wir ankern nun bei Windstärke 7, in Böen 8. Hui, da dauert es nicht lange und die ersten Yachten gehen auf Drift. Pech für die amerikanische Yacht neben uns, sie scheint genau in Strömungsrichtung zu liegen. Die erste Yacht treibt längsseits gegen ihren Bug, zum Glück scheint kein größerer Schaden entstanden zu sein. Zwei weitere Yachten geht es ebenso, sie driften gefährlich nah vorbei. Die Anspannung auf den Yachten ist groß, welcher Anker wird wohl als nächster aufgeben?

Windstärke 8 im Ankerfeld! Oha!

Wir sind mit unserem neuen Rocna-Anker sehr zufrieden, wieder einmal erweist er sich als zuverlässig.

Unser Problem ist ein anderes: Neels hat heute seinen Abreisetag und muss irgendwie mit Gepäck an Land gebracht werden. Der Koffer wird in Müllsäcke Wasserdicht verpackt, trockene Wechselkleidung ebenso. Während ich zur Ankerwache an Bord bleibe, kämpfen sich Gerrit und Neels mit dem Dinghy durch die Bucht und erreichen völlig durchnässt das Land! Traurig müssen wir uns von Neels verabschieden, die Tage sind so schnell verflogen.

Auch von Guadeloupe müssen wir uns verabschieden, wir müssen weiter, da das Ersatzteil für unseren Generator auf Sint Maarten wartet.  Wir werden Guadeloupe als die windigste, regenreichste, teuerste, abwechslungsreichste und europäischste Insel in Erinnerung behalten. Doch  auch als die Insel mit dem schlechtesten Telefon- und Internetnetz aller karibischen Inseln, dicht gefolgt von Martinique. Ein schwaches Bild, finden wir, dafür dass wir Europäer uns stets für so innovativ halten!

Weiter geht es nun nach Montserrat!

Pelikane halten eine Siesta in Deshaies

 

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