Zurück auf Start – Torrevieja, Costa Blanca

Wir tingeln weiter entlang der spanischen Küste und mögen nicht daran denken bald wieder fest in einer Marina zu liegen, obwohl wir auch eine kleine Freude spüren wieder nach Torrevieja zurück zu kehren, um zu sehen was sich dort während unserer Abwesenheit getan hat. Torrevieja ist wahrlich keine Schönheit, auch hier hat der ungezügelte Bauboom gnadenlos zugeschlagen. Aber die Stadt verfügt über eine sehr gute Infrastruktur und die Nähe zum Flughafen von Alicante ist für uns perfekt.

Noch haben wir ein paar Tage Zeit und fahren zunächst an Torrevieja vorbei um noch den einen oder anderen schönen Ankerplatz anzulaufen.

Unsere Kupplung meldet sich wieder, sie möchte sich wohl wieder in Erinnerung bringen. Da sind sie wieder, die bösen Geister die man einfach so verdrängt und sich dabei einredet, sie wären nicht mehr da. Weit gefehlt! Die Kupplung hatte uns bereits in Griechenland große Probleme bereitet: damals, als wir einen Ankerplatz auf Ithaka wegen starkem auflandigem Wind verlassen mussten und die Kupplung ausgerechnet in dem Moment, als der Anker gelichtet war, beschloss ihren Dienst zu quittieren und wir dadurch nur eingeschränkt manövrierfähig waren. Das sind  die Momente in denen man dann kurzzeitig einen kräftigen Adrenalinstoß bekommt. Doch bevor wir dann an der Küste zerschellten, überlegte es sich die Kupplung doch noch mal und beschloss die Reise gemeinsam mit uns fortzusetzen. Dafür bekam sie von Gerrit noch einmal frisches Öl und alle waren glücklich. Doch nun meldet sie sich wieder, vielleicht fühlt sie sich nicht wahrgenommen und  möchte einfach  nicht in Vergessenheit geraten.

Wir diskutieren unser weiteres Vorgehen und überlegen ob es sinnvoll wäre, einfach mal der Werft in San Pedro einen Überraschungsbesuch zu machen, vielleicht freuen sie sich ja auch, uns nach zwei Jahren Abwesenheit wieder zu sehen.

Zudem ist Gerrit auch beunruhigt, weil er beim Schwimmen ein paar Bläschen im Gelcoat im hinteren Bereich der Kufen entdeckt hat. Er hat auch gleich ein furchtbare Vermutung: OSMOSE!

Osmose ist eines der großen Schreckgespenster für jeden Eigner eines GFK-Bootes. Bei Osmose tritt Feuchtigkeit in das Gelcoat ein und zersetzt die Struktur und damit die Stabilität des Schiffes. Als wir Mojito gerade gekauft hatten und vor Ibiza über eine Seegraswiese ankerten, da spürten wir dieses große Schreckgespenst das erste Mal: es knisterte im gesamten Boot und wir waren uns sicher, das muss Osmose sein. Nach einigen schlaflosen Nächten und Recherchen im Internet konnten wir den Übeltäter ausmachen: es war nur der Pistolenkrebs. Dieser kleiner Krebs im Mittelmeer schießt einen Wasserstrahl auf seine Beute und viele Pistolenkrebse machen diese knisternde Geräusche im Boot, was für eine Erleichterung.

Doch nun haben wir Bläschen, das muss ich auch zugeben, die kann man nicht schön reden. Eigentlich habe ich keine Lust unsere schönen Ankertage gegen einen Werftaufenthalt zu tauschen, aber mir fallen keine Gegenargumente ein, also gebe ich mich geschlagen und wir machen uns auf den Weg.

Wie der Zufall es will, beschließt unsere Kupplung in dem Moment, in dem wir in das Hafenbecken der Werft einlaufen, nun endgültig das zeitliche zu segnen und verweigert jegliche weitere Mitarbeit. Das kann man natürlich auch positiv bewerten und sich freuen, dass die Kupplung alles gegeben hat und bis zur letzten Minute durchgehalten hat. Die beiden Chefs von der Werft heißen beide Manolo, das kann man sich auch nach längerer Abwesenheit gut merken, sehr praktisch. Die beiden Manolos freuen sich tatsächlich uns wieder zu sehen, wobei ich meine ein paar Euro-Zeichen in ihren Augen zu erkennen, beide wittern die fette Reparatur. Dem einen sein Leid, dem anderen seine Freud – so ist das Leben!

Jetzt gibt es wenigstens keine weitere Überlegung, ob oder ob nicht. Nein, die Sache ist klar: wir werden gekrant und für ein paar Wochen zur Reparatur an Land gestellt.

Wenn die eine Kupplung nach zwölf Jahren Lebenszeit den Dienst quittiert macht es Sinn auch gleich die zweite Kupplung  zu tauschen. Es ist auch eine gute Gelegenheit die beiden Bälge zu tauschen, da auch diese nun zwölf Jahre alt sind. Die Bälge sind die dicken Gummimanschetten, die die unter Wasser liegende Eintrittstelle der Antriebe im Rumpf abdichten. Diese Tatsache macht es verständlich dass es durchaus in unserem Interesse ist, dass diese rechtzeitig getauscht werden und nicht erst wenn sie porös und undicht sind.

Manolo 1 begutachtet unsere Bläschen und gibt Entwarnung, es ist keine Osmose. Aber es ist eine Vorstufe, irgendwo dringt Feuchtigkeit ein, wir haben auch schon eine böse Vermutung. Nach unserem Mastbruch mussten wir die beschädigte seitliche Stoßleiste erneuern. Um das passende Gesamtbild des Bootes zu erhalten, gaben wir der Werft in Martinique den Auftrag nicht nur die seitlichen Stoßleisten zu erneuern, sondern auch die hinteren Stoßleisten am Heck auszutauschen. Dies geschah während unserer Abwesenheit und Gerrit hat nun die Vermutung dass die Schrauben nicht ordentlich abgedichtet wurden. Gerrit montiert die beiden Leisten ab und wir können nicht glauben was da zu Tage kommt. Tatsächlich waren die Bohrlöcher, wie vermutet, nicht fachgerecht abgedichtet. Doch scheinbar war diese Schutzleiste vom Vorbesitzer schon einmal neu angebracht worden und auch damals die Löcher nicht verschlossen worden. Das Heck gleicht einem Schweizer Käse, wir zählen pro Kufe 120 (!) Löcher, durch die fleißig bei achterlicher Welle Feuchtigkeit ins Gelcoat eindringen kann. Sticht man die Blasen am Gelcoat an, tritt ein Tropfen Wasser aus. Wie gut dass wir nicht länger damit gewartet haben, noch ist der Schaden gering und relativ einfach zu beheben. Aber trotzdem ärgerlich und eigentlich unnötig, wenn jeder einfach seine Arbeit ordentlich ausführen würde. 

Die befallenen Stellen müssen nun abgeschliffen werden, durchtrocknen, wieder verschlossen und neu lackiert werden. Das passt gut zu unserem Zeitplan, wir müssen für eine geplante ärztliche Untersuchung nach Deutschland, derweil kann Mojito in der Herbstsonne trocknen.

Mojito hängt im Kran
aufgestochene Bläschen am Heck
die Übeltäter: nicht abgedichtete Bohrlöcher
120 Löcher pro Kufe

Als wir nach fast drei Wochen Abwesenheit zurückkehren, ist Mojito nicht wie versprochen fertig. Manolo erklärt uns mit Welpenblick, es gab nur schlechtes Wetter, sie konnten leider die Arbeiten nicht ausführen. Komisch, diese Ausrede scheint international zu sein. Als wir Mojito in Martinique zurückließen, folgte auch dort eine angeblich mehrwöchige Schlechtwetterperiode und auch damals konnten außer der unsachgemäß angebrachten Stoßleisten, keine weiteren Arbeiten ausgeführt werden.

In meinem früheren Leben hätte ich mich an dieser Stelle maßlos geärgert und ich hätte mich den ganzen Tag darüber aufgeregt, und…., was hätte es gebracht??

Am besten man atmet tief durch und sieht es wie unser australischer Nachbar in Licata letzten Winter. Sein Spruch: „It is like it is“. So ein Leben auf dem Boot entschleunigt und entspannt ungemein!

Anstatt uns sinnlos über diese Situation aufzuregen gehen wir zu den benachbarten Salinen, in ein kleines Restaurant, schlürfen eine leckere Gazpacho (kalte Gemüsesuppe) in der warmen Herbstsonne und beobachten die Salzernte in den Salinen. Dort wird das Salz mit mehreren Radladern auf LKW geladen und zum Hauptgebäude gefahren, wo es dann getrocknet wird und als Streusalz abgesackt und für den Weitertransport vorbereitet wird. Es herrscht eine rege Betriebsamkeit und es erinnert uns an die Getreideernte in unserem früheren landwirtschaftlichen Betrieb. Es ist schön das Geschehen zu verfolgen, die rosa leuchtende Salinenfelder und dahinter die riesigen geernteten Salzberge zu sehen. Wir haben uns nie so wirklich Gedanken gemacht, wo unser Streusalz eigentlich herkommt, nun wissen wir es. Doch bei den augenblicklichen Sommertemperaturen fällt es schwer an Glatteis zu denken.

Salzberge in den Salinen
die Saline ist abgeerntet, nun wird planiert und für die kommende Ernte vorbereitet

Die Tage auf der Werft  gehen tatsächlich auch vorbei und wir werden mit zwei neuen Kupplungen, zwei neuen Bälge, zwei frisch aufgearbeitete Heckkufen, ein sauberes Unterwasserschiff und  poliertem Rumpf wieder in die Freiheit entlassen. Die zusätzlichen Standtage auf der Werft  werden uns nicht in Rechnung gestellt, das ist fair.

Nach einem Kurzbesuch in Torrevieja beschließen wir die schönen Herbsttage noch zu nutzen und fahren wieder raus zum Ankern. Leere Ankerplätze bei sommerlichen Temperaturen laden zum Schwimmen und Verweilen ein und das wunderschöne Licht in dieser Jahreszeit verstärkt noch das „Wohlfühl-Gefühl“.

Wir machen einen Abstecher nach Cartagena, um diese schöne Stadt zu besuchen, aber auch weil Frank und Eva dort dieses Jahr Überwintern. Es ist schön die beiden wieder zu treffen und wir verbringen schöne Stunden zusammen, an Gesprächsstoff mangelt es nicht!

Einziger Wermutstropfen in Cartagena sind die Kreuzfahrtschiffe. Wir entwickeln eine zunehmende Allergie gegen diese Dreckschleudern, auch weil sie sich scheinbar unkontrolliert vermehren. Bei unserem letzten Besuch in Cartagena (vor vier Jahren) lagen hier nur vereinzelt Kreuzfahrtschiffe der mittleren Größe und das nicht jeden Tag. Nun da Barcelona wegen Unruhen nicht angefahren wird, suchen sie nach Alternativen und kommen geballt  nach Cartagena. Es liegen hier täglich drei Kreuzfahrtschiffe, davon zwei Riesen-Monster. Alle drei stoßen fortlaufend ihre Abgase in die Luft und lassen die Motoren unangenehm brummen und außerdem nehmen sie uns die Sonne. Die Stadt kann diese Menschenmassen nicht unbemerkt schlucken, auch hier spüren wir die Hektik und den Konsumrausch der Kreuzfahrer. Somit beschließen wir unseren Aufenthalt in Cartagena vorzeitig zu beenden und uns einen Platz fernab der Kreuzfahrtschiffe zu suchen. Das heißt natürlich auch, dass wir uns von Frank und Eva verabschieden müssen. Doch wir treffen uns wieder, irgendwann und irgendwo, das ist sicher!

Cartagena
ein Kreuzfahrtschiff direkt vor der Stadt und dem Jachthafen

Dafür wartet die nächste nette Begegnung auf uns: Alain und Fabiola, unsere französischen Freunde, sind von La Grande Motte in Südfrankreich gestartet und wollen in die Karibik. Sie segeln entlang der spanischen Küste und möchten sich unbedingt noch mit uns treffen, was für eine Freude! Wir vereinbaren den Ankerplatz bei Cabo de Palos und verbringen drei gemeinsame Tage an einem wunderschönen Platz. Die beiden sind voller Vorfreude und leichter Anspannung im Hinblick ihrer bevorstehenden Atlantiküberquerung. Wir sind etwas neidisch und fühlen uns wieder in die Zeit vor unserer eigenen Atlantiküberquerung versetzt, was für ein Erlebnis, wie gerne würden wir es noch einmal tun. 

Ankern in Cabo de Palos mit Va´a
ein letzter Aperitif mit Alain und Fabiola in der Herbstsonne. Wann werden wir uns wieder sehen?

Für uns heißt es nun endgültig unseren Liegeplatz für den Winter zu beziehen. Wir haben noch einige Arbeiten am Boot zu erledigen, bevor wir für mehrere Wochen nach Deutschland gehen.

Wir sind wieder in Torrevieja an der Costa Blanca in Spanien. Hier haben wir vor über fünf Jahren Mojito entdeckt und gekauft und damit hat sich unser Leben damals grundlegend geändert. Wir entdeckten dass es ein anderes Leben gibt, jenseits des getriebenen Alltagsleben im Erfolgsstress. Mojito veränderte uns Stück für Stück und wir sind ihm sehr dankbar dafür. Torrevieja war damals eine Zeitinsel für uns, das Leben tickte hier anders, es tat unendlich gut hier eine Zeitlang „abzutauchen“.

eine nachgebaute spanische Karavelle läuft Torrevieja an. Nach der Besichtigung wissen wir, dass wir damit nicht über den Atlantik gesegelt wären
Seesteg von Torrevieja
Sehnsucht nach Meer

Dann wagten wir spontan einen weiteren Schritt, verlagerten unser Leben ganz auf Mojito und starteten damit das Abenteuer „wir-leben-auf-dem-Wasser-und-segeln-über-den-Atlantik“. Seitdem haben wir in den vergangenen 2 Jahren gemeinsam 13.000 sm zurückgelegt, das entspricht etwa 24.000 Km. Gemeinsam haben wir 14 Länder bereist, 50 Inseln erkundet und in unzähligen Buchten geankert. Wir haben gemeinsam gutes und schlechtes Wetter erlebt, einen Mastbruch und eine zweite gemeinsame Atlantiküberquerung auf einem Frachter. All das schweißt zusammen, macht uns stolz und glücklich.

Wie schon bereits erwähnt, stellten wir uns die Frage ob sich Torrevieja verändert hat. Nein, Torrevieja hat sich, bis auf wenige Einzelheiten, nicht verändert. Aber wir, das spüren wir sehr deutlich, wir haben uns verändert. Es ist zwar schön wieder hier zu sein, bekannte Gesichter zu sehen und die Annehmlichkeiten der Stadt zu nutzen. Doch spüren wir in uns einen großen Entdeckungsdrang, wir möchten noch viel mehr von dieser wunderbaren Welt sehen und nicht im Bekannten verharren. Wir können es schon jetzt kaum erwarten im Frühjahr zu starten und uns in das nächste spannende Abenteuer zu begeben.

Mojito hat seinen geschützten Winterliegeplatz

Ich habe keine Angst vor der Welt, aber ich habe Angst vor Menschen, die Angst vor der Welt haben. (Elisabeth Gilbert)

Weiter in Richtung Westen

Nach einigen schönen Tagen auf Sardinien genießen wir noch einen kurzen Aufenthalt auf der vorgelagerten Insel San  Piedro. Das schöne Städtchen Carloforte ist uns schon bei unserem letzten Besuch ans Herz gewachsen und wir nehmen hier etwas wehmütig Abschied von Italien. Wir genehmigen uns einen letzten Aperitif, mit den typischen, dazu servierten, kleinen Leckereien und holen uns noch beim örtlichen Pizzabäcker eine super leckere Pizza auf die Hand, was für ein Genuss. Wir werden es vermissen, da sind wir uns sicher!

Die Windvorhersage ist nicht sehr vielversprechend, wir haben mal wieder die Wahl: entweder zu wenig Wind oder, falls wir warten, Gegenwind. Das heißt, wir haben mal wieder die Wahl zwischen Pest und Cholera – es ist wirklich zum Verzweifeln.

Also entscheiden wir uns für die Version „zu wenig Wind“ und machen uns auf den Weg nach Menorca. Dann plötzlich entscheidet sich der Wind doch für uns und, was für eine Freude, wir können tatsächlich segeln und rauschen mit 7 bis 8 Knoten Geschwindigkeit in die stockdunkle Nacht (das ist wieder nicht so schön…, aber bloß nicht meckern, wir freuen uns über den Wind!). Leider behält der Wind nicht seine Kraft und schon während der Nacht geht das bekannte Wechselspiel wieder los: Segel rein, Motor an, Segel raus, Motor aus.

Nach 36 Stunden erreichen wir endlich in der finsteren Nacht die Bucht von Mahon auf Menorca.

Vor einigen Jahren haben wir bereits dort geankert und kennen die Bucht, denken wir, also sollte es doch kein Problem sein sie bei Nacht anzulaufen. Man fährt erst das Fahrwasser an, alles relativ einfach, man braucht sich nur an die roten und grünen Blinklichter zu orientieren. Der einzige, der uns die Anfahrt erschwert ist ausgerechnet das Leuchtfeuer. In regelmäßigen Abständen leuchtet er uns frontal entgegen und macht uns für einen kurzen Moment völlig blind. Hat das Auge sich gerade von diesem Flash erholt, kommt wieder der nächste. Demnach sind Leuchtfeuer nicht immer toll.

Wir müssen aus dem Fahrwasser abbiegen und einen Seitenarm nehmen bis zur Ankerbucht, alles ist dunkel, es gibt keine beleuchtete Bojen mehr. Ich gehe aufs Vorschiff und leuchte mit einer Lampe die Umgebung aus, damit wir uns besser orientieren können. Komisch ich hatte es ganz anders in Erinnerung. Die von mir angestrahlten Felsen wirken gespenstisch, unsere blubbernde Fahrgeräusche ebenso, ab und zu taucht plötzlich eine Boje auf, wir müssen aufpassen sie nicht zu rammen.  Das Anfahren einer Ankerbucht ist, so wie auch das Anlegemanöver im Hafen, immer eine besondere Prüfung im Eheleben eines Seglerpaares. Da gibt es manchmal Kommunikationsprobleme zwischen Mann und Frau, entweder durch unklare Anweisungen oder einfach durch die schlecht übertragene Akustik vom Steuerstand (Gerrit) zum Vorschiff (Pascale) und umgekehrt.

Man möchte nur ungern schreien, aber die Entfernung auf dem Boot ist für die Kommunikation schon eine große Herausforderung. Das Anfahren einer Ankerbucht bei Nacht setzt dem Ganzen  noch eine Stufe drauf. In der Ankerbucht hat sich bereits die Nachtruhe eingestellt, man sieht noch vereinzelt Lichter auf den anderen Booten, hier und da wird leise gesprochen, da kommen wir uns vor  wie Störenfriede. Jedes von uns gesprochene Wort scheint diese Stille dröhnend zu durchschlagen. Also laufe ich ständig hin und her, natürlich mit meiner Taschenlampe, damit wir uns gemeinsam auf einen geeigneten Ankerplatz einigen können. Das wiederum bringt mir eine Ermahnung von Gerrit ein, ich würde ihn mit meiner Lampe blenden. Okay, nun bin ich eingeschnappt, also Lampe aus, dann sehen wir halt nicht mehr viel, selber Schuld. Diese Konfliktdiskussion im Flüsterton, Nachts in der Ankerbucht, das kann zu kleinen Disharmonien an Bord führen. Doch trotz dieser Widrigkeiten schaffen wir es tatsächlich in der gut gefüllten Bucht einen einigermaßen geeigneten Platz für uns zu finden und lassen den Anker fallen. Müde aber auch ein wenig stolz diese besondere Anforderung gemeistert zu haben, versöhnen wir uns bei einem Glas Wein und freuen uns wieder eine Nacht durchschlafen zu können.

Menorca ist immer wieder schön, besonders im September, wenn die Hauptsaison zu Ende geht und die Ankerbuchten sich leeren. Die wunderschöne Natur, das türkisblaue Wasser, die schönen Wanderwege und die sehr schönen Städte Mahon und Cituadella bescheren uns wieder einmal wunderbare Tage auf Menorca.

die lange Fjord-ähnliche Bucht von Mahon
Mahon
schöne Buchten auf Menorca
Abendspaziergang entlang der Küste
Einfahrt von Cituadella
Arkaden in Cituadella
die Markthallen

Aber der Wind bestimmt unser Leben, wir müssen früher als geplant nach Mallorca segeln, sonst bleiben wir länger als wir wollen auf Menorca stecken, die Windvorhersage kündigt für die nächste Zeit nur Gegenwind an. Das passt nicht in unserem Zeitplan, also los, auf nach Mallorca, schließlich sind wir flexibel.

Auf Mallorca wartet eine schöne Überraschung auf uns, wir treffen Johann, ein Freund aus unserem „alten Leben“, aus  Ostfriesland. Er fährt uns mit seinem Boot entgegen und da treffen sich  „Mojito“ und „Don´t smoke“, zwei Boote mit dem gemeinsamen Heimathafen Norddeich in Ostfriesland, zum ersten Mal ausgerechnet auf Mallorca. Wir verbringen zwei Tage mit Johann und sammeln  viele Eindrücke und lernen dabei Cala Rajada kennen und schätzen. 

Treffen mit Johann auf Mallorca

Wir hatten bereits vor einigen Jahren zwei Tage vor Cala Rajada geankert und konnten keinen richtigen Zugang zu diesem Ort finden. Wir sahen die Partymeile an der Hauptstraße, das überwiegend deutsche Party-Publikum, angetrunkene Jugendliche am Hafen, all das passte zum Klischee. Das war nicht unsere Welt.

Johann zeigt uns nun eine andere Seite von Cala Rajada. Entgegen unserer Prinzipien entscheiden wir uns in den Hafen anzulegen. Das Ankern war schon bei unserem letzten Besuch nicht sehr komfortabel, da die Bucht sehr offen ist und meist eine unangenehme Dünung in die Bucht steht. 

Wir sind sehr überrascht eine angenehme und ruhige Atmosphäre hier zu erleben, da müssen wir unsere vorherige Meinung doch revidieren. Mit Johann verbringen wir einen sehr schönen Abend, essen Tapas und trinken einen leckeren mallorquinischen Wein direkt am Hafen, das ist Lebensfreude pur. Als absolute Krönung lädt uns Johann am nächsten Morgen ein mit seinem originalen alten Käfer Cabrio, den er liebevoll restauriert hat, zum nahegelegenen Leuchtturm und Aussichtspunkt zu fahren. Was für ein Erlebnis, ich glaube es ist länger als 35 Jahre her, dass ich in solch einem VW Käfer saß, wow! Das schönste daran, ist die Reaktion der Passanten, wenn wir vorbeifahren. Ich komme mir vor wie eine Königin, so viel Aufmerksamkeit bekommt man ja sonst selten. Es ist beeindruckend zu sehen, wie viel Lächeln und Freude so ein altes Auto bei den Menschen hervorzaubert. Wir sehen eine wunderschöne Landschaft, herrliche Pinienwälder, schöne Buchten. Ein großartiges Erlebnis! Danke Johann!

Blick auf den Hafen von Cala Rajada
Pascale, Johann und Gerrit, im Hintergrund Mojito
im Cabrio durch die Straßen
Johann und sein schöner Käfer Cabrio

 Gerrit hatte sich in der Karibik darüber beklagt, dass wir Deutschen nicht wie die Franzosen über eigene Inseln in der Südsee oder Karibik verfügen. Nun stellen wir fest, wir Deutschen haben dafür Mallorca, ha! Als wir uns einen Kaffee bestellen wollen und ich noch mühsam meine spanischen Vokabeln aus den untersten Hirnwindungen wieder hervorhole und dabei versuche sie von den italienischen Vokabeln zu trennen, antwortet mir schon der spanische Kellner auf deutsch „okay, Kaffee mit ein wenig Milch“. Ja stimmt, wir sind doch fast in Deutschland. In den Straßen hört man mehr deutsche als spanische Worte, für uns noch gewöhnungsbedürftig aber durchaus bequem!

Das nächste Highlight wartet schon auf uns: wir haben uns mit Frank und Eva,  Freunde aus unserer gemeinsamen Zeit in Licata, verabredet. Wir wollen uns auf der Isla Cabrera treffen, der vorgelagerten Naturschutzinsel. Für dieses maritime Schutzgebiet gelten strenge Regeln, man muss online eine Genehmigung beantragen und im Voraus eine Boje buchen. Wir wollten schon immer dort hin, nie hat es geklappt. Dieses Mal soll es klappen. Die Boje ist gebucht und wir sind voller Vorfreude.

Leider meldet der Wetterbericht nichts gutes und mit jedem Tag wird die Vorhersage unerfreulicher. Schließlich entscheiden wir uns wieder einmal gegen Cabrera (schade!) und dafür lieber für einen geschützten und sicheren Platz auf Mallorca. Wir ziehen es vor eine Anker-Boje in Portocolom zu nehmen, Frank und Eva tun das gleiche in Andratx, wie schade!  Wir erleben ein heftiges Unwetter mit Sturmböen, Gewitter und Hagelschauer und sind schließlich doch froh uns so entschieden zu haben. Das Unwetter dreht ständig über die Balearen und hält uns länger als gewollt in der Bucht fest, aber zum Glück sind wir hier sicher.

Ankerbucht von Portocolom
Portocolom
das Unwetter kommt..
..mit einem heftigen Hagelschauer
zum Glück gibt es Pausen zum Verpusten! Aber die Sprayhood von unserem Nachbarboot ist zerfetzt.
zwischen zwei Schlechtwetterphasen fahren wir mit dem Bus nach Palma
Palma ist so schön, vorausgesetzt es sind nicht mehrere Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig im Hafen

So bald sich das Wetter einigermaßen beruhigt hat, ergreifen wir die Gelegenheit um die Passage nach Ibiza zu bewältigen. Wie alle längeren Passagen dieses Jahr, ist auch diese kein Vergnügen. Viel zu viel Welle, der Wind schräg von vorne, nicht der Lieblingskurs für einen Katamaran, aber wir drei müssen uns durchbeißen. 

Müde und angenervt erreichen wir Abends Ibiza, das Wetter macht es uns schwer eine geeignete Ankerbucht zu finden. Die einzige perfekte Ankerstelle ist nun Schutzgebiet für das Poseidongras geworden, damit ist das Ankern dort verboten.

Wir steuern die nächsten Buchten an, doch sie sind zu offen, überall tritt eine unangenehme Dünung ein, kein guter Platz für die einbrechende Nacht.

 Die Crew steht mal wieder kurz vor einer Meuterei, als sich zum Glück doch noch eine Ankermöglichkeit bei Santa Eulalia findet. Nicht perfekt, aber einigermaßen geschützt und nachdem wir einen zusätzlichen Heckanker ausgebracht haben, sind die Schiffsbewegungen auch erträglich.

Am nächsten Morgen sieht die Welt wieder besser aus und wir sind wieder auf Ibiza, wie schön. Ibiza war schon immer eine unserer Lieblingsinseln. Die  felsigen Steilküsten, die unzähligen Buchten und herrlichen Sandstrände, die weitläufigen Pinienwälder und dazu das fantastische Licht, wir können uns nicht sattsehen. 

Hier treffen wir auch endlich Eva und Frank und verbringen eine schöne, gemeinsame Zeit, schließlich haben wir uns so viel zu erzählen, da wird es nicht langweilig.

Gemeinsam ankern wir vor Es Vedra, eine imposante, steil aufragende Felseninsel im Südwesten von Ibiza. Es Vedra  verbreitet eine einzigartige Stimmung und ist je nach Lichteinfall immer wieder beeindruckend. Es ranken sich viele Mythen um diese unbewohnte Insel, z.B. dass sie der Ort mit dem drittstärksten Magnetismus der Welt sei und dass hier schon öfters UFOs gesichtet wurden. Na ja, unser Kompass verhält sich wie immer und UFOs haben wir auch nicht gesichtet, das ist sicher auch davon abhängig was für ein Kraut man geraucht hat!

Wir freuen uns wieder  Es Vedra, Ibiza und Formentera zu besuchen, es ist fantastisch und auch einmalig. Hier findet man einsame Fincas und Luxusherbergen, Hippies und Jetset, Luxusjachten, klassische Segelboote oder Fahrtenjachten. Auf Ibiza ist alles gemischt, es ist ein „leben und leben lassen“, Ibiza ist einfach Ibiza!

Ankern vor Ibiza
Eva und Frank kommen zum Aperitif
freudiges Wiedersehen mit Eva und Frank
Mojito am Anker
Es Vedra, ein UFO ist nicht zu sehen!
Ankerbucht und Strandrestaurant mit Blick auf Es Vedra
hier gibt es eine leckere Paella zusammen mit Eva und Frank
wunderschönes Ibiza und Mojito
dramatische Sonnenuntergänge

Doch auch hier bestimmt das Wetter unser Leben und es heißt wieder Abschied nehmen, wir müssen den Wind nutzen um einigermaßen zum spanischen Festland zu gelangen. Frank und Eva wollen nach Valencia, aber wir sehen uns wieder, irgendwo und irgendwann, wir freuen uns drauf!

Uns bleiben noch ein paar wunderbare Tage entlang der spanischen Küste, in dieser Jahreszeit ist es immer wieder ein Genuss. Die Costa Blanca ist an vielen Orten gnadenlos zugebaut worden, konzentrieren sich hier eine große Anzahl an Wolkenkratzern, die teilweise an Orte wie Las Vegas oder Hongkong erinnern. Doch es gibt auch durchaus reizvolle Landstriche an dieser Küste und das Licht ist einzigartig. Wir gleiten bei glatter See und wenig Wind mit 4 Kn Geschwindigkeit entlang der Küste und lassen die Landschaft an uns vorbei ziehen, wie schön, das ist Ankern mit Fortbewegung!

Immer wieder ankern wir gerne vor Calpe, auch hier ein städtebaulicher Irrsinn, da hat sich sicher manch einer eine goldene Nase verdient. Es ist ein Hochhausghetto für Residenten, absolut nicht unser Geschmack, aber es scheint Menschen zu geben denen es gefällt.  Was uns hier gefällt, ist der gigantische Felsen des Penón de Ifac. Er galt  schon zu Zeiten der Phönizier als sicherer Ankerplatz. Dieser Felsen ist mehr als 300 m hoch und ragt einen Kilometer weit ins Meer, er steht unter Naturschutz und ist fest in Vogelhand. Es ist immer wieder beeindruckend vor dieser Felswand zu ankern, dabei die vielen Seevögel zu beobachten und die unterschiedlichen Vogelstimmen zu hören. Bei unserem letzten Besuch vor drei Jahren konnten wir den Ifac nicht bis zum Gipfel besteigen, es war Brutzeit, überall waren aufgeplusterte Jungvögel, die von den Eltern gut bewacht wurden. Dieses Mal ist der Aufstieg erlaubt, er ist sehr anspruchsvoll und abenteuerlich, aber wir werden oben auf dem Gipfel mit einem Ausblick belohnt, wie aus dem Flugzeug, großartig!

Der Penón de Ifac bei Calpe
dieses Mal wollen wir zum Gipfel!
bereits auf halber Strecke ist der Ausblick fantastisch
Dreiviertel der Strecke
geschafft!
Selfie vom Gipfel
Blick auf die gnadenlos zugebaute Küste von Calpe. Mojito wartet unten am Anker auf uns!

Unsere Saison neigt sich dem Ende zu. Wir werden mit Mojito in Torrevieja, unserem früheren Hafen in Spanien, überwintern und Pläne für das nächste Jahr schmieden. Wieder einmal haben wir unsere ursprünglichen Pläne geändert und planen nun zeitig im Frühjahr entlang der portugiesischen Küste nach Norden zu segeln, mal sehen wo uns Wind und Wetter hin treiben.

Wir lieben dieses Leben als Seenomaden und wir lieben unser Boot „Mojito“, haben wir doch gemeinsam schon so vieles erlebt!  Dieses Jahr sind wir 3000 sm gereist. Mojito ist unser Zuhause und unser Fortbewegungsmittel und ermöglicht uns damit eine grandiose Form des Lebens und Reisens. Wir empfinden dieses Leben als unglaublich spannend und abwechslungsreich und sind so dankbar dieses Abenteuer erleben zu dürfen. Es ist eine großartige Zeit und wir hoffen dieses noch einige Jahre fortsetzen zu können.  

Die Winterzeit werden wir nutzen um notwendige Reparaturen am Boot durchzuführen, kleine Verbesserungen vorzunehmen, unsere Familie und Freunde zu besuchen und auch um all das Erlebte zu verarbeiten. Wir sind schon jetzt voller Vorfreude auf die kommende Saison und werden dann natürlich weiter berichten.

„Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen“ (Kurt Marti)

Kalabrien und die Liparischen Inseln

Wir wissen nicht wirklich ob wir heute Griechenland verlassen. Wir haben noch einen langen Weg ins westliche Mittelmeer, die Wetterprognose für die nächsten Tage sagt starke Winde aus der Adria voraus, denkbar schlecht für uns um nach Italien zu kommen. Schon auf der Herfahrt hatten wir diese unangenehme seitliche Welle aus der Adria, bitte nicht schon wieder!

Was machen wir? Wagen wir die Überfahrt…? Reicht der Wind zum Segeln…?

Als wir den Kanal von Lefkas verlassen, spüren wir den Wind. Es könnte passen, also los…! Sollte der Wind passen, dann wollen wir so weit wie möglich in Richtung Straße von Messina segeln, das bedeutet zwei Tage und zwei Nächte durchsegeln. Wenn der Wind passt, dann ist es kein Problem. Doch leider dreht der Wind dauernd, manchmal ist er ganz weg, dann ist er wieder da… Für uns bedeutet es dauernd Segel rein, Segel raus, Motor an, Motor aus….! Dazu wieder diese unangenehme seitliche Welle, mir ist etwas flau im Magen. Wir ändern unseren Kurs, vielleicht wird es besser.

Nachts hören wir über Funk eine Sturmwarnung für unseren Kurs. Wir checken die Wetterdienste und tatsächlich, der Wind von der Adria hat gedreht und kommt nun über die Fußspitze von Italien mit Windstärke 7 bis 8. Upps, dazu haben wir nun überhaupt keine Lust und dann auch noch diese blöde Welle, also beschließen wir den Kurs gänzlich zu ändern, eine Nacht vor Crotone in Kalabrien zu ankern und wenn das Wetter sich beruhigt hat, weiter zu segeln. Unsere Kurslinie sieht dementsprechend chaotisch aus, aber egal, Sicherheit und Komfort für Crew und Schiff gehen vor, so lange es die Option gibt den Kurs zu optimieren, dann tun wir es.

Das hat uns das Seglerleben gelehrt: man muss flexibel sein!

Am nächsten Tag geht es gemütlich weiter und nach einer Übernachtung in Rocella Ionica segeln wir entlang der schönen Küste von Kalabrien bis zur Fußspitze Italiens.

Als wir schließlich wieder den Ätna sehen, ist es als würden wir einen alten Kumpel treffen. Wie schön er aussieht im rosarotem Morgenlicht mit seiner Wolke am Gipfel, die scheinbar zu ihm gehört. Hallo alter Freund, schön dich wieder zu sehen!

Die Nacht verbringen wir vor der Stadt Reggio di Calabria, sie ist keine Schönheit, aber der Anker hält und eine Alternative gibt es nicht. Morgen wollen wir früh starten und den perfekten Tide-Strom für die Straße von Messina nutzen. Wir sind schon sehr gespannt und auch etwas aufgeregt.

Diese Durchfahrt ist schon speziell, da treffen das Tyrrhenische und das Ionische Meer aufeinander. Beide haben unterschiedliche Hoch- und Niedrigwasserzeiten. Außerdem ist das Wasser des Tyrrhenischen Meer wärmer und enthält weniger Salz als das im Ionischen Meer. Das führt zu unterschiedlicher Dichte und damit zu wechselnden Strömungen, Verwirbelungen und Strudeln.

In der Antike galt diese Durchfahrt als extrem gefährlich, Odysseus und seine Männer fürchteten sie sehr. Der Legende nach wohnte auf der Festlandseite Skylla in einer Höhle in den Klippen. Sie hatte zwölf Hundefüße und sechs Hundeköpfe, mit denen sie sich alles Leben griff, das die Straße von Messina passieren wollte, ob Delfine, Schwertfische oder Matrosen.

Auf der gegenüberliegenden Seite wohnte Charybdis, die dreimal am Tag das Wasser aus der Straße von Messina schluckte und wieder ausspie. Schiffe die in ihren Sog gerieten waren hoffnungslos verloren.

Tatsächlich können wir zahlreiche Verwirbelungen auf dem Wasser  erkennen. Trotz auflaufendem Wasser haben wir Gegenstrom. Wir checken noch einmal den Gezeitenkalender, es stimmt alles, nur der Strom nicht. Wie kann das sein??

Wir ändern den Kurs und fahren etwas weiter in die Mitte, da schlägt tatsächlich der Strom um und wir werden getragen, ein schönes aber auch ein verwirrendes Gefühl. 

die Straße von Messina, wir sind nicht gefressen worden, welch ein Glück!

Es ist eine vielbefahrene Schifffahrtsstraße, es fahren viele Frachtschiffe und Fähren, man muss sehr achtsam sein. Eindrucksvoll sind die speziellen Kutter zum Schwertfischfang, den es hier scheinbar noch gibt. Der Schwertfisch schläft tagsüber nahe der Wasseroberfläche und die Fischer jagen ihn mit speziellen Booten, den Passerella-Booten. Diese Boote haben einen 20 m hohen Mast mit einem Ausguck, in welchem ein oder zwei Mann in luftiger Höhe sitzen. Nach vorne gibt es einen ca.  15-20 m langen Arm mit der Harpune und dem Harpunierer in Stellung. Aufgrund dieser Konstruktion können diese Boote nur bei extrem ruhigen Wetter gefahren werden. Ich wäre auch bei ruhigem Wetter garantiert seekrank und wir haben Zweifel ob diese Boote in Deutschland zugelassen wären. Die Berufsgenossenschaft hätte garantiert, und zu Recht, ihre Einwände. Für uns bietet sich dennoch ein interessantes Schauspiel.

die Passerella-Boote, oben sitzen die Männer im Ausguck, vorne im langen Arm der Harpunier

Wir haben die Durchfahrt geschafft und sind nicht gefressen worden, ein wenig stolz sind wir schon!

Weiter geht es an der Nordküste Kalabriens, der Costa Viola. Hier gibt es wieder türkisblaues Wasser, eine sehr grüne Küstenlandschaft, schöne Strände umrahmt von Felsklippen. Wir genießen hier endlich wieder das wunderbare italienische Eis, wir haben es so sehr vermisst! In dieser Gegend Kalabriens ist  die Eispezialität der Tartuffo. Es gibt ihn in unterschiedlichen Variationen: da gibt es zum Beispiel  den Tartuffo Bianco, ein cremiges Vanilleeis mit einem schmelzenden Kaffeekern und einer Krokanthülle, oder den Tartuffo al Limoncello aus Zitroneneis mit einem Kern aus in Limoncello getränkten Biscuit, oder den Tartuffo Nero mit einem Schokoladenkern und, und, und… ! Köstlich, wir sollten sie alle probieren, es gibt noch mehr Kreationen!!

Tartuffo al Limoncello…. sooo lecker!
die Costa Viola, Kalabrien
es ist voll, Hauptsaison im August, Blick auf Tropea
die schönen Gassen von Tropea

Gerrit muss zu einem wichtigen Termin nach Deutschland fliegen, dafür werden Mojito und ich für ein paar Tage in einer Marina „geparkt“! Bei diesen Temperaturen ist es eigentlich nicht erstrebenswert im Hafen zu schwitzen, aber alleine an Bord könnte ich nicht auf plötzliche Wetterkapriolen reagieren um, falls erforderlich, einen neuen Ankerplatz suchen. Also geht es nach Vibo Marina, von hier ist es nicht weit zum Flughafen und die Marina ist bezahlbar. Eigentlich will ich diese Zeit nutzen um diverse Arbeiten an Bord zu erledigen. Ich habe mir vorgenommen das Boot zu putzen und unsere Wäsche zu waschen, da wir hier unbegrenzten Zugang zum Frischwasser haben, was für ein Luxus, dann hat unser Wassermacher mal Pause! Was ich nicht einkalkuliert habe, ist das enorm heiße Wetter, das hier im August an der Küste Kalabriens herrscht. So entwickelt sich dieser Aufenthalt für mich zu einer Tortur, die Temperaturen steigen täglich auf 33 – 35 Grad, kein Wind weht, auch ohne Bewegung ist man ständig verschwitzt. Da hilft auch kein Tartuffo-Eis! Ich beneide Gerrit um seinen Deutschlandbesuch und sehne mich nach dem norddeutschen Schmuddelwetter, mit all seinen Grautönen, ein Regenschauer wäre jetzt ganz oben auf meiner Wunschliste!

Ich beobachte die Italiener auf den Nachbarbooten und bin etwas irritiert. Alle gehen sehr sorglos mit dem Frischwasser um, und die Familie direkt neben uns schlägt alles. Sie haben zwei Wasserschläuche gleichzeitig in Beschlag und berieseln sich und sämtliche Gegenstände den ganzen Tag mit Frischwasser. Demnach müssen die Italiener über eine unbegrenzte Frischwasserquelle verfügen, von der wir alle nichts wissen, unglaublich!

So schön Kalabrien auch ist, die Temperaturen sind unerträglich und ich sehne mich danach diese Marina so schnell wie möglich  wieder zu verlassen.

Auf dem Weg zurück nach Vibo Marina steigt Gerrit versehentlich eine Station zu früh aus und landet in Pizzo. Ziemlich verlassen steht er am Bahnsteig und fragt einen Mann vor dem Bahnhof, ob es einen Bus oder ein Taxi nach Vibo Marina gibt. Der Mann, der sich eigentlich gerade gemütlich eine Zigarette drehen wollte, verneint und meint „um diese Zeit gibt es weder das eine noch das andere und ein Zug fährt heute auch nicht mehr. Die einzige Möglichkeit ist Autostop.“ Da er nur wenige Brocken Englisch spricht, gibt er Gerrit zu verstehen, ihm zu folgen. Er hält an der Hauptstraße einen Bus an, der schon außer Dienst ist, und erklärt dem Fahrer die Situation von Gerrit. Kein Problem, er kann mitfahren und wird gleich in Vibo Marina abgesetzt. Das ist Italien, so nett und unkompliziert, einfach liebenswert!

Abends beobachten wir vom Boot aus mehrere Flächenbrände am Festland, greifbar nah. Wir scheinen aber die einzigen zu sein, die es beunruhigt, niemand scheint sich zu kümmern. Das Feuer frisst sich schmatzend durch die Natur und verschlingt Bäume und Büsche in atemberaubender Geschwindigkeit. Nach gefühlter Ewigkeit hören und sehen  wir ein (!) Feuerwehrauto. Es fährt mit Blaulicht und Sirene von einem Feuer zum anderen, wendet und fährt wieder zurück ohne irgendeinen Löschversuch zu starten. „Na ja“ meint Gerrit, als wir dem Geschehen etwas ratlos zusehen „man kann nicht sagen, sie haben nichts gemacht. Sie haben schließlich geguckt.“ Stimmt! Haha!

Doch wir trauern um all die Zikaden und anderen Lebewesen die dabei umkommen, am nächsten Tag sehen wir die verbrannte Landschaft wie eine klaffende Wunde, sehr traurig.

es brennt

Wir möchten zu den Liparischen Inseln, am liebsten segeln, doch das ist ein hochgestecktes Wunschdenken im Mittelmeer! Der Wind sieht im Wetterbericht gar nicht so schlecht aus, es könnte sich entwickeln. Es ist zu wenig Wind vorhergesagt und wir müssen hart am Wind segeln, kein schöner Kurs, aber mit Glück dreht der Wind ein wenig und dann wäre es perfekt.(wie oft haben wir das schon gedacht?!) Die Wirklichkeit sieht natürlich wieder anders aus. Erst geht es gemächlich los,  mit etwas zu wenig Wind, okay, dann eben Motorunterstützung. Auf den letzten Drittel der Strecke nimmt der Wind an Stärke zu, erreicht Windstärke 6, (viel mehr als gemeldet), das wäre noch alles noch okay wenn er nicht von vorne käme. Mir kommt der Verdacht, der Windgott der Äolischen Inseln, Äolus, möchte nicht unser Freund sein. Er hat schon Odysseus das Leben schwer gemacht und nun sind wir wohl dran!

Dieses Seegebiet  von den Liparischen Inseln zur Festlandsküste bis zur  Straße von Messina nennt man das Äolische Dreieck, ähnlich wie das berüchtigte Bermuda-Dreieck. Dieses Gebiet ist schon seit der Antike berüchtigt für plötzliche Wetterumschwünge und drehende Winde, die niemand vorhersagt.

Äolus legt noch einen drauf und schickt uns zum Gegenwind noch eine hohe Welle von vorne. Jetzt ist er definitiv nicht mehr unser Freund! Diese letzten 20 sm kosten uns den letzten Nerv, wir bewegen uns zeitweise mit knapp 4 kn Geschwindigkeit (also kommen wir fast nicht von der Stelle!) und wir sind kurz vorm Aufgeben. Die Alternative wäre in Richtung Sizilien abzufallen, was bei diesen Bedingungen auch kein einfacher Kurs wäre, also weiter durchbeißen!

Der schönste Moment nach so einem Segeltörn ist, wenn man dann endlich eine Ankerbucht erreicht. Dann versöhnt man sich mit allem, sogar vielleicht mit Äolus!

Wir kommen im Süden von Isola Vulcano an, der südlichsten Insel der Äolischen Inseln. Es sind insgesamt sieben Inseln, alle sind die Gipfel von Vulkanen, von denen noch zwei aktiv sind: Stromboli und Vulcano.

Jetzt sind wir einfach nur glücklich den Anker fallen zu lassen und Vulcano zeigt sich als eindrucksvolle Erscheinung mit seinem schwarzen Lavagestein.

Dass wir vor einem aktiven Vulkan ankern, merken wir gleich am nächsten Morgen: der Cran Cratere hat wohl in der Nacht  Asche gespuckt und Mojito mit  einer dicken schwarzen Ascheschicht überzogen. Oh nein, hatte ich doch gerade in Vibo Marina den letzten roten Saharasand mühsam vom Deck abgeschrubbt und nun ist alles schwarz, es ist manchmal zum heulen!

Zudem füllt sich die leere Ankerbucht am Vormittag in atemberaubenden Tempo, vorbei mit der stillen Natur, wir ergreifen die Flucht. Leider müssen wir feststellen, dass der August wohl nicht die beste Reisezeit ist, um dieses wunderschöne Archipel zu besuchen.

Wir flüchten von einer Ankerbucht in die nächste, immer in der Hoffnung einen ruhigen Platz zu finden, leider ein unerfüllbares Wunschdenken. Wir staunen  über die große Anzahl an neuen (!) Luxusjachten, alle unter italienischer Flagge. Schon in Griechenland hat uns die große Anzahl an Luxusjachten erstaunt. Erstaunlich auch, dass trotz der sehr hohen Treibstoffpreise (besonders in Italien) solche „Spritschlucker“ sorglos bewegt werden. In beiden Ländern scheint die Gesellschaftsschere sehr weit auseinander zu klaffen, entweder sehr arm oder unglaublich reich. Doch von diesem unermesslichen Reichtum scheinen beide Staaten nicht zu profitieren, außer über die Benzinsteuer.

Es ist sehr schwierig einen geeigneten Ankerplatz zu finden, da die Küste sehr  steil abfällt und ein Ankern damit fast unmöglich macht. Die übrigen Plätze sind so stark befahren, dass es vergleichbar ist, als würde man auf dem Grünstreifen einer Autobahn sein Zelt zum campen aufschlagen. Ich glaube, dass höchste der Glücksgefühle eines italienischen Motorbootfahrer ist, mit seinem PS-starken Gefährt

in hoher Geschwindigkeit durch das Ankerfeld zu rauschen und die Jachten so richtig aufzuschaukeln, dass wir uns dann  fühlen, als wären wir  in einem Cocktailshaker. 

Wir genießen die Abende, wenn die großen und kleinen Luxusjachten eilig die überteuerten Marinas anlaufen um in den noch teureren Restaurants am Abend essen zu gehen. Dann wird es still in den Buchten und wir können diese wunderbare Natur genießen und die Stille spüren. Eindrucksvoll beobachten wir den Stromboli bei Nacht, wie er in regelmäßigen Abständen sein Feuer spuckt, was für ein Schauspiel. Es wundert nicht, dass die Seefahrer in der Antike dachten, es wäre das Fegefeuer. Unglaublich, dass der Stromboli schon seit so langer Zeit seine Lava spuckt, dass sogar Odysseus den gleichen Anblick hatte wie wir heute. Er ist wohl das älteste Leuchtfeuer des Mittelmeeres. Allerdings stellen wir fest, dass die beiden Burschen wohl keine Chance hätten eine grüne Umweltplakette zu bekommen. Da kann man nicht mal mehr von einer Feinstaubbelastung sprechen, das ist ganz klar eine Grobstaubbelastung! Mojito ist nun mehr dunkelgrau als weiß, die Vulkanasche zusammen mit dem Meersalz ergibt eine besonders klebrige Mischung, da kommt Freude auf!

der qualmende Stromboli
Stromboli, immer wieder schön!
Abendstimmung im Archipel, es kehrt Ruhe ein

Nachdem wir den Jet-Set auf Lipari, Vulcano und Panarea genügend bewundert haben, erhoffen wir ein wenig mehr Ursprünglichkeit auf den westlichen Inseln zu finden. Salina gefällt uns schon besser, die Landschaft ist sehr grün und vielfältig. Ganz besonders  entzückt uns aber Filicudi, so hatten wir uns die Inseln vorgestellt, wie schön! 

Ankern vor Filicudi
auf beiden Seiten schöne Ankerbuchten
Klettertour bei 30 Grad
geschafft!
was für ein Ausblick
Reste einer prähistorischen Siedlung auf Filicudi
der Ort Filicudi
die Apotheke
ein schönes Auto aus vergangenen Tagen
Aperitif auf Filicudi, sehr rustikal, so lieben wir es!
der Hafen von Filicudi
was für eine schöne Abendstimmung im Hafen

Noch ein kurzer Ankerstop auf der kleinsten Insel Alicudi und dann geht es nach Ustica, eine sehr schöne und grüne Insel, wenn auch mit einer finsteren Geschichte.

Die Griechen nannten sie die Knocheninsel, da 6000 karthagische Soldaten nach einer Meuterei hier ohne Wasser und Nahrung ausgesetzt wurden und einen qualvollen Tod fanden. Später wurde die Insel von Piraten bewohnt, die mit ungebetenen Besuchern nicht besonders zimperlich umgingen. Unter Mussolini kamen politische Strafgefangene auf diese Insel. 

Och.., wenn ich heute die Wahl habe zwischen Kerker und Ustica, dann muss ich nicht lange überlegen. 

Von außen sieht Ustica sehr hübsch aus, leider ist auch hier das Ankern nicht optimal da die Küste sehr  steil abfällt und unser Anker in den Steinen keinen guten Halt findet. Es ist kein Wind gemeldet, für die Nacht wird es reichen.

Die Äolischen Inseln sind auf jeden Fall sehenswert und auch wir kommen irgendwann wieder, das ist sicher, nur nicht im Juli oder August, das ist auch sicher!

Alicudi, die kleinste Insel, hier gibt es keine befestigte Straßen
Ankern vor Alicudi

Für uns heißt es morgen früh aufstehen, auf  nach Sardinien, hoffentlich mit Wind,zwei Tage und eine Nacht, dann sollten wir in Capo di Pula auf Sardinien sein.

Die Überfahrt, wie sie war..? Was soll ich sagen, wie so oft im Mittelmeer :

wenig Wind 🙁

doch dafür mit einem schlafenden Wal, direkt an der Wasseroberfläche. Wir konnten seinen grauen Rücken und seine Rückenflosse sehen und den  Blas, den er regelmäßig und eindrucksvoll versprühte, wow 🙂

Die Umrundung des Peloponnes

Nachdem wir den Kanal von Korinth durchquert haben, befinden wir uns in der Ägäis, genau genommen im Saronischen Golf. Wir segeln an der Ostküste des Peloponnes entlang und steuern die passenden Ankerbuchten an, die uns einen sicheren Schutz vor den vorherrschenden Nordostwinden bieten. So treffen wir immer wieder auf unsere französischen Freunde, Alain und Fabiola, die den gleichen Weg haben wie wir. Wir tauschen unterwegs  Informationen, über gute Buchten oder Orte die  einen Besuch wert sind, aus, oder aber wir treffen uns und verbringen kurzweilige, gemeinsame Abende in einer Taverne oder bei einem Aperitif an Bord.

Hier im saronischen Golf gibt es besonders viele Fischzuchtanlagen, sehr zu unserem Nachteil. Denn bedauerlicherweise haben diese Fischzuchtanlagen die gleichen Kriterien für ihre Standorte, wie wir zum Ankern. Die Fischzuchtanlagen brauchen windgeschützte Buchten mit nicht zu großen Wassertiefen, so wie wir. Außerdem brauchen diese Anlagen ständig neue Buchten, da sie das Wasser stark verschmutzen und für die Fischzucht unbrauchbar werden lassen. Sie ziehen dann weiter, sind häufig nicht kartiert, was für uns dann für unangenehme Überraschungen sorgt, da die angepeilte Bucht plötzlich schon „besetzt“ ist.

Es ist nicht nur dieser Standortkonflikt, der uns zunehmend kritisch gegenüber dieser Art der Fischzucht werden lässt. Wir bemerken den dramatischen Zustand der Meere, besonders Griechenland ist völlig leergefischt. Wir haben schon Skrupel unsere Angel zu nutzen oder in der Taverne Fisch zu bestellen, jeder einzelne Fisch scheint wertvoll.

Nun könnte man meinen: „na, dann ist doch gut, wenn diese Fischzuchtanlagen den Fischbestand sichern.“ Ja, so haben wir früher auch gedacht. Doch die Realität sieht leider anders aus: diese Fischfarmen verschmutzen stark das Meer (wir merken es an den Wasserfiltern unserer Entsalzungsanlage) und stellen dadurch eine Gefahr für die wenigen wildlebenden Fische dar. Wenn man sich dann auch noch vergegenwärtigt, dass über 50% dieser Fische direkt als Fischmehl in die Fleischproduktion gehen,  dann wird einem richtig schlecht. Das alles nur um unsere unersättliche Gier nach Fleisch zu stillen, darüber müssen wir alle nachdenken!

Abgesehen von dieser negativen Seite, genießen wir Griechenland in vollen Zügen.

Die Landschaft ist wunderschön, das Wasser türkisblau, die Temperaturen sind für uns Norddeutsche etwas hoch (schwitz) und was wir nicht erwartet hätten: es gibt sehr viel Platz in den Ankerbuchten, was für ein Luxus!

Gibt es interessante Kulturstätten zu besichtigen, so verlegen wir es in die frühen Morgenstunden, das ist angenehmer. 

So besichtigen wir als erstes das wunderschöne und gut erhaltene Amphitheater Epidaurus, früh morgens, menschenleer in einem wunderschönen Licht. Die Akustik ist bemerkenswert, auf jedem der 14 000 Sitzplätze kann man klar und deutlich hören, was auf der Bühne gesprochen wird. Was mir dann auch prompt eine Ermahnung von Gerrit einbringt, der auf der gegenüberliegenden Seite im Theater steht: man würde mein lebhaftes Gequassel mit Fabiola tatsächlich überall im Theater hören können. 😉 Frechheit!

Amphitheater Epidaurus

Beeindruckend ist, dass dieses Theater in der Antike nicht so bedeutend war, sondern der gesamte Ort eine wichtige Heilstätte war. Hier wurden Kranke und Gebrechliche geheilt, es gab Tempelanlagen, Krankenhäuser (mit Sichtschutz für die Privatsphäre, die unseren heutigen Sichtschutzelementen aus dem Baumarkt erstaunlich ähneln!), Liegehallen und Badehäuser. Das Theater und das angrenzende Stadion dienten nur zur Unterhaltung der Kranken, also kurz gesagt, es gab schon damals vor 2500 Jahren,Kuranstalten! Unglaublich!

Unser Sohn Neels kommt uns 14 Tage an Bord besuchen, wir wollen ihn in Athen aufnehmen, wir freuen uns riesig! Also wechseln wir die Seite und queren den Saronischen Golf mit einem Zwischenstopp auf der schönen Insel Aigina. 

Hier gibt es den Tempel der Aphaia zu besichtigen, die Göttin zum Schutz der  Frauen (die alten Griechen verblüffen mich immer mehr!). Aphaia, die Helle oder die Unsichtbare, ist die Beschützerin der Frauen, die von Männern bedrängt werden und sie gewährt den Frauen Schutz durch Unsichtbarkeit.

 So starten wir gemeinsam mit Fabiola und Alain früh morgens zu einer Wanderung, doch müssen wir, auf dem Berg angekommen, dann leider feststellen, dass die Tempelanlage erst in zwei Stunden öffnet. So eine Panne! Egal, wir begnügen uns mit dem Blick durch den Zaun, freuen uns über die schöne Wanderung im Morgenlicht und genießen den phantastischen Ausblick über den Golf und auf Athen, das sich aber unter einer riesigen Smogwolke präsentiert.

Tempel der Aphaia

Wegen der hohen Temperaturen und der Smogwolke verzichten wir auf eine Besichtigung von Athen und ankern dafür direkt vor der passenden Bushaltestelle vom Flughafen-Shuttle um Neels an Bord zu nehmen und gleich wieder Richtung Peloponnes zu fahren (leider nicht segeln, da kein Wind). Athen verschieben wir auf einen anderen, unbestimmten Zeitpunkt.

Angesichts der herrschenden Temperaturen scheint es sinnvoller schöne Ankerbuchten zu besuchen, außerdem muss sich Neels erst akklimatisieren.

Hier in Griechenland gibt so viel zu sehen und zu besichtigen, das alles muss man auch verarbeiten. Nebenbei probieren wir die griechische Küche. Unsere französischen Freunde hatten uns schon gleich zu Anfang zu bedenken gegeben, dass die griechische Küche nicht sehr variiert wäre, hätte man ihnen erzählt. 

Aha, die Franzosen! Sicher wollen sie nur ihre französische Küche hervorheben, denke ich. Später mussten sie dann doch die eine oder andere Köstlichkeit  lobend anerkennen, aber in einem Punkt behalten sie recht: besonders variiert ist die Küche nicht. Da gibt es aber, abseits der ausgetretenen Touristenpfade, die eine oder andere nette Taverne, mit einer einmaligen Atmosphäre. Diese Einfachheit der familiäre geführten Tavernen, ohne Speisekarte, wenn die Chefin noch selbst kocht ist ein wahres Erlebnis. So manches Mal haben wir direkt am Wasser, mit den Füßen im Sand gegessen, eine wunderschöne Erfahrung. 

Die griechischen Tomaten und die Gurken lassen uns immer wieder wahre Geschmacksexplosionen spüren. Die besten sind die von den zahlreichen fliegenden Händlern, die mit ihren Pickups durch die Dörfer fahren und über Lautsprecher ihre Waren anbieten. Die sizilianischen Tomaten waren schon eine Wucht, aber die griechischen sind der Hammer. Nun sind wir endgültig für den Rest unseres Lebens verdorben und werden in Deutschland keine Tomate mehr genußvoll essen können.

 Wir haben auch wieder unsere alte Bekanntschaft mit dem griechischen Retsina  aufleben lassen. Wenn wir danach fragen, ernten wir das eine oder andere Mal ein  abwertendes Kopfschütteln.  Retsina sei ein schlechter Wein, sagen die Griechen, gab es früher, heute gibt es in Griechenland deutlich bessere Weine. Ja, da haben sie sicher recht. Aber als einfacher Landwein, zusammen mit dem griechischen Essen, schmeckt uns der Retsina auch sehr gut.

schöne Taverne mit Ankerbucht

Wir umrunden den Peloponnes im Uhrzeigersinn. Es gibt viele Argumente, ob es besser ist mit oder gegen den Uhrzeigersinn zu segeln. Ausschlaggebend  für unsere Planung ist der Besuch unserer Kinder. Beide haben unterschiedliche An- und Abreiseflughäfen, so passt es einfach perfekt. Zum Segeln kommen wir sehr selten, da es fast keinen Wind gibt, oder nur stark wechselnde thermische Winde, die nur ein kurzes Intermezzo ermöglichen um dann entweder plötzlich die Richtung zu wechseln oder gänzlich zu versiegen. Wie schon mehrfach erwähnt, ist das Mittelmeersegeln sehr speziell, doch das Segeln in Griechenland schlägt alles was wir bisher erlebt haben.

Wir umrunden zunächst den „Daumen“ des Peloponnes und gelangen zu  einigen Touristenspots, wie die Insel Hydra, Spetses, Porto Heli und vieles mehr. Sehr schön, wir legen immer wieder einen Ankerstopp ein und besichtigen die Orte.

Hydra
mit dem Wassertaxi unterwegs
Ankerbucht auf der Insel Spetses

Da ist zum einen die Stadt Nafplio mit der venezianischen Festungsanlage, Palamidi. Am späten Nachmittag lassen wir uns mit einem Taxi hochfahren, besichtigen die weitläufige Festung  und laufen schließlich die 1000 (!) Stufen wieder runter, mit einem grandiosen Ausblick. Es kommen uns einige ehrgeizige Sportler entgegen, die diese 1000 Stufen hoch joggen, bei den Temperaturen, man mag es nicht glauben, ob das wirklich gesund ist?  Da gefällt mir unsere Variante deutlich besser,  Muskelkater bekommen wir auch beim runter laufen, aber dafür auch ein kühles Bier unten im Ort.

Festungsanlage Palamidi
1000 Stufen hinunter…
..oder waren es doch „nur“ 999? Egal, nun gibt es ein Bier

Der freundliche Taxifahrer erklärt sich bereit, uns am nächsten Morgen in aller Frühe, in unserer  Ankerbucht abzuholen und nach Mykene zu fahren, perfekt.

Mykene ist  ist eine über 3000 Jahre alte Burganlage und eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten Griechenlands.

Wir sind die ersten Besucher und werden gleich von drei Straßenhunden durch diese diese riesige Festungsanlage eskortiert. Wir bestaunen diese alte Baukunst, besonders im Vergleich zu der wesentlich jüngeren Burganlage von Nafplio, die wir am Vortag besichtigt haben. Da stellt sich die Frage, was die alten Baumeister in der „Zwischenzeit“ gemacht haben, weiterentwickelt haben sie sich wohl nicht. Denn betrachtet man die Bauwerke, dann waren sie aber vor Christus deutlich besser als 2000 Jahre später. 

das Löwentor von Mykene

Die gut erhaltenen Kuppelgräber, die Zysternenanlage und die Reste der alten Besiedlung sind raffiniert gebaut und zeugen von der hochentwickelten mykenischen Kultur.

die eindrucksvollen Kuppelgräber
Mykene

Die Mykener waren sehr reich und kontrollierten den Handel im Mittelmeer. Ihre Handelsrouten reichten bis nach England und sogar bis in die Ostsee, um Bernstein zu ordern, unglaublich. So hoch entwickelt die Mykener waren, so endete ihre Epoche um 1000 v. Chr. plötzlich und die Uhr wurde um 400 Jahre zurückgedreht. Es ist erschreckend, dass die Menschheit nicht bereit ist durch die Geschichte zu lernen, so viele Hochkulturen die im Laufe der Zeit untergehen. Wie wird es unserer heutigen Gesellschaft noch ergehen?

Wir müssen weiter, Neels hat seinen Rückflug von Kalamata, schließlich hat der Peloponnes noch zwei weitere Finger, die wir umfahren wollen. Bei den Temperaturen sind die Seetage sehr angenehm. Leider lassen die Windverhältnisse fast kein Segeln zu, also müssen wir mal wieder viel motoren.

Auf dem Weg besuchen wir den schönen, aber sehr touristischen Burgberg Monemvasi. Danach umrunden wir das berüchtigte Kap Maleas. Dieses Kap zu umrunden soll zeitweise der Umrundung des Kap Horns gleichen. Nun, bei uns weht mal wieder kein Lüftchen, also haben wir die Variante „Umrundung für Anfänger“,  wie soll es auch anders sein. Auf der anderen Seite des Kaps gibt es ein Kloster, man soll den Mönchen zuwinken. Bei uns winkt kein Mönch, wahrscheinlich war unsere Umrundung nicht so spektakulär, da lohnt der Aufwand nicht.

Monemvasia

Auf dem Weg nach Kalamata wartet ein weiteres Highlight auf uns – die Höhlen von Dyros. Der Besuch dieser Tropfsteinhöhlen ist ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Unzählige Stalaktiten hängen von den Decken, wir werden in ein flaches Boot durch die weitverzweigten Gängen geschoben und gestakt. Es tropft überall und der Hall klingt gespenstig. Wir müssen uns ständig bücken, um uns nicht zu stoßen, es ist unglaublich. Eine vergleichbare Höhle haben wir noch nicht gesehen.

die grandiose Höhle von Dyros

Wir verbringen noch ein paar schöne Ankertage bevor wir Neels in Kalamata verabschieden. Dieser Teil des Peloponnes gefällt uns besonders gut, da es nicht so überlaufen ist und keine Charterflotten unterwegs sind.

schöne Ankerbuchten
… mit netten Tavernen, direkt am Wasser

Hatten wir doch gerade frohlockt, dass wir in Griechenland noch nicht einmal durch die Costguard kontrolliert worden sind, so werden wir hier an einem Tag gleich dreimal kontrolliert! Die Beamten sind freundlich, einer entschuldigt sich sogar für die Unannehmlichkeit, wie nett.

Wir umrunden noch den letzten Finger, da hören wir über Funk einen Notruf. Ein Schiff befindet sich in Seenot mit einer nicht bekannten Personenanzahl an Bord. Die Küstenfunkstelle gibt die Position durch und nimmt Kontakt zu umliegenden Schiffen auf. Laut Position ist das besagte Schiff etwa 10 sm von uns entfernt. Wir hören den Funkverkehr und so auch den Kapitän des zur Hilfe eilenden Schiffes. Er meldet der Küstenfunkstelle, dass er Sichtkontakt hat und sich ca. 100 Personen auf dem Schiff befinden. Es ist ein Schiff mit Flüchtlingen, denn nun melden sie sich selbst über Funk. Der helfende Kapitän klingt sehr besonnen und kompetent, bekommt aber von der Küstenfunkstelle nur eine Telefonnummer genannt, die er doch anrufen sollte und die ihm weitere Anweisungen geben würden. Gleichzeitig fährt die Costguard langsam an uns vorbei, aber in die entgegengesetzte Richtung. Mit ihrem hoch motorisiertem Schiff wären sie in einer halben Stunde am Ort des Geschehens. Der arme Kapitän wird mit dem Problem doch sehr allein gelassen. Später lesen wir, dass es ein Kreuzfahrtschiff war und sie die Flüchtlinge aufgenommen haben und nach Kalamata gebracht haben. Respekt vor dem Kapitän, aber mal wieder ein Versagen der offiziellen Stellen. Zugegeben, die südlichen Länder werden von allen anderen EU-Staaten erbärmlich im Stich gelassen.  Puh, das müssen wir erst einmal sacken lassen.

Kloster in Methoni
Festungsanlage von Methoni

In Katakolon, an der Westküste des Pelopones, ankern wir in der großen Bucht. Am nächsten Morgen wollen wir hier den Zug zur  antiken Stätte von Olympia nehmen. Der Ort zeigt sich ruhig, die meisten Geschäfte sind geschlossen. Am nächsten Tag erkennen wir den Ort nicht wieder – zwei Kreuzfahrtschiffe haben zwischenzeitlich angelegt. Nun sind alle Geschäfte geöffnet, der Ort gleicht einem Jahrmarkt,  überall werden griechische Souvenirs angeboten, made in China. Die Preise im Ort sind den Kreuzfahrttouristen scheinbar angepasst, wie wir schmerzhaft zu spüren bekommen: wir essen  am Nachmittag das teuerste Eis unseres Lebens!

Morgens  fahren wir mit dem ersten Zug nach Olympia und durchfahren eine unglaublich fruchtbare Landschaft, die zeitweise an die Karibik erinnert. Olympia ist eingebettet in dieser wunderschönen Landschaft und verbreitet eine wohltuende Stimmung, die alten Griechen hatten wirklich ein Gespür für „Wohlfühlorte“ . 

Aber  diese wohltuende Stimmung wird jäh zerstört als unzählige Busse die Masse an Kreuzfahrttouristen heran karrt. Die Menschen haben jeweils einen Aufkleber mit einer Zahl  auf der Brust und folgen ihrem Anführer, der die passende Zahl  auf einem Schild vor sich herträgt. Diese Menschenmassen verbreiten eine unglaubliche Hektik, wir haben Mühe den Ort auf uns wirken zu lassen. Als wir einer asiatischen Touristin Platz machen wollen, damit sie die Infotafel lesen kann, lehnt sie dankend ab, sie möchte die Infotafel nur fotografieren, gelesen wird wohl später. Wir sehen die Frau von Infotafel zu Infotafel eilen und fotografieren. Vielleicht bereist sie Europa in 10 Tagen, da bleibt wohl  keine Zeit;-).

Diese hektischen Menschen wirken auf uns befremdlich, wie aus einem anderen Leben.Was für ein Luxus, dass wir unser gemächliches Leben auf dem Wasser führen können und uns in einem Schneckentempo fortbewegen und so genügend Zeit haben das jeweilige Land zu fühlen. 

Abends legen beide Kreuzfahrtriesen ab und am nächsten Morgen stehen die nächsten schon wieder da. Die wundersame Verwandlung dieses kleinen Orts geht wieder von vorne los, was für ein Schauspiel.

Olympia
der Eingang der Athleten
das Stadion
Start frei…. wo sind die Gegner?

Für uns geht es im Schneckentempo zurück ins Ionische Meer, die zwei verbleibende Inseln Zakynthos und Kefalonia warten auf uns.

 Zakynthos, die südlichste Ionischen Insel ist eine landschaftliche Schönheit, das ist nicht zu übersehen.

Wir steuern die südlichste Bucht an, die große Bucht von Lagana´s, eins der wichtigsten Laichplätze der Meeresschildkröten im gesamten Mittelmeer. Diese Bucht ist ein von den zwei Nationalparks in Griechenland. Laut Karte gibt einen ausgewiesenen Bereich zum Ankern, da wollen wir hin. Wir halten uns an die Richtlinien und machen einen Bogen um den streng geschützten Teil der Bucht. Doch als wir näher kommen, trauen wir unseren Augen nicht: die Bucht ist voller lärmender Ausflugsboote. Superyachten ankern im eigentlichen Sperrbezirk, keines der kleinen Boote beachtet die Geschwindigkeitsbegrenzung, sie pflügen mit hoher Geschwindigkeit durch das Wasser. Hinzu kommt eine große Anzahl Mietboote, mit denen die Leute die Schildkröten sehen wollen und sich dabei an keinerlei Richtlinien halten, ob aus Unwissenheit oder aus Ignoranz. Die geschützten Strandabschnitten sind von Motorbooten überlaufen, am Strand gibt es schwimmende Cocktailbars mit dröhnender Musik. Urlauber tummeln sich ausgelassen im Sand, wo eigentlich die Schildkröten ihre Eier legen sollten. Wir beobachten das Treiben von unserem Ankerplatz und können es nicht fassen, dass das ein Nationalpark sein soll, was für eine Farce, was für eine Augenwischerei! Ich spüre meine Wut  über so viel Missachtung der Natur. Eine schöne große Schildkröte schwimmt ganz nah an uns vorbei, am liebsten würde ich mich, für uns Menschen, bei ihr entschuldigen. Das alles trübt die Schönheit der Umgebung, es fällt schwer sich zu freuen. Im Ort gibt es unzählige Motorbootverleihe, sie werben ausgerechnet mit den Schildkröten, das wirkt wie Hohn. Die Tavernen im Ort ähneln eher amerikanischen Schnellrestaurants mit Leuchtreklame. Mein Kloß im Hals wird immer größer, ich möchte nur noch weg.

Ich hadere mit uns Menschen, was sind wir doch für Parasiten für die Welt und alle Lebewesen. Ich hadere mit dem Tourismus – er bringt Arbeitsplätze und Geld in die Region, doch wie hoch ist der Preis, den die Natur dafür zahlen muss?

Früh am Morgen  lichten wir den Anker und wollen Richtung Kefalonia, die zweite Insel die uns noch fehlt. Wir segeln entlang der wunderschönen Steilküste von Zakynthos. Beim Anblick der riesigen Felsen frage ich mich, was die wohl schon alles gesehen haben: Odysseus, die Mykener, Seeschlachten, Völkerwanderungen und vieles mehr. Doch unser Zeitalter bringt nun Schmutz, Plastik und die Klimaveränderung. Auf unser Wirken brauchen wir wahrlich nicht Stolz zu sein und ich kann nur hoffen dass kluge Menschen diese wunderbare Welt in Zukunft besser behandeln. Die Meeresbrise pustet meine Seele durch, die dunklen Gedanken verblassen, ein Tag auf dem Meer, wie wohltuend! 

Ich beruhige mich. Nicht alle Menschen sind schlecht und nicht jeder Tourismus ist schlecht. Menschen die reisen sind wichtig um Vorurteile abzubauen, um Kleingeistern keine Chance zu geben.

Aber es ist Zeit, dass wir alle unser Verhalten überdenken. 

„Alle wollen die Welt verändern, aber keiner sich selbst“(Leo Tolstoy)

Griechenland hat unzählige Buchten mit kristallklarem Wasser, leider aber sehr wenig Fische oder andere Meeresbewohner. Seeigel sind weit verbreitet, ab und zu sieht man einen Seestern, doch das ist schon eine Sensation. Dafür sieht man beim Schnorcheln häufig Müll auf dem Meeresboden, achtlos weggeworfen.

Wenn man die zahlreichen stinkenden Müllhalden in der Landschaft sieht, mag man nicht recht glauben, dass diese die EU-Richtlinien erfüllen. Überhaupt scheint die Müllentsorgung, ähnlich wie in Sizilien, nicht wirklich gut zu funktionieren. Die Griechen scheinen  kein großes Umweltbewusstsein zu haben, wie schade. Bei den Gemüsehändlern ernten wir immer wieder Unverständnis, weil wir ihre Plastiktüten nicht möchten. 

Unsere augenblickliche negative Stimmung verstärkt sich als wir wiederholt Ärger mit einem unserer Antriebe bekommen. Ein Antrieb lässt sich nicht mehr verlässlich in den Vorwärtsgang schalten. Unangenehm wird es, als wir in einer Ankerbucht nur mit Mühe gegen den auflandigen Wind von der Küste wegkommen. Daher beschließen wir Richtung Levkas oder Preveza zu fahren, dort gibt es Werften und, falls erforderlich, auch einen Kran.

Gerrit kann die Ursache nicht finden, wechselt ohne große Erwartungen daran das Getriebeöl. Am nächsten Tag funktioniert der Antrieb wieder, welch ein Wunder, hoffentlich hält er jetzt bis Spanien!

Wir sind wieder bestens gelaunt und können also einfach wieder ankern gehen, wir brauchen keine Werft zu suchen, erstmal nicht, ein Problem weniger!

Also laufen wir Poros an, eine hübsche Bucht im Süden von Lefkas, wir haben sie bereits mit Amei besucht. Hier war uns bei unserem ersten Besuch eine schöne Taverne aufgefallen, da gehen wir heute Abend essen, so der Plan. Wir gehen schwimmen, freuen uns über die wiedergefundene Leichtigkeit und beobachten zwei Männer auf einem kleinen Boot. Auf dem Boot steht „Rescue-Boot“, ein Mann in Zivil lenkt das Boot  während ein Mann in einem weißen Hemd und goldenen Schulterklappen stoisch im Boot steht und die jeweils Richtung anweist. Die beiden geben ein lustiges Bild ab und wir amüsieren uns darüber. Amei hätte uns gewarnt: „das gibt ein schlechtes Karma“ hätte sie gesagt  „das fällt alles auf euch zurück“. Und zack, schon passiert: nachdem dieses Gespann zahlreiche, neben uns ankernde, Boote angefahren hat, kommen sie zu uns und verlangen die Bootspapiere. Selbstverständlich reichen wir die nötigen Papiere und staunen als der Mann unsere Papiere einfach einsackt und uns mitteilt, dass wir sie bei der Hafenpolizei in Levkada wieder abholen können. Wie jetzt, das ist doch ein schlechter Scherz, oder?? Er klärt uns auf, wir würden zu nah am Strand ankern und müssten dafür dort Strafe zahlen. ,

Unsere gerade erst wiedergefundene gute Laune schlägt blitzschnell um, augenblicklich sind wir übellaunig und protestieren lauthals, ohne Erfolg.

Dieser Mann in seinem komischen Hemd erzählt uns von einem Gesetz auf Lefkas, demnach ist es verboten näher als 300m zum Strand zu ankern. Wir möchten wissen wo das geschrieben steht, das kann er uns leider nicht zeigen, aber das Gesetz besteht, sagt er. Aha, ein Gesetz oder eine Richtlinie die nirgends geschrieben steht, okay. Dafür zeigt er uns  seinen Dienstausweis, doch das könnte auch sein Mitgliedsausweis für ein Karnelvalsverein sein (würde zur Uniform passen,haha!), lesen können wir ihn nicht, denn es steht alles in griechischer Schrift. Er lässt sich nicht erweichen, also werden wir uns wohl oder übel in den nächsten Tagen auf den Weg nach Lefkada machen müssen, das war nicht der Plan.

Ärgern tun wir uns nicht nur über dieses eigenmächtige,“hausgemachte“ Gesetz, sondern auch weil wir gesehen haben, dass die griechischen Jachten nicht belangt wurden, ebenso wie die großen Superjachten. Außerdem waren wir knapp 200m vom Strand entfernt, was in allen anderen Ländern reicht und dort steht es auch vermerkt.

Zwei Tage später machen wir uns auf den Weg zur Behörde. Dafür müssen wir im Hafenbecken ankern, was nicht wirklich erlaubt ist, ich bleibe an Bord, Gerrit will nur schnell die Papiere wieder holen, denken wir. 

„ach, die Papiere, die müssen erst noch bearbeitet werden und dann muss der Chef entscheiden wie hoch die Strafe ausfällt“. Nun wird Gerrit aber wirklich ungeduldig, außerdem möchte er wissen, wo diese Richtlinie geschrieben steht. Die steht nirgends, aber es ist so. Ah ja.

Ein anderer Beamter fragt Gerrit, ob er Italiener sei. Nein er wäre aus Deutscher. „ Ach so“ so der Beamte „ dann würden sie den Vorgang doch schon heute bearbeiten und er könne in einer Stunde wieder kommen“. Also ist es abhängig von der Staatsbürgerschaft wie und wann ein Vorgang bearbeitet wird?? Das wird ja immer besser. Aber egal, Hauptsache wir  bekommen unsere Papiere wieder und dann sieht uns Griechenland so schnell nicht wieder.  

Nach einer Stunde hat der Chef unsere Strafe bestimmt: 150 €, der Höchstsatz also. Wäre ja interessant zu wissen, was man als Italiener zu zahlen hat. Oder wurde unsere Strafe so „zügig“ bearbeitet, weil die Deutschen immer Höchststrafe zahlen müssen?

Ein Schelm wer da an Behördenwillkür denkt!

Auf Gerechtigkeit braucht man hier wohl nicht zu hoffen, also muss Gerrit  die Kröte schlucken und zahlen um dann endlich seine Papiere wieder zu bekommen. „Bezahlen geht hier nicht, da müssen sie zur Bank“. Die Bank hat nur einen Schalter in Betrieb, die Schlange ist lang…. keep cool!

Bis alles erledigt ist vergehen über drei Stunden. Ich habe kurz Zweifel, ob sie Gerrit verhaftet haben und sehe ihn schon im Kerker von Lefkada bei Fetakäse, Brot und Wasser. So bin ich doch erleichtert, als ich ihn wieder kommen sehe. Eins ist sicher: so schnell geben wir unsere Papiere nicht wieder aus der Hand!

Wir wollen keine Zeit mehr auf Lefkas verbringen und wechseln zur Festlandseite, in einer schönen Bucht. Dort treffen wir drei bekannte Boote aus unserer  Zeit in Licata und verbringen einen netten gemeinsamen Abend. Wir versöhnen uns ein wenig mit Griechenland, aber wir spüren auch, dass wir nun weiter wollen. Außerdem drängt die Zeit, wir haben im Herbst einige Termine in Deutschland, also müssen wir Richtung Westen.

Wir freuen uns auf die Überfahrt nach Italien, draußen auf dem Meer verfliegt der Ärger und wir denken über  unsere Zeit in Griechenland nach. 

Es war für uns beide unsere erste Griechenlandreise.

Nicht gefallen hat uns das mangelnde Umweltbewusstsein der Griechen. Wir haben sogar junge Menschen gesehen, die achtlos ihren Müll ins Meer geworfen haben.

Die zahlreichen, stinkenden Mülldeponien, einfach in der Landschaft abgekippt, sind scheußlich. Es gibt keine Mülltrennung und auch keine wirklich funktionierende Müllabfuhr. Der Müll verteilt sich achtlos in der Landschaft, ein ähnliches Bild wie in Sizilien.

Sehr schön fanden wir die großartige Landschaft gepaart mit der Geschichte der Antike. Überall findet man einen Ankerplatz, einzig die steil abfallende Küste bereitet hin und wieder Probleme.

Das glasklare Wasser in unterschiedlichem türkis Ton ist immer wieder eine Augenweide und macht das tägliche Schwimmen zum Genuss.

Das griechische Gemüse, tatsächlich noch Freiland in der Sonne gereift, ist unbeschreiblich gut, ebenso das feine Olivenöl. Super sind die fliegenden Gemüsehändler mit ihren Pickups.

Überrascht hat uns die Zuverlässigkeit der Griechen. Im Gegensatz zu anderen südlichen Ländern, kann man sich in Griechenland darauf verlassen, dass eine Abmachung auch tatsächlich eingehalten wird. So waren wir überrascht, wenn die vorab bestellten Taxifahrer, tatsächlich überpünktlich ankamen.

Sehr angenehm finden wir die Gelassenheit in Griechenland. Es wird nicht geschimpft, man kann überall problemlos mit dem Dinghy anlanden und braucht es nicht einmal anzuschließen – sehr angenehm.

Wir haben so viel gesehen und erlebt, Griechenland wird noch lange in uns nachwirken, positiv und negativ!

Der Golf von Korinth

Amei ist zurück nach Deutschland geflogen und für uns geht die Reise weiter, vorbei an Patras in Richtung Golf von Korinth. Wir staunen, als wir einen Lidl-Markt entdecken, direkt am Wasser, wie cool! Schnell ankern wir davor, lassen das Dinghi ins Wasser und Gerrit bringt mich kurzerhand an Land, zum ausgiebigen Bunkern, so bequem haben wir es selten!

Mojito parkt vor Lidl 🙂

Die Kühlschränke sind mit lauter griechischen Leckereien zum bersten gefüllt und weiter geht es nach Navpaktos,unser nächstes Ziel im Golf von Korinth. 

Dafür müssen wir zunächst die Rion–Antirion–Brücke, zwischen dem Golf von Patras und dem Golf von Korinth, queren, ein imposantes Bauwerk. Sie ist die zweitlängste Schrägseilbrücke der Welt und eine technische Meisterleistung. Sie wurde 2004 eröffnet. Diese Brücke galt lange Zeit als nicht realisierbar, da der Meeresgrund an dieser Stelle 65 Meter tief ist und keinen tragfähigen Grund aufweist. Außerdem liegt die Brücke in einem Erdbebengebiet, verbunden mit einer tektonischen Verschiebung des Peloponnes vom griechischen Festland um mehrere Millimeter pro Jahr. Trotz aller Widrigkeiten wurde dieses Bauwerk schließlich doch realisiert. Es soll nun Erdbeben der Stärke 7 aushalten, Verschiebungen von bis zu zwei Meter in 120 Jahren, starke Stürme und auch einen  Aufprall durch eine Schiffskollision standhalten. Sogar als Nicht-Ingenieur ist man von diesem Bauwerk tief beeindruckt, außerdem finden wir die Ästhetik durchaus gelungen, eine wirklich schöne Brücke!

Ansteuerung der Rion-Antirionbrücke
ein gelungenes Bauwerk

Für die Durchfahrt müssen wir uns über Funk anmelden und die Schiffsgröße und -höhe durchgeben, dann bekommen wir die erlaubte Durchfahrt zugewiesen, für uns ist es die südliche Durchfahrt. Um sicher zu gehen, dass man die Anweisung verstanden hat, muss man noch einmal wiederholen: „drei Pfeiler links, ein Pfeiler rechts“. So kann es eigentlich nicht zu Missverständnissen kommen, eine Anweisung für Doofe! Wer weiß, was die schon alles mit Sportbooten erlebt haben!?

Die Nacht verbringen wir, wie geplant, vor Nafpaktos, ein schöner mittelalterlicher Hafen mit einer venezianischen Festungsanlage, die wir noch abends erklimmen und mit einem wunderschönen Ausblick über den Golf belohnt werden. Wir finden eine schnuckelige Taverne, sitzen auf einem Mini-Balkon, mit Blick auf Mojito am Anker und genießen allerlei Vorspeisen und ein kühles Glas Wein, herrlich!

Spaziergang durch Nafpaktos
Abendessen mit Blick auf Mojito

Wir wollen uns Zeit lassen und den Golf von Korinth ausgiebig erkunden, bevor wir dann als Highlight den Kanal von Korinth passieren werden, ein lang gehegter Traum von uns beiden!

 Im Golf von Korinth gibt es unzählige Ankerbuchten, Inseln und kleine Orte umrahmt von einer schönen Bergwelt. Die Hitze macht uns noch zu schaffen, das Thermometer klettert täglich auf über 30 Grad und es weht fast kein Wind. An Segeln ist wieder nicht zu denken, dafür suchen wir mehrmals täglich eine Erfrischung und baden ausgiebig im Meer, eine Wohltat!

Nisis Trisiona, eine wunderschöne kleine Insel
…mit schönen Wanderwegen
und netten Cafés

Wir wechseln die Seite und fahren zur Südküste, nach Diakoftó. Hier wollen wir  die Eisenbahn nehmen und ins Gebirge fahren, nach Kalávryta, dem größten Wintersportzentrum Griechenlands. Diese Bahn ist eine Zahnradbahn und auch sie ist ein technisches Meisterwerk aus dem 19. Jhdt.. Sie ist extrem schmal und überwindet, dank ihres zuschaltbaren Zahnradantriebes zwischen den Schienen,  extreme Höhenunterschiede. Es ist Zweifelslos die aufregendste einstündige Zugfahrt unseres Lebens. Es geht durch tiefe Gebirgsschluchten entlang am wilden Fluss Vouraikos. Man weiß nicht was furchterregender ist: die steilen und bröseligen Felswände auf der einen Seite oder der steile Abhang auf der anderen Seite!

mi der Zahnradbahn durch das Gebirge
durch die imposante Bergwelt
überall blüht wilder Oleander
entlang am wilden Fluss Vouraikos
Einfahrt in den Bahnhof von Kalávryta

In Kalávryta haben wir zwei Stunden Aufenthalt bevor wir uns wieder mit dem Zug auf die Rückfahrt machen wollen. Die Zeit möchten wir nutzen und  das Holocaust-Museum besichtigen. Kalávryta ist während des zweiten Weltkrieges zur traurigen Berühmtheit geworden, als deutsche Soldaten hier ein grausames Kriegsverbrechen begannen. Am 13.Dezember 1943 erschossen sie mehr als 400 Menschen. Männliche Teenager ab 13 Jahre und alle übrigen Männer des Ortes mussten sich in der örtlichen Schule versammeln und wurden zu einem nahegelegenen Hügel geleitet wo sie schließlich erschossen wurden.

Die Frauen und übrigen Kinder wurden in der Schule eingesperrt. Als es ihnen gelang zu entkommen fanden sie ihre Liebsten erschossen auf. Der gesamte Ort wurde durch die Wehrmacht zerstört, es war ein Vergeltungsakt für den starken Widerstand auf dem Peloponnes gegen die deutsche Besatzung. Die stehengebliebene Kirchturmuhr ist als Mahnmal an der heutigen Kirche angebracht. Auf der Mahntafel steht: „am 13.Dezember 1943 blieb die Zeit um 14.32 Uhr stehen und das Weinen und Wimmern begann…“

am linken Glockenturm mahnt die stehengebliebene Uhr von Kalávryta

Der Ort und die Schule wurden wieder aufgebaut, im Museum sind Bilder aus früherer Zeit zu sehen, von den Opfern und auch von den Tätern. Was sind das für Menschen, die solche Greueltaten begehen? Ich schaue sie mir genau an und suche nach grausamen Gesichtszügen, doch leider sehen sie „ganz normal“ aus, das macht es noch unerträglicher. An der Wand der Opfer schaue ich in Gesichter von Kindern, Teenagern, Männern, Geistliche. Mir kommen die Tränen. In diesen Momenten lastet die deutsche Vergangenheit schwer auf uns.

 Das müssen wir erst einmal verdauen, ein harter Brocken. Es war ein sehr eindrucksvoller Tag, der noch lange nachwirkt.

Mojito im Hafen von Galaxidhi
ein Gewitter zieht auf
für einen Platz im Schatten kann man schon mal zusammenrücken..
oder in den Olivenbaum klettern

Wir möchten den Nachmittag nutzen und queren wieder einmal den Golf von Korinth und ankern zwei Tage in Galaxidhi, ein verschlafener und reizvoller kleiner Ort, bevor es weiter geht nach Itea. Von hier aus wollen wir Delfi besichtigen, die berühmte Orakelstätte Griechenlands. Wir brauchen Diesel, nach all den langen Strecken ohne Wind 🙁 , und wollen ausnahmsweise eine Nacht im Hafen verbringen, damit wir am nächsten Tag in aller Frühe den Bus nach Delfi nehmen können.

Alle Versuche die Marina oder Hafenbehörden über Funk zu erreichen scheitern, so entscheiden wir uns einfach im Hafen an der Mole festzumachen. Eine nette Amerikanerin vom Nachbarboot nimmt unsere Leinen an und klärt uns über die Gegebenheiten auf: „manchmal kommt jemand zum kassieren, aber das Büro ist nie besetzt. Keiner der Segler weiß, wie es hier funktioniert.“ Wir können es nicht fassen, eine fertige Marina mit Büro und einer riesigen Parkplatzanlage (ohne Autos) und niemand kassiert! Alles wirkt tot, es ist nicht nachvollziehbar, besonders wenn man überall sieht, wie dringend die Griechen Geld brauchen. Warum wird so eine Marina, noch dazu an einem viel besuchten Ort, nicht bewirtschaftet?

Am nächsten Morgen geht es in aller Frühe mit dem Bus ins nahegelegene Delfi. Zusammen mit Tim und Adrielle, zwei Segler aus Neuseeland, starten wir zur Sightseeing-Tour. Es wird ein interessanter Tag, nicht zuletzt durch tolle Gespräche mit den beiden. Sie sind beeindruckt von der reichhaltigen Kultur im Mittelmeerraum, aber genervt keinen Wind zum Segeln zu haben. In Neuseeland haben sie keine Kulturgüter, dafür gleichmäßige, moderate Winde zum Segeln. Tja, so ist es im Leben, man kann nicht alles haben 😉 Es wird ein kurzweiliger Tag mit den beiden, wir hoffen auf ein Wiedersehen, in der Ägäis oder sonst irgendwo auf der Welt, das wäre toll!

Wir bestaunen diesen mystisch anmutenden Ort Delfi, an dem, in der Antike, die Priesterin Pythia den Rat suchenden Gläubigern, die Orakelsprüche des Apollons übermittelte. Diese Dame saß über eine Erdspalte aus der narkotisierende Dämpfe austraten, die sie einatmete. Dadurch war sie stets in Trance (heute würde man sagen, sie war auf Drogen 😉 und nuschelte schwer verständliche Weissagungen, die dann wieder von den Priestern an die Ratsuchende übermittelt wurden. Die undeutlich gestammelten Worte von Pythia waren nie eindeutig und  ließen so einen großen Spielraum der Interpretation zu. Toller Trick, so konnte niemand behaupten sie hätte Blödsinn erzählt.

Drogenproblem hin oder her, der Ort ist beeindruckend – eine unglaubliche Landschaft, ein tolles Licht. Kein Wunder dass die alten Griechen der Meinung waren, dies wäre der Mittelpunkt der Erde, den Zeus mit einem konischen Stein markiert hätte. Tja, es ist wohl schon ein altes Problem der Menschheit, sich stets zu wichtig zu nehmen und zu meinen, der Mittelpunkt der Welt zu sein! Doch nach Hochmut kommt der Fall, wie all diese Hochkulturen zeigen.

das Theater von Delfi mit Blick über das Tal, ein mystischer Ort
das Stadium für die Austragung der Wagenrennen mit Pferden

Für uns geht es zurück nach Itea, wir sind froh dass wir diesen Ort in aller Frühe  besucht haben und wollen uns nun schnell wieder eine ruhige Ankerbucht suchen, in der wir schwimmen können und über all das Erlebte nachdenken können. Was für ein Leben!

Wir finden eine Traumbucht für uns ganz allein, mit Olivenbäumen, Zypressen und Zykaden, die mit ihrem Gezirpe für eine super Stimmung sorgen. Wir bleiben länger als geplant, wir fühlen uns sauwohl und verbringen die Tage mit Standup-Paddeln, lesen, schwimmen, schnorcheln aber auch Arbeiten am Boot, was in solch einer Umgebung wirklich nicht schwer fällt..

eine Traumbucht für uns alleine, ab und zu kommt ein Fischer vorbei

Aber es gibt noch weitere lohnende Ziele auf dem Weg zum Kanal, so verlassen wir schweren Herzen „unsere Bucht“ in Richtung Osten.

Für die Passage im Kanal von Korinth haben wir uns im Vorfeld mit Alain und Fabiola vom Katamaran Va´a verabredet, das wollen wir gemeinsam erleben.

Leider setzt uns ein heftiger Meltemi-Wind fest, Alain und Fabiola in Galaxidhi und wir in einer großen Bucht weiter östlich. Während die beiden guten Windschutz haben, finden wir nur mittelmäßigen Schutz vor einem kleinen Ort, doch es gibt keine Alternative. Wir bringen noch einen zweiten Anker aus  und müssen nun diese Tage ausharren. Eine heftige Windböe reist mir meine Lieblingssonnenbrille von der Nase und ich muss hilflos zusehen wie sie im aufgewühlten Meer versinkt…! Wer weiß, vielleicht wird sie nun von einem Fisch getragen 😉

Der Meltemi schwächt sich ab, endlich können uns mit Alain und Fabiola in einer kleinen  Ankerbucht treffen, unweit des Kanals. Es ist eine unbewohnte Insel mit einem verlassenen Kloster, umrahmt von einer Landschaft die man eher in Schottland vermuten würde. Die Insel ist von Möwen übervölkert, obwohl wir uns unvermeidlich an den Hitchcock-Film „Die Vögel“ erinnert fühlen, finden wir die Umgebung zauberhaft und freuen uns besonders über weniger Wind.

Morgen wollen wir gemeinsam durch den Kanal, voller Vorfreude stellen wir uns den Wecker auf fünf Uhr Morgens.

Als ich als erste am Morgen in unser Cockpit komme, erstarre ich vor Schreck: wir haben eine Ratte an Bord! 

Ein Albtraum, und das an meinem Geburtstag! Schnell schlage ich die Salon-Tür zu und gemeinsam überlegen wir unser weiteres Vorgehen. Mit Besen bewaffnet gehen wir auf die Jagd und nach einigem hin und her, gibt die Ratte  schließlich auf und springt freiwillig wieder ins Wasser. Wir sind fassungslos, das hätten wir nicht gedacht. Eine Ratte schwimmt etwa 100m durch das Meer und klettert zu uns an Bord. Oder wurde sie vielleicht von einer Möwe fallen gelassen? Wir werden es nie erfahren, egal. Anker lichten und bloß weg hier. Unsere Freunde kontrollieren hektisch ihr Boot, zum Glück entdecken sie keine weitere Ratte!

schöne einsame Bucht mit einem verlassenen Kloster und vielen Ratten

Das Morgenlicht ist herrlich, wir nehmen Funkkontakt zum Kontrollturm auf, die Vorfreude steigert sich! Der Kanal von Korinth ist die wichtigste Verbindung zwischen dem Ionischen Meer und der Ägäis. Er ist etwa 5 Km lang und ist vermutlich der teuerste Kanal der Welt, wenn man den Preis auf die Länge des Kanals umrechnet. 

Schon in der Antike gab es Pläne zum Bau eines Kanals, was sich damals aber wegen der Felsmassen nicht umsetzen ließ. Damals wurden die Schiffe mithilfe einer Schleifbahn über die Landenge transportiert, unglaublich! Erst Ende des 19.Jhdt gelang es schließlich diesen ehrgeizigen Plan in die Tat umzusetzen und den Kanal zu bauen.

Man muss sich für die Passage anmelden. Die Durchfahrt erfolgt abwechselnd in jeder Richtung und wird als Konvoi gebündelt, bezahlt wird auf der Ostseite.  Wir warten mit ungefähr zehn Booten auf Anweisungen und fahren derweil vor  der Einfahrt hin und her. „Es kann nicht mehr lange dauern“, denken wir, als wir plötzlich über Funk hören, dass ein Boot aus der Gegenrichtung während der Durchfahrt seine Drohne verloren hat! Persönliches Pech, unsere Meinung dazu! Aber nein, er bekommt tatsächlich die Erlaubnis vom Kontrollturm bei der Ausfahrt festzumachen und mit seinem Dinghi seine Drohne im Kanal zu suchen. Aber mit der Bitte sich doch zu beeilen, es wäre ein hohes Verkehrsaufkommen – die Brücke muss auch für sein Dinghi abgesenkt bleiben. 

Als der Skipper sich nach langer Zeit endlich über Funk meldet, dass er sein Spielzeug wiedergefunden hat, kann man ein allgemeines Jubeln auf den wartenden Booten vernehmen. Nach 1,5 Stunden Wartezeit nun der Einlass, was für ein Moment, wow! Der Kanal durchschneidet die Landschaft wie eine Schlucht, die Felswände ragen auf beiden Seiten bis zu 90 Meter hoch. Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis, ein tolles Geburtstagsgeschenk.

herrliches Morgenlicht auf dem Weg zum Kanal von Korinth
endlich dürfen wir einfahren
was für ein Erlebnis!

Abends lassen wir den erlebnisreichen Tag in einer Taverne ausklingen, feiern meinen Geburtstag gemeinsam mit Alain und Fabiola und lassen das Erlebte nachwirken. Ein wunderschöner Tag mit netten Menschen, so kann das Leben weitergehen!

Geburtstag feiern mit lieben Freunden


Griechenland – die Ionischen Inseln

Wir starten von Leuca (Apulien) einen Tag früher als ursprünglich geplant, die Windvorhersage klingt erwartungsvoll, schließlich möchten wir segeln!

Der Wind nimmt stetig zu, bis zu 25 Knoten, eigentlich herrlich, wenn da nicht diese unangenehme, seitliche Welle wäre. Die Welle ist hoch und heftig, direkt aus der Adria, volle Breitseite für uns! Wir beschließen die Segel zu reffen, um so den Druck abzubauen und damit das Schiff und die Crew zu schonen. Mir wird bei dieser unangenehmen Schiffsbewegung zunehmend mulmig, ein Gefühl von aufkommender Seekrankheit, das ich lange nicht mehr kannte. Zum Glück haben wir eine gut bestückte Reiseapotheke, da lässt sich ein geeignetes Gegenmittel schnell finden. Die Entscheidung zum Reffen war richtig, die Schiffsbewegungen werden angenehmer. Ein befreundeter Katamaran-Segler beschreibt es so: „ein Katamaran ist ein Autist, er spricht nicht mit dir, wie es ein Einrumpf-Segelboot tut. Ist zu viel Druck im Segel, wird er sich nicht zur Seite neigen. Deshalb ist es wichtig, dass du es rechtzeitig fühlst und dementsprechend handelst“. Damit hat er das Problem eines Katamarans sehr treffend beschrieben.

Abends erreichen wir Griechenland, geplant ist die Nacht auf Othonoi zu verbringen, die kleine Insel nordwestlich von Corfu. Wir wollen am nächsten Tag weiter nach Corfu, um dort die nötigen Anmeldeformalitäten zu erledigen. Uns fällt gleich die  erste Bucht ins Auge, westlich vom Hafen. Das Wasser ist kitschig türkisfarben, der Strand leuchtet weiß, das wollen wir uns näher ansehen. Die Bucht gehört einer großen Vogelkolonie, die von unserem Erscheinen nicht begeistert ist. Wir lassen uns vom lauten Vogelprotest nicht abschrecken und betreten zum ersten Mal griechischen Boden. Was für eine Natur, nur die Vögel und wir. Die Vögel beruhigen sich schnell wieder, hier möchten wir bleiben – „ein Wohlfühlort“. Solche Ankerplätze lieben wir! Der erste Eindruck von Griechenland fällt sehr positiv aus!

unsere erste Ankerbucht in Griechenland

Am nächsten Tag segeln wir, dank achterlichem Wind, mit unserem Parasailor  durch die Meerenge zwischen Corfu und Albanien. Die Bergwelt von Albanien bietet uns ein imposantes Panorama. Albanien ist sicher auch ein lohnendes Ziel, vielleicht beim nächsten Mal.

Dieser herrlicher Segeltag versöhnt uns wieder mit dem Segelalltag, die unangenehme See von gestern ist vergessen, was für ein herrlicher Tag.

In der Bucht von Gouvia, auf Corfu, erwarten uns bereits bekannte Crews aus Licata – Zarazoe und Va´a, ein nettes Wiedersehen!

Gouvia ist ein Port of Entry, hier kann man einklarieren.  Alain und Fabiola, unsere französischen Freunde vom Katamaran Va´a, klären uns über die Gegebenheiten auf. Obwohl sie schon einen Tag früher hier angekommen sind, haben sie noch nichts erreichen können. Die neu eingeführte, griechische Steuer scheint die offiziellen Behörden stark zu beanspruchen, sie benötigen ca. eine Stunde Bearbeitungszeit pro Boot, heißt es. Also morgens früh aufstehen und gleich als erster beim Polizeibüro sein – das ist der Plan.

Tatsächlich sind Fabiola und Alain schon vor uns da, für Franzosen nicht schlecht! 😉 Dafür verweigert ihre Bank die Überweisung nach Griechenland, ein Problem das scheinbar viele französische Crews haben. Es gibt auch keine Möglichkeit bar zu bezahlen, ein großes Dilemma. Unsere Bank hat zum Glück die Überweisung akzeptiert, wir können uns weiter durch die Bürokratie kämpfen. Die Zollbeamtin verlangt unsere Passports, wir reichen unsere Personalausweise. „Das sind keine Passports“ kritisiert sie! Nein, in der Tat, die liegen gut versteckt an Bord. „Aber“, kontere ich „wir sind doch in Europa, da reichen doch die Personalausweise?“ Sie schaut uns verunsichert an und gibt mir schließlich Recht. Puh, zum Glück. Sonst hätten wir alles noch einmal von vorne machen können. Es folgen unzählige Fotokopien unserer und Mojito´s Dokumente (wo bleiben all diese Papiere? Werden die vielleicht wieder geschreddert oder tatsächlich ordentlich abgeheftet?), mehrere abgestempelte Zettel und die letzte zu zahlende Gebühr. Die letzte Gebühr wird fällig, wenn man über das Ausland nach Griechenland einreist. Hm! Wie soll man denn sonst einreisen, wenn nicht über das Ausland? Vom Himmel fallen vielleicht? Egal, keine überflüssigen Fragen, wir wollen nur unsere abgestempelten Papiere. Wir reichen ihr einen 20,- € Schein, aber die Zollbeamtin hat kein Wechselgeld. Auf unsere Frage ob wir denn mit Bankkarte bezahlen können, lacht sie uns aus. Okay, ich erkläre mich bereit durch den Hafen zu laufen um Wechselgeld zu organisieren und um die fälligen 15,- € zu bezahlen. Draußen warten mehrere Segler, kein Wunder dass die Bearbeitung so lange dauert! Schließlich erhalten wir  die ersehnten und abgestempelten Papiere, Mojito hat  drei Monate Aufenthaltsrecht in Griechenland. Dass man sich über solche Kleinigkeiten so freuen kann, auch das gehört zum Seglerleben! Nun haben wir uns den Kaffee am Hafen verdient und treffen uns mit Alain und Fabiola, um eine Lösung für ihr Problem zu finden. Wir beschließen  ihre Gebühren von unserer deutschen Bank zu überweisen und es klappt wie erhofft, sie sind erleichtert. Da denkt man wir sind in Europa, aber da gibt es doch noch Unterschiede. Trotzdem erweist sich Europa für uns immer wieder als wertvolles Gut, das es unbedingt wert ist zu erhalten. Ich mag mir diese bürokratischen Hürden nicht vorstellen, wenn es Europa nicht gebe.

Abends gehen wir gemeinsam mit Alain und Fabiola essen, und sind froh, diese erste Hürde gemeistert zu haben!

In Corfu nehmen wir unsere Tochter Amei an Bord, wir freuen uns mit ihr gemeinsam die Ionischen Inseln zu erkunden. Noch ist es ziemlich kalt, wir müssen Amei mit einer Fleecejacke aushelfen und machen uns Abends einen norddeutschen Grog mit unserem letzten karibischen Rum aus  Martinique (eine gelungene Kombination, schmeckt hervorragend). Zum nächtlichen Ankern verlegen wir lieber auf die kleine, unbewohnte  Insel vor Corfu. Der Besuch von Corfu-Stadt konnte uns nicht überzeugen – eine reine Touristenstadt, nicht wirklich sehenswert. Landschaftlich wirkt die Insel Corfu sehr schön: grün bewachsen mit zahlreichen schönen Stränden und ohne große Hotelburgen. 

Amei, noch mit Fleece-Jacke

Amei fliegt in 10 Tagen wieder von Patras nach Deutschland, in dieser Zeit wollen wir die Ionischen Inseln erkunden, also los!

Scheinbar hat Amei den von uns ersehnten Sommer aus Deutschland mitgebracht, denn endlich steigen die Temperaturen. Der Sprung ist aber gewaltig, es geht gleich auf 30 Grad, puh, das geht auf den Kreislauf.

Unser erstes Ziel ist die Insel Paxos, mit ihrer Traumbucht Lakka – türkisblaues Wasser und ein netter kleiner Ort. Die Bucht ist sehr gut besucht, aber  jeder findet einen Ankerplatz, das Panorama ist reizvoll, hier lässt es sich aushalten. Endlich lohnt es sich unsere Standup-Paddelboards aufzupumpen, die Saison kann beginnen!

Lakka, Traumbucht auf Paxos
.. als würde man schweben
Tauchen gemeinsam mit Alain. Unter Wasser gibt es keine Sprachbarriere
Abendessen mit Blick auf die Ankerbucht

Unser Weg führt uns weiter über  die kleine Nachbarinsel Antipaxos nach Lefkas. Hier wollen wir in den Kanal von Lefkas und müssen dafür die  schwimmende und drehbare Brücke passieren. Diese Brücke bildet  die Verbindung zwischen der Insel Lefkas und dem Festland. An dieser Stelle gibt es viel Wind, da  hier der Kap-Effekt und der Wind aus dem Abrakkischen Golf vorherrschen. Zum Glück sind wir das einzige Segelboot, es gibt genügend Platz zum Festmachen, so können wir recht entspannt die stündliche Öffnungszeit abwarten. Für unsere Breite muss sich die Brücke nicht nur öffnen, sondern auch drehen, ein imposantes Schauspiel.

durch die Gaios-Bay auf Antipaxos
die Schwimmbrücke bei Lefkas
weite Lagunenlandschaft im Kanal von Lefkas

Der Kanal von Lefkas zieht sich durch eine lagunenartige Landschaft, die früher zur Salzgewinnung diente. Die Landschaft erinnert uns stark an Friesland, weitläufige Wiesen und Flachwasserzonen glitzern in der Abendsonne. Wir steuern die Ankerbucht bei Nidri an, doch wir sind uns schnell einig das Weite zu suchen. Die Ankerbucht ist überlaufen, der Ort wirkt von weitem wie ein reiner Touristenort. Wir bevorzugen kleine Ankerbuchten und werden auch fündig, zum Glück! 

Viele Anlegestellen sind kostenlos, aber es wird erwartet, dass man in der dazugehörigen Taverne essen geht. Wir mögen lieber draußen ankern, so können wir nach Lust und Laune schwimmen gehen. Möchten wir essen gehen, können wir uns die Taverne frei aussuchen. Zusätzlich gibt es, ähnlich wie auf Sizilien, eine schlecht organisierte Müllentsorgung und damit verbunden ein Rattenproblem. Deshalb vermeiden wir eine Verbindung über Leinen zum Festland – eine Ratte an Bord ist wirklich das Letzte was man sich wünscht!

zwei reizende Damen in Spartochorion auf Meganisi
Dorfkirche

Eine Abwasserleitung ist verstopft, Gerrit muss sie ausbauen und austauschen, dafür muss er tiefer als üblich in die Bilge kriechen. Und siehe da, er fördert eine voll bepackte und vergessene Proviantkiste  zu Tage. Sie gehört noch zum Proviant unserer Atlantiküberquerung, upps. Also…, Dosentomaten, Kichererbsen, Nudeln und Reis brauchen wir nun erst einmal nicht mehr zu kaufen, die gibt es nun reichlich an Bord!

Sollte ich eines Tages als Tier wiedergeboren werden, wäre das Eichhörnchen das passende Tier für mich – ich sorge ständig vor für schlechte Zeiten und ab und an vergesse ich, wo ich etwas versteckt habe! 

Das Licht im Ionischen Meer fasziniert uns immer wieder aufs neue. Die Landschaft ist sehr schön und es gibt auf jeder Insel schöne Ankerbuchten und entzückende Orte.

Die Menschen hier leben meistens vom Tourismus, die ortsansässigen kleinen Fischer fangen kaum noch Fische, das Meer ist restlos überfischt. Dabei ist die Saison im Tourismus sehr kurz, sie fängt nun im Juni gerade an und endet bereits im September. Reichtümer lassen sich so nicht erwirtschaften, Griechenland hat wahrlich einen schweren Stand.

Über die Inseln Meganisi, Skorpios, Kalamos, Kastos, Athokos und Ithaka geht es schließlich zum Golf von Patras. Das Ionische Meer gefällt uns gut, was uns nicht gefällt ist der Mangel an Wind – die meiste Strecke müssen wir unter Maschine fahren 🙁   

Wandern auf Kalamos
Port Leone auf Kalamos – ein verlassenes Dorf. Ein Erdbeben 1953 zerstörte die Lebensgrundlage der Einwohner, sie wanderten aus, meist in die USA. Reste der alten Olivenölpresse
das einzigartige Licht im Ionischen Meer

Amei´s  Abflug rückt näher, wir suchen eine passende Ankerbucht in Flughafennähe.

Die erste Ankermöglichkeit ist nur 1,5 Kilometer von der Startbahn entfernt, doch leider gibt es keine Möglichkeit mit dem Dinghi anzulanden. Außerdem müssten wir mit dem Koffer über den Strand laufen, auch nicht so toll. Unsere Wahl fällt auf den nächsten kleinen Fischerort. Wir ankern außerhalb und fahren mit dem Dinghi in den Hafen. Der kleine Hafen hat sicher schon einmal bessere Zeiten gesehen, er wirkt ungepflegt wie der gesamte Ort. Unser Plan war es eigentlich in einer Taverne essen zu gehen und ein Taxi zum Flughafen für den nächsten Tag zu organisieren. In der ersten Taverne vergeht uns der Appetit und wir haben Zweifel ob der Fisch noch frisch ist, es scheinen nicht viele Gäste hier zu sein.

Der Fisch in der zweiten Taverne sieht da besser aus, die Küche macht einen sauberen Eindruck. Wir haben den Eindruck ein gutes Werk zu tun, wenn wir hier etwas Geld lassen. So endet unser letzter gemeinsamer Abend mit Amei doch noch schön, auch wenn es kein „Traumort“ ist, dafür aber authentisch, sagt Gerrit!

Das Inhaberpaar kann nicht glauben, dass wir auf einem Segelschiff wohnen. Sie sind aber sehr bemüht unsere Bitte zu erfüllen und bestellen einen befreundeten Taxifahrer für den nächsten Tag zu ihrer Taverne.

Nun heißt es Abschied nehmen von Amei – schade, es waren so schöne Tage!

Italien – wir erkunden den Fuß des Stiefels

Unser Weg nach Griechenland führt uns am Fuß von Italien entlang. 

 Die Griechen haben sich ab diesem Jahr eine weitere Steuer für Bootsbesitzer ausgedacht. Um es sich einfacher zu machen, wird immer für den gesamten Monat abgerechnet auch wenn man am Ende des Monats ankommt. Wir können ja verstehen, dass die Griechen Geld brauchen, aber unsere „Spendenbereitschaft“ hält sich doch in Grenzen. Wir haben daher beschlossen nicht vor dem 1. Juni dort einzuklarieren, so  bleibt uns auch genügend Zeit um den Fuß des italienischen Stiefels zu erkunden.

Ich erinnere mich an meine Grundschulzeit, als ich in meinem neuen, braunen Diercke Atlas blätterte und eine unglaubliche Entdeckung machte: Italien hatte die Form eines Stiefels! Ich war mir sicher, keinem war es vor mir aufgefallen und meldete es begeistert meiner Lehrerin. Doch an ihrer Reaktion merkte ich, dass ich  wohl doch nicht die erste war, diese Entdeckung zu machen. Schade!

Trotzdem behielt dieser Stiefel für mich eine gewisse Faszination und nun würden wir tatsächlich den Fuß näher kennen lernen, ich war schon sehr gespannt!

Wir starten am frühen Morgen aus der Bucht von Syrakusa, der Ätna und die barocke Altstadt im Licht der aufgehenden Sonne, was für ein Anblick! Wir hoffen auf Wind, schließlich haben wir mehr als 90 sm zu bewältigen und unter Segel sind wir meist schneller als unter Maschine. Leider erfüllen sich unsere Erwartungen nicht und wir müssen einen Großteil der Strecke motoren, wie so oft im Mittelmeer – entweder zu viel Wind oder überhaupt keinen Wind. „Im Mittelmeer segeln, heißt von Sturm zu Sturm motoren!“, sagen die Segler.

die Altstadt von Syrakusa und der Ätna im Morgenlicht

Als wir die Stiefelspitze erreichen, staunen wir über diese reich bewaldeten, hohen Berge, die bis nah ans Meer reichen. Was für eine üppige und wunderschöne Natur.

In einiger Entfernung zum Meer erkennen wir Dörfer, die sich malerisch an die Berge schmiegen. Die kilometerlangen Sandstrände wirken menschenleer, ein Paradies! Doch leider nicht wirklich für uns Segler, da es an dieser Küste keine Buchten gibt.

Man ankert zwar auf Sand, der Anker hält dadurch fantastisch, aber es gibt keinen Schutz vor Wind und Welle, da die Küste sehr gerade verläuft.

Südküste Kalabriens – 260 Km fast durchgehender Sandstrand

Abends gibt es eine kleine Meuterei an Bord, ich habe keine Lust im Dunkeln bis Roccella Ionica zu fahren, angeblich die erste geschützte Ankermöglichkeit. Also ankern wir 15 sm früher, an der offenen Küste, kochen uns Spaghettis und fallen tot müde ins Bett!

Der Schwell ist unangenehm, wir werden die ganze Nacht geschüttelt, an Tiefschlaf ist nicht zu denken. Doch den Höhepunkt dieser unruhigen Nacht bringt der nächtliche Besuch der Coastguard. Sie umrunden Mojito mit ihrem Schnellboot mehrfach und schütteln uns dadurch so richtig durch. Dazu beleuchten sie uns mit ihrem grellen Suchscheinwerfer, im Boot ist es taghell! Außerdem diskutieren sie laut und lebhaft untereinander, vielleicht: „verhaften oder versenken?“ ( kleiner Scherz! ) Wir warten derweil ab was draußen passiert und lassen uns nicht blicken. Sollen sie doch klopfen, wenn sie was wollen!

Wir fühlen uns ein wenig wie ertappte Schwerverbrecher, und überlegen ob wir vielleicht mit erhobenen Händen an Deck gehen sollen. Dabei ankern wir rechtmäßig mit 200m Meter Abstand zum Strand, also… wo ist das Problem?? Das scheinen sie nun auch zu merken, sie können uns nichts vorwerfen und nachdem sie uns ordentlich durchgeschüttelt haben, ziehen sie unverrichteter Dinge ab und lassen uns zufrieden, an Schlaf ist nicht mehr zu denken!

Am nächsten Tag geht es weiter nach Roccella Ionica, dort soll es vor der Hafeneinfahrt eine geschützte Ankermöglichkeit geben. Immer entlang dieser traumhaften Küste, die nahezu unbesiedelt ist. Früher hatten sich die Menschen aus Furcht vor Überfällen und vor Malaria von der Küste zurückgezogen. Dann wurde im 20.Jhdt. die Eisenbahn parallel zur Küste verlegt, was heute eine Ansiedlung von Hotelburgen verhindert. Dadurch wurden diese natürlichen Strände erhalten und der Tourismus ist hier zurückhaltend und angenehm.

In Rocella Ionica erwartet uns ein  netter kleiner Ort, doch der Ankerplatz bietet nur wenig Schutz vor der Welle, also geht das Schütteln an Bord weiter! Zum Glück schaukelt sich unser Katamaran nicht so hoch wie ein Einrumpf-Segelboot. Neben uns ankert Jürgen, sein Boot wirkt manchmal wie der Zeiger eines Metronoms, da bleibt sicher nichts auf dem Tisch stehen. Nach zwei Nächten gehen wir doch in die Marina, um endlich wieder ruhig zu schlafen. Auch weil wir ein Auto gemietet haben und  bei diesen Bedingungen Mojito nicht den ganzen Tag alleine am Anker lassen wollen.

Ankern vor Roccella Ionica, schöne Kulisse, doch leider unruhige See
der Strand von Roccella Ionica

Unsere Tour führt uns durch das Aspromonte, das Gebirge voller Tannen- und Buchenwälder mit blühendem Ginster und atemberaubenden Ausblicken. Wir fahren durch halbverlassene Bergdörfer, durch Olivenhaine und blühenden Wildblumenwiesen, entlang riesiger Fiumare, das sind sommertrockene, kilometerbreite Schotterflussbetten. Sie lassen uns erahnen was für Wassermassen während der Wintermonate hier durchrauschen. Eine wunderschöne Gegend, die es bestimmt wert ist erwandert zu werden!

Weizenfeld mit Wildblumen
Bergdorf in Aspromonte, im Hintergrund ein sommertrockenes Schotterflussbett
ein Fiumare, ein sommertrockenes Schotterflussbett
die wilde, weite Landschaft Kalabriens
La Cattolica – eine winzige, byzantinische Ziegelkirche aus dem 10. Jh.




Die Sommertemperaturen lassen weiterhin auf sich warten. Der Wind ist mitunter eisig kalt, beim Segeln benötigen wir gute winddichte Kleidung. „Gutes, beständiges Wetter kommt langsam!“ predigt mir Gerrit, der alte, weise Landwirt, schon seit Tagen. Es fällt mir schwer  zu glauben. Meiner Meinung nach ist das Wetter irgendwo stecken geblieben oder hat den falschen Weg genommen. Hier ist es nicht, vielleicht in Norddeutschland!?

Weiter geht es schließlich entlang der Küste, da bekommen wir in der nächsten größeren Einbuchtung, im Golfo di Squillace, wieder mal die unangenehme Seite des Mittelmeers zu spüren. Obwohl nur ein schwacher Wind gemeldet war, nimmt der Wind plötzlich bis auf 40 Knoten (Windstärke 8) zu. In solchen Momenten sind wir noch stets angespannt, aber das Vertrauen kehrt immer mehr zurück, Mojito kämpft sich tapfer durch die aufgewühlte See. Dieser Küstenabschnitt ist bekannt für seine Wetterkapriolen, ja das haben wir gespürt!

Wir werden weiterhin täglich von der Coastguard „beguckt“, sie haben uns im Blick!

Von anderen Seglern hören wir, dass sie ständig kontrolliert werden und dass schnell mal willkürlich Bußgelder verteilt werden. Jürgen, zum Beispiel, ist von der Adria bis hierher dreizehn Mal kontrolliert worden und musste über 300,- €  Bußgeld bezahlen. Davon sind wir bis jetzt zum Glück verschont geblieben!

Nun bleibt noch die Überquerung des Golf di Taranto, also vom Fuß zum Absatz, oder von Kalabrien nach Apulien. Gallipoli heißt unser Ziel.

Auch hier entscheiden wir uns ganz früh morgens zu starten, der Wind soll Nachmittags einschlafen, bis dahin können wir schon zweidrittel der Strecke geschafft haben. Wir setzen die Segel, haben halben Wind, alles läuft gut. 

Wir sehen auf unseren Plotter, dass wir ein militärisches Übungsgebiet kreuzen. Dieses Gebiet ist mehr als 20 sm breit (also etwa 40 Km) und zieht sich durch das gesamte Gebiet von Nord nach Süd. Wir lesen dass es sich um ein Schießgebiet für U-Boote handelt. „Urg“, frage ich besorgt „woher wissen wir, wann sie Schießübungen machen und wann nicht…!“ Gute Frage…!

Es dauert nicht lange, da sehen wir ein Schnellboot Kurs auf uns nehmen – entweder Piraten oder Coastguard – man weiß nicht immer was besser ist…! Es ist die Coastguard. Nun ist es wohl so weit, nun sind wir dran, denken wir.

Nein, sie informieren uns, dass heute Schießübungen stattfinden und wir bitte unseren Kurs ändern sollen. Wir sollen nun auf Kurs 340 ° gehen für 13 sm. Okay, Widerrede nützt wohl nichts. Weder bringt uns dieser Kurs an unser Ziel nach Gallipoli, noch passt der Kurs zum Segeln. Also bergen wir die Segel und nehmen Kurs 340 °, wie befohlen. Es gibt noch eine Segelyacht mit dem gleichen Kurs wie wir, 2 – 3 sm vor uns, aber ohne AIS, also elektronisch nicht sichtbar. Was ist denn mit ihr, fragen wir uns, wollen aber nicht petzen. Vielleicht sind das dann später die sogenannten Kolateralschäden?? Wir beneiden die Segelyacht für ihr ungehindertes Durchfahren, vielleicht sollten wir beim nächsten Mal das AIS ausschalten und uns kurz „unsichtbar“ machen. Die Fischer machen das auch immer wieder.

Wir haben nicht viel Zeit darüber nachzudenken, es dauert nicht lang und wir bekommen einen Anruf über Funk, von der Coastguard: wir möchten doch bitte unseren Kurs ändern und nun 90 ° nehmen. Das ist ja ein Zickzackkurs, wir fühlen uns wie bei einer Schnitzeljagd. Dieser Kurs passt aber wieder zum Wind, also wieder Großsegel hoch (da wir keine elektrische Winsch für das Großsegel haben, stählt diese Übung Gerrit`s Körper, haha!). Die Freude über das Segeln ist von kurzer Dauer, da meldet sich wieder die Coastguard um uns einen neuen Kurs zu melden, nun sollen wir 2 sm südlich und 8 sm parallel zum Militärgebiet und dann dürfen wir wieder das Militärgebiet kreuzen. „Also doch Schnitzeljagd oder finde den Kurs, irgend so ein Spiel“ meine ich. „Ne“ meint Gerrit „die brauchen ein Ziel vor ihrer Linse“. Es fällt mir schwer darüber zu lachen, denn nachvollziehbar sind ihre Anweisungen nicht wirklich. Zum Glück wird auch ein Frachter angewiesen den gleichen Kurs zu fahren, der gibt uns doch dann hoffentlich Feuerschutz, schwitz! Mittlerweile ist der Wind eingeschlafen, also Segel bergen und Motor an. Dieser Zickzackkurs hat uns einen Umweg von 10 sm beschert, heißt fast zwei Stunden mehr!!

Wir sind nun in Apulien, dem Stiefelabsatz. Das krasse Gegenteil zu Kalabrien – es ist flach und es gibt mehr Touristen. Aber die Bucht von Gallipoli lockt mit klarem Wasser, netten Stränden, gesäumt von einer dichten Macchia.

Nachdem wir die nette Altstadt besichtigt haben und genug von dem dort angebotenem Touristenkitsch gesehen haben, ändern wir unseren Ankerplatz und bleiben ein paar Tage im südlichen Teil der Bucht von Gallipoli um den heftigen Wind der nächsten Tage abzuwettern. Dies ist der einzige, geeignete Platz dafür und hier lässt es sich gut aushalten: klares Wasser, Naturstrand und ab und zu eine kleine Strandbar. Es gibt hier wenig Menschen, doch im Sommer soll es hier dem Ballermann gleichen. Gut, dass wir jetzt die Ruhe genießen können und ein paar Arbeiten an Bord erledigen können. Es gibt immer noch Arbeiten nach unserem Mastbruch, die noch abgearbeitet werden müssen. Außerdem gibt es ein Problem mit der Elektrik. Wenn wir Abends das Ankerlicht einschalten, schaltet sich irgendwann von Geisterhand die Dreifarbenlaterne an, die besagt das wir in Bewegung sind und segeln. Hat sie sich einmal eingeschaltet, lässt sie sich nicht wieder ausschalten, es sei denn wir machen das Ankerlicht aus, was aber auch nicht klug ist, weil wir dann ohne Beleuchtung für andere Schiffe sind. So hat Gerrit einiges zu tun und alle Kabeln zu messen, um den Übeltäter zu finden.

Gallipoli, eine verwinkelte Altstadt
.. mit schönen Innenhöfen
und kleinen Aperitif-Bars, direkt an der Stadtmauer
Starkwind abwettern – in dieser Bucht lässt es sich aushalten

Als der Wind nachlässt geht es weiter nach Maria di Leuca, der südlichste Punkt von Italien. Hier nehmen wir Abschied von Italien, wir genießen einen Aperitif in der Abendsonne und denken gerne an die letzten sieben Monate in Sizilien und Italien zurück. Eine schöne Zeit!

in Santa Maria di Leuca gibt es zahlreiche stilvolle Sommervillen aus den Anfängen des 20. Jhdts.
der südlichste Zipfel des italienischen Stiefels. Hier treffen sich das Ionische und das Adriatische Meer. Finis terrae – Ende der Welt


Malta und Syrakusa

Wir wollten schon längst Sizilien verlassen haben, doch das gute Wetter lässt noch auf sich warten. So beschließen wir die Ostertage noch in Licata zu verbringen. Eine gute Entscheidung, denn die hiesigen Osterprozessionen sind es wert. Vor Ostern wird erst  die Heilige der Fischer in einer Barfußprozession von einer Kirche in die andere getragen. Die Menschen die hier Abbitte leisten indem sie daran teilnehmen, haben danach oft blutige Füße. Beim Verlassen der Kirche ertönen alle Schiffshörner, das ist ergreifend. Ab Karfreitag werden Jesus und Maria in verschiedenen Prozessionen von einer Kirche in die andere getragen, alles folgt einem vorgegebenen Ritual. Die Stadt ist geschmückt, die Stimmung ist entspannt. Man trifft sich, man isst und feiert gemeinsam, die Menschen durchleben zusammen Jesus´ Leidensweg. Ein ergreifendes Spektakel, auch für Nichtkatholiken.

Osterprozession


Jesus wird mit dem Kreuz durch Licata getragen

Jesus gemeinsam mit Maria auf dem Weg zur Kreuzigung

die Kreuzigung

Christine und Thomas besuchen uns für ein paar Tage über Ostern und gemeinsam erleben wir diese eindrucksvollen Tage und haben gemeinsam viel Spaß!

Blühende Mimosen bei Licata

Wanderung mit Christine und Thomas


Blick auf die Bucht von Licata
gemeinsam genießen wir eine Granita di Limone mit Brioche, eine sizilianische Spezialität, sehr lecker!

Nun wird es ernst, wir verlassen Licata. Ein komisches Gefühl unser „heimeliges Nest“ nach sieben Monaten zu verlassen, aber auch befreiend – endlich wieder auf dem Meer hinaus, endlich wieder segeln!

Die Überfahrt nach Malta klappt gut, unsere neuen Segel sind eine Wonne, da hat die Stader Segelwerkstatt wirklich gute Arbeit geleistet und uns super beraten!

Wir laufen zunächst Gozo an, die kleine Insel nördlich von Malta.

Die Ankerbuchten, die wir uns laut Karte ausgesucht haben, erweisen sich in der Realität als unpassend, wie so oft! Also fahren wir eine Bucht nach der anderen ab, doch entweder sind sie zu eng, oder sie sind mit Bojen ausgelegt, oder der Wind weht auflandig (was kein entspanntes Ankern erwarten lässt!). Hm! Also gut, es bleibt uns nichts anderes übrig als direkt vor der Hafeneinfahrt von Mgarr zu ankern. Doof, weil hier sehr viel Schiffsverkehr mit entsprechendem Schwell herrscht, aber gut, weil wir dort relativ gut geschützt vor dem starken Wind sind. „Der Wind auf Malta ist speziell“ hatte man uns gesagt. In der Tat, der Wind hat es in sich, außerdem ist er ständig wechselnd und entspricht oft nicht der Vorhersage.

Ankern (hinten links) vor dem Hafen von Mgarr auf Gozo

Überhaupt ist Malta speziell. Wir wissen nicht viel über Malta, außer das es mitten zwischen Europa und Afrika liegt, daher die wechselnden Winde und der Regen ist angereichert mit  rotem Sand aus der Sahara. Mojito sieht nach den Regenschauern schlimm aus, der Sand saugt sich überall fest, das lässt sich leider nicht ändern, das zu beseitigen würde zu viel Wasser kosten.

Wir erkunden Gozo, so weit die Windbedingungen dies zulassen. Wenn zu viel Wind weht, wollen wir Mojito nicht alleine am Ankerplatz lassen, das ist uns zu riskant.

Per Bus geht es dann schließlich nach Victoria, der kleinen Inselhauptstadt von Gozo, eigentlich eine große Festung.

Victoria auf Gozo

Schnell wird klar, diese beiden Inseln wurden in ihrer Geschichte ständig überfallen. Gefühlt waren alle Völker einmal hier. Der arabische Einfluss spiegelt sich in der Sprache und in der Architektur wieder. Die Sprache hört sich wie Arabisch an, wird aber mit lateinischen Buchstaben geschrieben, das ist komisch zu lesen. Die Straßen heißen hier „Triq“, klingt lustig.

die Sprache klingt arabisch
die Straßen heißen „Triq“

Es gibt nicht nur unglaublich viele Festungen hier, sondern auch sehr, sehr viele Kirchen und Kathedralen. Der Einfluss der katholischen Kirche war wohl sehr stark, wahrscheinlich durch die Ritter des Johanniterordens, die sich im Mittelalter hier ansiedelten und schließlich den Malteserorden gründeten.

Später übernahmen die Briten die Herrschaft über Malta, daher wird hier Englisch gesprochen und links gefahren (was uns beim Überqueren der Straßen immer wieder in gefährliche Situationen bringt, schwitz!). Überhaupt ist alles wieder „very british“, das Essen, die Lebensart, das Publikum.

Heike und Klaus ankern neben uns und fragen, ob wir Lust haben im Ort essen zu gehen. Klar, gern!

Doch da kommt schon die Ernüchterung: das Essen ist qualitativ schlecht und preislich hoch, wir sind nicht mehr in Licata, das wird uns schmerzhaft bewusst! Aber der gemeinsame Abend wird trotzdem schön und kurzweilig. Wir sind tatsächlich die letzten Gäste, die Restaurants und Kneipen schließen schon um 22 Uhr! In Sizilien waren wir stets die ersten Gäste, da ging das Abendleben erst um 22 Uhr los!

Es dauert nicht lange, da kommen Frank und Eva auf Malta an und ankern auch neben uns, danach kommen noch Alain und Fabiola und noch zwei weitere bekannte Boote, alle sind Überwinterer aus Licata, wie nett!

Wir wechseln die Buchten und besichtigen die Ortschaften, es ist sehr touristisch, Hotelburgen überall. Die Preise sind saftig, die Malteser scheinen die Touristen während der Saison gnadenlos melken zu wollen. Das muss dann wohl für das ganze Jahr reichen!

Wir wechseln unseren Standort nach Valetta, immer auf der Suche nach windgeschützten Plätzen. Der Wind ist heftig und kalt, es ist keine Freude.

Als wir in die Bucht von Valetta einlaufen, sehen wir schon drei Kreuzfahrtschiffe an der Pier liegen, oh Schreck!

riesige Kreuzfahrtschiffe vor Valetta

Unsere Befürchtungen bewahrheiten sich in Valetta. Die Stadt ist angereichert mit Kreuzfahrttouristen, die leider immer eine große Unruhe mitbringen. Schließlich muss alles an einem Tag besichtigt werden, das Schiff läuft meistens Abends wieder aus, zum Verweilen bleibt da keine Zeit! Die Geschäftsstraßen bestehen hauptsächlich aus austauschbaren Modeketten oder Touristen-Nippes, alle sind auf das schnelle Geld aus.

Auch die Eintrittsgelder sind nicht von Pappe, da müssen wir schon mal tief durchatmen.

Aber…, Gerrit kommt tatsächlich zum ersten Mal in den Genuss der Seniorenermäßigung, hat doch Vorteile 60 zu sein! Etwas beleidigt bin ich als der Kassierer mich tatsächlich auch fragt, ob ich 60 bin…! Natürlich verneine ich entschieden. Gerrit kann es nicht fassen, dass wir nur wegen meiner Eitelkeit 4,- € mehr bezahlen müssen. Ich kann es nicht glauben, dass ich tatsächlich für 60 durchgegangen wäre, pöh!

die erste Seniorenermäßigung! „over 60“

Beeindruckt sind wir von der Sacra Infermeria, dem modernsten Krankenhaus im 16. Jhdt. Die Ritter unterhielten dieses Krankenhaus mit über 1000 Betten und erstaunlich hohen Hygienestandards. Auch wenn mir die eine oder andere Behandlungsmethode aus heutiger Sicht etwas fragwürdig erscheint. So wurden z.B. Schusswunden mit siedendem Öl ausgebrannt und als guter Chirurg galt der, der schnell operieren konnte, da es keine Anästhesie gab (schluck!). Jeder, egal ob Adeliger, Gefangener oder Moslem, wurde hier aufgenommen und behandelt. Wie edel!

Wir besichtigen auch einen der zahlreichen Bunker in den Grotten, in denen die Bevölkerung Schutz vor den Bomben der  Deutschen und Italienern während des zweiten Weltkrieges fanden. Die Deutschen wollten Malta haben. Für den Afrika-Feldzug war dies strategisch von großer Bedeutung. Für die Bevölkerung war es eine große Leidenszeit, ich mag es mir nicht vorstellen. 

Eingang zu den Bunkerhöhlen auf Malta
ein weit verzweigtes Tunnelsystem, jeder hatte 0,6 qm Platz. 6000 Menschen haben hier Zuflucht gesucht, manchmal über mehrere Tage

Heute glänzt Malta wieder, ist Unesco Weltkulturerbe und beherbergt unzählige Touristen.

Valetta
Sicht auf Valetta
Ankern vor Valetta
mindestens einmal am Tag wird hier Salut geschossen
Weizenernte auf Malta

Für uns war es interessant, aber unsere Lieblingsinsel wird Malta nicht, zu touristisch. Wir freuen uns wieder nach Südsizilien zu segeln. Das ist die passende Route um dann weiter nach Kalabrien zu segeln.

Es wird ein super entspannter Segeltag, mit wenig Wind, dafür aber passend für unseren Parasailor, unser Leichtwindsegel, perfekt für achterliche Winde.

mit dem Parasailor nach Südsizilien

Wir steuern zunächst das südliche Kap Siziliens an, das Capo Passero. Hier bekommen wir am nächsten Tag überraschend Besuch aus der Krummhörn, unserer Heimat. Hansi und Marie machen hier Urlaub und besuchen uns an Bord. Wir verbringen den Tag zusammen und haben uns viel zu erzählen. Wie schön uns hier zu treffen!

Aperitif mit Hansi und Marie in Marzamemi

Weiter geht es nach Syrakusa, eine interessante Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Doch auch hier merkt man, dass die Stadt auf Touristen ausgerichtet ist. Die Preise sind auch hier sehr hoch und die Qualität eher dürftig. Wir probieren mehrere Gelaterien aus, doch kein Eis schmeckt so gut wie in der „DolceVita“ in Licata.

Licata war wahrlich keine „Liebe auf den ersten Blick“, aber wir wissen es nun zu schätzen,  dass wir dort das authentische Sizilien und seine Bewohner  kennen lernen durften. Was für ein Glück!

Freiluftkirche in Syrakusa
die beeindruckende Piazza Duomo von Syrakusa
Barockfassaden
schöne Innenhöfe der zahlreichen Palazzis
auf dem Markt kann man sich Paninis nach Wunsch zubereiten lassen, dazu ein Glas Wein – ein Genuss!

die Grotte „das Ohr des Dionysios“. Hier konnte der Tyrann von Syrakusa 430 v. Chr. seine eingesperrten politischen Gegner abhören. Wozu braucht man heute so viel Technik??
Reste des Amphitheaters

Wir ankern in der riesigen Bucht von Syrakusa, wieder umgeben von bekannten Booten aus Licata, man fühlt sich heimisch,  sehr familiär!

In Syrakusa wird das St.Lucia-Fest gefeiert, so wie in Schweden. Dieses Fest wird sonst nirgends auf Sizilien gefeiert, nur hier in Syrakusa. Gefeiert wird im Dezember und im Mai. Unser Glück, denn wir kommen in den Genuss eines fantastischen Feuerwerkes. Dafür liegen wir in der Bucht in der ersten Reihe und können es vom Wasser aus bestaunen. Im Hintergrund die malerische Altstadt. Es ist wahrlich das schönste Feuerwerk dass wir je gesehen haben, wow!

Abschied von Sizilien, der Ätna im Morgenlicht


Die neue Saison beginnt

Das neue Jahr hat so einige Veränderungen mit sich gebracht.

Angefangen im Januar, während unseres Aufenthaltes in Ostfriesland mussten wir Abschied nehmen von Gerrit’s Mutter, die im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Es war gut, dass wir diese Zeit Zuhause hatten und in Ruhe Abschied nehmen konnten.

Wir haben sieben Wochen in unserer alten Heimat verbracht und es war  schön Zeit zu haben, für die Familie und für Freunde. Wir haben viele schöne Stunden mit netten Menschen verbracht, die wir natürlich in der Ferne vermissen. Umso mehr schätzen wir die gemeinsame Zeit, die wir während eines längeren Aufenthaltes intensiv nutzen. Doch leider reichte die Zeit nicht ganz, um jedem gerecht zu werden. So hätten wir gerne noch mehr Zeit mit dem einen oder anderen verbracht, das nächste Mal, hoffentlich! 

Auch nutzten wir die Zeit in Ostfriesland für fällige Arztbesuche, was uns letztendlich auch veranlasst  unsere diesjährigen Reisepläne etwas zu ändern. Eine schwierige Augenoperation steht bei Gerrit an, so werden wir unsere diesjährig geplante, zweite Atlantiküberquerung um ein Jahr verschieben. Doch las ich vor kurzem einen schönen Spruch: „Du musst dir deinen Plan B so gut gestalten, das du dich freust wenn sich Plan A nicht realisieren lässt“

So ist es tatsächlich nun bei uns. Es gibt so viele Wunschziele, dass es uns nicht schwer fällt, einfach Plan B zu nehmen und einen weiteren Winter in Europa zu verbringen, vielleicht auf den Kanaren? We will see!

Unser Rückflug von Düsseldorf nach Catania hält wieder eine nette Begegnung für uns bereit. Als wir ins Flugzeug steigen und vorm Cockpit warten müssen, kommen wir ins Gespräch mit dem Piloten. Er erkennt, dass wir Segler sind und erzählt uns, dass er von genau so einem Leben träumt, wie wir es führen.“ Ein paar Jahre noch, dann möchte ich jeden Morgen in einer anderen Bucht aufwachen“, erzählt er. Später, während des Fluges, kommt der Stewart zu uns und gibt uns auf Anweisung des  Piloten einen Drink aus, wie nett! Beim Ausstieg haben wir noch ein kurzes Gespräch und tauschen Adressen aus. Vielleicht begegnen wir uns eines Tages wieder, wir würden uns sehr freuen!

Es sind Begegnungen mit so vielen netten Menschen, die uns zeigen, dass man das Gute nicht aus den Augen verlieren darf. Man neigt dazu den schlechten Menschen auf der Welt oder auch im näheren Umfeld zu viel Raum zu geben, zu viel Gewichtung. Dabei gibt es so viele nette Menschen, die man mehr wahrnehmen sollte. 

Wir sind wir seit Mitte Februar wieder in Licata auf unserem Boot und genießen das sizilianische Leben in vollen Zügen.

Die Segler hier in Licata haben eine sehr aktive Community, ich berichtete bereits darüber. So lernt man immer wieder Menschen kennen oder es gibt andere vielfältige Angebote. Langeweile bleibt ein Fremdwort.

Bereits im Herbst haben wir hier Frank und Eva aus dem Saarland kennen gelernt, sie leben, so wie wir, seit zwei Jahren auf ihrer Reincke-Alu-Yacht. Das lustige daran ist, dass wir ihr Boot „Eira“ bereits kannten bevor sie es selbst kannten. „Eira“ lag nämlich in Greetsiel, in Ostfriesland, dort haben sie das Schiff gekauft. Die Welt ist doch ein Dorf! Mit Eva und Frank verbringen wir viele schöne Stunden und machen den einen oder anderen gemeinsamen Ausflug, praktisch für uns, weil sie einen Mietwagen haben und so lieb sind, uns mitzunehmen, danke!

Scala dei Turchi (Türkentreppe), bizarre Felsformationen aus Kalkstein
die Scala dei Turchi
wandern durch das Naturschutzgebiet am Capo Bianco
mit Frank und Eva einen leckeren Cappuccino trinken

So erkunden wir gemeinsam einen Teil von Sizilien, besichtigen Städte oder wandern durch Naturschutzgebiete. Da die Straßen auf Sizilien sehr schlecht sind, kann man sich höchstens in einem Radius von 100 Km bewegen. Mehr ist an einem Tag einfach nicht zu schaffen. Der Zustand der Straßen ist wirklich abenteuerlich. Die riesigen Schlaglöcher sind noch am harmlosesten. Manchmal sind Straßenabschnitte einfach weggespült, die werden dann sehr provisorisch abgesichert, zum reparieren fehlt das Geld. Ein Großteil der Straßen ist auf Betonpfeiler gebaut, sie durchschneiden so die weitläufigen Täler majestätisch. Schaut man sich jedoch die Pfeiler genauer an, dann bröckelt das majestätische Aussehen gewaltig! Beim Anblick der maroden Bausubstanz wird einem ganz schlecht und es wundert nicht, dass es in Italien Brücken gibt, die „einfach“ einstürzen. Während unserer gemeinsamen Fahrten über eben diese Brücken, reden wir uns den Zustand einfach schön: „ sie wird doch nicht ausgerechnet heute einstürzen…!“ Sicher ist, in Deutschland wären diese Straßen gesperrt! Nun ja, vielleicht sind wir auch einfach immer noch „zu deutsch“. 

so sieht häufig der Beton auf Sizilien aus. Hier das Leuchtfeuer unserer Hafeneinfahrt
schöne alte Dörfer
Caltagirone, die Stadt der Keramik
die Keramiktreppe von Caltagirone, 142 Stufen mit unterschiedlichen Keramikfliesen

Trotzdem fühlen wir uns auf Sizilien pudelwohl. Die sizilianische Lebensart, dieses unglaublich fruchtbare Land, diese vielseitige Landschaft und die große Anzahl an Kulturdenkmälern, die all die unterschiedlichen Völker einst auf Sizilien hinterlassen haben. Und natürlich, immer wieder, die fantastische sizilianische Küche. Wir haben hier so viele neue Sachen probiert, es ist pure Lebensfreude das alles zu erleben. Die Sizilianer sind stolz auf ihr Land, auf ihre Produkte und sie essen sehr gerne. Das ist es, was uns an dieser Lebensform auf dem Boot so gut gefällt: man hat Zeit in das Land einzutauchen. Sicher kann man ein Land zügig  bereisen und alle Sehenswürdigkeiten abhaken. Aber mittlerweile gefällt es uns besonders gut, sich einfach in ein Straßencafé zu setzen, einen Cappucino zu trinken und die Atmosphäre um sich herum wahrzunehmen. Wir werden sie vermissen, die Sizilianer, die maroden und trotzdem schönen Häuser, die typischen kleinen Lastautos, die dreirädigen Ape, in all ihrer Vielfalt, die Straßenhunde (jeder eine Persönlicheit mit Stammplatz), die kleinen Gemüsehändler verteilt in den Straßen, die blühende Vielfalt der Pflanzen auch im Winter und so vieles mehr. Wahrscheinlich wären wir nie nach Sizilien gekommen, hätten wir kein Segelboot. Wenn doch, dann hätten wir nicht so viel Zeit dort verbracht und das wäre sehr schade gewesen, denn wir hätten Sizilien nicht so intensiv kennengelernt.

Gemüsekaufen in Licata
früher waren es die Eselkarren, heute sind es die Ape
die Gemüsehändler mit ihren Ape-Dreiradlastwagen

Anlässlich Gerrit´s 60. Geburtstages hatten wir uns kurzfristig entschieden die Tage in Catania zu verbringen und buchten dort ein Zimmer in einem Bed and Breakfast . Dort angekommen zeigte uns eine junge Dame unser Zimmer. Auf unsere Frage wo wir denn frühstücken können, bekamen wir als Antwort: „nein, Frühstück gibt es nicht“. Ach? Okay, also Bed and Breakfast without breakfast??? Haha! Da sieht man mal wieder, dass man das Kleingedruckte stets beachten sollte, man lernt nie aus…!

Catania präsentierte sich uns als sehr schöne barocke Stadt, immer mit dem Panorama des Ätnas. Der Ätna ist hier so präsent, hat er doch Catania mit seiner Lava mehrfach zerstört.  Er hat in der Stadt viele Spuren hinterlassen, z.B. im Benedektinerkloster, wo die einst erste Etage nun der Keller ist, da sie von einer 12 Meter dicken Lavaschicht umgeben ist. Überhaupt ist der schwarze Lavastein hier ein gebräuchliches Baumaterial, und immer in der Ferne der rauchende, imposante Ätna.

Selfie über den Dächern von Catania. Im Hintergrund der Ätna
das Wahrzeichen der Stadt, die Fontana del Elefante. Der Elefant ist aus Lavastein
Catania, Piazza del Duomo

So ließen wir es uns nicht nehmen und haben Gerrit´s Geburtstag oben auf dem Ätna in 3000 m Höhe verbracht, mit einem traumhaften Ausblick, einer merkwürdigen Landschaft, halb Schnee halb Lava und Asche, und einem wirklich eiskalten Wind (gefühlt minus 20 Grad) aber mit warmen Füßen, da der Vulkan stets aktiv ist. Ein bleibendes Erlebnis!

Gerrit fast auf dem Gipfel des Ätnas
Laufen am Rand des Kraters
halb Schnee, halb Lava und sehr kalt
ein schöner Blick bis aufs Meer
ein Haus unter Lava vom Ätna begraben
ein Glas Prosecco auf den 60.Geburtstag!

Nun bereiten wir uns auf die Saison vor. Überall in der Marina wird eifrig geputzt und gearbeitet.

Ein kurzer  Werftaufenthalt wurde nötig. Ein Borddurchlass ließ sich nicht mehr schließen, das heißt, wir mussten aus dem Wasser. 

Als Mojito im Kran hing, zeigte die Kranwaage tatsächlich zwei Tonnen mehr an. Haha, da kann ich mich diebisch freuen, geht es ihm wie uns allen auf Sizilien! Dazu meint Gerrit entschuldigend: „die haben die Waage nicht auf null gestellt, das kann nicht sein!“. Ja, das Problem kenne ich. Das sag ich mir auch immer, wenn die Waage mal wieder mehr anzeigt, ! Aber egal, um mit Eva´s Worten zu sprechen: „ jeder Kilo ist es wert!“ So!

Wir haben auf der Werft gleich alle Borddurchlässe gewechselt, da sie ja schon 10 Jahre alt sind. Zusammen mit Patrice, ein französischer Segler aus der Marina, hat Gerrit alle Arbeiten erledigen können und wir konnten bereits nach drei Tagen wieder ins Wasser. Gerrit und Patrice haben auch die Opferanoden getauscht und die Saildrives (Antriebe) überarbeitet. Ich habe während dessen das Antifouling ausgebessert. Da wir als Antifoulinganstrich Coppercoat haben, beschränkt sich die Arbeit auf die Überarbeitung. Sehr easy!

Super nett war, dass wir jeden Abend auf einem Boot zum Essen eingeladen waren, damit wir selbst nicht kochen brauchen. Das nenne ich Freundschaft.  🙂

Alles ging Hand in Hand, so konnten wir bereits nach drei Tagen wieder ins Wasser. Erleichterung, alle Borddurchlässe sind dicht, gute Arbeit Jungs!!

Vorbereitung zum Kranen
Mojito kommt aus dem Wasser
Werfttage mit Patrice
die Winschen werden gereinigt und gefettet

Unvorhergesehen mussten wir unsere Batterien austauschen. Auch hier hatten wir wieder Glück im Unglück. Hatte Gerrit sich doch gerade Abends über den warmen Fußboden gefreut, als ihm dämmerte dass da etwas nicht stimmt..! Warum ist der Fußboden warm?! Ursachenforschung! Die Ursache war schnell gefunden – eine Batterie kochte bereits und hatte sich schon völlig verformt. Gerade noch rechtzeitig bemerkt, puh!  Doch was jetzt?! Man sollte keine neue Batterie in eine drei Jahre alte Batteriebank integrieren. Überhaupt stellten wir uns die Frage, warum ist eine Batterie nach nur drei Jahren defekt? Mittlerweile wissen wir die Antwort: diese Gelbatterien sind nur für Temperaturen von bis zu 25°C geeignet. In der Karibik lagen die Temperaturen ständig deutlich höher. Leider weisen die Batteriehersteller darauf nur bedingt hin, die meisten Segler wissen es nicht. Nun ja, wir wissen es nun! 🙁

Also mussten wir überlegen, was wir nun tun. Wir haben uns für eine Umrüstung auf Lithium-Eisenphosphat Batterien entschieden. Gerrit hat die Batterien umgebaut. Nun können wir die Sonnenenergie besser nutzen und wir können mehr Energie speichern, und warmes Wasser mit der Solaranlage bereiten, was für ein Gewinn! 

Wenn noch die eine oder andere Umrüstung erfolgt ist, können wir sogar in Zukunft auf unseren Generator verzichten. Dann könnten wir den Wassermacher nur mit Solarenergie betreiben! Das wäre super, daran werden wir arbeiten!

So, jetzt bleiben noch alljährliche Wartungsarbeiten, das Polieren des Gelcoats, Segel wieder anschlagen, Gasherd austauschen und dann kann es losgehen, in die neue Saison voller neuer Abenteuer, yippieh!

Zwischenzeitlich bieten Mariella und ihr Mann Angelo wieder ein Kochevent bei ihnen Zuhause an. Gemeinsam bereiten wir frische Pasta con Brokkoli frittata zu. Ein unglaublich leckeres Gericht nach einem Rezept von Mariellas Großmutter, mit viel Olivenöl und Cadiocavallo, dem typischen sizilianischen Käse. Dazu stehen auf dem Tisch Oliven, eingelegte Artischocken und Tomaten (alles aus dem eigenen Garten), ein Ricotta-Käse und natürlich Rotwein. Hmm! Das ist ein typisches Gericht während der Fastenzeit, erklärt Mariella. Also hat Fasten gar nichts mit Hungern zu tun?? Okay, dann will ich nur noch fasten!

der Tisch ist gedeckt, lauter Köstlichkeiten
gemeinsames Kochen bei Mariella und Angelo in ihrer kleinen Küche

Es ist, wie immer, ein wunderbarer Tag. Wir sind sieben Nationen an einem Tisch, mischen die unterschiedlichen Sprachen und unterhalten uns prächtig, es wird viel gelacht, das ist gelebtes Europa!

Zur Abrundung dieses köstlichen Fastenessens hat ihre Tochter Angelica die typische sizilianische Granita di Limone (Zitronensorbet) mit selbstgebackenen Briochebrötchen vorbereitet. Auf Sizilien wird das Eis gerne im Briochebrötchen gegessen, im Sommer ein typisches Frühstück. Es schmeckt köstlich! Was für ein schöner Tag, obwohl es draußen stürmt und regnet, ein Wetter wie in Norddeutschland. Der Winter ist dieses Jahr ungewöhnlich lang, sagen die Sizilianer. Nicht einmal die Mandelbäume haben geblüht, es war zu kalt. In diesem Augenblick, in dieser netten Gesellschaft ist es mir egal, es könnte draußen schneien, das Leben ist so schön!

Ruth und ihr Mann Urli aus der Schweiz leben seit 20 Jahren auf Sizilien. Zum Abschied bekomme ich eine selbstgenähte Tasche geschenkt. Wie nett!

Wir sind nun fast zwei Jahre unterwegs und wenn ich ein Resümee ziehe über diese Zeit und mich frage: war es der richtige Schritt? Ja, das war er. Es ist nicht immer einfach, denn schließlich bedeutet  das Reisen auch immer das Verlassen der Komfortzone. Man muss die gewohnte Umgebung verlassen, man muss sich immer wieder von liebgewonnenen Menschen verabschieden, man muss immer wieder loslassen können. Doch nur so kann man frei für neue Erfahrungen und Erlebnisse sein. Ich kann nichts neues kennenlernen, wenn ich nicht bereit bin das Alte loszulassen. Vielleicht ist es auch gerade die Bereitschaft zum Abschied, das Wissen um die Endlichkeit des Augenblicks, das uns das Leben spüren lässt. Es ist ein unglaublich intensives Leben, sowohl im negativen wie auch im positiven Erleben. Wenn man manchmal die geballte Kraft der Natur zu spüren bekommt, dann wünscht man sich in die Komfortzone zurück. Aber umso schöner empfindet man den Moment wenn sich alles beruhigt, die Sonne scheint und man scheinbar am schönsten Platz der Welt ist! Deshalb ist es gut ab und zu die Komfortzone zu verlassen, erst dann weiß man die guten Momente zu schätzen.

„ Die Gewohnheit ist eine gefährliche, eitle Göttin. Sie lässt nichts zu, was ihre Regentschaft unterbricht. Sie tötet eine Sehnsucht nach der anderen…….Sie verhindert zu leben, wie man will. Weil wir aus Gewohnheit nicht mehr nachdenken, ob wir noch wollen, was wir tun.“ (Nina George)

Ich kann für mich sagen, das dieses jetzige Leben mich spüren lässt, dass ich lebendig bin. Das Leben in der Natur schärft die eigenen Sinne. Man achtet auf das Wetter, auf verdächtige Geräusche, ob vielleicht der Anker rutscht und vieles mehr.

Die uns Zuhause am häufigsten gestellte Frage ist: „wie hält man es als Paar auf so engem Raum aus?“

Zugegeben es ist nicht immer einfach. Aber ist es einfacher, wenn man mehr Raum hat?

Auch unsere Partnerschaft ist auf dem Boot eine Achterbahn der Gefühle. Es gibt wundervolle Momente und es gibt schwierige Momente. Manchmal diskutieren wir, manchmal streiten wir, aber dann gibt es auch die Momente in denen wir aufeinander angewiesen sind und funktionieren müssen, ohne Diskussion (für mich sehr, sehr schwierig!). Und besonders dann ist es toll zu merken, dass wir uns bedingungslos aufeinander verlassen können. In unserer Zweiercrew bringt jeder von uns seine eigene Stärken ein, wir ergänzen uns gegenseitig. Auch wenn ich weiß, dass es Gerrit zu Kopf steigen wird 😉 : ich kann mir für mich keinen besseren Captain an Bord vorstellen.

Dann gibt es die Momente, in einer schönen Ankerbucht, mit einem wunderbaren Essen und einem Glas Wein. Wenn beide dies zu schätzen wissen, dann ist das Glück perfekt! Aber auch das alltägliche Leben an Bord macht Spaß, da man sich oft über ganz banale Sachen riesig freuen kann.

Was aber auch sehr wichtig für uns ist, das ist unsere Familie Zuhause, die hinter uns steht, mit dem was wir tun. Besonders unsere beiden Kinder bestärken uns in unserem Tun stets positiv, das ist sehr schön. Wenn sie nicht gewisse Sachen für uns regeln würden, könnten wir dieses Leben nicht führen. Vielen, vielen Dank dafür, ihr Lieben!

Eine andere häufig gestellte Frage lautet: „wie lange wollt ihr das noch machen?“

Wir machen so lange weiter, so lange es uns beiden Freude bereitet und wir gesundheitlich dazu in der Lage sind! In unserem „alten“ Leben galt ein voller Terminkalender als eine Art Statussymbol – in unserem jetzigen Leben ist es das größte Privileg Zeit zu haben.

„Hast du die Wahl zwischen einer Truhe voller Gold und deiner Zeit, so wähle die Zeit. Hast du die Wahl zwischen einem Palast und einem kostbaren, unvergesslichen Augenblick, so wähle diesen Augenblick. Kein Gut ist wertvoller als die Zeit, kein Luxus kann je größer sein.“

Ein aufregendes Jahr neigt sich dem Ende

Ein Jahr voll gespickt mit Erlebnissen, Erfahrungen und Begegnungen mit sooo… vielen netten Menschen – was für eine Bereicherung, dass wir all das erleben durften!

Ich gebe zu, auf den Mastbruch hätten wir verzichten können, aber auch damit sind viele schöne Erlebnisse verbunden. Unvergessen unsere zweite Atlantiküberquerung mit dem Frachtschiff „Dyksgracht“ und der überaus freundlichen Crew. Wir erinnern uns gern an diese Zeit.

Dann fanden wir uns  im Mittelmeer wieder und verbringen nun den Winter auf Sizilien.

Obwohl wir keine „Marina-Lieger“ sind, sondern viel lieber am eigenen Anker in schönen Buchten verbringen, fühlen wir uns in Licata sehr wohl. Die Tage vergehen hier so schnell, dass wir schon Zeitdiebe verdächtigen, hier ihr Unwesen zu treiben.

In der Marina von Licata sind Segler aus 18 Nationen eingetroffen und verbringen hier gemeinsam den Winter. Die Community der Segler in der Marina ist großartig und die Vielzahl an Angeboten auch.

Die Stadtnähe macht das tägliche Leben sehr angenehm und die freundlichen Sizilianer sind eine Bereicherung. Immer wieder werden wir angesprochen und gefragt, aus welchem Land wir kommen. “Siamo della Germania“ – „wir kommen aus Deutschland“ ( ein paar Worte haben wir von Frater D’Agustino, unserem Italienischlehrer gelernt). Die häufige Antwort lautet dann: „Oh, Deutschland, dort habe ich einige Jahre gearbeitet!“  Wir hoffen dann, dass diese herzlichen Menschen in Deutschland ebenso nett behandelt worden sind, wie sie uns hier behandeln. Leider sind wir uns da nicht so sicher, schade!

Ich liebe diese Begegnungen mit den Menschen. Da ist z.B. der ältere Herr, der auf dem Weg zum Wochenmarkt seinen selbst gepflückten, wilden Fenchel zum Kauf anbietet. Ich kaufe ein Bund und frage ihn, wie er es zubereitet. Er erklärt es mir bereitwillig, als ein anderer Herr dazu kommt und seine Methode anpreist. Es ist so schön ihrer kontroversen Diskussion zu lauschen, welche Art der Zubereitung die beste ist.

Dann gibt es noch die Begegnung mit Mariella und ihrem Mann Angelo. Mariella ist Anwältin und Angelo Journalist in Licata. Beide sind sehr engagiert und organisieren z.B. Spaziergänge durch Licata oder gemeinsame Backnachmittage bei ihnen Zuhause, gemeinsam backen wir traditionelle, sizilianische Kekse und …., natürlich die Canollis.

Die sizilianische Küche ist grandios, es fällt schwer all den kulinarischen Versuchungen zu widerstehen.

Hinzu kommen all die unterschiedlichen Nationen in der Marina. Auch hier gibt es beim wöchentlichen Barbecue allerlei Köstlichkeiten zu probieren.

Es gibt viel auf unserem Schiff zu erledigen: Reparaturen, Verbesserungen, Wartungsarbeiten und das alltägliche Leben, wie Waschen, Einkaufen und Putzen.

So verwundert es nicht, dass die Zeit an uns vorbeirast und wir uns jeden Sonntag beim gemeinsamen Barbecue unglaublich fragen, wo die Woche geblieben ist!

Nun geht es für uns zunächst nach Deutschland, um unsere Familie und Freunde zu besuchen. Im Februar/März wird es mir den Blogberichten weitergehen. Wir planen im April Licata zu verlassen und Richtung Griechenland zu segeln. Wir sind schon sehr gespannt, was das nächste Jahr für uns bereithält. 

Wir wünschen euch, liebe Blogleserinnen und  Blogleser, schöne Weihnachtstage und ein frohes Neues Jahr!

Vielen lieben Dank für die netten Rückmeldungen und wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns im nächsten Jahr weiter auf unserer Reise begleitet.

Molti saluti,

Pascale & Gerrit


Wöchentliches Barbecue am Sonntag

Ländliche Umgebung von Licata

Ein wunderschöner, alter Fiat 500 – man sieht ihm seine 40 Jahre nicht an.


Orangenmarmelade kochen gemeinsam mit Eva


Aperitif mit Frank und Eva

Frühstück in der Dezembersonne


Plätzchen backen mit Mariella


Denkmal für die Arbeiter der Schwefelminen, hauptsächlich Kinder.


Eingang zum Stollen der Schwefelmine.


Straßenmusiker in Licata


Sonnenuntergang am Strand von Licata


Straße in Licata


Weihnachtsbeleuchtung


Abendspaziergang mit Angelo durch Licata mit verschiedenen Vorführungen.


… und Verkostung.

Sizilien – Licata

Licata – Liebe auf dem dritten Blick

Licata ist eine ältere, in die Jahre gekommene, einst elegante Dame. Ihre Schönheit verbirgt sich hinter einer maroden Fassade. Auf den ersten Blick wirkt Licata heruntergekommen und ungepflegt. Der Umgang der Bevölkerung mit der Müllentsorgung lässt uns unsere deutsche Nase rümpfen. Entweder liegen die Müllsäcke auf der Straße oder falls sie tatsächlich in Müllcontainern gesammelt werden, so sind diese stets geöffnet.Dies liegt aber auch an der schlecht organisierten Müllabfuhr.

Ich mag mir den Gestank während der Sommermonate nicht vorstellen…!  Die zahlreichen herrenlosen Hunde in der Stadt durchwühlen die Müllsäcke nach essbarem, dadurch fliegt der Müll ungehindert durch die Straßen. Die Sizilianer scheinen es hinzunehmen, was uns verblüfft, da die Sizilianer sehr viel Wert auf ihr Äußeres legen, stets elegant gekleidet.

Leider wird hier alles mehrfach in Plastik eingepackt und oft achtlos weggeschmissen. Wir geben uns Mühe die Plastiktüten zu verweigern und ernten entweder Unverständnis oder Lob (vielleicht schleicht sich langsam ein Umweltbewusstsein ein)

Blick auf Licata, hinten links unsere Marina

Aber zurück zu Licata: zunächst konnten wir nicht den rechten Zugang zu dieser Stadt finden, auch weil das Wetter im Oktober ungewöhnlich schlecht war. Die Einheimischen versicherten uns, so ein schlechtes Wetter hätte es hier noch nicht gegeben. In der Tat befand sich ganz Italien in einer zerstörerischen Schlechtwetterzone, mit Erdrutschen, Starkwinden und einigen Toten. Zum Glück sind wir hier in Licata vom Schlimmsten verschont geblieben, außer zahlreichen überschwemmten Straßen und Wind der Stärke 8-9, was wahrlich nicht angenehm war.

zahlreiche streunende Hunde, nicht alle sind freundlich

Nun haben wir wieder sommerliches Wetter, wodurch sich Licata bei den zahlreichen Spaziergängen in unser Herz schleicht. Der morbide Charme dieser Stadt mit den zahlreichen verfallenen Palazzos, engen Gassen und schmiedeeisernen Balkonen ist reizend.

Es gibt jeden Tag neues zu entdecken, dafür werden die Wintermonate nicht reichen.

Die Menschen in Licata sind äußerst freundlich, viele haben als Gastarbeiter in Deutschland gearbeitet und fühlen sich verbunden. Nur die deutsche Sprache fiel ihnen oft schwer, erzählen sie, wen wundert´s – uns fällt die italienische auch schwer!

wir werden von einer Familie nach der Stadtführung bekocht: Tabouleh, Pastas, selbstgepresstes Olivenöl mit Brot und Rotwein.
Nur die oberste Wohnung ist nicht bewohnt!

Die sizilianische Küche ist ein Traum, wir haben noch längst nicht alles probiert und der sizilianische Wein mundet auch…! Gleich bei der Marina um die Ecke gibt es eine der zehn besten Gelaterias Italiens, das Eis dort ist ein Genuss! Zum Glück macht sie nun Winterpause, sonst hätten unsere Hosen im Frühjahr sicher nicht mehr gepasst!

Wir genießen das sommerliche Wetter und tragen im November noch Shorts und T-Shirts. Doch seitdem ich so im Supermarkt stand und die Sizilianer mit langer Hose, Pullover, Winterschuhen und Jacken gekleidet waren, weiß ich wie sich ein Außerirdischer fühlen muß, wenn er auf der Erde landet!

Hier in der Marina laufen zum Glück all die Nordeuropäer auch so leicht gekleidet herum, da fällt man nicht auf. Die Segler, die hier überwintern sind ein bunt gemischter Haufen und alle sehr nett. Zweimal pro Woche treffen wir uns zur Happy Hour und sitzen mit kleinen Häppchen und netten Getränken zwanglos zusammen. Sonntags gibt es ein gemeinsames Barbecue und in der Woche werden Sportstunden, gemeinsames Singen und Italienischkurse angeboten. Langeweile kommt wahrlich nicht auf.

Siarra aus Australien und Felix aus Deutschland angeln Fische für ihre Katze. Siarra nimmt die Fische fachmännisch aus und schneidet sie in Stücke. Alltag der Bootskinder!

Dazu organisiert die Marina auch Sonderprogramme, wie z.B. Stadtbesichtigung, Wanderung durch den Weinberg mit anschließender Verkostung, Weihnachtsbacken sizilianisch usw.

Sonnenuntergang am Strand von Licata

Derweil schleicht sich die alte Dame Licata immer weiter in unser Herz, wir entdecken immer wieder neue Sachen.

Besonders die Wanderung durch den Weinberg der Winzerei „Quinones“ hat uns gut gefallen. Die Familie empfängt uns mit Getränken, Keksen und köstlicher Orangenmarmelade. Dann geht es gemeinsam zunächst durch den Olivenhain, vorbei an den Weinreben hinauf auf den Berg. Überall wachsen wilde Kräuter, Krokusse, wilde Orchideen, wilde Artischocken und Fenchel – eine Augenweide.

Alfredo, der Winzer, empfängt uns mit Getränken, Keksen und Orangenmarmelade

Wanderung durch die Olivenhaine

ein 400 Jahre alter Olivenbaum

mit dem Hofhund „Julia“ oben auf dem Berg. Blick zum Meer. Auch hier wird Gemüse unter Plastik kultiviert.

Zurück in der Winzerei wartet ein prall gefüllter Tisch voller Antipastis auf uns und natürlich der Hauswein: es gibt den Vino bianco, den neuen Nero D’Avola (der sizilianische Rotwein) und einen älteren Rotwein. Danach kommen zwei verschiedene Pastagerichte auf den Tisch und dann die typischen sizilianischen Grillwürstchen, mit Orangen und verschiedenen Gewürzen. Zum Schluß noch ein Nachttisch mit Ricotta, Kaffee und Canolli…! Was für ein wunderbarer Tag! Als wir dann, bunt gemischt, im Kleinbus auf dem Rückweg sitzen, fängt Eva an zu singen. Plötzlich stimmen die Franzosen aus dem Elsaß mit erstaunlicher Textsicherheit ein, und gemeinsam singen sie das Lied „es gibt kein Bier auf Hawai..“  Ach, denke ich, wie schön, das ist Europa – und das muss unbedingt bestehen bleiben!

Antipasti

der gute Wein

Secondi Piatti, die Pasta!
Danach gibt es gegrillte Salsiccie (sizilianische Würstchen) und Nachtisch

Auch die vielen Sehenswürdigkeiten auf Sizilien locken, da nehmen wir das Angebot von unseren französischen Freunden gerne an und fahren mit ihnen gemeinsam durch die wunderschöne Landschaft zu einer römischen Ausgrabungsstätte mit atemberaubenden Mosaiken. Auf dem Weg besichtigen wir noch Piazza Armerina, eine mittelalterliche Stadt inmitten von Pinien und Eukalyptuswäldern. Auch hier bewundern wir die zahlreichen Kirchen, Palazzos und Castellos. Als wir uns einen Innenhof ansehen, winkt uns eine Dame zu und lädt uns ein einzutreten. Wir befinden uns in der alten Bibliothek mit mittelalterlichen Büchern und reichlich verzierten Stuckdecken, leider stark renovierungsbedürftig, aber wunderschön.

Piazza Armerina

die eindrucksvolle Biblioteca Communale

Mosaikkunst in der römischen Villa Casale. Aus 120 Mio. geschnittenen Steinwürfeln zeigt sich eine beeindruckende Mosaikkunst

die Mosaiken zeigen Wildtierfang in Afrika und Verschiffung der Tiere

die Bikini-Mädchen,
wer hat gedacht, dass der Bikini im 20 Jhdt. kreiert wurde??

es ging auch freizügig zu, bei den Römern 😉

 

Die Fahrt erweist sich als etwas abenteuerlich, da der Zustand der Straßen sehr schlecht ist. Man benötigt sehr viel Zeit um eine kurze Distanz zu überwinden. Durch die vergangenen starken Regenfällen sind riesige Löcher in die Straße gerissen, immer wieder sind Schlammmoränen abgegangen und versperren die Straßen. Jean-Michel, als ehemaliger Hubschrauberpilot beim Militär, läßt sich nicht beeindrucken und fährt mit Anlauf durch die tiefen Löcher. „Nur nicht anhalten…“ so seine Devise, derweil halten wir die Luft an.

Was für ein wunderbarer Tag, und eins wissen wir bestimmt: es gibt unglaublich viele Sehenswürdigkeiten auf Sizilien zu bewundern. Sizilien ist eine Reise wert und wir sind glücklich hier sein zu können!

Die Saison geht zu Ende, auf nach Sizilien

Die Saison geht zu Ende, der Herbst kommt mit großen Schritten.

Im Mittelmeer macht sich eine wunderbare Stimmung breit. Es sind deutlich weniger Boote unterwegs, meist ankern wir alleine, die Langfahrtsegler suchen langsam ihre Überwinterungsplätze auf. Auch wir arbeiten uns langsam in Richtung Sizilien.

Unser Problem ist die unstimmige Wettervorhersage, wir beobachten dies schon seit einigen Tagen. Es ist eine Mistral-Lage vorhergesagt und auch Wind aus dem Golf von Genua, beides nicht gut für uns. Wir haben eine Passage von 160 sm zu bewältigen und möchten weder Gegenwind noch Mistral haben!

Endlich scheint das Wetter passend, wir beschließen aufzubrechen. Wir haben Sorge, dass wir zu wenig Wind haben, doch wenn wir warten, laufen wir Gefahr eine Woche schlechtes Wetter abwettern zu müssen.

Wir nutzen die windstille Zeit zum angeln und fangen tatsächlich eine Goldmakrele! Wir haben ja schon Mitleid mit unseren gefangenen Fischen, das Töten fällt uns nicht leicht. Um es dem Fisch so angenehm wie möglich zu machen, bekommen er zunächst einen kräftigen Schluck Rum in die Kiemen, das betäubt..! Dann zappelt er nicht mehr so stark und Gerrit kann das Messer gezielter ansetzen um den Fisch nicht so lange leiden zu lassen. Wir beruhigen dann unser Gewissen und sind überzeugt, dass der Fisch einen glücklichen Tod hatte, im Vollrausch!

eine leckere Goldmakrele

Meine Freundin Ann schickt mir eine Nachricht über WhatsApp: in Ostfriesland bläst ein kräftiger Wind. „Dann schick was rüber“, so meine spontane, unüberlegte Antwort. Konnte ich doch nicht ahnen, dass sie es so wörtlich nimmt!

Während unserer Überfahrt nimmt unser Wind stetig zu, die Wellen auch, es gibt kein zurück, da müssen wir durch. Mojito fliegt über die Wellen, wir erreichen Geschwindigkeiten bis 10 Knoten und reffen ständig die Segel, ein komfortables Reisen sieht anders aus!

Die Wellen steigern sich auf drei bis vier Meter Höhe, der Wind erreicht in Böen Windstärke 8, es kommen starke Regenschauer hinzu. An Schlafen ist während der Nacht nicht zu denken, wir werden von den Wellen durchgeschüttelt und von den Böen beschleunigt, dazu gibt es abwechselnd eine Salzwasser- oder Süßwasser-Dusche. Da sind sie wieder die Momente in denen man sich aufs heimische Sofa wünscht, die Fernbedienung in der Hand….!

Drei Wetterberichte und keiner hatte diese Wetterlage gemeldet! Damit nicht genug – die letzten 30 sm können wir mit Gegenwind und seitlicher Welle motoren und bewegen uns nur mühsam voran. Mojito knallt in die Wellen und arbeitet sich tapfer dadurch.

ein kleiner erschöpfter Passagier! Auch ihm macht der starke Wind zu schaffen, er darf sich bei uns ausruhen

Am späten Nachmittag erreichen wir Marettimo, die westlichste Insel der Ägadischen Inseln, und lassen todmüde den Anker fallen. Wir sind erleichtert aber auch stolz gemeinsam diese ungemütliche Überfahrt gemeistert zu haben und holen nach einem Abendessen den überfälligen Schlaf nach.

Wir merken schnell, die Ägadischen Inseln vor Sizilien sind ein Wohlfühlort. Sie gehören zum größten Marinereservat des Mittelmeers, es gibt viele Fische, schönes Wasser und ein wunderbares Panorama. Das Licht ist wunderschön, wir können uns nicht satt sehen! Da kommt die Wasserschutzpolizei und fragt, ob wir eine Erlaubnis haben hier zu liegen. Schluck, äh…nein und jetzt? Wir haben uns extra eine von den vielen freien Ankerbojen genommen, um das Seegras zu schützen. Der Polizist ist sehr freundlich, kann leider nur ein paar Brocken Englisch, er erklärt uns, dass wir eine Erlaubnis online beantragen können und fährt weiter, wie nett!

Wir möchten sowieso zur Hauptinsel, zur Isola Favignana, also lösen wir die Leinen und segeln bei blauem Himmel und wenig Wind hinüber zur Nachbarinsel. Vergessen ist die raue Überfahrt von gestern, nun möchten wir auf keinen Fall auf dem heimischen Sofa sitzen mit der Fernbedienung in der Hand, oh nein…!

Auch die Isola Favignana ist ein äußerst sympathischer Ort – ein kleiner Hafen mit einem Fähranleger für die Fähren aus Palermo und von der Nachbarinsel Levanzo. Wir möchten ankern aber der einzige passende Platz ist direkt vor dem Hafen. Da sind wir schon wieder so „deutsch“ und zweifeln, ob dieser Platz erlaubt ist. Wir erwarten vom Platz verwiesen zu werden, doch nichts passiert. Statt dessen kommen noch weitere Yachten hinzu und in kurzer Zeit liegen wir mit vier Katamaranen und drei Segelbooten, wo wir gerade noch gezweifelt hatten, ob wir hier irgend jemandem im Weg liegen!

Es ist so schön hier, der Ort ist zwar touristisch, aber authentisch, das macht ihn sympathisch. Die Menschen hier sind sehr freundlich und entspannt. Als erstes geniessen wir eine Portion Eis auf der Piazza, herrlich!

ankern  zwischen dem Hafen von Favignana und der ehemaligen Thunfischfabrik

ehemalige Thunfischfabrik, im Vordergrund die schweren Anker für die Netze

Piazza auf Favignana

 

Palazzo Florio

ein alter Mann erzählt uns auf italienisch (wir haben fast nichts verstanden)von den guten alten Zeiten, als dieses Schiff noch zum Fischfang genutzt wurde und seufzt sehnsuchtsvoll (seine Gestik war international!)

Die Insel lebte hauptsächlich vom Thunfischfang, es gibt hier die ehemalige Thunfischfabrik zu besichtigen, wir ankern direkt davor, ein imposanter Bau.

 

Dieses beeindruckende und geschmackvolle Gebäude ist ein Eldorado für jeden Fotografen! Immer wieder zeigen sich bezaubernde Blicke durch schmiedeeiserne Fenster und Tore auf das Meer gesäumt von wunderschönen Rundbögen und grünen Innenhöfen, was für eine Architektur!

Eingang in die Fabrik

die Fabrik wird auch für Kunstausstellungen genutzt

Mojito hinter dem Tor

alte Holzschiffe für den Thunfischfang

direkter Zugang zum Wasser

 

in den zahlreichen Kupferkessel wurde der Thunfisch gekocht

in Dosen verpackt…

Bilder aus früheren Zeiten:
die Frauen in der Thunfischfabrik (ob das der heutigen Hygieneverordnung standhalten würde…?)

Wäre da nicht der bittere Tropfen mit dem äußerst blutigen Thunfischfang. Überall die Spuren der traditionellen Thunfischfangmethode, der sogenannten „Mantazza“(das heißt übersetzt: abschlachten). Dafür wurden riesige Netze von einer Insel zur Nachbarinsel gelegt und mit schweren Ankern fixiert. Die großen Thunfischschwärme, die im Frühjahr zum Laichen aus dem Atlantik ins östliche Mittelmeer zogen, wurden hier durch ein Netz-System in immer kleinere Kammern gelenkt. Die letzte Kammer ist die Todeskammer, hier gibt es kein Entkommen, die mächtigen Tiere wurden hier brutal abgeschlachtet, wie die zahlreichen Bilder dokumentieren. Noch heute ist diese Fangmethode eine gängige Methode, in japanischen Sushi-Bars werden hohe Preise für Thunfische gezahlt, die auf solch eine rituelle Weise gefangen werden. Heute kommen fast keine Thunfischschwärme mehr hier an, sie werden weit draußen von den großen Fischtrawlern abgefangen und gleich verarbeitet, auch keine Alternative und sicher geht es dort auch nicht tiergerecht zu.

das Abschlachten der Thunfische, die Mattanza

Uns vergeht der Appetit auf Thunfisch beim Anblick der blutrünstigen Bildern mit den Massen an leblosen Fischkörpern, ihrer Würde beraubt. Bei diesem Schlachtfest war die gesamte Bucht von Favignana blutgetränkt, das ist sicher.

Später sitzen wir in der kleinen Strandbar und bestellen zwei Panninis – „mit Thunfisch?“ – „oh nein, bitte nur Tomaten….!“

Wir möchten die letzten Tage auf See noch auskosten und in Buchten ankern, bevor es weitergeht nach Sizilien. Also suchen wir das Büro des Nationalparks auf, um eine Erlaubnis zum Ankern in den besonders geschützten Arealen zu bekommen. Gerrit hat es online probiert und sich durch die ausschließlich italienische Seite durchgekämpft, doch ohne Erfolg. Das Büro ist in einem schönen Palazzo untergebracht und der Mitarbeiter ist sehr freundlich.

Leider scheitert auch er am System, da muss sein Kollege kommen und als er uns die Gepflogenheiten für das Reservat auf englisch erklärt hat, und wir uns damit einverstanden erklärt haben, muss der dritte Kollege gerufen werden, denn er hat den Block für die Genehmigung! Aber sie sind hier alle so nett und das Gebäude so schön, wir fühlen uns pudelwohl und verlassen das Gebäude mit der Erlaubnis für zwei Ankertage und haben  dafür 60,-€ gezahlt. Das tun wir gerne, es kommt dem Nationalpark zugute!

Die zwei gebuchten Tage an der Ankerboje verbringen wir bei sehr viel Wind. (da hab ich doch mehr Vertrauen in unserem Anker, als in die Boje, von der man nie weiss ob sie wirklich gut befestigt ist!). Das Wetter beruhigt sich, nun geht es  Richtung Sizilien. Abends ankern wir direkt vor den Ausgrabungsstätten von Selinunte, eine griechische Siedlung aus dem 7 Jhd. v. Chr..

ankern vor Selinunte, Sizilien, unterhalb der Tempelruine

Wir ankern alleine vor dieser atemberaubenden Kulisse der mächtigen Tempelanlage, die wir natürlich gleich am nächsten Tag besichtigen wollen. So viel Geschichte an diesem Ort. Wer wohl schon alles genau hier geankert hat?! Wie viele blutige Schlachten und Dramen haben sich genau hier abgespielt, als die Karthager die griechische Kolonie zerstörten und als dann die Römer, 200 Jahre später auch wieder die neu aufgebaute Stadt endgültig zerstörten. Scheinbar geriet Sizilien ständig in die Schusslinie der Mächte! Und nun sind wir hier, an so einem geschichtsträchtigem Ort!

Weiter geht es die Küste entlang, bei herrlichem Segelwetter, wir mögen nicht daran denken, dass die Saison für uns zu Ende geht. Wir vermissen die schönen Ankerplätze jetzt schon und es fällt uns sehr schwer in einer Marina liegen zu müssen. Doch die Anzeichen sind unmißverständlich: der Herbst kommt mit großen Schritten, wie schade!

Nun geht es für mehrere Monate in die Marina di cala del Sole in Licata, Sizilien. 

Sardinien

Unsere Überfahrt von Korsika nach Sardinien durch die berüchtigte Straße von Bonifacio verläuft ruhig, bei absoluter Windstille. Dafür bekommen wir wieder reichlich Besuch von Delphinen und in der Ferne sehen wir eine Walherde vorbeiziehen. Ein Wal kreuzt tatsächlich unsere Route, es ist beeindruckend den riesigen Körper dicht an der Wasseroberfläche zu sehen, der Rücken hebt sich in regelmäßigen Abständen aus dem Wasser, das Ausblasen ist zu hören.

Wir ankern Abends im Norden von Sardinien, im Windschatten der Isola Piana. Das Wasser ist türkis-blau, der Strand schneeweiss und die Landschaft sehr karg. Es herrscht emsiges Treiben in der Bucht, es ist Hochsaison und die Italiener sind sehr quirlig. Wir vermissen die ruhigen korsischen Buchten!

erste Ankerbucht im Norden Sardiniens

Am nächsten Morgen wählen wir die Fornelli Passage zwischen der Isola Piana und der Isola Asinara. Dazu müssen wir die vorgegebene Peilung aufnehmen und einen genauen Kurs wählen, die Passage ist eng und voller tückischer Unterwasserfelsen. Puh, es ist ein Moment der Anspannung, aber da gibt es zwei Landbaken und wenn die beiden östlich auf 072° in einer Flucht zu sehen sind, müssen wir den Kurs auf 252° ändern. Geschafft! Rückwirkend betrachtet: ein Kinderspiel, haha!

Weiter geht es die Westküste hinunter, unsere Reise ist getaktet, Amei hat ihren Rückflug in Cagliari gebucht, wir haben damit einen festen Termin. Doch angesichts der hohen Tagestemperaturen, verbringen wir die Tage gerne auf dem Meer und lassen die Landschaft an uns vorbeiziehen. Wir vermissen den Wind und wenn er sich zeigt, dann grundsätzlich nur von vorne! Also bleibt uns nichts anderes übrig, als die Motoren zu nutzen.

Wir stoppen in Alghero und besichtigen die schöne Altstadt aus der spanischen Besatzungszeit. In der Marina fragen wir den Marinero, ob wir das Dinghi an der Pier für ein paar Stunden festmachen dürfen. Er antwortet von weitem in einem Tonfall, der uns erst zusammenzucken lässt, doch dann verstehen wir, dass er uns seine Zustimmung gegeben hat. Wir müssen uns wohl erst an das italienische Temperament gewöhnen, die Italiener klingen für uns Norddeutsche manchmal etwas ruppig!

Amei und Pascale in Alghero

Alghero ist sehr hübsch, doch leider in der Hochsaison ziemlich überlaufen. Es herrscht gerade ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Touristen und Einwohnern!

Weiter geht es entlang der Küste, es gibt zahlreiche Buchten mit großen Sandstränden und glasklarem Wasser.

Auffallend sind die großen Militärsperrgebiete auf Sardinien, überall stehen Antennen und es wird davor gewarnt, nahe der Militärgebiete zu ankern, da Schießübungen abgehalten werden. Kollateralschaden nennt man das dann wohl…! Das wollen wir nicht riskieren, jetzt wo Mojito gerade repariert ist.;-)

In Cagliari wechselt unser Besuch, unsere Tochter Amei verlässt uns, dafür kommen unser Sohn Neels und sein Freund Hendrik an Bord. Auch jetzt läuft die Uhr, denn die beiden haben ihren Rückflug in Olbia gebucht, an der Nordostküste Sardiniens. Da der Wind auch weiterhin entweder fehlt, oder aus der verkehrten Richtung weht, oder nur am Ankerplatz als unangenehmer Fallwind auftritt, bleibt uns auch hier nur der Motor zur Fortbewegung. Gerrit stellt sich schon die Frage, wozu man eigentlich Segel braucht…!?

wir nutzen die kühle Morgenluft für kleine Wandertouren in der Umgebung. Blick auf Mojito in der Ankerbucht

Esel grasen im Olivenhain

 

Die Männer vertreiben sich die Zeit, für unsere neueste Errungenschaft, ein Standup-Paddel, eine weitere Nutzungsvariante zu finden. Kurzerhand wird das Surfbrett mittels einer Leine an Mojitos Heck befestigt und Gerrit und Neels nutzen es abwechselnd als Wakeboard, und lassen sich hinter Mojito durch das Wasser ziehen, es geht auch mit weniger PS, was für ein Spaß!

Neels surft auf dem Standup-Paddel

Die Ostküste wird immer touristischer. Stark frequentierte Strände wechseln sich mit einsamen Buchten und mit gesperrten Militärgebiete ab. Die Zahl der Superyachten nimmt dramatisch zu und damit verbunden eine große Unruhe durch den Zubringerservice der Yachten  und durch ihr reichhaltige „Spielzeugangebot“, wie nervtötende Jetskis.

So viele Superyachten an einem Fleck haben wir bislang weder auf den Balearen, noch an der Côte d´Azur und schon gar nicht in der Karibik gesehen, hier ballt sich der Jetset. 

Die Menschen an der Ostküste werden immer unfreundlicher, dieses Mal ist es nicht nur der ruppige Tonfall, nein, sie sind wirklich unfreundlich. Unser größtes Problem seit Cagliari ist die Müllentsorgung. Scheinbar gehen die einzelnen Regionen auf Sardinien dieses Problem unterschiedlich an. Hier an der Ostküste lösen sie das Müllproblem ganz einfach (wahrscheinlich nach dem Vorbild unser Heimatgemeinde, die machen es nämlich ähnlich!): es werden einfach keine öffentlichen Mülltonnen aufgestellt. Keine Mülltonnen – kein Müll, ganz einfach. Fragen wir vorsichtig, wo wir unseren Müll entsorgen können, ernten wir wüste Beschimpfungen und die Gestik vermittelt uns, wir sollen unseren Müll wieder mitnehmen. Die Verständigung ist etwas mühsam, da fast kein Englisch gesprochen wird. Stattdessen ergießt sich ein Wortschwall auf Italienisch, ungeachtet dessen, dass wir kein Wort verstehen.

Es fällt uns auf, dass die Landschaft hier extrem vermüllt ist, warum wohl? Wir schleppen dauernd unsere Müllsäcke mit uns herum, stets auf der verzweifelten Suche nach einer Entsorgungsmöglichkeit. Gerrit´s Kommentar: „ das nennt man Mülltourismus..!“ Ach so! 

Dieses Problem kriminalisiert uns: wir sehen Mülltonnen  durch Zaun und Sicherheitssysteme gesichert. Hendrik tippt sich auf gut Glück wahllos durch das Menü und, siehe da, wie von Zauberhand öffnet sich die Tür (ha!ha! scheint eine Sicherheitslücke zu geben ). Schnell werden die Müllsäcke in die Tonnen verstaut und dann nichts wie weg! Die Videoüberwachung hat sich aktiviert und hat unsere „Schandtat“ gefilmt. Bin gespannt, ob wir das nächste Mal durch die Passkontrolle kommen!

Schade, die Ostküste will sich keinen Platz in unserem Herzen suchen, der Funke springt nicht über. Die Menschen sind unfreundlich, die Orte sind entweder Ferienorte aus der Retorte oder trist und runtergekommen. Die Landschaft ist grandios: schöne Steilküsten wechseln sich mit bizarren Steinformationen ab, dazu das blaue Wasser in allen Schattierungen. Leider fällt uns auf, dass es hier fast kein Leben unter Wasser gibt. Es gibt nur sehr wenige Fische, fast keine Seeigel oder ähnliches und das Seegras wirkt farblos, fast abgestorben.

Am nördlichsten Zipfel der Costa Smeralda finden wir endlich eine „Wohlfühlbucht“ und verbringen zwei schöne Tage bevor Neels und Hendrik wieder abreisen müssen. 

Neels und Hendrik erkunden die Küste

Wie bei Neels letztem Besuch in Guadeloupe, bekommen wir hier am Vorabend seiner Abreise Starkwind. Damals in Guadeloupe ist uns dann der Mast gebrochen, nein, nicht schon wieder…! Während der Nacht sind wir heftigen Fallwinden ausgesetzt und werden immer wieder durchgeschüttelt, schlafen können wir alle nicht, doch unser Anker hält zuverlässig.

Gerrit bringt Neels und Hendrik an Land zum Taxi und wir wollen heute den Wind nutzen um uns südwärts zu bewegen. Zwei Tage Wind sind gemeldet, sogar aus der richtigen Richtung, 4-5 Beaufort, das müssen wir ausnutzen.

Wir wollen Anfang September nach Deutschland fliegen, eine Familienfeier ist geplant, die einzige bezahlbare Marina um Mojito zu parken ist im Süden, auf der Isola Pietro, in Carloforte. Also machen wir uns auf dem Weg und sausen die Küste entlang Richtung Süden. Der Wind nimmt zu und durch die vorgelagerten Felseninseln, beschleunigen die Windböen auf Stärke 6-7 Beaufort, das war aber nicht gemeldet!

So richtig können wir diesen Segeltörn noch nicht genießen, die Mastbruch-Erfahrung ist noch nicht überwunden. Doch der zweite Tag verläuft gefühlsmäßig entspannter, wir merken, alles hält, alles funktioniert. Die neuen Segel sind grandios, es macht wieder Spaß zu segeln, das beklemmende Gefühl schwindet.

Wir erreichen die schöne Südküste, die Menschen sind wieder nett und…., wir trauen unseren Augen nicht: es gibt wieder Mülltonnen und niemand schimpft, wenn man Müll entsorgt.

Ankern wo schon die Phönizier, Karthager und Römer geankert haben, bei Nora auf der Halbinsel Capo di Pula

Capo di Pula, drei Häfen der Antike

Ausgrabungen der römischen Siedlung Nora

schöne Mosaike aus Naturstein – 3000 Jahre Geschichte

Wir sehen viele wunderschöne Ankerbuchten, doch leider auch hier, wie so oft auf Sardinien, ein Militärsperrgebiet. Das Handbuch drückt sich unklar aus, auch der Plotter zeigt eine temporäre Sperrung an. Wir lesen, dass es im Juli und August keine Schießübungen gibt und sehen andere Boote ankern, dann dürfen wir das auch…!

Wir genießen die schönste Ankerbucht in wunderschöner Natur mit einer Hand voll Boote unterschiedlicher Nationen, ein Traum. Am nächsten Morgen vernehmen wir laut dröhnende Schiffsmotoren, wir hätten eigentlich schneller schalten müssen: unverkennbar für die Coastguard. Allgemeine Hektik breitet sich in der gerade noch so ruhigen Bucht aus, alle lichten ihren Anker, eine Frau muss ihr bereits flüchtendes Boot noch schwimmend erreichen. Wir alle fliehen gemeinsam vor der Polizei, was für ein Spaß. Die Coastguard notiert von jedem Schiff die Registrierungsnummer, mal sehen ob es ein „Ticket“ gibt! 

Oh, wenn wir so weiter machen, haben wir bald ein ganzes Strafregister hier in Italien! Aber die Bucht war es wert!

die verbotene Traumbucht

Standup-Paddeln durch die Bucht

Schließlich erreichen wir die Marina Sifredi in Carloforte. Eine sehr nette und saubere Marina, doch wir werden wohl nie Marina-Lieger. Wir vermissen das freie Ankern, morgens eine Runde Stand-up-Paddel, anschließend schwimmen – das ist Lebensqualität pur! Aber was soll’s, dafür haben wir Wasser satt und können Mojito putzen und unsere Wäsche waschen. Carloforte zeigt sich als charmanter Ort mit verwinkelten Gassen und zahlreichen Piazzas. Überall verweilen entspannte Menschen, Abends sind die Aperitif-Bars angesagt. Ein Ort zum flanieren und wohlfühlen!

Carloforte

Wenn wir aus Deutschland zurück kommen, dann werden wir uns auf dem Weg nach Sizilien machen und dort in einer Marina überwintern.

Côte d´Azur und Korsika

Wir segeln von den Îles d´Hyères zur Côte d´Azur und sind angenehm überrascht von dieser Küste. Die französischen Segler sind entspannt und freundlich, kein Vergleich mit den französischen Seglern, die wir sonst so oft übellaunig empfunden haben. Wir erwarteten überfüllte Ankerbuchten, es ist schließlich Hauptsaison. Doch wir finden beschauliche, ruhige Ankerbuchten und sehr viel Platz.

Ankerbucht in Île de Porquerolles

Porquerolles

Wanderwege über Île de Porquerolle

Abendstimmung in der Ankerbucht

ein Gewitter zieht durch die Ankerbucht und bringt einige Boote in Schwierigkeiten weil der Anker nicht hält!

Aber wir merken auch, dass wir erst wieder in das „normale“ Bootsleben zurückfinden müssen, ohne ständig über irgendwelche Reparaturen nachdenken zu müssen.

Es gibt nicht nur „Wolke-Sieben-Tage“ auf dem Segelboot, nein, es gibt auch Tage an denen man sich die Frage stellt: „ warum bin ich hier, ich könnte so entspannt auf meinem Wohnzimmersofa sitzen und durchs heimische Fernsehprogramm zappen!“

Das sind z.B. jene Tage an denen man, mit zwei vollgepackten Schmutzwäsche-Taschen, bei über 30 Grad Hitze, den örtlichen Waschsalon sucht…

Oder, jene, wenn man Nachts wach wird, weil ein unangenehmer Schwell in die Ankerbucht rein rauscht, der einem das Gefühl gibt in einem Cocktailshaker zu sitzen, man aber den Morgen abwarten muss, um sich einen neuen Ankerplatz zu suchen.

Oder, wenn die angebliche Traumbucht gar nicht so traumhaft ist oder der Anker einfach nicht greifen will, oder….!

Aber dann gibt es auch wieder die andere Seite, die uns dann wieder mit dieser Lebensform versöhnt:

Man steuert Buchten oder Küstenabschnitte an, die man sonst niemals angefahren hätte und ist überwältigt.  

Man schließt nette Bekanntschaften mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern und erlebt diese wunderschönen Stimmungen und Lichtspiele auf dem Meer oder in den Ankerbuchten, dazu noch ein Besuch von den unterschiedlichen Meeresbewohnern und man ist einfach nur glücklich!

Wir bestaunen die Côte d´Azur in ihrer ganzen Vielfalt, ankern in St.-Tropez, wunderschön, und genießen die kulinarischen Verführungen der Provence.

Saint-Tropez

Weiter geht es nach St. Raphael, wo wir Christelle und Thibault treffen, beide kennen wir von der Odyssee, sie sind im November ein Stück bei ihren Freunden Thierry und Michelle mit gesegelt, es gibt ein freudiges Wiedersehen.

Von dort aus geht es weiter Richtung Antibes, eine wunderschöne Stadt in der wir uns bei den Markthallen ein Glas Wein und eine Quiche gönnen und diese Stimmung auf uns wirken lassen. Auch hier kommen wir mit einem Paar aus Zürich ins Gespräch und die Zeit verfliegt bei dem interessanten Austausch. Schließlich kommt noch der Inhaber des kleinen Weinkellers hinzu und wir erfahren, dass auch er ein Segler ist und dass er sein Boot in der Martinique hat, in Le Marin, so ein Zufall. Sein Lebenskonzept ist sehr einleuchtend: während der Sommersaison arbeitet er in Antibes, die Wintersaison verbringt die ganze Familie auf dem Segelboot in der Karibik. Die Kinder können problemlos die Schule dort besuchen, es ist ja Frankreich. Alex sagt, die Schule dort ist qualitativ vielleicht nicht so gut wie in Frankreich, doch für die Kinder wäre es wichtig unterschiedliche Sichtweisen zu entwickeln, und das tun sie dort in der Karibik. Wie recht er hat! Man merkt, dass Frankreich eine Segler-Nation ist, und dass das Schulsystem es den Eltern ermöglicht andere Lebenswege gehen zu können. Da gibt es in Deutschland noch Nachholbedarf!

Antibes

In Beaulieu-sur-Mer bekommen wir die Dekadenz des Jetsets zu spüren: wir ankern zwischen unglaublich vielen Luxusyachten. Dachten wir auf den Balearen schon viel gesehen zu haben, so werden wir hier eines Besseren belehrt. Es gibt doch eine Menge unglaublich reicher Menschen!

Da gibt es einen riesigen, futuristischen Motor-Trimaran, der scheint aus einem James Bond Film entsprungen zu sein, wir staunen!

Neben uns ankern zwei Schiffe des Multimilliardärs Abramowitsch, die große „Eclipse“ leuchtet nachts wie ein Kreuzfahrtschiff und das zweite Schiff kennen wir aus der Karibik: „Le Grand Bleu“.

Dieses Schiff ankerte bereits auf Guadeloupe unweit von uns und damals dachte ich, wie kann man sich so ein hässliches Schiff bauen lassen, wenn man so viel Geld hat. Die Besonderheit dieses Schiffes: es hat vorne an Deck eine 60 Fuß Segelyacht geladen, auf der anderen Seite eine ebenso große Motoryacht, dann ein U-Boot und im Schiffsrumpf einen Helikopter. Die ganzen übrigen Spielzeuge, wie Jetskis und diverse Beiboote nicht zu vergessen. Der Gästebereich ist doch sehr ansprechend gestaltet, also habe ich meine Meinung geändert: sollte Herr Abramowitsch uns mal zum Tee einladen, ich würde nicht nein sagen!

Le Grand Bleu mit Segelboot und Motorboot an Bord, dahinter Eclipse

Villa Kerylos in Beaulieu-sur-Mer

Blick auf unsere Ankerbucht in Beaulieu-sur-Mer

Eigentlich wollten wir einen Abstecher nach Tourettes-sur-Loup machen, wo mein Vater aufgewachsen ist, doch die Zeit drängt und angesichts der hohen Tagestemperaturen beschließen wir, dies bei unserem nächsten Besuch nachzuholen. Weiter geht es nach Menton, ein reizendes Städtchen, welches sich nicht recht entscheiden kann, ob es französisch oder italienisch ist, da es direkt an der französisch-italienischen Grenze liegt. Von hier aus wollen wir nach Korsika übersetzen, obwohl wir auch gerne die Italienische Riviera weitergesegelt wären. Wir kommen wieder, das ist sicher!

in den Gassen von Menton kann man sich verlaufen

gefühlt mehr Italien als Frankreich – Aperitif in Menton

 

Auf unserer Passage nach Korsika bekommen wir überraschend viel Wind und viel Welle (das macht es unangenehm), anders als gemeldet, wie so oft!  Dabei kann man doch die Anspannung bei der Crew spüren, puh! Wir müssen erst wieder Vertrauen zum Rigg entwickeln, das ist leider noch nicht der Fall. Das Vorstag passt nicht hundertprozentig, der Bolzen muß noch mal ausgetauscht werden, das Kutterstag und die Unterwanten sind noch nicht genügend gespannt.

Delphin-Besuch!

So sind wir doch froh, Abends die Nordwestküste Korsikas zu erreichen und in einer wunderschönen Ankerbucht bei Saint-Florent den Anker zu schmeißen. Auch hier gibt es eine Vielzahl an romantischen Ankerbuchten, mit wenig Yachten und viel Natur. Der erste Eindruck von Korsika ist überwältigend, was für eine Landschaft!

unsere erste Ankerbucht auf Korsika

Saint-Florent

wunderschöne Wanderung entlang der Bucht von Saint-Florent

Amei kommt zu Besuch, gemeinsam wollen wir die Westküste Korsikas entlang segeln und schließlich nach Sardinien. Wir merken schnell, auch hier reicht die Zeit nicht um diesen wunderschönen Landstrich zu erkunden, was für eine Natur und dazu reizende Städtchen. Korsika ist wirklich eine Reise wert!

Calvi

Besonders gut gefällt uns die Natürlichkeit Korsikas, es wirkt authentisch. Die Menschen sind freundlich, die heimischen Lebensmittel von hervorragender Qualität. Wir haben aber tatsächlich nicht das Gefühl in Frankreich zu sein, ich ertappe mich immer wieder dabei zu zögern die Menschen auf Französisch anzusprechen. Sie bewahren wirklich ihre korsische Ursprünglichkeit.

Ein unvergesslicher Törn bleibt das Naturschutzgebiet „La Scandola“, mit den leuchtend roten Felsformationen kombiniert mit dem kristallklarem Wasser, die ihresgleichen suchen. Ich kenne keine vergleichbare Naturschönheit. Abends ankern wir in der Bucht von Girolata und fühlen uns an die Karibik erinnert: viele kleine einfache Strandbars, freilaufende Kühe am Strand – herrlich. Robert und Lesley aus Australien fragen, ob wir mit ihnen ins kleine Strandrestauran gehen möchten. Klar, wir sind dabei – ein netter Abend, ein leckeres Essen mit Blick über die Bucht auf das Naturschutzgebiet, was will man mehr…!

Naturreservat „La Scandola“

rote Felsen von La Scandola

La Girolata ist nur zu Fuß oder mit dem Boot erreichbar. Ein Wohlfühl-Ort!

Der Abschied von Korsika fällt uns schwer. Mal sehen ob Sardinien unsere hohe Erwartungshaltung bedienen kann, Korsika hat nun sehr hohe Maßstäbe gesetzt!

Mojito wird endlich wieder ein Segelboot

Nachdem wir von der  Dijksgracht in Mallorca in Palma de Mallorca abgeladen wurden, mussten wir uns zunächst wieder in Europa akklimatisieren. Zwei Tage haben wir  in der Marina „La Lonja“ verbracht, um Mojito nach der Atlantiküberquerung abspülen zu können und die Lebensmittelvorräte wieder aufzufüllen.

Nach unserem Anlegemanöver kommt unser deutscher Nachbar und gratuliert zum, seiner Meinung nach, perfekten Anlegen, doch, so sagt er, das ist ja auch mit so einem Motorkatamaran viel einfacher als mit seinem Segelboot! Oha, nun wird es aber wirklich Zeit wieder einen Mast zu bekommen…!!

Wir müssen zuerst hier einklarieren, eine neue Regelung, die uns von dem Agenten der Reederei während der Überfahrt gemailt wurde. Auch wurden wir angewiesen, den Nachweis zu erbringen, dass das Boot innerhalb der letzten drei Jahre in Europa war, andernfalls müssten wir das Boot neu versteuern!

Wie?? Neu versteuern? Die Mehrwertsteuer wurden doch beim Kauf des Bootes bezahlt, ob wir nun Europa verlassen oder nicht. Nach unserem Rechtsempfinden ist das doch Diebstahl, bezahlt ist bezahlt, ob wir dann mal weg sind ist doch egal? 

Liebes EU-Finanzministerium, ich kann ja verstehen, dass Europa Geld braucht, doch solltet ihr noch mal drüber nachdenken, ob euer Erlaß wirklich gerechtfertigt ist! Die großen Luxusyachten sparen sich gleich die Mehrwertsteuer und führen dann die Flagge von Malta, Guernsey oder anderen steuerfreien Ländern, wo bleibt da die Gerechtigkeit?? Da solltet ihr vielleicht noch einmal in euch kehren…!

Na ja, wir haben jedenfalls reichlich Zeit alte Rechnungen zu suchen, die dann beweisen, dass Mojito in Europa war. Da bin ich doch ein klein wenig stolz auf meinen Mann, der gerne scheinbar nutzloses Zeug sammelt, doch nun war es sehr nützlich! Ich werde nie wieder Gerrit fragen, weshalb er all diese alten Rechnungen aufhebt, puh, Glück gehabt!

Unsere zweite Hürde ist das Einklarieren: diese neue Regelung ist so neu, dass die zuständigen Behörden selbst nichts davon wissen!

Ja, in der Tat: wir sind wieder in Europa!! Nun ja, nach einigem hin und her wissen die Mitarbeiter der Behörde nun auch wie es geht und wir halten die notwendigen Papiere in der Hand, endlich!

Zunächst sind wir mit unserer Ankunft in „der schönen Welt“ von Palma etwas überfordert! Die Menschen sind so schick gekleidet, die Häuser sind so schön restauriert, es gibt schicke Restaurants, es ist so viel anders als in der Karibik. Plötzlich geht es nicht mehr darum möglichst luftige Kleidung zu tragen, nein, wir müssen wieder mehr auf Etikette achten! Gehörten die Flipflops in der Karibik zu unserem Lieblingsschuhwerk, so wählen wir hier doch wieder richtige Schuhe, willkommen im Schickimicki!!

Palma de Mallorca

Palma ist immer wieder schön und die Marina, direkt unter der Kathedrale, hat eine perfekte Lage um die nötigen Einkäufe zu erledigen. Wir staunen über das überbordende Angebot an Essen in den Markthallen, es wirkt noch fremd, doch nach kurzer Eingewöhnung genießen wir die Köstlichkeiten.

Danach ankern wir ein paar Tage in S´Arenal, wir wollen uns mit Franz treffen, die dritte Privilège im Bunde, mit gebrochenem Mast. Sein Mast ist auf Teneriffa repariert worden und er ist nun auf dem Weg nach Griechenland. Wir hatten bislang nur Email-Kontakt und wollen uns mal persönlich kennenlernen und den neuen Mast bewundern. Wir sind ja über die Monate zu einer kleinen „Community“ herangewachsen: „die mit den gebrochenen Masten“ – das schafft Verbindung..!

Ankern in der Bucht von S`Arenal, Mallorca

Franz kommt mit seinem Katamaran „Swiss Mocha“ längsseits

Die Firma „Seldén“ hat unseren neuen Mast in Produktion und uns Port Ginesta, südlich von Barcelona, für das Maststellen empfohlen. Das passt uns perfekt, so können

wir noch in Ruhe  die Südwest- und dann die Nordwestküste von Mallorca hochfahren und diese wunderschöne Landschaft genießen.

traumhafte Wanderung, selbst mit Nieselregen, durch Olivenhaine auf Mallorca

In Soller warten wir auf das passende Wetter um  die 90 sm  Richtung Barcelona problemlos zu meistern. Das Warten belohnt uns mit einer traumhaften Überfahrt, gemeinsam mit Delfinen, zwei Pottwalen, einem Mondfisch und einer Schildkröte!

In Port Ginesta nutzen wir die strategisch günstige Lage zum Flughafen und fliegen für 14 Tage nach Deutschland um Familie und Freunde zu besuchen.

gemeinsamer Inseltag auf Norderney mit Amei und Neels

das Nordseewasser ist schön aber kalt!

Unser neuer Mast ist angeliefert! Nun kann es losgehen!

der neue Mast, in Einzelteile zerlegt, ist angeliefert

Christian und Marcel haben den Mast zusammengebaut

Christian und Marcel, die beiden Rigger aus Österreich, reisen morgens an und beginnen bei schweißtreibenden Temperaturen den Mast zusammenzubauen.

Am nächsten Tag kommt der Autokran und stellt den Mast auf das Boot, die Wanten werden montiert und fixiert. Es wird unermüdlich gearbeitet, bis spät in die Nacht. Leider reicht die Zeit nicht, Christian und Marcel haben ihren Rückflug schon gebucht, nach unserer Meinung etwas zu früh, es ist nicht alles fertig. Gut dass Gerrit technisches und handwerkliches Geschick besitzt, ich weiss nicht wie es sonst gegangen wäre! Außerdem erweist sich Ivan, der Seldén-Vertreter in der Marina, als professionelle Hilfe und der liebe Martin von der Nachbaryacht, ein IT-Fachmann, hilft beim Anschließen der Navigation. Was für ein Glück, dass man immer wieder auf so nette Menschen trifft!

der Autokran hebt den Mast

Natürlich müssen wir die Nähe zu Barcelona nutzen und verbringen dort einen Tag mit ausgiebigem Sightseeing, ein lohnendes Erlebnis! Aber die heiße Sommerzeit scheint uns „Landmenschen“ nicht wirklich dafür geeignet um eine, von Touristen überfüllten, Stadt zu besuchen, da werden wir lieber in der Nebensaison wiederkommen!

Unsere neuen Segel werden von der Stader Segelwerkstatt geliefert und sind perfekt! Klaas, der Segelmacher, hatte uns ein Tag besucht und alles vermessen. Dann haben sie sich alle Mühe gegeben um die Segel termingerecht vor ihrem Betriebsurlaub zu fertigen und zu verschicken. Eine tolle Arbeit und wirklich sehr bemüht, wir können das Team der Stader Segelwerkstatt nur loben! Ebenso können wir die Firma „Seldén“, besonders Herrn Matthiesen, loben, für die sehr gewissenhafte Berechnung für unseren neuen Mast. Die Wanten passten ihrer Meinung nach nicht hundertprozentig, also wurden neue Wanten per Expresslieferung geschickt und nochmals getauscht. Das gesamte Rigg sieht sehr vertrauenswürdig aus, das gibt ein gutes Gefühl!

der neue Mast, noch ohne Baum

Mast, Baum, Segel – alles dran!

Unser italienischer Nachbar Giovanni bringt uns ein fabelhaftes Thunfisch-Carpaccio, ein geheimes Familienrezept, es schmeckt einfach göttlich!

Doch trotz der netten Freundschaften hier in Port Ginesta treibt es uns weiter, wir wollen endlich wieder frei sein und segeln, fünf Monaten nach dem Mastbruch!

Doch es ist Mistral gemeldet und wir müssen vorher den Löwengolf durchqueren, das heißt wir müssen eine Nacht durchsegeln, also los!

Leider können wir nicht segeln, da wir nicht einmal den gemeldeten Wind haben, also wieder motoren, so ein Jammer!

Dafür fangen wir unterwegs unseren ersten Thunfisch, er ist so groß, dass wir großzügig mit Neptun teilen, damit wird er uns in Zukunft hoffentlich wohl gesonnen sein!

unser erster Thunfisch!

Der Thunfisch wird filetiert, teilweise vakumiert und ein Teil eingekocht, da bin ich mal gespannt…! Auf jeden Fall gibt es jetzt Thunfisch satt!!

Wir erreichen die Französische Küste vor dem Mistral und sind von der Côte d`Azur angenehm überrascht. Eine wunderschöne Landschaft zeigt sich mit der Inselgruppe „Îles d´Hyères“ und der Halbinsel „Presqu´île de Giens“, wir finden fantastische Ankerbuchten vor. Frankreich ist Weltmeister geworden, die Stimmung ist super, nun kann das Seglerleben wieder losgehen!

Ankerbucht Île de Porquerolles an der Côte      d´Azur

Mojito ist endlich wieder ein Segelboot!

 

Die unglaubliche Geschichte von Mojito und Corto

Wie bereits versprochen, folgt hier die unglaubliche Geschichte, die uns und „Mojito“ mit Albert und seinem Katamaran „Corto“ verbindet und die für viel Geprächsstoff und ungläubige Gesichter in Le Marin gesorgt hat:

Die Geschichte beginnt in der Ankerbucht „Grande Anse“ in Martinique, im Januar diesen Jahres:

Nicht weit von uns ankerte „Corto“, auch eine Privilége 445, die gleiche Bauart wie „Mojito“. Da nur es nur acht baugleiche Katamarane Privilége 445 in Eignerversion, also mit drei Kabinen, gibt, war es eine kleine Sensation uns hier zu treffen.

Also machten wir uns mit unserem Dinghy auf den Weg und sprachen den Eigner von „Corto“ an, das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit Albert, ein Franzose mit italienischen Wurzeln.

Im Gespräch stellte sich heraus, das „Corto“ die Baunummer 1  und „Mojito“ die Baunummer 6 ist. Mojito ist ein Jahr jünger.

Albert lebt schon seit mehreren Jahren in der Karibik, er hatte ein Haus auf St.Martin, welches leider durch den Hurrican „Irma“ letztes Jahr zerstört wurde. Er hatte nun den Plan sein Haus wieder aufzubauen und erzählte uns über all die Hurrican-Schäden, die wir auf den nördlicheren Inseln noch zu sehen bekommen würden.

Zu diesem Zeitpunkt war unser Plan, nach St. Martin zu segeln um ein Ersatzteil für unseren Generator abzuholen, den die Firma „Whisper Power“ dort für uns hinterlegt hatte. 

Albert war so nett und fertigte uns eine detaillierte Karte von St. Martin an, mit vielen Tipps, wo wir was finden können und einige Kontaktadressen. Es sollte nicht leicht werden, dort herrscht absolutes Chaos, so Albert.

Albert fing noch ein paar leckere Lionsfische für uns, bevor wir uns einige Tage später voneinander verabschiedeten. Wir wollten erst in den Norden von Martinique und dann nach Guadeloupe, wo wir unseren Sohn Neels erwarteten und zwölf wunderbare Tage zusammen verbrachten. 

Dann kam der 13.Februar!

Neels war wieder abgereist und wir wollten zunächst in Richtung Montserrat segeln und danach St. Martin ansteuern.

Der Wetterbericht meldete Windstärke 5 – 6 Bft., das bedeutet aber auch zwischen den Inseln Böen von 7-8 Bft. Wir bereiteten uns entsprechend vor und beschlossen sicherheitshalber unsere Segel zu reffen (d.h. verkleinern). Wir wählten das zweite Reff für das Großsegel und wir wählten als Vorsegel die kleinere Fock, auch die 30 % gerefft. 

Nördlich von Guadeloupe brach dann, aus damals für uns unerklärlichen Gründen, der Mast. Wir mussten das gesamte Rigg im Meer versenken und kehrten geschockt nach Guadeloupe zurück.

Später schickten wir eine Nachricht an Albert um ihn über unser Unglück zu informieren. Und nun kommt die unglaubliche Geschichte, die eine Gänsehaut verursacht:

Albert rief uns sofort an, ich dachte um uns zu trösten, aber er sagte:“du wirst es nicht glauben, aber mir ist genau das gleiche widerfahren!“

Am 13. Februar um 10 Uhr morgens ist bei beiden Katamaranen gleichzeitig der Mast gebrochen, wir waren aber fast 400 Km voneinander entfernt!

Als Albert uns angerufen hat, befanden wir uns schon auf dem Weg zurück nach Martinique, für uns der nächstgelegene Ort um einen Katamaran reparieren zu können, das gleiche galt auch für Albert, der von St. Lucia kam.

Diese Geschichte sollte doch eigentlich genügend Stoff für eine Mysterie-Serie sein – wir sind für entsprechende Angebote offen, haha!!

Aber wie sagte unser Freund Christoph so treffend: „rein statistisch gesehen, kann es kein Zufall sein“.

Wie recht er hatte! Einige Wochen später erfuhren wir von einer weiteren Privilége aus der Schweiz, ähnlicher Bauart, mit gleichem Mast, die unter ähnlichen Bedingungen einen Mastbruch vor den Kanaren erlitten hatten und nun auf Teneriffa festsaßen. Eigentlich wollten auch sie den Atlantik überqueren, warteten nun aber auf Teneriffa auf den neuen Mast.

Mittlerweile wissen wir von zahlreichen Mastbrüchen, besonders beim Hersteller „Maréchal“, eigentlich ein namhafter französischer Hersteller. „Maréchal“ kennt das Problem will aber keine Verantwortung übernehmen.  „Privilége“ (auch ein namhafter Hersteller), nun aber von „Hanse“ übernommen, kann unsere Empörung nicht verstehen, gibt sich ahnungslos.

Obwohl der Chef der Rigging-Firma in Le Marin in Party-Plauderlaune ganz klar das Problem benennt und auch die Gutachter wissen, dass die Ursache für den Mastbruch bei den fließenden (nicht fixierten) Wanten liegt, werden die Eigner nicht informiert. Ein Autohersteller wäre in so einem Fall verpflichtet zu handeln, warum nicht der Masthersteller?

Diese Wanten nachträglich zu fixieren dürfte keine 1000,- € kosten und würde den Versicherungen viel Geld sparen. Doch „Privilége“ unternimmt nichts – was uns sehr enttäuscht und „Maréchal“ zeigt sich als sehr arrogant ohne jegliches Entgegenkommen. Wir finden diese Haltung kriminell, hätten wir kein Hardtop, wäre der schwere Baum auf Gerrit gefallen. Wenn man den am Hardtop verursachten Schaden sieht, mag ich es mir nicht vorstellen, was dann passiert wäre!

Die arrogante Haltung und den Vertrauensverlust zu „Maréchal“ hat uns dazu bewogen den Hersteller zu wechseln. Die Firma „Sélden“ hat den Mast für „Mojito“ neu berechnet und wir bekommen nun zwei Salinge mit fixierten Wanten. Ein gutes Gefühl!

Wir haben mehrere Wochen gemeinsam mit Albert und „Corto“ in Le Marin geankert und haben für viel Gesprächstoff gesorgt – die beiden Zwillinge ohne Mast! Es hat kein gutes Bild auf „Maréchal“ und „Privilége“ geworfen und viel Verunsicherung bei den übrigen Privilege – Eignern verursacht.

Aber in dieser Zeit hat sich eine wunderbare Freundschaft mit Albert entwickelt. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, in Tiefpunktphasen aufgefangen und wir haben trotz allem sehr viel miteinander gelacht!

  

Mojito mit gebrochenem Mast auf Backbord

der Mast liegt im Wasser und ist noch durch das Rigg mit Mojito verbunden, eine bedrohliche Situation für den Rumpf

„Corto“ mit beschädigtem Rumpf, der Mast hat ein Loch in den Rumpf geschlagen, zum Glück über der Wasserlinie!

die „Zwillinge“ Corto und Mojito in der Bucht von Le Marin, beide ohne Mast

die Erklärung für den Mastbruch: die Wanten sind nicht an den Salingen fixiert

wir haben viele nette Stunden mit  Albert verbracht

Zurück nach Europa, Mittelmeer wir kommen wieder!

Morgens sehen wir den Frachter „Dijksgracht“ in die Bucht von Le Marin einlaufen, Anker werfen und Ballast-Tanks lehren – ein imposanter Anblick. 

Wir sind etwas aufgeregt, heute wird „Mojito“ verladen, wir gehen auch an Bord – viele neue Eindrücke, wir sind gespannt.

Unser Verladetermin steht für 13.00 Uhr fest, vorher werden noch andere Yachten verladen, wir beobachten alles von unserem Ankerplatz.

DIJKSGRACHT

Nun sind wir dran: wir gehen längsseits an „Dijksgracht“ und bekommen Anweisungen, die zugeworfenen Festmacher auf unserer Klampe zu belegen. Dann plötzlich hören wir ein gewaltiges Aufklatschen direkt hinter unserem Schiff und kurz danach taucht ein Gesicht aus dem Wasser und lacht uns fröhlich an: „hello, I´m Jack!“ Jack ist mit einem Sprung wieder aus dem Wasser und steht triefend nass bei uns an Deck. Wir können es nicht fassen, er ist tatsächlich von der „Dijksgracht“ ins Wasser gesprungen, eine gewaltige Höhe! Jack erklärt uns, er sei einer der Lademeister und würde die Gurte unter Wasser kontrollieren, um sicher zu gehen, dass alles am rechten Platz sitzt. Kurze Zeit später wird eine Strickleiter runtergelassen und es kommen vier Arbeiter und ein weiterer Lademeister an Bord, es folgen Zurrgurte und Schützer für die Gurte. Alles wird fachmännisch angebracht, der Kran lässt die Gurte runter, Jack kontrolliert unter Wasser ob alles sitzt, und erst als alle ihr „okay“ geben, bekommt der Kranführer über Funk die Anweisung zu liften. Sobald wir die Deckhöhe erreicht haben, können wir über die Reling steigen und an Bord der „Dijksgracht“ wechseln. Für „Mojito“  geht es noch weiter in die Höhe, um dann schließlich seinen endgültigen Platz an Deck zu bekommen. Die Crew steht schon bereit und „Mojito“ wird mit Hilfe von Böcken und Gurten fest verzurrt, die beiden englischen Lademeister haben dabei das Kommando. Ein großes Schiff soll noch verladen werden, das dauert bis in den Abend, wir erfahren, dass wir erst am nächsten Morgen auslaufen werden. Es ist den Schiffen nicht erlaubt die Bucht von Le Marin bei Dunkelheit zu befahren, es lauern hier zu viele Untiefen.

MOJITO wird verladen

und an Deck verzurrt

unser Freund Albert ist neugierig und kommt um uns ein letztes Mal zu winken

Wir beziehen derweilen unsere Kabine, oben auf dem Offiziersdeck, und sind angenehm überrascht, wir haben eine geräumige Kabine mit Stockbetten. Anschließend sollen wir auf die Brücke und uns beim Kapitän melden, das machen wir doch gerne!

unsere Kabine

Der Kapitän und die meisten Offiziere sind aus Russland, die übrige Crew ist von den Philippinen und der Schiffskoch ist von den Kap Verden.

Der Kapitän empfängt uns freundlich, erledigt mit uns den erforderlichen Papierkram und gibt uns Anweisungen über das Bordleben. Zunächst ist er ein wenig zurückhaltend, das ändert sich schlagartig als er hört, dass wir mit unserem Boot den Atlantik überquert haben! Er kann sich nicht vorstellen, dass man mit einem „Plastikschiff“ so etwas machen kann. „ You are crazy!“, so seine Einschätzung. „Pöh“, denken wir, denn Gerrit konnte sich bislang nicht vorstellen mit einem Eisenschiff den Atlantik zu überqueren, doch das behalten wir lieber für uns, wir möchten doch keine Fronten aufbauen, wir müssen ja schließlich noch 12 Tage miteinander auskommen! 😉

Abends bekommen wir unseren ersten Eindruck von der Bordküche. „Dino“, der Schiffskoch, erwartet uns schon freudig und angesichts der Mengen, die er uns auftischt, scheinen wir ja einen ausgehungerten Eindruck zu machen. Hatte ich gehofft, durch Seekrankheit und/oder schlechter Bordküche, ein paar Pfunde los zu werden, so muss ich feststellen, dass das wohl schwierig wird! Die leckeren Cocktails und Accras in der Karibik haben doch ihre Spuren auf den Hüften hinterlassen!

Wir bekommen die Essenszeiten zugewiesen und sollen gemeinsam mit den Offizieren essen, machen wir, wir mussten schließlich vorher unterschreiben, dass wir der Crew gehorchen müssen!

Auch mussten wir unterschreiben, dass wir keine Waffen mitbringen, keinen Alkohol konsumieren dürfen und keine Drogen nehmen, und nicht angetrunken an Bord gehen dürfen. Oha…!

Als erstes findet Gerrit eine Sektflasche in seinem Schrank, oh Schreck, leider leer! „Sollen wir sie verschwinden lassen? Wir können sie ja auf einer anderen Etage entsorgen!“

Wir beschließen die Flasche einfach nach hinten in den Schrank zu schieben, es wird ja wohl keine Spind-Kontrolle geben, oder??

Blick auf die Bucht von Le Marin vom Bug der Dijksgracht

Die erste Nacht haben wir prima auf der „Dijksgracht“ hinter uns gebracht, wir haben ein reichhaltiges Frühstück genossen und nun geht es los! Die beiden englischen Lademeister haben uns verlassen und fliegen zu ihrem nächsten Einsatz. Eine karibische Lotsin ist an Bord und lotst uns aus der Bucht. Als sie das Schiff verlassen hat, geht es zwischen Martinique und St.Lucia auf den Atlantik, wow!

alle Boote sind geladen, vorne rechts Mojito

wir verlassen die Bucht von Le Marin

Nun wollen wir erst einmal das Schiff inspizieren, so eine Gelegenheit bekommen wir so schnell nicht wieder. Der Kapitän hatte uns gesagt, wir wären immer auf der Brücke willkommen, also los! Was für ein Erlebnis auf der Brücke zu stehen und diesen imposanten Ausblick zu haben. Alle an Bord sind sehr freundlich und beantworten geduldig all unsere Fragen. Es ist für uns sehr interessant mal die „andere Seite“ zu sehen, wie die Frachter uns Segelschiffe wahrnehmen – oder auch nicht! Nun verstehen wir die Frachter besser, sie sehen uns Segelschiffe häufig nicht und, wie uns der Kapitän erzählt, haben die Sportbootfahrer manchmal ein komisches Verhalten. Upps! Doch wohl hoffentlich nur die anderen, wir doch nicht!! Aber seitdem wir wissen, dass es in einigen Ländern keine Führerscheinpflicht für Sportboote gibt, wundert es uns nicht!

Die „Dijksgracht“ ist ein normales Frachtschiff und transportiert dieses Mal für das Tochterunternehmen „Sevenstar“ nur Boote. Vorher hatten sie Gerste geladen, die sie von der Ukraine nach Mexiko gebracht hat. Dann haben sie in Florida die ersten Boote geladen, die sind im Schiffsrumpf verschwunden, die übrigen Boote wurden in St.Kitts, Antigua und dann in Martinique geladen und an Deck sichtbar verzurrt. Für die „Dijksgracht“ ist diese Fahrt fast wie eine Leerfahrt, hat sie doch nur 900 Tonnen Gewicht mit den Booten geladen, sonst lädt sie 14 000 Tonnen!

Wir werden angewiesen an den Rettungsübungen teilzunehmen. Erste Übung: wir müssen das Schiff verlassen!

Alles wird genau durchgeprobt und durchgesprochen. Als ich diese furchtbaren Rettungswesten (Feststoffwesten ohne Schrittgurt!!) sehe, würde ich am liebsten fragen, ob ich meine eigene von Bord holen darf..! Dann werden wir Passagiere tatsächlich aufgefordert in das Free-fall-boat einzusteigen, das ist das rote Rettungsboot, dass immer schräg am Heck der Frachter hängt. Ich wollte ja schon immer wissen wie das da drin aussieht..! Der zweite Offizier leitet uns an und sagt: „da geht keiner von uns gerne rein…!“ Nun weiss ich warum, puh! Erst ist es verdammt steil da rein zu klettern und sitzt man endlich, will man nur noch raus, weil es so eng und stickig ist. Ich schwöre, ich werde mich nie wieder über zu wenig Beinfreiheit im Flugzeug beschweren! Der zweite Offizier erklärt uns in allen Einzelheiten was wir zu beachten haben, währenddessen sende ich Stoßgebete, dass keiner von den Jungs draußen am Auslösemechanismus rumspielt und das Ding aus Versehen auslöst und wir uns dann im „free-fall“ verabschieden! Bin ich froh als wir endlich wieder hinausklettern dürfen!

das Free-fall-boat im Fallen, zum Glück ohne uns!

Wir werden wirklich sehr zuvorkommend von der gesamten Crew behandelt. Gerrit fragt, ob er einen Blick in den Maschinenraum werfen darf, schon gibt es eine ausführliche Führung mit dem Chef-Ingenieur!

Führung durch den Maschinenraum mit Chef-Ingenieur „Josef“

die Hauptmaschine – 13 000 PS,                       500 Umdrehungen pro Minute

Vorbildlich zeigt sich die Müllentsorgung an Bord: brennbare Stoffe werden in der eigenen Müllverbrennungsanlage verbrannt, der Rest wird gepresst, aufbewahrt und an Land entsorgt. Essensreste werden in einer speziellen Anlage geschreddert und nur außerhalb der 12 Meilen Zone im Meer entsorgt.

Das Wasser aus den Ballasttanks wird in der Mitte des Atlantiks getauscht, damit kein US-Wasser nach Europa gelangt oder umgekehrt.

Und wir dachten, die Frachter kippen alles ins Meer. Das dachten sie umgekehrt von uns Seglern auch. Aber, nein, da konnten wir auch Vorurteile abbauen – auch wir sammeln den Müll und entsorgen ihn an Land. 

Ebenso kam ihrerseits die Nachfrage, ob wir Segler denn auch ein Logbuch führen müssen? Und ob wir auch einklarieren müssen? Ja, das müssen wir auch alles. Sie staunen, das haben sie nicht gedacht. Ist doch gut, wenn man sich ab und zu austauscht!

Nur in einem Punkt bekommen sie definitiv keinen Umwelt-Engel, das ist ihr Treibstoff. Ihr Schweröl hinterlässt überall an Deck eine dicke, schwarze Rußschicht. Der Kapitän meint, wenn man dieses Schweröl nicht erhitzt, kann man Straßen damit asphaltieren. Das glaube ich sofort, wenn ich meine Schuhsohlen betrachte. Für diese Atlantiküberquerung hat die „Dijkskracht“ 250 000 Liter Treibstoff verbraucht! Zum Vergleich: wir haben für unsere erste Altlantiküberüberquerung 600 Liter Diesel verbraucht (von Portugal bis Barbados).

Die Tage auf dem Atlantik ziehen dahin. Ungewohnt für uns, ist der dauernde Schiffslärm und die ständigen Vibrationen im Schiff, Tag und Nacht, ohne Pause. Wir haben Glück mit dem Wetter: mäßige Winde und ruhige See. Uns macht die mangelnde Bewegung zu schaffen – außer Treppen steigen und an Deck entlang spazieren, gibt es nicht viel Bewegung. Dazu das reichhaltige Essen von Dino: morgens Frühstück mit Rührei, Würstchen, selbst gebackenem Brot. Mittags 3-Gänge Menü mit einer Vorsuppe, dann reichlich Fleisch mit vielen Beilagen und ein Dessert. Abends warmes Essen mit Fleisch und Beilage, zum Nachtisch Obst. Dino steht immer parat und geht auf Sonderwünsche ein, ist aber auch traurig, wenn man nichts essen möchte. Also schaufeln wir brav das Essen in uns rein und liegen später mit dicken Bäuchen in unserer Koje.

Wir fragen den Kapitän ob wir vielleicht auf unserem Boot arbeiten dürfen. Kein Problem! Er organisiert, dass uns eine gesicherte Leiter an Mojito angebracht wird und wir brauchen uns nur bei ihm ab- und anzumelden wenn wir auf unser Boot gehen. Prima, so können wir einige Instandhaltungsarbeiten vornehmen, all das erledigen, wozu man sonst keine Lust  oder Zeit hat und uns ein wenig Bewegung verschaffen.

Nach 9 Seetagen steuern wir auf das europäische Festland zu. Wir werden Gibraltar zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens passieren, das wollen wir hautnah miterleben und gehen auf die Brücke. Dieser Moment ist unglaublich bewegend, dieses erhabene Gefühl auf der Brücke, dieser Rundumblick – links Gibraltar rechts Ceuta, Gänsehaut pur! Wir fahren im Verkehrstrennungs-gebiet, das ist wie eine Autobahn für Frachter, die Fahrtrichtung ist hier vorgegeben. Auf der Brücke herrscht eine leichte Anspannung, zu dritt wird Ausschau nach möglichen Hindernissen gehalten. Der Kapitän schimpft über einen Fischer, der seine Netze hier ausgelegt hat: „denkt er, den besten Fisch gibt es ausgerechnet im Verkehrstrennungsgebiet? Warum kontrolliert die Coastgard nicht?“ Recht hat er! Wir müssen nur schmunzeln, dass unsere Probleme so ähnlich sind, ob großes Schiff oder kleines Boot!

Ein Tag später laufen wir in die Bucht von Palma ein und legen an der Pier an. Eigentlich wollte die „Dijksgracht“ hier nur sechs Boote abladen und Abends wieder auslaufen, doch sie bekommen eine andere Anweisung der Reederei: ein Eigner hat es sich anders überlegt und möchte nun schon in Palma ausgeladen werden und nicht wie ursprünglich geplant nach Genua. Pech dabei: das Boot befindet sich im unteren Schiffsrumpf, d.h. die vorderen Boote an Deck müssen abgeladen und danach wieder aufgeladen werden. Dijksgracht bleibt damit zwei Tage länger in Palma. Die Mannschaft nimmt es gelassen:“that´s seamen´s live…!“

Anlegemanöver in Palma

Mojito wird als erstes abgeladen, es heißt Abschied nehmen, etwas Wehmut ist dabei. Der Kapitän versichert uns zum Abschied, dass er uns fast überall auf der Welt abholen würde, wir brauchen sie nur zu kontaktieren. Haha, gut zu wissen. Schön war es mit der netten Crew von Dijksgracht, vielen Dank für dieses grandiose Erlebnis! Und…, da sieht man mal wieder: nichts ist im Leben so schlecht, dass es nicht auch etwas gutes gibt!

Mojito wird abgeladen. See you Dijksgracht!

Abschied von Martinique

Und wieder einmal eine Planänderung….aber – juchu, wir beenden unsere Atlantikrunde doch!! 

Nun aber der Reihe nach:

Wie bereits erwähnt, haben wir für Mojito eine Schiffspassage nach Palma de Mallorca gebucht. Wir erwarten den Frachter „Dijksgracht“ diese Woche hier in Le Marin.

„Dijksgracht“ wird in der Bucht von Le Marin ankern und die Boote mit Hilfe der bordeigenen Kräne und Lademeister an Bord nehmen. Wir selbst müssen Mojito nur zum Schiff bringen, längsseits gehen und der Crew übergeben.

Eigentlich wollten wir in dieser Zeit nach Hause fliegen, doch es zeigte sich schwierig einen passenden Flug zu finden und selbst dann wären nur wenige Tage Aufenthalt in Ostfriesland möglich gewesen, weil wir schließlich auch wieder zügig nach Mallorca müssen, um Mojito wieder in Empfang zu nehmen. Wir mussten uns nämlich im Vorfeld schriftlich erklären, die Dijksgracht nicht unnötig warten zu lassen und wenn doch, so droht uns eine hohe Geldstrafe. Heißt also, lieber zwei Tage früher in Palma sein als zu spät…!

Erst waren wir etwas frustriert, diesen langen und umständlichen Flug von Martinique nach Deutschland auf uns zu nehmen, um dann nicht mal eine Woche Aufenthalt in Deutschland zu haben. Und ganz ehrlich, am meisten gegraut hat es uns vor dem  Flughafenwechsel in Paris. Die Franzosen haben da sicher ihren eigenen Plan die Fluggäste zu vergraulen: entweder ein furchtbar umständlicher, zeit- und nervenraubender Flughafenwechsel einschließlich einer teuren Busfahrt über die Stadtautobahn mit garantiertem Stauerlebnis (dafür kann man den Eifelturm aus unterschiedlichen Perspektiven genießen) oder Air France streikt! Wer es dann immer noch nicht begriffen hat, dass er unerwünscht ist, der hat selber Schuld!

Vor lauter Frust hatte Gerrit die glorreiche Idee einfach mal beim Yachttransportunternehmen Sevenstar nachzufragen, ob sie denn vielleicht auch Passagiere mitnehmen.

Unsere, von Beginn an überaus freundlich und kompetente, Kontaktperson „Julia“ in Bremen antwortete prompt und erklärte,  dass es eventuell möglich wäre. Die Entscheidung liegt beim Kapitän des Schiffes, sie versprach nachzufragen und es dauerte nicht lange und es kam die Zusage – wir dürfen mit!! Wow, was für ein Abenteuer, nun dürfen wir die Atlantikrunde doch zu Ende machen! Etwas anders als ursprünglich geplant, ja, ich gebe zu, ein bisschen gemogelt, ja, nun fahren wir Huckepack, aber egal, Hauptsache das…!

Da kann man wieder sehen: nichts ist so schlecht, dass nicht auch etwas Gutes daran ist. Man muss die Sachen so annehmen wie sie sind!

Nun werden wir mal eine andere Perspektive kennenlernen und die Segelboote vom Frachter aus betrachten. Manchmal haben wir über den einen oder anderen, aus unserer Sicht, rücksichtslosen Frachter geschimpft. Nun werden wir die andere Seite kennenlernen, wir sind gespannt!

Bis dahin gibt es noch einiges zu tun, wir müssen uns alle drei für die Passage vorbereiten. Mojito muss so kurz wie möglich sein, also muss der Bugspriet hochgeklappt und befestigt werden und das Dinghi und die Solaranlage dürfen nicht übers Heck hinausragen.

An Bord muss alles befestigt und gesichert sein, damit nichts umherfliegt und fremde Boote oder Mojito selbst beschädigt wird. Und natürlich müssen auch wir unsere Tasche packen und uns für das Abenteuer „Atlantikpassage mit dem Frachtschiff“ rüsten. Wir mussten uns vorab schriftlich erklären keine Drogen oder Alkohol zu konsumieren, nicht angetrunken an Bord zu kommen und der Anweisung der Crew Folge zu leisten…, Oha!

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon! 😉 

Zwölf Tage bis  Palma de Mallorca sind geplant, also voraussichtlich Ende Mai, wir werden uns dann wieder melden und berichten!

Nun heisst es Abschied nehmen von der Karibik, wir sind schon ein wenig traurig, obwohl die zunehmenden Temperaturen erahnen lassen, dass es doch im Sommer sehr heiß wird. Augenblicklich sind wir bei 30 – 32 Grad am Tag und 25 bis 30 Grad Nachts und das reicht uns völlig.

Doch was werden wir vermissen:

– das Frühstück bei noch angenehmen Temperaturen und einem leichten Wind mit Blick auf die üppige Vegetation

– die bunte Vielfalt der Bewohner der Karibik und ihre lässige Lebensart

– die wunderschönen Menschen mit ihren geflochtenen Haaren

– die plötzlichen, heftigen  aber kurzen Regenschauer gefolgt von Sonnenschein 

– Hühner am Strand

– die bunten Häuser

– der besondere karibische Slang in der französischen und englischen Sprache

– der Klang der Baumfrösche in der Nacht

– die Schildkröten über und unter Wasser

– die roten, blauen und orangenen Krebse

– die einfachen Obst- und Gemüsemärkte

– Restaurants unter bunten Wellblechdächern und einfachem Inventar aus selbstgezimmerten, bunten Paletten 

– die leckeren Cocktails

– die bunten Fischerboote, die mit ihren riesigen Außenbordern durch das Ankerfeld heizen und eine dicke Welle machen

– die leckeren Pizzas auf dem Pizza-Boat in Le Marin

Auf unserer Reise haben wir so nette Bekanntschaften gemacht, doch nun trennen sich unsere Wege wieder und wir sagen adieu:

– Albert von „Corto“ ( uns verbindet eine ganz besondere Geschichte mit dem Mastbruch, doch die werde ich zu einem späteren Zeitpunkt erzählen…)

– Astrid und Laurent von „Isola Blue“ (unvergesslich: der köstliche Thunfischdipp zum Aperitif, hmh!)

– Gaeton („that’s how it works in caribbean“ , diesen Satz haben wir erst später verstanden!)

– Josianne mit ihrem bezaubernden Lächeln und leckeren Accras

– Hardy und Heike (sie kannten Mojito schon vor uns und sind mit ihm von Holland nach Portugal gesegelt. Die Welt ist so klein!)

– Manu und Nico ( sie haben all die Schäden von Mojito weggezaubert)

– Kasch Mir (der unzuverlässigste aber der lustigste Inox-Mensch)

– all die Mitarbeiter in der Werft von Le Marin

– Stefan, Frauke und Vincent von „Lykke“ (ein Mastbruch schweißt zusammen! Eure „Mast-Party“ war super und bleibt in Erinnerung!)

– Pete und Bamboo (wir kommen wieder und besuchen euch in Dom.Rep.)

– Adel und Michel von „Treib(t)gut“ ( unsere erste Begegnung war vor einigen Jahren in Norddeich, dann sahen wir euch in Mindelo und schließlich trafen wir uns auf Martinique! Wo wir uns wohl wieder treffen?)

– Hermann und Conny von „Alegria“ (wir haben gestaunt, als wir einen Katamaran mit Heimathafen „Emden“ neben uns hatten. Eine nette Begegnung!)

– Jo und Angelika von „Magic Cloud“ ( unvergessen unsere gemeinsame Fahrt über den Indian River)

– Berthold und Julia von „Orbit“

– Jan und Sabine von „Mr.Grey“ (mit euch hat das Abenteuer so schön begonnen…!)

– Lisa und Johan von „Rubicon“ (sie sind schon im Pazifik! Wir freuen uns schon auf das geplante Wiedersehen und auf eure Erzählungen)

– Moira und Will von „Krabat“ (abendfüllende Erzählungen über die unglaublichen Einfälle eurer sechs Söhne z.B. die unbeabsichtigte Sprengung der eigenen Garage mit einer selbstgebastelten Kartoffelkanone!)

– Julien und Patricia und ihre Mitsegler Mathew und Oliver  von „A Capella“(uns verbindet die Landwirtschaft, viele nette Gespräche und eure große Hilfsbereitschaft)

– Per-Eric und Lotta von „Voyageur“ (unsere Boote haben zwei Jahre im gleichen Hafen in Spanien gelegen, aber wir mussten in die Welt hinaus um uns kennen zu lernen! Warum sind wir uns nicht früher begegnet?)

– Maria und Allen von „Lady Jane“ (euer „Manchester-Englisch“ war zu Anfang für uns eine harte Nuss, dafür musstet ihr mit uns unter schwierigen Bedingungen wandern gehen!)

– Jeremie und Tatiana von „Infinty“ (wir wären sehr gerne mit euch zu den Marquesas gesegelt! Danke für euren Trost nach unserem Mastbruch!)

– Jana und Jan-Dirk von Jajapami  (Viel Spaß im Pazifik!)

– André und Eva-Maria von „Mirabella“ (eine großartige, unerschrockene Familie auf Weltreise! Wir haben so viel mit euch gelacht!)

– Bruno und  Ilario  von „Finally“ (ihr hattet so große Pläne, doch auch ihr hattet Pech in der Karibik. Wir drücken euch die Daumen, dass Finally repariert wird und ihr weiterreisen könnt)

All diese Freunde bleiben in der Karibik oder sind im, bzw. auf dem Weg in den Pazifik.

All die anderen Freunde werden wir hoffentlich im Mittelmeer oder in Europa wieder treffen, das wäre eine große Freude:

– Luna Bay2

– Tamouré

– Spinnwill

– Lys des Mers

– Anemone

– Akouavi

– Punch Coco

….

Mastbruch – wir brauchen einen Plan B

Wir versuchen weiterhin das beste aus unserer misslichen Lage zu machen. Unter der Woche ankern wir in Le Marin, in diesem unglaublich großen Ankerfeld, um die Angelegenheiten zu regeln, die geregelt werden müssen. Es kostet sehr viel Zeit all die Firmen zu kontaktieren und Angebote für die Reparaturarbeiten einzuholen.Unzählige Telefonate (Versicherung, Masthersteller, Privilège) müssen mit Europa getätigt werden, das Zeitfenster ist durch die Zeitverschiebung sehr eng, die Tage verfliegen.

In der übrigen Zeit fahren wir lieber hinaus und ankern in der nächsten Bucht bei St.Anne oder St.Luce. Hier ist die Wasserqualität deutlich besser, man kann bedenkenlos schwimmen, was in Le Marin nicht der Fall ist. Angesichts der vielen Yachten, mag man sich nicht ausdenken, wie verschmutzt das Wasser hier sein mag. Schwimmen mag man in dieser Bucht wahrlich nicht!

die Bucht von St.Anne

wunderbare Accras bei Martine

Josiane, bei unserer ersten Begegnung war sie so ernst. Nun lacht sie und freut sich wenn wir da sind 🙂

In St.Anne besuchen wir  gerne Martine und essen ihre wunderbaren Accras oder unternehmen die eine oder andere Wanderung. Ein Segler erzählt mir von der wunderschönen Bucht „Anse Trabaut“ auf der anderen Seite der Insel. Ich bin begeistert von dieser Idee dort hin zu wandern, und überzeuge Gerrit und ebenso Allan und Maria, befreundete Segler. Mein Plan: wir wandern 10 Kilometer entlang der Küste und nehmen dort ein Taxi (natürlich nach einem coolen Drink) und fahren anschließend zurück zu unserer Ankerbucht…! Mein Plan klingt super, also wandern wir bei 30 Grad im Schatten motiviert los. Wir durchstreifen unterschiedliche Landschaften: Wälder, Strände, Salinenfelder, dann entlang der schroffen Atlantikküste bis zur Anse Trabaut. Wunderschön, herrliche Brandung…., doch wo können wir hier ein kühles Bier bestellen und/oder ein Taxi odern??? Hier gibt es weit und breit nichts, außer einer wunderschönen Natur, kein Mobilfunknetz und keine befestigte Straße! Äh…, ich spüre die fragenden Blicke…, ja ich gebe zu, meine Planung weist eine Lücke auf!

Es bleibt uns nichts anderes übrig als zurück zu laufen. Unser Wasservorrat ist mittlerweile aufgebraucht und wir wählen den direkten Weg zurück durch Zuckerrohr- und Melonenfelder und Weiden, sehr schön, doch bei über 30 Grad,  sehr heiß!

Plötzlich taucht wie aus dem Nichts ein Pickup-Geländewagen auf und die drei netten Männer fragen uns ob wir mitfahren möchten, wir dürfen auf die Ladefläche – ein Geschenk des Himmels!! Maria und ich zögern kurz, erwähnen aber dann doch unsere Ehemänner, die weiter vorne laufen. „na, dann nehmen wir die auch noch mit!“ Ach, was gibt es doch für schöne Momente im Leben, die restlichen Kilometer sind schnell bewältigt und das kühle Bier in St.Anne, das schmeckt anschließend besonders gut!

was für ein Glück, wir dürfen auf der Ladefläche des Pickups mitfahren!

Den Ausflug werden wir alle nicht vergessen und Spaß hatten wir trotzdem!!

die wilde Atlantikküste von Martinique

Anse Trabaut. Wunderschön, doch wo kann man hier ein Taxi ordern??!

Rumfässer in der Habitation Clément

der schöne Garten in der Habitation Clément

Unterdessen haben wir die nötigen Reparaturarbeiten mit den Firmen abgesprochen, alles läuft nach Plan. Nur der Hersteller für den Mast vertröstet uns Woche für Woche, wir würden gerne die Bestellung tätigen. Der Hersteller „Mâréchal“ hat uns einen modifizierten Mast versprochen und wir möchten wissen, was sie denn nun für Änderungen vornehmen.Dafür möchten wir eine Bauzeichnung sehen und warten drei Wochen, ohne Erfolg. Außerdem möchten wir einen verbindlichen Liefertermin haben, da wir, laut Versicherung, die Karibik aufgrund des Hurricanrisikos bis Juli verlassen haben müssen. 

Nach mehr als drei Wochen bekommen wir endlich die versprochene Bauzeichnung und staunen nicht schlecht, als wir nach anfänglicher Freude, merken, dass es der alte Mast ist, die Zeichnung ist 10 Jahre alt! Mittlerweile sind wir wütend und drängen auf die versprochene neue Mastzeichnung und auf den verbindlichen Liefertermin. Beides kann oder will uns „Mâréchal“ nicht geben und schreibt uns schließlich dass sie dann nicht an dem Auftrag interessiert sind. Hä…?!  Die Franzosen sagen, die Deutschen sind ihnen zu „viereckig“ in ihrem Denken. Aber die Franzosen sind da definitiv zu unzuverlässig! Okay, wir kommen nicht ins Geschäft und angesichts der nahenden Hurrikansaison, fehlt uns die Zeit hier in der Karibik zu bleiben. Schade! Es gibt hier viele gute Firmen, die die Arbeiten bestimmt hervorragend erledigt hätten und wir hätten unsere Atlantikrunde gerne weiter gesegelt. Dann eben nicht!

Wir nehmen Kontakt mit dem Masthersteller „Selden“ auf, sie sind sehr freundlich und bemüht, welch ein Unterschied! Der Mast wird von „Selden“ neu berechnet, wir erhalten eine Bauzeichnung, insgesamt wirkt alles vertrauenswürdiger als mit „Mâréchal“. Mittlerweile sind wir froh, dass wir mit „Mâréchal“ nicht einig geworden sind. Es sind zu viele Ungereimtheiten beim alten Mast, wir hätten kein Vertrauen den gleichen Mast wieder zu bekommen.

So entscheiden wir uns nun für „Plan B“: 

Hier in Le Marin werden nur die Gelcoat-Arbeiten am Rumpf und die Edelstahlarbeiten gemacht, damit wir uns dann bedenkenlos auf eigenem Kiel weiter bewegen können. Die restlichen Arbeiten werden in Europa erfolgen.

Mojito wird aus dem Wasser gekrant und an Land gesetzt, damit der beschädigte Rumpf durchtrocknen kann.

Diese Zeit nutzen wir für einen zweiwöchigen Aufenthalt in der Heimat und freuen uns unsere Familie und Freunde wieder zu sehen.

Wieder zurück in Martinique staunen wir über die Arbeit von Nico und Manu von der Firma Alize composite, sie haben wahre Wunder vollbracht. Der Rumpf ist repariert, die Schäden am Cockpitdach sind überarbeitet, sie haben sich sehr viel Mühe gegeben genau die gleiche Gelcoatfarbe zu mixen. Wir sind begeistert, Mojito sieht wieder schön aus, von all den Schäden ist nichts mehr zu sehen.

Auch die Inoxarbeiten an der Reeling sind nun fertiggestellt, die erste Hürde ist vollbracht, 10 Wochen nach dem Mastbruch!

Nun bleibt „nur“ noch der Mast und die Segel, doch die wird es, wie bereits erwähnt, nicht in der Karibik geben.

Mojito wird Mitte Mai verschifft und kommt per Yachttransport nach Palma de Mallorca. Dort nehmen wir Mojito in Empfang und fahren (da wir ja nun vorübergehend ein Motorboot sind 😉 )   Richtung Barcelona und werden dort Mast und Segel  erhalten.  So haben sich unsere Reisepläne geändert und wir werden diesen Sommer das Mittelmeer enießen. Wir freuen uns darauf, denn auch dort gibt es spannende Ziele. Aber auch in der Karibik bleiben noch viele Inseln, die wir noch erkunden möchten.

Wir kommen wieder, das ist sicher!

Mojito im Kran

 

und trocken auf dem Werftgelände

der Rumpf wird repariert

wir nutzen die Zeit und polieren die Unterseite

Mojito schwimmt wieder! Der Rumpf ist repariert und glänzt wie neu

Martinique/ Mastbruch Teil 3

Das Schicksal hat uns nun zurück nach Martinique gebracht und wir müssen nun doch unser erstes Urteil über Martinique ein wenig ändern:
Kamen uns die Menschen hier zunächst etwas ruppig und lustlos vor, so müssen wir nun erkennen, dass es zu ihrer Mentalität gehört und dass sie gar nicht so ruppig sind. Das creolische Französisch klang in meinen Ohren anfangs sehr hart, gar schwer verständlich. Mittlerweile mag ich diesen eigenartigen Klang und die Art der Verständigung. In der Markthalle (die ich zu meiner Freude entdeckt habe) ist es mir ein besonderes Vergnügen den Einheimischn zu lauschen. Unterhalte ich mich mit den Marktfrauen, so wird selbstverständlich gedutzt und genauso selbstverständlich werde ich mit „ma chérrie“ angesprochen, was mich stets belustigt.
Eine Marktfrau fragt, ob ich frische Kräuter brauche, ich verneine und will ihr nur das Kleingeld für die drei Gurken überreichen. Sie bindet in Seelenruhe einen kleinen Strauß aus Thymian, Oregano und Melisse und reicht ihn mir mit einem warmherzigen Lächeln, einfach so, ein Geschenk, wie nett!

so viele Yachten im Ankerfeld von Le Marin

Auch die ansässigen Firmen in der Marina überzeugen durch Professionalität und Engagement. Die Mitarbeiter haben sehr viel zu tun, jeder Eigner möchte sein Boot so schnell wie möglich fertig haben, sie tun ihr bestes. Sie arbeiten von morgens bis spät Abends, auch am Samstag, und sind immer freundlich, wirken nie genervt. Wir fühlen uns hier wirklich gut betreut und freuen uns, wenn wir die Arbeiten hier endlich in Auftrag geben können.
Hier in der Werft geht es schon fast familiär zu, man kennt sich, man tauscht sich aus. Wir lernen eine deutsche Familie kennen, die wir schon auf Madeira gesehen hatten. Auch sie haben den Atlantik überquert und auch sie haben einen Mastbruch kurz vor ihrer Ankunft auf St. Lucia erlebt. So hat man den einen oder anderen „Leidensgenossen“, wir stellen fest, es gibt hier mehrere Yachten mit „unserem Problem“:
in unmittelbarer Nähe sind es, mit uns, drei Katamarane und drei Monohulls mit gebrochenem Mast, nur in dieser Bucht! Der karibische Wind scheint den Masten stark zuzusetzen.
Schwierig gestaltet sich nach wie vor das Verhalten unserer Versicherung und besonders des, durch sie beauftragtem, Büro zur Schadensabwicklung. Von einer Sache scheinen sie nämlich überhaupt keine Sachkenntnisse zu haben, und das sind definitiv Segelboote, speziell Katamarane. Es kommen hahnebüchende Einwände ihrerseits und leider vergeuden sie viel kostbare Zeit, die wir schon längst mit Reparaturarbeiten hätten nutzen können. Immer wieder mussten wir bereits vereinbarte Termine verstreichen lassen, da keine Freigabe seitens der Versicherung erteilt wurde.
Zum Glück haben wir noch unseren Versicherungsmakler in Emden, der sich sehr für uns einsetzt und nun, nach vier Wochen, scheint endlich Bewegung in die Sache zu kommen, damit wir nun tatsächlich den Mast bestellen können und die Gelcoat-Arbeiten am Rumpf in Auftrag geben können.
Ein weiteres Problem ist unser, noch immer defekter, Generator. Die Firma hatte es als Garantiefall anerkannt und vereinbart das Ersatzteil zu einem Vertragshändler nach Sint Marteen zu schicken. Sint Marteen ist 250 sm von uns entfernt und dort wartet nun seit Anfang Februar das Ersatzteil auf uns, doch leider für uns momentan unerreichbar. Wie schön, dass wir unsere Freunde aus der Odysee-Gruppe haben und über WhatsApp miteinander vernetzt sind! Julian und Patricia, mit ihrer Segelyacht „A Capella“, erklären sich bereit das Ersatzteil für uns abzuholen und es mit nach Le Marin zu bringen, super! Wir können es kaum abwarten wieder unseren Wassermacher nutzen zu können, damit wir endlich unabhängig sind und nicht weiter chloriertes Wasser an der Tankstelle tanken müssen. Doch wir sind positiv überrascht,dass wir unsere Energiebilanz nur durch die Sonnenkollektoren im positiven Bereich halten können. Schließlich waren wir seit Ende November nicht mehr in einer Marina, d.h. wir haben keinen Landstrom laden können, das sind nun fast vier Monate!

Yacht-Transport, hier von Le Marin nach Mallorca

Besuch von Schildkröten, immer wieder schön!

Zwischenzeitlich versuchen wir das Beste aus dieser Situation zu machen und ankern in Le Marin, um alle anfallende Aufgaben abzuarbeiten. Am Wochenende fahren wir raus und ankern in St. Anne. Hier können wir im sauberen Wasser schwimmen oder an Land entlang der Küste spazieren und die wunderschöne Natur genießen. Im kleinen, beschaulichen Ort St.Anne trifft man sich Abends zum Aperitif bei Martine, eine karibische Schönheit, die nur leider selten lächelt. Bei Martine gibt es die besten Accras, Fischkrapfen, dazu trinkt man einen Planteur oder Ti-Punsch und kommt mit dem einen oder anderen Segler ins Gespräch. Das alles mitten auf der Straße, mit einfachen Plastikstühlen und -tischen. Eine nette Atmosphäre, bei der man schnell die Zeit vergisst. Erst wenn Martine keine frischen Accras mehr anbietet, weiß man, es ist Zeit sein Dinghy zu suchen um dann sein Boot bei Nacht im Ankerfeld zu finden, eine echte Herausforderung. 😉

Mangroven in Le Marin, am Ankerfeld

Wanderung entlang der Küste

Tagsüber ist es der Busbahnhof, abends wird hier gegrillt, dann ist es ein Restaurant

netter Abend gemeinsam mit Pete im Busbahnhof 🙂

Zeitvertreib an der Bucht von St. Anne

entspannter Skipper 😉